Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit Ford vorgestellt.
Der Ford Nugget mit Hochdach ist ein Camper Van auf dem Ford Tourneo Custom, der auf 5,45 Metern zwei Wohnbereiche unterbringt, die sich unabhängig voneinander nutzen lassen. Nach einigen Jahren Pause gibt es ihn wieder mit festem Dach aus GFK und mit einem Hubbett, das Gasdruckfedern fast von selbst unter das Dach schieben. Selbst direkt unter dem Bett bleiben dann 1,90 Meter Stehhöhe. Auf dem Caravan Salon 2025 hat uns Tiemo Etzold, Gründer und Betreiber des Nuggetforums, den ersten Prototyp vorgestellt. Der Grundpreis liegt inzwischen bei 83.716,50 Euro.
Seit 40 Jahren baut Westfalia den Nugget für Ford aus. In einem typischen Campingbus liegt die Küche an der Seite und im Heck befindet sich eine Rücksitzbank, die nachts zum Bett wird. Beim Nugget ist es umgekehrt. Die Küche wandert ins Heck und zieht sich dort in L-Form an der Fahrerseite entlang. Vorn bleibt so ein eigener Wohnbereich mit drehbaren Fahrerhaussitzen und einer Dreierbank. Wer durch die Schiebetür auf der Beifahrerseite einsteigt, steht genau zwischen beiden Bereichen. Während vorn gefrühstückt wird, kann hinten noch jemand die Eier kochen.
Tiemo fährt selbst einen Nugget der Vorgängergeneration und hat das Nuggetforum gegründet, in dem sich Besitzer austauschen. Die Community steht mit Ford und Westfalia im Austausch und bringt ihre Erfahrungen aus dem Alltag in die Entwicklung ein. Auf das Hochdach hat die Nugget-Gemeinde besonders lange gewartet. Bis zum Jahr 2013 entschieden sich nach Tiemos Beobachtung bis zu 90 Prozent der Käufer für ein Hochdach, in den Jahren danach immer noch rund 70 Prozent. Die aktuelle Generation startete dagegen zunächst nur mit Aufstelldach. Der Nugget auf dem Caravan Salon 2025 war der erste und zu diesem Zeitpunkt einzige Prototyp mit dem neuen Hochdach.
Das Hochdach gibt es für den Nugget mit langem Radstand, bei Ford L2 genannt. Er ist 40 Zentimeter länger als der kurze L1. Hinten bleibt so mehr Platz für Stauraum und der Frischwassertank fasst 53 statt 33 Liter. Viele Kunden wählen den L2, weil er trotz der zusätzlichen Länge gut zu fahren und zu parken ist.
Beim Aufstelldach bestehen die Seitenwände des aufgeklappten Daches aus Stoff. Geschlossen bleibt dieser Nugget niedrig und wirkt im Alltag eher wie ein großer Pkw. Das Hochdach ist dagegen fest und gedämmt und bringt den Nugget auf 2,85 Meter Höhe. Stehhöhe, mehr Stauraum und die bessere Dämmung machen ihn für Tiemo zum Camper, der auch im Winter funktioniert.
Die Dachschale besteht aus glasfaserverstärktem Kunststoff, kurz GFK. Zwischen ihrer inneren und äußeren Schicht liegt eine Dämmung von 12 Millimetern. Vier Fenster bringen Licht unter das Dach: je eines an den Seiten, eines am Heck und eine Dachluke vorn über dem Bett. Hinten zieht sich das Dach als Wulst bis über die Heckklappe und läuft in der Linie des Hecks weiter.

Auch die Verbindung zwischen Dach und Karosserie ist neu. Rund um die Dachkante läuft innen und außen eine Leiste mit U-förmigem Querschnitt, auf der das Dach verschraubt ist. Früher wurde das Dach direkt verschraubt und verklebt. Tiemo erwartet von der neuen Lösung eine noch langlebigere Verbindung. An beiden Seiten des Daches sitzt außerdem eine Kederschiene. In ihren schmalen Schlitz zieht man den verdickten Rand einer Markise oder eines Vorzelts ein. Am gezeigten Fahrzeug hängt auf der Beifahrerseite eine Markise von Westfalia.
Eine Dieselstandheizung mit 3,5 Kilowatt wärmt den Innenraum. Den Kraftstoff bezieht die Heizung aus dem Dieseltank des Fahrzeugs. Zum Betrieb braucht sie zusätzlich Strom aus der Bordbatterie, einer AGM-Batterie mit 95 Ah. Über eine Steckdose für Landstrom außen am Fahrzeug lädt man die Batterie auf dem Campingplatz, gerade im Winter. Weil warme Luft nach oben steigt, bleibt nach Tiemos Erfahrung höchstens der Fußboden etwas kühl und ein Teppich schafft Abhilfe. Schon mit den bisherigen Nuggets campen manche Fahrer bei minus 22 Grad und haben innen trotzdem 18 bis 20 Grad.
Das Herzstück des neuen Hochdachs ist das Hubbett. Die Liegefläche misst 2,05 x 1,30 Meter und befindet sich über dem vorderen Wohnbereich. Tagsüber schiebt man das ganze Bett nach oben unter das Dach. Vier Gasdruckfedern an den Seiten übernehmen dabei fast die ganze Arbeit: Man hebt das Bett nur leicht an und es fährt von selbst nach oben und bleibt dort. Ford nennt für den Innenraum dann eine Höhe von 2,09 Metern. Direkt unter dem Bett sind es noch 1,90 Meter. Zum Schlafen holt man das Bett wieder herunter.

Bettdecke und Kopfkissen dürfen beim Hochschieben liegen bleiben. Man verliert dann nur ein paar Zentimeter Stehhöhe. Wer das nicht möchte, verstaut das Bettzeug vorn in der Spitze des Daches über dem Fahrerhaus. Beim Vorgänger lag dort noch eine durchgehende Matratze mit 2,20 Metern Länge. Jetzt ist daraus ein Stauraum für Schlafsäcke, Decken und Bettwäsche geworden.
Unter der sechs Zentimeter starken Matratze liegt ein Federsystem von Froli aus vielen kleinen runden Kunststofftellern. Jeder Teller gibt nur dort nach, wo Schulter oder Hüfte aufliegen. So schläft man auch ohne dicke Matratze bequem. Das Kopfteil lässt sich zum Lesen hochklappen. Weil das Bett den vorderen Bereich überspannt, bleibt die Küche im Heck frei. Einer kann oben weiterschlafen, während der andere schon Kaffee kocht.
Für Tiemo ist das neue Bett einer der größten Fortschritte des Hochdach-Nuggets. Beim Vorgänger verschob man noch Platten auf Führungsschienen und klappte die Matratze zusammen. Jetzt reicht ein Griff.
Unten wird die Dreierbank zum zweiten Bett mit 1,90 x 1,20 Metern. Seit der aktuellen Generation rollt die Bank auf Rollen statt auf Schlitten in Schienen. Man löst einen Hebel, schiebt sie mit einer Hand nach vorn und klappt sie zur Liegefläche um. Für viele Nugget-Fahrer war das eine der lang ersehnten Verbesserungen. Größere Menschen drehen die Fahrerhaussitze um und nutzen deren Sitzfläche als Verlängerung. Für zusätzlichen Komfort bietet Westfalia einen Topper als Zubehör an. Die Seitenfenster unten verdunkeln Rollos, die man von unten nach oben zieht.
Tiemo selbst schläft unten. Er ist abends länger wach, während seine Frau oben nach wenigen Minuten eingeschlafen ist. Ein Notbett ist das untere Bett für ihn nicht. Auch für vier Wochen Urlaub reicht es ihm völlig.
Öffnet man die Heckklappe, steht man direkt vor Küche und Schränken. Die Küche verfügt über einen Gaskocher mit zwei Flammen und eine Spüle unter einer gemeinsamen Glasabdeckung. Der Kocher sitzt an der Fahrerseite unter dem Fenster. Daneben bleibt eine lange Arbeitsfläche zum Schnippeln. Zum Kühlen gibt es eine Kühlschublade mit 33 Litern im Küchenblock. Unten im Küchenblock befindet sich auch das Fach für eine Campingaz-Flasche 907 mit 2,8 Kilogramm Butan. Westfalia hat das Fach so angeordnet, dass man die Flasche mit zwei, drei Handgriffen herausholt.

Hinten auf der Beifahrerseite befindet sich ein großer, beleuchteter Kleiderschrank und daneben ein weiterer hoher Schrank. Beim Aufstelldach endet der Stauraum an der Kante, an der sich das Dach zuklappt. Beim Hochdach reichen die Schränke dagegen bis unter das Dach und auf beiden Seiten kommen große Dachschränke hinzu. Hinter einer schmalen Klappe reicht ein tiefes Fach bis in den Wulst, mit dem das Dach über das Heck ragt. Tiemo verstaut dort große Töpfe und Pfannen. Unter der Sitzfläche der Rückbank liegt ein weiteres Staufach mit 88 Litern, das man durch Aufklappen des Sitzes erreicht. Zusammen kommt der Nugget mit Hochdach nach Angaben von Ford auf 911 Liter Stauraum. So viel bot noch kein Nugget zuvor.
Eine Toilette findet in jedem Nugget Platz. Gegen Aufpreis wird der große Kleiderschrank schmaler und daneben befindet sich eine fest eingebaute Toilette. Die feste Toilette bietet eine bequemere Sitzhöhe und eine Kassette, die man zum Leeren herausnimmt. Der Stauraum sinkt mit dieser Variante auf 711 Liter. Wer den großen Kleiderschrank behält, stellt dort eine tragbare Campingtoilette hinein. Tiemo reist selbst so und kommt damit gut zurecht.
Zwei Campingstühle und ein Campingtisch gehören zur Serie. Die Stühle stecken in einem Fach im Heck und der Campingtisch ist in der Schiebetür verstaut. Beim Vorgänger gehörte beides noch zu einem Paket, das extra kostete.
Die Basis ist der Tourneo Custom. Ford bietet ihn als besser ausgestattete Pkw-Version des Transit Custom an. Das Smartphone verbindet sich ohne Kabel über Apple CarPlay oder Android Auto mit dem Bildschirm in der Mitte. Die Sitze lassen sich vielfach verstellen und über dem Kopf bleibt so viel Platz, dass auch Menschen mit zwei Metern Körpergröße bequem sitzen.
Auf der Rückbank gibt es drei Plätze mit Dreipunktgurten und mit den Vordersitzen fünf. Zum Essen dreht man die Fahrerhaussitze um und zieht einen Tisch heraus, den man verlängern und vor und zurück schieben kann. Für vier Teller ist genug Platz, wenn man sie versetzt hinstellt.
Zum Marktstart gab es den Nugget mit Hochdach mit Diesel, 110 kW / 150 PS, Sechsgang-Schaltgetriebe und Frontantrieb. Automatik und Allradantrieb waren auf dem Caravan Salon 2025 bereits geplant. Inzwischen bietet Ford das Hochdach auch mit Achtgang-Automatik und mit Allradantrieb an.
Die Masse fahrbereit liegt je nach Ausstattung bei rund 2.830 Kilogramm und schließt den Fahrer bereits ein. Bis zum zulässigen Gesamtgewicht von 3.300 Kilogramm bleibt knapp eine halbe Tonne für Mitfahrer, Gepäck und Vorräte. Jede Sonderausstattung geht davon noch ab. Wer zu viert reist, rechnet deshalb vorher nach.
Ford führt das Hochdach als Option zum Nugget Titanium L2 mit cremeweißen Möbeln. Mit 150 PS und Schaltgetriebe kostet der Nugget mit Hochdach 83.716,50 Euro. Davon entfallen 4.046 Euro auf das Hochdach. Zu diesem Aufpreis gehören das Hubbett, die zusätzlichen Schränke und die LED-Beleuchtung unter dem Dach.
Mit 100 kW / 136 PS und Achtgang-Automatik startet der Nugget mit Hochdach bei 85.025,50 Euro. Die stärkste Variante mit 125 kW / 170 PS, Automatik und Allradantrieb kostet 91.094,50 Euro. Für die feste Toilette berechnet Ford 629 Euro. Das gezeigte Fahrzeug trug die Sonderfarbe Digital Aqua Blue, die 1.011,50 Euro kostet. Der Wohnteil von Westfalia kommt weitgehend komplett. Beim Basisfahrzeug lässt sich dagegen alles wählen, was Ford für den Tourneo Custom anbietet, etwa Fahrassistenzsysteme oder das Audiosystem. Für die Nugget-Gemeinde hat sich das lange Warten gelohnt.
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