Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit X4Quadrat vorgestellt.
Der Saurer 6DM war einst ein Lkw der Schweizer Armee und trägt heute eine Expeditionskabine von X4Quadrat, in der Heizung, Kochfeld und Toilette mit Diesel arbeiten. Geschäftsführerin Catharina Bottenberg hat uns das Fahrzeug auf der Abenteuer & Allrad 2025 vorgestellt. Der gezeigte Aufbau kostete 214.200 Euro brutto ohne Fahrgestell.
Für viele Schweizer ist Saurer eine Kultmarke, erzählt Marcel, dem der 6DM gehört und der selbst aus der Schweiz kommt. Marcel hat eine besondere Vorliebe für den Hersteller und als ein Fahrgestell zu haben war, hat er zugegriffen. Offroad begleitet ihn nach eigenen Worten schon sein ganzes Leben, während er beim Camping eher neu dabei ist. Der Grundriss des Saurer ähnelt dem Expeditionsmobil, das X4Quadrat für die eigenen Reisen gebaut hat. Marcel kannte dieses Fahrzeug. Fast denselben Grundriss hat aber auch sein bisheriger Lkw, ein kleinerer und ebenfalls geländegängiger 7,5-Tonner. Für Catharina hat das einfach zufällig zusammengepasst.
Übernommen hat Marcel seinen Saurer drei Tage vor der Messe. Zwei Wochen zuvor war die Kabine innen noch fast weiß und bis zuletzt hat das Team von X4Quadrat in Schichten rund um die Uhr gearbeitet. Gebracht hatte Marcel ein nacktes Fahrgestell, zurück bekam er ein fertiges Reisemobil. Dieser Moment war für ihn wie Weihnachten und Neujahr zusammen.
Was später hinter Möbeln und Verkleidungen verschwindet, haben wir uns vorher bei X4Quadrat in Wenden angesehen. Die Kabine war zu diesem Zeitpunkt zu rund 80 Prozent fertig und die Möbel fehlten noch. So ließen sich der Aufbau der Kabine und die Technik gut erkennen, darunter die Heizung. Eine Probefahrt mit dem Saurer gab es auch. Diesen Blick hinter die Kulissen zeigt unser Video Expeditionsmobil auf Schweizer Lkw.
Der 6DM ist ein zweiachsiger Lkw mit permanentem Allradantrieb, den die Adolph Saurer AG ab 1983 in rund 800 Exemplaren für die Schweizer Armee gebaut hat. Als Frontlenker trägt der 6DM sein Fahrerhaus über dem Motor. Der Dieselmotor mit knapp 12 Litern Hubraum leistet 184 kW oder 250 PS und 1.060 Newtonmeter Drehmoment. Geschaltet wird über ein halbautomatisches Getriebe mit zehn Vorwärtsgängen.
Als Armee-Lkw wog ein 6DM mit Seilwinde leer rund 10 Tonnen bei 16 Tonnen technisch zulässiger Gesamtmasse. Bei Marcels Saurer sind die Seilwinde und weitere schwere Anbauteile abgebaut. Neu lackiert ist auch das Fahrerhaus, das bei der Armee Tarnfarben trug. Bezogen auf die technisch zulässigen 16 Tonnen bleiben mit der fertigen Kabine rund 5.000 Kilogramm Zuladung.
Abgelastet ist der Saurer bereits. Beim Ablasten wird in den Papieren eine niedrigere zulässige Gesamtmasse eingetragen, als das Fahrzeug technisch tragen könnte. Marcel strebt die Eintragung auf 12 Tonnen an. Für den reisefertigen Aufbau mit vollem Frischwassertank und gepackter Kabine nennt Catharina etwa 2.400 bis 2.500 Kilogramm. Mit diesem Gewicht und ohne die schweren Anbauteile der Armeezeit hält sie die 12 Tonnen für realistisch. Weil der Saurer auch mit 12 Tonnen weit über 7,5 Tonnen liegt, reicht in Deutschland weder der Pkw-Führerschein noch der alte Führerschein der Klasse 3. Fahren darf ihn nur, wer die Lkw-Klasse C hat.
X4Quadrat aus Wenden im Sauerland baut Kabinen auf neue und alte Fahrgestelle, vom Sprinter bis zu einem Exoten wie dem Saurer. Am Anfang steht der Zwischenrahmen. Dieser eigene Rahmen sitzt zwischen dem Rahmen des Lkw und der Kabine und X4Quadrat fertigt ihn für jedes Fahrgestell nach den Aufbaurichtlinien des Lkw-Herstellers an. Darin legt der Lkw-Hersteller fest, wo und wie am Rahmen etwas befestigt werden darf. Im Boden der Kabine sind Stahlträger eingelassen, über die sie auf dem Zwischenrahmen befestigt wird. Zunächst setzt X4Quadrat Kabine und Zwischenrahmen einmal zusammen und baut Fenster, Türen und Klappen ein, an diesem Fahrzeug alle von Outbound. Dann wird alles wieder auseinandergenommen und lackiert. Erst danach setzt das Team Kabine, Zwischenrahmen, Fenster, Türen und Klappen endgültig zusammen.
In Fahrzeugen dieser Klasse verbaut X4Quadrat ausschließlich Fenster mit Scheiben aus echtem Glas statt aus Kunststoff. Bei den Fenstern von Outbound sitzt das Scharnier an der Oberkante, so dass sich die Scheibe ganz nach oben aufstellen lässt und der Blick nach draußen frei bleibt. Fenster mit seitlichen Scherenbeschlägen kippen dagegen beim Öffnen ins Sichtfeld und lassen sich dafür von innen reinigen, wie Catharina erklärt.
Im Gelände verwindet sich der Rahmen eines Lkw, sobald die Räder auf unebenem Boden unterschiedlich hoch stehen. Eine starr aufgesetzte Kabine könnte diese Bewegung nicht mitmachen, ohne Schaden zu nehmen. Bei X4Quadrat ist der Zwischenrahmen deshalb immer an zwei Stellen unterschiedlich gelagert: hinten im Heck über ein Festlager, das ihn starr mit dem Lkw-Rahmen verbindet, und vorn über ein Loslager. Dort halten Schraubenfedern auf Bolzen die beiden Rahmen zusammen und lassen zu, dass sie sich ein Stück gegeneinander bewegen. So werden die Verwindungskräfte des Lkw-Rahmens nicht in die Kabine geleitet, die sonst Schaden nehmen könnte. Das Loslager führt den Rahmen zugleich seitlich, so dass er wieder in seine Ausgangslage zurückkommt, nachdem er sich im Gelände verwunden hat. Offroader sprechen dabei vom Verschränken. Weil sich der sehr steife Rahmen des Saurer kaum verwindet, ist die Lagerung hier etwas fester ausgelegt als bei leichter gebauten Rahmen. Bevor ein Fahrzeug den Hof verlässt, macht X4Quadrat einen Verschränkungstest, einmal ohne und einmal mit Kabine. So sieht das Team, wie sich Staukästen und Verkleidungen verhalten, wenn sich der Rahmen bewegt.
Unter der Kabine sitzen auf beiden Seiten maßgefertigte Staukästen aus schwarz pulverbeschichtetem Aluminium. Die Kästen decken zugleich die Räder ab und tragen Radläufe aus Kunststoff, die Catharina wegen ihrer Robustheit und Langlebigkeit schätzt. Im vorderen Kasten auf der Seite der Eingangstür verstaut man während der Fahrt die Einstiegstreppe. Der hintere Kasten war bei Marcels Fahrzeug auf der Abenteuer & Allrad noch frei. Wer gern draußen kocht, kann sich an dieser Stelle die Vorbereitung für eine Außenküche einbauen lassen.
Ein Unterfahrschutz sitzt tief am Heck und soll verhindern, dass ein Auto bei einem Auffahrunfall unter den hohen Aufbau gerät. In den Fahrzeugpapieren des Saurer ist kein Unterfahrschutz vorgeschrieben. Marcel hat sich trotzdem einen gewünscht. Am Saurer lässt sich der Schutz hochklappen, damit er beim Fahren über Steine oder steile Kanten nicht am Boden aufsetzt.
Die Heckgarage im hinteren Teil der Kabine erreicht man über eine große Klappe in der Seitenwand auf der Beifahrerseite, die nach oben aufschwingt. Weil die Ladekante hoch über dem Boden liegt, gehört eine Leiter dazu. Sie wird zum Be- und Entladen in zwei Aufnahmen unter der Klappe eingehängt. An der Rückwand der Kabine sind unten auf der schrägen Fläche über den Rückleuchten schon zwei Halteplatten für einen Heckträger angeschraubt. Marcel möchte dort eine umgebaute Staplervorrichtung montieren lassen, die Motorrad und Ersatzrad wie ein Gabelstapler nach oben und unten fährt.
Die Wassertechnik sitzt auf der Fahrerseite im hinteren Teil der Kabine, in einem Fach hinter einer Klappe in der Außenwand. Dort arbeiten ein Grobpartikelfilter, der Sand und andere Schwebstoffe zurückhält, und eine UV-Desinfektion von WM aquatec aus Erkenbrechtsweiler, deren ultraviolettes Licht Keime abtötet. Beide behandeln das Wasser auf dem Weg vom Tank zu den Zapfstellen. Im Frischwassertank liegt zusätzlich ein Silbernetz. Das Netz gibt Silberionen ab, die das Keimwachstum im Tankwasser hemmen.
Wer auch Wasser aus Seen oder Bächen trinkbar machen möchte, kann zusätzlich eine Vorfiltration einbauen lassen, die das Wasser schon vor dem Tank reinigt. Für Reisen in Europa ist sie nach Catharinas Einschätzung nicht nötig und Marcel will mit dem Saurer vorerst in Europa bleiben. Besonders gern reist er nach Rumänien.

Im selben Fach sitzt die Wasserpumpe, die sich über zwei Schnellverschlüsse wechseln lässt. Muss sie unterwegs einmal getauscht werden, sperrt man sie vom übrigen Leitungsnetz ab. So läuft beim Tausch kein Wasser aus den vollen Schläuchen ins Fahrzeug. Im unteren Teil des Fachs arbeitet eine Bilgepumpe. So heißen Pumpen, die auf Booten das Wasser aus dem tiefsten Teil des Rumpfs nach außen befördern. Das Duschwasser sammelt sich zunächst in der Duschtasse, die als kleines Reservoir dient. Sobald ein Schalter in der Duschtasse einen bestimmten Füllstand meldet, pumpt die Bilgepumpe das Wasser in den Grauwassertank am Heck.
Der Frischwassertank fasst 300 Liter und sitzt in der Kabine unter einer Sitzbank der Sitzgruppe. Für Grauwasser stehen am Heck 250 Liter bereit. Beide Tanks fertigt die KF Kunststoffschmiede nach den Vorgaben von X4Quadrat. Wie bei allen Tanks, die X4Quadrat verbaut, liegen die Anschlüsse für Schläuche und Leitungen oben an der Tankkante. Unten gibt es keinen Auslass und damit auch keine Stelle, an der Wasser austreten könnte. Gerade beim Frischwassertank unter der Sitzbank zählt das, weil Wasser aus einem undichten Anschluss dort unbemerkt in die Kabine laufen würde.
Direkt unter dem Eingang hängt außen am Lkw-Rahmen ein zylindrischer Dieseltank mit 600 Litern. Weil er viel Platz einnimmt, blieb dort wenig Raum für eine klassische Treppe. Vor der Tür sitzt deshalb eine Plattform aus Riffelblech, die sich Marcel ohnehin gewünscht hatte. Während der Fahrt ist sie unter die Kabine eingeschoben. Am Stellplatz zieht man sie heraus, befestigt die Scherentreppe an ihr und klappt die Treppe auseinander. Die Treppe lässt sich so anbringen, dass sie von der Plattform nach vorn in Richtung Fahrerhaus oder nach hinten zum Boden führt.
Auf derselben Seite ist an der Kabine eine Markise angebracht, die sich allein in fünf Minuten auf- und wieder abbauen lässt. Catharina zufolge ist sie sturmsicher. Aufgebaut reicht die Markise von der Tür aus nach hinten an der Kabine entlang. Dann führt die Treppe nach vorn, damit man beim Aussteigen nicht gegen die Markise und ihre Stützen läuft. Ohne Markise kann sie auch nach hinten zeigen.

Die Wände der Kabine bestehen aus glasfaserverstärktem Kunststoff, kurz GFK, der innen weiß ist. Davon sieht man in dieser Kabine kaum etwas. Wände und Decke sind mit dunklem Akustikfilz bespannt, der den Schall im Innenraum schluckt. Auch nach außen dringt wenig: Wer vor dem Fahrzeug steht, versteht nicht, was drinnen gesprochen wird. Die Möbel sind aus hellem Multiplex gebaut, einem Holz aus vielen verleimten Schichten. Zusammen mit gelben Kissen auf dunklen Polstern macht das die Kabine gemütlich, wie Catharina findet.
Das Bad liegt vorn nahe der Eingangstür. Seine Wand zum Wohnraum ist abgeschrägt und bildet keinen rechteckigen Kasten, so dass das Bad im Grundriss kaum ins Gewicht fällt. Auf der Beifahrerseite schließt sich an die Eingangstür die Küche an und gegenüber auf der Fahrerseite liegt die Sitzgruppe. Im Heck befindet sich quer ein Bett mit 1,40 mal 2,00 Metern. Zum Wohnraum hin fasst eine Blende aus Holz das Bett ein. Sie läuft oben unter der Decke entlang und an der Seite bis zur Bettkante hinunter und hat abgerundete Ecken. So liegt das Bett in einer eigenen Nische, die es vom Wohnbereich abtrennt. Das erinnert an eine Koje auf einem Schiff. Auf Wunsch baut X4Quadrat den Schlafbereich auch offener oder noch geschlossener, weil jeder Kunde Grundriss und Farben selbst festlegt. Rund um das Bett laufen Hängeschränke und darüber sitzt ein Dachfenster von Outbound.
Jeder Lichtkreis lässt sich einzeln schalten. Das Licht kann man außerdem von Warmweiß auf Kaltweiß umstellen, etwa wenn man in der Küche je nach Tageslicht anderes Licht braucht.
Die Sitzgruppe bietet vier Personen Platz, obwohl das Fahrzeug für zwei gebaut ist. Der Tisch lässt sich in jede Richtung verschieben und über einen Hebel mechanisch absenken. Ganz abgesenkt macht er aus der Sitzgruppe eine zusätzliche Liegefläche. Der Boden der Sitzgruppe liegt eine Stufe höher als der Gang. Unter diesem Podest sitzen die Batterie und der Wechselrichter, der aus dem Batteriestrom 230 Volt für Steckdosen und die Induktionsplatte macht. Um an sie heranzukommen, baut man den Tisch ab und zieht das Podest nach vorn heraus.
Marcel wollte ausdrücklich überall an die Leitungen herankommen. Deshalb besteht auch der übrige Boden aus einzelnen Multiplex-Platten mit Linoleum, die sich herausheben lassen. Darunter verlaufen im Doppelboden Strom-, Wasser- und Heizungsleitungen, die so zur Wartung jederzeit zugänglich sind.
Gas braucht die Kabine nicht. Weil sich Gasflaschen und ihre Anschlüsse von Land zu Land unterscheiden, muss man so im Ausland auch keine passenden Flaschen suchen. Gekocht wird auf einem Dieselkochfeld von Wallas aus dem finnischen Kaarina, einem Hersteller von Heiz- und Kochgeräten für Boote und Campingfahrzeuge. Unter der Glasfläche heizt ein Dieselbrenner die vordere Kochzone, während die hintere Zone über deren Abwärme mit erwärmt wird. Bedient wird das Kochfeld über ein Panel oberhalb der Kochzonen mit sechs Stufen. Nach dem Einschalten läuft zuerst ein Lüfter an, dann zündet der Brenner und nach ein paar Minuten ist das Kochfeld heiß. Den verbreiteten Eindruck, solche Kochfelder seien deutlich langsamer als ein Gasherd, hält Catharina für überholt.
Der Brenner arbeitet geschlossen unter dem Glas und seine Abgase gelangen über ein eigenes Rohr nach draußen. Dieser Abgasstrang läuft verkleidet durch den hohen Schrank zwischen Bett und Küche und oben nach außen. Zu Dieselkochfeldern wie diesem gibt X4Quadrat seinen Kunden gern eine Induktionsplatte mit, die sich bei viel Sonne als dritte Kochstelle nutzen lässt.

Die unteren Schubladen in der Küche sind tief genug für Töpfe und Schüsseln. Unter der Spüle hat sich Marcel einen Schrank mit Tür gewünscht, in dem dank des nahen Wasseranschlusses auch eine Waschmaschine Platz fände. Neben der Badtür ist ein Kühlschrank von Dometic verbaut und darüber liegt ein größeres Fach für sperrige Dinge.
Die gesamte Elektrik stammt von Victron. Die Batterie speichert 7,2 kWh und die Solarmodule auf dem Dach bringen es auf rund 1.500 Watt Spitzenleistung. An sonnigen Tagen reicht das auch für die Induktionsplatte. Eine Klimaanlage hat X4Quadrat nicht verbaut. Für Catharina brauchen heutige Klimaanlagen zu viel Strom, um sie fern vom Stromanschluss allein mit Batterie und Solar zu betreiben. Für frische Luft sorgt ein Dachlüfter vom Typ Maxxfan. Ein Display im Eingangsbereich zeigt den Ladestand der Batterie und die Füllstände von Frisch- und Grauwasser.
Hinter einer Schranktür im Eingangsbereich sitzen die Geräte von Victron mit ihren Sicherungen, aufgebaut wie in einem Schaltschrank. Wie man es aus der Industrie kennt, bekommt jeder Kunde den vollständigen Schaltplan dazu. So weiß er bei einem Ausfall, wo er zuerst nach der Ursache suchen muss.
Geheizt wird mit einer Wallas Viking Water in Kombination mit einem Matrix Heater. Die Viking Water verbrennt Diesel und erwärmt damit eine Heizflüssigkeit, die durch einen Kreislauf in der Kabine läuft. Die Heizung leistet zwischen 900 und 3.000 Watt und verbraucht dabei 0,10 bis 0,30 Liter Diesel pro Stunde. Auf der Messe hat uns Pasi, der technische Leiter von Wallas, das System erklärt. Ihm zufolge steckt in der Heizung kein einziges Kunststoffteil, damit sie auch unter rauen Bedingungen lange hält. Im Betrieb ist sie kaum zu hören.
Die Heizflüssigkeit läuft durch einen Warmwasserspeicher und erwärmt dort das Wasser zum Duschen. Der gefüllte Speicher wirkt zugleich als Puffer. So läuft die Heizung lange durch und muss seltener neu starten. Das spart Strom, weil beim Start ein Glühelement den Diesel zündet und dabei viel Energie aus der Batterie zieht.
Der Matrix Heater ist ein Wärmetauscher mit Gebläse, der die Wärme aus der Heizflüssigkeit holt und als warme Luft in die Kabine bläst. Übliche Wärmetauscher dieser Art kennen nach Pasis Worten nur an und aus: Fällt die Temperatur ein halbes Grad unter den eingestellten Wert, springt das Gebläse an und schaltet danach wieder ab. Der Matrix Heater regelt sein Gebläse dagegen stufenlos zwischen 1 und 100 Prozent. So hält er die Temperatur gleichmäßig und bleibt dabei sehr leise. Wallas baut den Matrix Heater in zwei Größen. Für eine Kabine wie diese ist die größere gedacht, wie Pasi bestätigt. Im Saurer sitzt sie in einem Fach unter einer Sitzbank der Sitzgruppe.

Die Wärme gelangt auf zwei Wegen in die Kabine: über Luftausströmer im Wohnraum und über einen Handtuchheizkörper im Bad, durch den die Heizflüssigkeit fließt. Im Heizkreis zirkuliert ein Frostschutzgemisch mit Glykol, wie man es vom Kühler eines Autos kennt. Deshalb kann dort nichts einfrieren, selbst wenn die Heizung außen in einer Staukiste säße. Wer das Fahrzeug einen Monat bei Frost abstellt, muss an der Heizung nichts vorbereiten.
Im hohen Schrank neben dem Bad sitzt die Wasserverteilung, an der sich Küche, Waschbecken, Dusche und Boiler jeweils warm und kalt absperren lassen. Alle Hähne sind beschriftet. Vor einer längeren Standzeit lässt man das Wasser aus den Leitungen ohnehin ablaufen, wie Catharina erklärt.
Im Bad hat X4Quadrat eine Verbrennungstoilette verbaut, die Cinderella Travel aus Norwegen in der Dieselausführung. Eine Kassette, die man an einer Entsorgungsstation leeren müsste, gibt es damit nicht. Vor dem Toilettengang legt man einen Papierbeutel in die Schüssel, der an eine große Kaffeefiltertüte erinnert. Nach der Benutzung schließt man den Deckel und drückt den grünen Knopf. Dann öffnet sich eine Klappe und der Beutel sinkt in die Brennkammer, wo alles zu Asche verbrennt. Die Abgase führt ein Rohr über das Dach nach draußen.
Um den Aschebehälter zu leeren, klappt man die ganze Toilette hoch und darunter kommt der Behälter zum Vorschein. Nach drei Testläufen mit je 200 Millilitern Wasser lag darin nur sehr wenig Asche. Cinderella rechnet mit rund 70 Toilettengängen, bis der Behälter geleert werden muss. Warten muss man zwischendurch nicht. Auch während einer laufenden Verbrennung lässt sich die Toilette wieder benutzen und Cinderella nennt drei bis vier Toilettengänge pro Stunde.
Dusche und Toilette teilen sich einen Raum. Geduscht wird auf einer Duschtasse der KF Kunststoffschmiede, auf der ein Rost aus Kunststoff mit Abläufen liegt. Man steht beim Duschen direkt auf dem Rost und das Wasser läuft darunter ab. Den Duschbereich trennt ein maßgefertigter Vorhang ab, der mit Magnetbändern an einer Schiene an der Seite haftet. So entsteht eine durchgehende Abtrennung statt eines lose herabhängenden Vorhangs, der sich beim Duschen an den Körper legt, und die Toilette bleibt trocken. Die Möbel im Bad tragen eine Oberfläche aus HPL. Der harte Schichtstoff ist auch von Küchenarbeitsplatten bekannt und vollständig wasserfest. Weil zudem alles versiegelt ist, kann nirgends Wasser eindringen oder dahinterlaufen.
Von der ersten Anfrage über die Planung bis zur Übergabe der schlüsselfertigen Kabine vergeht bei X4Quadrat rund ein Dreivierteljahr.
Für die Kabine mit Zwischenrahmen, kompletter Einrichtung und den pulverbeschichteten Staukästen nennt Catharina 180.000 Euro netto. Marcel versteuert sein Fahrzeug in der Schweiz. Wer in Deutschland bestellt, zahlt zusätzlich 19 Prozent Mehrwertsteuer und kommt auf 214.200 Euro. Dazu kommt das Basisfahrzeug. Ein Saurer 6DM kostete in Deutschland und im übrigen Europa zwischen 15.000 und 25.000 Euro, wenn man einen bekam.
Hinzu kommen Ersatzteile. Wer einen so alten Lkw fährt, sollte außerdem selbst schrauben können. Marcel hat viele Ersatzteile auf Lager. Sollte einmal der Bedarf bestehen, lässt sich die X4Quadrat-Kabine auch auf ein anderes Fahrgestell setzen, wenn Radstand und Länge zu ihr passen. Den Zwischenrahmen baut X4Quadrat dann nach den Aufbaurichtlinien des neuen Fahrgestells neu.
Inzwischen bietet X4Quadrat seine schlüsselfertigen Aufbauten in drei Paketen an. Die Preise reichen von 229.000 Euro für das Paket Basic bis 279.000 Euro für das Paket Expedition, jeweils inklusive Mehrwertsteuer und zuzüglich Basisfahrzeug. Wie jede Kabine von X4Quadrat ist auch die des Saurer nach den Wünschen ihres Besitzers geplant. Wer wie Marcel ein gebrauchtes Armeefahrzeug als Basis wählt, investiert den größten Teil des Budgets in die Kabine.
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