Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit Ford vorgestellt.
Der Ford Nugget ist der Campingbus mit der Küche im Heck und einer großen Sitzgruppe vorn. Auf dem Caravan Salon 2023 feierte die neue Generation auf Basis des Ford Tourneo Custom Weltpremiere. Nuggetforum-Gründer Tiemo Etzold hat uns das Fahrzeug dort vorgestellt. Der Grundpreis lag zur Premiere bei 76.517 Euro und beginnt inzwischen bei 75.505,50 Euro.
Tiemo Etzold kennt den Nugget aus eigener Erfahrung. Seit 2007 fährt er selbst einen und hat im selben Jahr das Nuggetforum gegründet, in dem sich inzwischen über 20.000 Nutzer austauschen. Dazu kommt eine Facebook-Gruppe für Nugget-Fahrer, die er seit 2011 betreibt und die rund 7.000 Mitglieder hat.
Was die Fans am Nugget so begeistert, ist für Tiemo ganz klar der Grundriss. In vielen Campingbussen liegt die Küche an der Seite, direkt neben der Sitzbank. Beim Nugget sitzt die Küche im Heck, während vorn eine Dreierbank mit den drehbaren Fahrerhaussitzen die Sitzgruppe bildet. Oben im Aufstelldach liegt das zweite Bett. So entstehen auf 5,05 Metern Länge drei Bereiche, die sich gleichzeitig nutzen lassen. Tiemo erzählt, er schlafe morgens gern etwas länger, während seine Frau mit dem Hund unterwegs ist und danach hinten in der Küche den Kaffee kocht.
Neu war bei dieser Generation vor allem das Basisfahrzeug. Westfalia baut den Nugget jetzt auf dem neuen Ford Tourneo Custom in der Ausstattung Titanium aus, dessen aufgeräumtes Cockpit ein großes Display prägt. Die ersten Fahrzeuge kamen mit einem Diesel mit 125 kW und 170 PS, der mit einer 8-Gang-Automatik arbeitet. Inzwischen gibt es den Nugget auch mit 136 oder 150 PS, mit Allradantrieb und als Plug-in-Hybrid mit 233 PS.

Die Fahrerhaussitze stehen auf einer flachen Drehkonsole, so dass man ganz normal sitzt wie in einem Pkw. Tiemo erklärt, man komme dadurch auch besser an die Bedienelemente heran. Weil sich die Sitze weit nach hinten schieben lassen, haben auf der Messe Menschen von 1,53 bis 2,07 Meter Körpergröße auf den Fahrerhaussitzen gut Platz gefunden.
Der neue Tourneo Custom liegt rund zehn Zentimeter tiefer als sein Vorgänger. Westfalia hat deshalb den Boden im Wohnraum angehoben und darunter einen doppelten Boden geschaffen. Darin verlaufen gut geschützt die Schläuche der Standheizung und die Kabel.
Westfalia und Ford haben die Küche im Heck neu gestaltet. Der Zwei-Flammen-Gaskocher und die Spüle sitzen jetzt in einer gemeinsamen Edelstahlmulde mit zwei Glasdeckeln. Tiemo sieht darin einen praktischen Vorteil: Nach dem Kochen wischt man das Kochfeld einfach mit etwas Wasser in Richtung Spüle sauber. Geschlossen dienen die Deckel als Ablage, die sich mit bis zu 150 Kilogramm belasten lässt. Im Küchenblock gibt es außerdem ein Fach für eine mobile Toilette.
Beim Vorgänger saß unter der Arbeitsfläche ein Kühlschrank mit 40 Litern, den man von oben öffnete. Wer etwas herausholen wollte, musste vorher die Arbeitsfläche frei räumen. Im neuen Nugget sitzt unten im Küchenblock stattdessen eine Kühlschublade mit 33 Litern. Im tiefen Teil der Schublade stehen sogar Wasserflaschen mit 1,5 Litern aufrecht und die Trennwände lassen sich herausnehmen.

Oben auf dem Aufstelldach liegt eine schwarze Fläche, die man auf den ersten Blick für eine Abdichtung halten könnte. Tatsächlich ist es eine Solaranlage mit 350 Watt, die flach auf das Dach geklebt ist. Weil sie kaum aufträgt, lässt sich darüber noch ein Dachträger montieren. Herkömmliche Module machen das Dach nach Tiemos Erfahrung fünf bis acht Zentimeter höher. Die Anlage gibt es nur ab Werk und die aktuelle Preisliste nennt dafür 2.995 Euro.
Den Strom speichert eine AGM-Batterie mit 95 Amperestunden. Damit sie nicht tiefentladen wird, hat Westfalia die Elektronik neu aufgebaut. Wird die Batterie zu schwach, nimmt das System die Verbraucher nacheinander vom Netz: zuerst die Sitzheizung, dann den Kühlschrank und zuletzt das Licht. Tiemo erklärt, eine tiefentladene Batterie bekomme man nur schwer wieder in Form.
Ähnlich schützt ein Sensor die Wasserpumpe. Kommt man versehentlich an den Hebel des Wasserhahns, läuft die Pumpe so lange, bis der Tank leer ist. Der Sensor schaltet sie dann ab, bevor sie trocken läuft und Schaden nimmt. Auch der Boiler mit drei Litern ist auf diese Weise gesichert. Das kleine Warmwassergerät gehört jetzt zur Serie und liefert warmes Wasser für die Küche und die Außendusche am Heck.
Der Frischwassertank fasst 33 Liter. Für längere Reisen gibt es inzwischen den Ford Nugget L2 mit 53 Litern. Das Abwasser fließt in einen beheizten Tank mit 31 Litern unter dem Fahrzeug, der im Winter nicht einfriert.

Am Kleiderschrank sitzt ein Touchscreen, der Heizung, Wasserstände und den Ladestand der Batterie zeigt. Darüber schaltet man auch die Beleuchtung in vier Bereichen und wählt für jeden Bereich Farbe und Farbtemperatur. In der App zeigt der Nugget außerdem an, ob er gerade steht. Für Tiemo und seine Frau ist das wichtig, weil sie mit dem Kopf in entgegengesetzte Richtungen schlafen.
Westfalia hat auch den Faltenbalg neu entwickelt, also die Stoffwand zwischen Dach und Karosserie, die sich beim Aufstellen entfaltet. Der Stoff ist fester und dichter als bisher und an den Seiten laufen Metallstreben quer durch das Gewebe. Beim Schließen des Dachs legen diese Streben den Stoff von selbst zusammen. So muss man nicht mehr an den Seiten nachsehen, ob der Balg richtig eingefaltet ist.

Oben liegt die Matratze auf einem Tellersystem, bei dem viele einzelne Federelemente den Körper abstützen. Die Liegefläche misst 2,05 mal 1,25 Meter. Westfalia hat nicht versucht, mit dem Dach unter zwei Meter Fahrzeughöhe zu bleiben. Dafür bleibt beim Zusammenklappen genug Platz für dünne Bettwäsche, die oben liegen bleiben kann.
Tagsüber klappt man den vorderen Teil der Liegefläche über der Sitzgruppe nach oben. Dann knickt das Bett ab und wer 1,80 Meter groß ist, steht in der Sitzgruppe bis zu diesem Knick aufrecht. Auch über der Küche lässt sich das Bett verstellen. Ist es dort ganz heruntergeklappt, kann man nicht kochen. Zieht man auf beiden Seiten an einem Hebel, lässt sich der hintere Teil um rund 40 Grad anstellen. Dann ist über dem Kocher Platz, während oben noch jemand liegt, und wer oben lesen möchte, lehnt sich mit einem Kissen an die schräge Fläche.
Die Dreierbank unten ist mit drei Dreipunktgurten und zwei Isofix-Halterungen ausgestattet. Dank des doppelten Bodens rollt sie jetzt auf Rollen und lässt sich mit einer Hand nach vorn ziehen, auch wenn darunter nach Wochen auf Reisen einiges verstaut ist. Für Tiemo ist das fast der größte Vorteil des neuen Modells.

Mit wenigen Handgriffen wird aus der Bank eine Liegefläche von 1,90 mal 1,20 Metern. Wer größer ist, bezieht die gedrehten Fahrerhaussitze mit ein und gleicht die Lücke mit einem Kissen aus, so dass rund 2,25 Meter entstehen. Am Kleiderschrank gibt es eine induktive Ladeschale für das Smartphone, die nachts als Ablage am Bett dient. Leselampen und USB-Ladebuchsen sind ebenfalls an Bord. Gegen Aufpreis lässt sich jeder Platz der Bank beheizen, auch wenn das Bett gebaut ist. Das kommt Reisen im Winter entgegen: Tiemo kennt Nugget-Fahrer, die im November und Dezember bis zum Nordkap fahren.
Zur Premiere auf dem Caravan Salon 2023 gab es den neuen Nugget nur als Titanium mit 170 PS und Automatik, für den die Preisliste 76.517 Euro nannte. Für das Fahrzeug mit Solaranlage, Markise und Heckträger nannte Tiemo bis zu rund 83.000 Euro.
Inzwischen beginnt der Nugget mit 150 PS und Schaltgetriebe bei 75.505,50 Euro. Mit 170 PS und Automatik wie im gezeigten Fahrzeug sind es 79.313,50 Euro, mit Allrad 82.883,50 Euro. Der Plug-in-Hybrid kostet ab 81.158 Euro.

Zur Serie gehören der Boiler mit Außendusche und die Standheizung. Dazu kommen zwei Campingstühle in einer Tasche an der Heckklappe und ein Tisch in der Schiebetür. Gegen Aufpreis trägt die Heckklappe einen Fahrradträger für bis zu vier Räder, für den Tiemo insgesamt 60 Kilogramm nennt. Schwere E-Bikes gehören nach seinem Rat eher auf einen Träger an der Anhängerkupplung, weil man sie an der Heckklappe sehr hoch heben muss.
Vor allem aber bekommt man das Raumkonzept, für das der Nugget seit rund 40 Jahren steht. Wer mehr Stauraum und eine längere Küchenzeile möchte, findet sie im Ford Nugget L2 mit 40 Zentimetern mehr Radstand. Inzwischen gibt es den neuen Nugget auch wieder mit festem Dach als Ford Nugget Hochdach.
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