Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit XBULL vorgestellt.
Der XBULL X740 ist ein Mercedes-Benz Sprinter in der längsten Ausführung L4, den XBULL in Eisenach für lange Reisen auch abseits befestigter Straßen ausbaut. Das gezeigte Fahrzeug ist auf 5 Tonnen zugelassen und fährt hinten auf Einzelbereifung. Auf der CMT 2026 hat uns Heiko Heinz, Gründer von XBULL, das Fahrzeug vorgestellt. Der X740 kostet ab 249.000 Euro und das ausgestellte Fahrzeug rund 360.000 Euro.
Basis ist ein Mercedes-Benz Sprinter 519 CDI 4×4 in der Länge L4 mit 140 kW / 190 PS. Der Motor bleibt im Serienzustand, so wie Mercedes ihn ausliefert. XBULL baut am Fahrzeug ohnehin genug um und konzentriert sich deshalb auf das Fahrwerk. Der Sprinter mit 5,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht kommt ab Werk mit Zwillingsbereifung auf der Hinterachse. Diese Achse ist schmaler als beim leichteren Modell. Wer auf einzelne, breite Geländereifen umrüsten will, braucht deshalb eine Felge, die den Reifen wieder weit genug nach außen bringt. Die passenden Felgen hat XBULL in den USA besorgt.
Das Limit setzt am Ende der Reifen. Die in Deutschland zulässige Version hat einen Tragfähigkeitsindex von 121. Der gleiche Reifen ist in den USA mit 128 erhältlich, hier aber nicht zugelassen. XBULL lastet das Fahrgestell deshalb von 5,5 auf 5 Tonnen ab. Gegenüber dem bisherigen X740 bleiben so nach Heikos Angaben rund 300 Kilogramm mehr Zuladung auf der Hinterachse. Das zählt bei einem Reisemobil dieser Art, weil vieles am Heck hängt. Ein Ersatzrad mit 50 Kilogramm drückt über den Hebelarm mit 60 bis 65 Kilogramm auf die Hinterachse.
Die Radhäuser hat XBULL so groß gelassen, dass jederzeit wieder Zwillingsreifen montiert werden können, und die Möbel darauf abgestimmt. Wer kaum ins Gelände fährt, bekommt damit auf der Straße mehr Fahrstabilität und kann das Fahrzeug wieder auf 5,5 Tonnen auflasten, was 500 Kilogramm mehr Zuladung bedeutet.
Serienmäßig bringt das schwere Fahrgestell drei Blattfedern und die große Bremsanlage mit. XBULL legt den Sprinter vorn um 4 Zentimeter und hinten um 7 bis 8 Zentimeter höher. Dazu kommen straffere Stoßdämpfer und eine Luftfeder von MAD, die das Heck um weitere 8 Zentimeter anheben kann. Das Fahrgefühl beschreibt Heiko als straffer als beim Vorgänger. An die Länge und den größeren Wendekreis des L4 gewöhnt man sich nach seiner Erfahrung schnell. Für das, was der X740 an Ausstattung mitnimmt, hält Heiko ihn für eine sehr gute Kombination.
An der Front sitzt ein Windenträger mit einer Winde aus den USA, die 6 Tonnen Zugkraft hat. Träger und Winde bringen zusammen fast 90 Kilogramm auf die Waage. Weil der massive Bügel auch die Zusatzscheinwerfer trägt, wackeln diese nicht, was bei vielen Lösungen irgendwann das Problem ist. Darunter schützt ein Unterfahrschutz aus 6 Millimeter starkem Aluminium Lenkgetriebe und Motor, ein zweiter das Verteilergetriebe. Für das deutlich größere Differential des 5-Tonners entsteht gerade ein eigener Schutz. Aluminium statt Stahl wählt XBULL wegen des Gewichts. Heiko rechnet vor, dass zehn Prozent mehr Gewicht bei jedem Bauteil bei einem 5-Tonner schnell 500 Kilogramm ausmachen.
Außen zeigt das Fahrzeug nur noch zwei Oberflächen: den Originallack des Sprinters und Raptor-Lack. Serienmäßig bleiben die Kunststoffteile des Sprinters. In drei Paketen lassen sich Stoßstange, Radhausverbreiterungen, Spiegel und Seitenbeplankung bis hin zu Motorhaube und Dach mit Raptor beschichten. Selbst das XBULL-Logo ist darin ausgespart. Die Arbeit übernimmt eine Lackiererei aus der Region um Eisenach.
Die schmalen Fenster oben in der Seitenwand hat XBULL eigens anfertigen lassen. Dort, wo Mercedes normalerweise ein Fenster vorsieht, liegt nach dem Ausbau meist das Bett. Damit man nicht direkt neben der Scheibe liegt, sitzen die Fenster weiter oben, wo die stabile Struktur des Sprinters nur wenig Platz lässt. Für die großen Seitenfenster verwendet XBULL Kunststofffenster von Reimo, weil sie sich der Wölbung der Karosserie anpassen. Ein Glasfenster würde oben und unten abstehen.
An der Leiter sitzt ein abschließbarer Kletterschutz, damit nicht jeder auf die Dachterrasse steigen kann. Er schließt mit demselben Schlüssel wie die Heckboxen, so dass man für das ganze Fahrzeug nur einen Schlüssel braucht. Viele dieser Teile verkauft XBULL auch einzeln im eigenen Onlineshop. Nach Heikos Angaben machen Anbauteile inzwischen fast 30 Prozent des Umsatzes aus.
Am Heck trägt das eigene Trägersystem von XBULL Ersatzrad und Boxen. Weil der Originalgriff der Hecktür dahinter verschwindet, gibt es eine Griffwiederholung, die unabhängig von Box oder Fahrrad immer frei bleibt. Die große Box ist 1,70 Meter breit, kleinere gibt es mit 900, 600 und 500 Millimetern. Damit auch längere Ski hineinpassen, lässt sich der Deckel mit einer textilen Erweiterung aufstellen. Weil die Box die Rückleuchten verdeckt, montiert XBULL darunter eigene Leuchten mit Rücklicht, Bremslicht, Blinker, zwei Rückfahrscheinwerfern und Nebelschlussleuchte, damit das Fahrzeug zulassungsfähig bleibt.
In der Garage liegt das Bett als Einlegeteil auf vier Aufnahmen, die sich in Airline-Schienen verschieben lassen. So stellt man die Höhe einmal passend zu den Fahrrädern ein, etwa im Frühjahr, und nutzt darüber den maximalen Platz zum Schlafen. Bleibt das Vorderrad montiert, stellt man das Bett nach Heikos Angaben rund 15 Zentimeter höher.

Die Garage ist 2 Meter tief. Damit man nicht hineinkriechen muss, holt ein Auszug mit 2 Metern Länge Fahrräder und Gepäck heraus. Auf ihm liegen 12 und 230 Volt an, so dass E-Bikes auch in ausgezogenem Zustand laden. Hinten auf dem Auszug ist Platz für eine Kühlbox, die man bei eingeschobenem Auszug durch eine Klappe vom Wohnraum aus erreicht. Die schwierigste Stelle war das große Radhaus des 5-Tonners, das weit in die Garage ragt. XBULL hat in den Auszug deshalb eine Aussparung eingearbeitet, die sich um das Radhaus herumlegt.
Das gezeigte Fahrzeug ist gasfrei und das übliche Gasfach dient als Stauraum. Gas bleibt eine Option, Heiko sieht den Trend aber klar beim gasfreien Fahrzeug, weil Batterien und Solarmodule immer leistungsfähiger werden. Am Ende braucht der X740 dann nur noch Diesel und Wasser und beides bekommt man fast überall. Wer trotzdem mit Gas kochen will, dem empfiehlt XBULL einen kleinen Kartuschenkocher für draußen.
Die großen Hecktüren sind innen mit Merino-Filz in der Farbe des Innenraums und unten mit robustem Industriefilz verkleidet. Gedämmt sind sie nur bis zur Höhe des Griffs, weil unten Wasser in die Tür läuft und wieder abfließen muss, ohne die Dämmung zu durchnässen. Über die ganze Hecköffnung spannt sich ein Fliegengitter. Damit es dicht abschließt, hat XBULL eine eigene Türdichtung mit einer zusätzlichen Lippe anfertigen lassen, in die das Gitter eingesetzt wird. Für den Winter lässt sich eine durchsichtige Folie einknöpfen.
Gedämmt ist der X740 mit Armaflex von Armacell, 19 Millimeter stark an den Seiten und 25 Millimeter im Dach. XBULL hat das Fahrzeug bis minus 25 Grad getestet, ohne dass etwas eingefroren ist. Schwachstellen sucht das Team mit der Wärmebildkamera.
Geheizt wird mit einer Timberline-Heizung, die wahlweise mit Diesel, Strom oder beidem arbeitet und warmes Wasser durch einen Kreislauf im Fahrzeug pumpt. Das System stammt vom US-Hersteller Elwell. In die 20 Millimeter starke, gedämmte Bodenplatte hat XBULL die Schläuche einer Fußbodenheizung eingefräst, damit keine Stehhöhe verloren geht. Darauf ist ein Echtholzparkett aus dem Ladenbau verklebt. Zwei Wärmetauscher mit Lüftern sitzen vorn in einer Stufe zum Fahrerhaus und unter der Sitzbank, so dass gerade der vordere Bereich warm wird, der in Kastenwagen sonst zuerst auskühlt. Auch das Bad ist beheizt.
Selbst unter der Matratze im Dachzelt liegen Heizschläuche, eingeklickt in Matten aus dem Hausbau, die zugleich die Matratze von unten belüften. Das war technisch die größte Hürde, weil das Ausgleichsgefäß einer solchen Heizung eigentlich am höchsten Punkt sitzen muss. Bei XBULL sitzt es im Technikschrank hinten. Das Team hat eine Lösung gefunden, den deutlich höher liegenden Kreislauf im Dachzelt trotzdem luftfrei einzubinden. Den Verbrauch gibt Heiko mit etwa 5 Litern Diesel pro Tag bei Volllast an, bei halber Last mit rund 2,5 Litern. Strom brauchen nur die Pumpe und die Lüfter.
Die Klimaanlage sitzt nicht auf dem Dach, wo Dachzelt und Terrasse den Platz brauchen und 40 Kilogramm den Schwerpunkt ungünstig nach oben verlagern würden. XBULL verbaut stattdessen ein Unterflurgerät mit 25 Kilogramm unter dem hintersten Küchenauszug, wo kein Auspuff und kein Tank den Wärmetausch behindern. Die kalte Luft steigt über einen Kanal nach oben und verteilt sich über vier Ausströmer vom Fahrerhaus bis zum Bett.
Die Möbel baut XBULL aus leichtem Multiplex aus Albasia-Holz, das mit PU-Leim verleimt ist und dadurch keine Feuchtigkeit aufnimmt. Die Kanten bleiben sichtbar, weil man zeigen will, dass hier eine Tischlerei arbeitet. Schrauben sind möglichst versteckt. Die Pilotensitze entstehen aus den Originalsitzen von Mercedes und sind mit Leder bezogen.
Die Küche hat eine schwarze Arbeitsplatte mit Fenix-Oberfläche. Das extrem matte Material von Arpa Industriale hat eine Anti-Fingerprint-Beschichtung. Tatsächlich waren darauf selbst nach Messetagen mit vielen Besuchern keine Fingerabdrücke zu sehen. Zwei Abdeckungen liegen über Spüle und Arbeitsfläche. Die Abdeckungen haken hinten mit Zapfen in eine Nut ein und werden vorn von Kugelschnappern gehalten, so dass sie während der Fahrt nicht klappern und trotzdem verschiebbar bleiben. Darunter liegt eine Spüle aus GFK mit Abtropffläche, die XBULL selbst konstruiert hat und bei einer Firma in Thüringen fertigen lässt. Gekocht wird mit Induktion. Dazu kommt ein Backofen mit Umluft und Mikrowelle mit 1.800 Watt. Die Dunstabzugshaube führt die Luft über das Dach nach draußen. Der Kühlschrank von Dometic lässt sich von beiden Seiten öffnen. XBULL hat eine eigene Blende entwickelt, an der man die Tür nur noch in der Mitte greift, damit sich die lange Türleiste beim Öffnen nicht verwindet.
Für den Strom setzt XBULL seit diesem Jahr auf ein Power Kit von EcoFlow. Ein zentrales Gerät vereint Wechselrichter, Solarladeregler und Landstromanschluss und zwei Batterien liefern zusammen 800 Ah. Nach Heikos Angaben sind sie fast 20 Prozent leichter als die bisherigen Batterien und werden einfach eingesteckt statt verschraubt. Der Wechselrichter leistet 3,5 kW, so dass Induktionsfeld und Backofen gleichzeitig laufen können. Auf dem Dachzelt liegt ein Solarmodul mit 400 Watt. Über ein Display und das Handy steuert man Licht, Verbraucher und Heizung. Das Szenario Leaving Home schaltet Pumpen und Licht ab, lässt aber Heizung und Ladefunktionen an. Ein Router nutzt Starlink und 5G und schaltet automatisch um, wobei Starlink Vorrang hat.
Das Bett im Heck misst 1,35 mal 2,00 Meter. Damit man sich im Liegen nicht stößt, sitzen alle Schränke auf einer Seite, mit Schiebetüren, damit man auch bei hochgestelltem Bett noch an die Kleidung kommt. Kleine Fenster in Zigarrenform lassen Licht herein und erlauben Querlüftung, ohne dass man im Liegen von außen gesehen wird.
Im Bad steht eine Sitzbank, unter der ein Trockentrenn-WC sitzt. Die Sitzbank ist auch für eine Clesana vorbereitet, die den Inhalt in Folienbeutel einschweißt. Von einer Verbrennungstoilette rät Heiko bei diesem Fahrzeug eher ab, weil sie einen Abzug über das Dach braucht, dessen Abgase genau auf die Dachterrasse ziehen würden. Die Stehhöhe gibt XBULL mit 189 Zentimetern an. Im Bad gehen nur rund 3 Zentimeter verloren, weil die Leitungen unter dem Boden liegen. Eine Klappwand schützt beim Duschen Handtuch und Regal und alle Nähte sind mit Silikon versiegelt.
Auf dem Dach sitzt ein Dachzelt mit einer Liegefläche von 1,25 mal 2,10 Metern. XBULL hat sich für ein Modell mit etwas höherem Aufbau entschieden, weil darin eine deutlich dickere Matratze Platz hat als die üblichen 4 bis 6 Zentimeter. Hinauf geht es von innen über das Bett durch zwei begehbare Dachluken aus Acrylglas, die bündig in der Terrasse liegen. Die vordere Luke ist praktisch, wenn man mit Kindern reist. Die Kinder können nachts direkt hinunter ins Bad, ohne über das ganze Bett zu klettern. Wer zu zweit reist, kann auf sie verzichten und hat eine durchgehende Terrasse. Mit dem Dachzelt ist der X740 für vier Personen zum Reisen und Schlafen ausgelegt. Heiko rät, die beiden Gurtplätze auf jeden Fall mit eintragen zu lassen, weil sie sich später kaum nachrüsten lassen und den Wiederverkaufswert erhöhen.
Neben dem Dachzelt liegt die Dachterrasse mit zwei abnehmbaren Rückenlehnen, erreichbar auch von außen über die Leiter. Mit Dachzelt ist der X740 nach Herstellerangaben 3,14 Meter hoch.
Als 5-Tonner beginnt der XBULL X740 bei 249.000 Euro, dann noch ohne Dachterrasse. Das gezeigte Fahrzeug gehört einem Kunden, der bis auf eine Hubstützenanlage alle Optionen gewählt hat. Es kostet rund 360.000 Euro. Die Lieferzeit lag auf der CMT 2026 bei neun Monaten.
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