Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit Ford vorgestellt.
Der Ford Nugget L2 ist die lange Version des Campers, den Westfalia auf dem Ford Tourneo Custom ausbaut. Auf 5,45 Metern verfügt er über eine Küche im Heck und auf Wunsch über eine fest eingebaute Toilette. Nuggetforum-Betreiber Tiemo Etzold hat uns den Prototyp auf der CMT 2025 vorgestellt. Der Grundpreis liegt inzwischen bei 79.670,50 Euro.
Lange galt der Nugget als Fahrzeug für eine eingeschworene Gemeinschaft. Tiemo Etzold betreibt das Nuggetforum, in dem sich Besitzer seit Jahren über jedes Detail austauschen. Mit dem neuen Modell kommen nach seiner Beobachtung Käufer aus ganz anderen Bereichen dazu und von einem Nischenprodukt könne man inzwischen nicht mehr sprechen.
Was diese Käufer anzieht, ist für Tiemo vor allem das Raumkonzept. In vielen Campingbussen liegt die Küche an der Seite und im Heck befindet sich eine Rücksitzbank, die nachts zum Bett wird. Beim Nugget ist es umgekehrt: Die Küche liegt im Heck und zieht sich in L-Form an der Fahrerseite entlang. Gegenüber auf der Beifahrerseite sitzt ein hoher Schrank. Vorn bleibt so Platz für eine Dreierbank, die mit den drehbaren Fahrerhaussitzen eine große Sitzgruppe bildet. Einer kann also hinten kochen, während vorn gegessen oder Karten gespielt wird, und im Aufstelldach wartet das zweite Bett.
Ford bietet den Nugget in zwei Längen an. Der L2 hat einen um 40 Zentimeter längeren Radstand als der L1 und misst insgesamt 5,45 Meter. Diesen Gewinn spürt man vor allem im Heck. Dort können sich zwei Personen gleichzeitig bewegen, was im L1 eher einer allein tut.

Tiemo erklärt, auch mit 5,45 Metern finde man vor dem Supermarkt noch einen Parkplatz und komme gut durch die Stadt. Als er mitten in Hamburg wohnte, fuhr er einen Nugget mit knapp unter fünf Metern, weil der in normale Parklücken passte. Für ihn ist der Nugget deshalb Alltagsauto und Reisemobil in einem.
Auf der CMT 2025 standen zwei L2, beide noch Prototypen. Den einen in der Active-Version hatte Ford schon ein halbes Jahr zuvor gezeigt. Neu war in Stuttgart die Variante mit fest eingebauter Toilette, die einen Teil des Schranks im Heck ersetzt.
Die Basis ist der Ford Tourneo Custom, die besser ausgestattete Pkw-Version des Transit Custom. Das gezeigte Fahrzeug war blau metallic lackiert und hatte den Diesel mit 125 kW und 170 PS, der mit einer 8-Gang-Wandlerautomatik arbeitet. Bestellen ließ sich der Nugget außerdem mit 150 PS und Schaltgetriebe. Inzwischen führt die Preisliste zusätzlich einen Diesel mit 136 PS, Versionen mit Allradantrieb und einen Plug-in-Hybrid mit 233 PS.
Bei Ford folgen die Ausstattungslinien in der Reihenfolge Trend, Titanium und Active. Früher baute Westfalia den Nugget auf der günstigeren Trend-Version auf. Schon die Limited Edition als letzte Sonderserie des Vorgängers stand auf der Titanium-Version und beim neuen Nugget ist Titanium der Einstieg. Im Cockpit und an den Sitzen mit ihrem hochwertigeren Stoff macht sich das bemerkbar.
Die Active-Version bringt einiges mehr mit. Dazu gehören eine Zuziehhilfe für die Schiebetür und Verdunkelungsrollos im Fahrerhaus, die beim Titanium 599 Euro Aufpreis kosten. Auch die Einrichtung sieht anders aus. Titanium hat helle, cremefarbene Möbel und einen Boden in Holzoptik. Active setzt auf anthrazitfarbene Möbel, einen Boden in Schiffsbodenoptik und Polster mit Teilen in Lederoptik.
Eine wichtige Option ist die zweite Schiebetür auf der Fahrerseite für 595 Euro. Auf dieser Seite gab es eine Schiebetür bisher nur für den englischen Markt, weil man dort wegen des Linksverkehrs links aussteigt. Wer beide Türen öffnet, bekommt eine Querlüftung durch das ganze Fahrzeug. Tiemo fährt oft in den Süden und schätzt das besonders in warmen Nächten, denn das kleine Klappfenster in der Seitenwand lässt allein wenig Luft herein. Mit einem eingehängten Moskitonetz bleiben Mücken dabei draußen. Solche Netze gibt es von verschiedenen Zubehöranbietern. Ab Werk bietet Ford inzwischen auch eine Fliegenschutztür für die Schiebetür an.

Mit der zweiten Tür ändert sich auch der Tisch. Ohne sie hängt er an der Seitenwand. Man klappt ihn auf und kann ihn nach vorn und hinten verschieben. Wer am Laptop arbeitet, holt ihn so näher heran. Mit zweiter Tür ist an dieser Wand kein Platz mehr für die Halterung. Dann nimmt man den Tisch aus der Verkleidung der Schiebetür und schraubt ihn auf einen Standfuß im Boden. Auf diesem Fuß lässt er sich drehen, bleibt aber an seinem Platz.

Beim gezeigten Fahrzeug liegt auf dem Aufstelldach eine Photovoltaikanlage, die ganz flach in das Dach integriert ist. Westfalia hat sie mit einem Forschungspartner entwickelt. Bestellen lässt sie sich nur ab Werk, die aktuelle Preisliste nennt dafür 2.995 Euro.
Die Dreierbank ist mit drei Dreipunktgurten ausgestattet und bietet zwei Isofix-Halterungen. Für Tiemo macht gerade diese Bank den Nugget aus, und Familien mit Kindern kommt sie besonders entgegen.
Langjährige Nugget-Fahrer freuen sich vor allem über die neue Führung der Bank. Beim Vorgänger lief sie auf Metallschlitten, die mit den Jahren durch Staub und Schmutz immer schwergängiger wurden. Im neuen Nugget läuft die Bank auf Rollen in Schienen und lässt sich mit einem Griff und einem Arm verschieben. Gerade für Menschen mit weniger Kraft ist das für Tiemo die Erlösung.

So ist auch das untere Bett schnell gebaut. Mit wenigen Handgriffen wird aus der Bank eine Liegefläche von 1,90 mal 1,20 Metern. Wer mehr Länge braucht, bezieht die gedrehten Fahrerhaussitze mit ein und füllt die Lücke mit einem Kissen. So entsteht eine Liegefläche von über zwei Metern. Westfalia bietet für die 1,90 Meter lange Fläche einen Topper als Zubehör an. Tiemo schläft unten aber auch ohne ihn bequem.

Das zweite Bett liegt im Aufstelldach und misst 2,05 mal 1,25 Meter. Unter der Matratze sitzt ein Tellersystem von Froli, bei dem viele einzelne Federelemente den Körper abstützen. Ein Auffangnetz an der Öffnung zum Wohnraum gehört immer dazu. Tiemo hat oben bereits übernachtet und sehr gut geschlafen.

Der vordere Teil der Liegefläche lässt sich nach oben klappen. Dann knickt das Bett ab und in der ganzen Sitzgruppe darunter hat man volle Stehhöhe. Tiemo nutzt die erste Stufe dieser Schräge auch zum Schlafen, weil ihm die Kopfkissen dann nicht wegrutschen.
Hinten reicht das Dachbett etwas weiter über die Küche als beim Vorgänger. Manche Zuschauer haben sich deshalb gefragt, ob man darunter noch sicher kochen kann. Wie Tiemo erklärt, kann man trotzdem gefahrlos kochen, während der andere noch im Bett liegt. Das Dachbett ist über zwei Meter lang, so dass man ein Stück vom Kocher wegrutschen kann. Außerdem ist das Material über dem Kocher hitzebeständig. Westfalia habe das ausdrücklich so vorgesehen.
Wie warm es im Aufstelldach bleibt, hat Tiemo bei minus vier Grad ausprobiert. Westfalia hat den Zeltstoff für das neue Modell noch einmal verbessert und mit der Standheizung auf 18 Grad sei es im Auto absolut warm gewesen.
Im Heck auf der Beifahrerseite hat der L2 Platz für einen Schrank. Genau dort sitzt in der neuen Variante die fest eingebaute Toilette. Der Schrank wird dafür schmaler und neben ihm sitzt hinter einer Klappe eine Kassettentoilette. Dieser schmale Kleiderschrank mit Toilette kostet 629 Euro Aufpreis und ist nur für den L2 erhältlich.

Eine feste Toilette gab es schon in der Plus-Version des Vorgängers. Im neuen Nugget verschwindet sie in einem Möbel mit denselben Rundungen und demselben Dekor wie die übrige Einrichtung. Solange die Klappe geschlossen ist, erkennt man nicht auf den ersten Blick, dass sich dahinter eine Toilette befindet. Auf die Klappe darf man sich auch setzen. Die Kassette fasst 18 Liter und lässt sich bei geöffneter Heckklappe von hinten herausziehen.

In der zweiten Variante bleibt der große Schrank. Für den Vergleich stand auf der CMT der L2 in der Active-Version. Der Schrank dieses Fahrzeugs verfügt über herausnehmbare Fachböden und eine Kleiderstange. Auf Geschäftsreisen hängt man dort Hemden auf und im Urlaub die Regenjacke. Mehr Stauraum bietet für Tiemo kein anderer Nugget.
Auch in dieser Variante muss niemand auf eine Toilette verzichten. In einem eigenen Staufach findet in jedem Nugget eine mobile Toilette Platz, ob L1 oder L2. Nach Tiemos Erfahrung wissen das die wenigsten.
Für Tiemo ist das anthrazitfarbene Dekor des Active eine Besonderheit, weil Campermöbel sonst meist hell sind oder eine Holzoptik haben. Möbel, Boden und Polster passen im neuen Modell nach seinem Eindruck farblich besser zusammen als beim dunklen Dekor des Vorgängers. Bei den Kunden scheiden sich die Geister: Manchen ist es zu dunkel, andere wollen genau diese Optik. Beide Möbeldekore gibt es sowohl mit großem Schrank als auch mit Toilette.

Die Küchenzeile an der Fahrerseite ist im L2 um genau die 40 Zentimeter länger, die der Radstand dazugewinnt. Dazu kommen breitere Schubladen und zusätzliche Fächer für Töpfe, Pfannen und Lebensmittel. Für Besteck gibt es gleich zwei Schubladen. Tiemo sieht den L1 eher als Fahrzeug für das Wochenende. Für einen Urlaub über mehrere Wochen bietet der L2 deutlich mehr Platz für Vorräte.
Die Küche verfügt über einen Zwei-Flammen-Gaskocher, der mit der Spüle in einer gemeinsamen Edelstahlmulde unter einem Glasdeckel sitzt. Dazu kommt eine Kühlschublade mit 33 Litern. Zum Hochsteigen ins Dachbett gibt es eine kleine Treppe. Erfahrene Nugget-Fahrer steigen auch ohne sie über die Küche und wer dabei auf den Glasdeckel tritt, muss sich keine Sorgen machen: Er hält 150 Kilogramm aus.

Die Gasflasche hat jetzt ein eigenes Fach im Küchenblock, das man über einen Druckknopf öffnet. Zum Tauschen oder zum Zudrehen auf der Fähre öffnet man einfach die Klappe, während man beim Vorgänger dafür erst ausräumen musste. Ins Fach passt eine Flasche mit 2,8 Kilogramm Butan. Weil das Gas nur den Kocher versorgt, reicht eine Flasche Tiemo zufolge mindestens zwei Monate, vielleicht sogar eine ganze Saison.

Für Wärme sorgt eine Dieselheizung mit 3,5 Kilowatt, die ihren Brennstoff aus dem Tank des Fahrzeugs nimmt. Warme Luft strömt sowohl in die Sitzgruppe als auch ins Heck. Die Heizung darf auch während der Fahrt laufen. Fällt der Tankinhalt unter ein Viertel, schaltet sie ab. Tiemo empfiehlt deshalb, den Tank mindestens halb voll zu halten. Dann könne man auch tagelang stehen. Neben Diesel braucht die Heizung Strom aus der Batterie für Glühstift, Pumpe und Gebläse.
Der Frischwassertank fasst im L2 53 Liter, im L1 sind es 33. Möglich macht das der längere Radstand, durch den der hintere Radkasten weiter nach hinten rückt. An dieser Stelle konnte Westfalia den Tank vergrößern. Der Abwassertank mit 30 Litern sitzt unter dem Fahrzeug und wird von der Heizung mit erwärmt, damit er im Winter nicht einfriert. Ein Boiler mit drei Litern liefert warmes Wasser für die Außendusche am Heck, an der man warmes und kaltes Wasser einstellt. Der Boiler gehört beim neuen Nugget zur Serie.
Für den Wohnraum ist eine AGM-Batterie mit 95 Amperestunden an Bord. Tiemo rät, sie im Winter etwa alle zwei Wochen nachzuladen, damit sie nicht zu tief entladen wird.
Licht und Heizung steuert man über einen Touchscreen am Kleiderschrank. Fünf Lichtbänder lassen sich darüber einzeln in Farbe und Helligkeit einstellen oder alle zugleich auf dieselbe Farbe setzen. Ein Nachtmodus lässt nur die unteren Lichtbänder leuchten. Tiemo gefällt, dass das Display ohne Verzögerung reagiert. Über eine App lassen sich Licht und Standheizung auch vom Bett aus bedienen. Die App verbindet sich direkt mit dem Fahrzeug und funktioniert deshalb nur in seiner Nähe. Eine Anzeige zeigt außerdem, ob der Nugget waagerecht steht, was beim Ausgleichen mit Auffahrkeilen hilft. Oben auf dem Kleiderschrank ist eine induktive Ladeschale für das Smartphone eingebaut.

Ab Werk gehören zwei Campingstühle in einer Tasche an der Heckklappe und ein Außentisch in der Schiebetür dazu. Zwei drehbare Leuchten an der Heckklappe beleuchten abends den Platz hinter dem Fahrzeug, wenn man unter der offenen Heckklappe sitzt.
Auf der CMT 2025 gab es für die beiden Prototypen noch keinen Preis. Inzwischen nennt die Preisliste von Ford feste Zahlen. Der L2 Titanium mit 150 PS und Schaltgetriebe beginnt bei 79.670,50 Euro. Mit 170 PS und Automatik wie im gezeigten Fahrzeug sind es 83.478,50 Euro. Kommt die fest eingebaute Toilette dazu, ergibt sich zusammengerechnet ein Preis von 84.107,50 Euro, bevor weitere Extras wie die zweite Schiebetür oder die Photovoltaikanlage hinzukommen.
Im Preis steckt vieles, das beim Vorgänger extra kostete: der Boiler und das frühere Outdoor-Paket mit Campingstühlen und Außentisch. Vor allem aber bekommt man das Raumkonzept, das den Nugget seit Jahrzehnten ausmacht, mit mehr Platz in Küche und Heck. Tiemo fasst es so zusammen: Wer einmal erlebt hat, dass einer hinten kocht, während die anderen vorn Karten spielen, komme von diesem Grundriss kaum noch los.
Am Ende unseres Gesprächs deutete Tiemo an, dass Ford an einem Nugget mit Hochdach arbeite, weil viele Nugget-Fahrer in Deutschland diese Version bevorzugen. Inzwischen gibt es ihn: Den Ford Nugget mit Hochdach hat uns Tiemo auf dem Caravan Salon 2025 vorgestellt. Viele Tipps zu kleinen Umbauten und passendem Zubehör findest Du im Nuggetforum.
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