Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit WandererVan vorgestellt.
Der WandererVan Magic Wolf ist ein Kastenwagen auf VW Crafter, in dem man auf den ersten Blick weder Bett noch Dusche findet. Das Bett klappt in die Wand und die Duschtasse liegt unter dem Boden. Siegfried Grabisch von WandererVan hat uns den Van auf dem Caravan Salon 2024 vorgestellt. Das gezeigte Fahrzeug kostet 179.000 Euro.
Siegfried Grabisch von WandererVan, dem der Magic Wolf selbst gehört, wollte einen Van bauen, der anders aufgeteilt ist als die meisten. Nach seiner Beobachtung folgen viele Ausbauten seit Jahren demselben Schema: Vorn liegt die Küche, dahinter das Bad und im Heck ein Querbett. Damit Erwachsene im Crafter quer ausgestreckt liegen können, braucht der Van oftmals rechts und links Verbreiterungen an der Karosserie, und vom Wohnraum bleibt wenig übrig. WandererVan stammt aus Polen und baut sonst vor allem Camper auf dem VW T6.1. Für den Crafter hat das Team einen ganz eigenen Grundriss entworfen, bei dem tagsüber eine große Lounge den meisten Platz bekommt.
Wie gut das Bett versteckt ist, zeigte sich am Messestand. Ein Ehepaar lief durch den Van, suchte das Bett und musste schließlich nachfragen. Sigi kennt das von vielen Besuchern, denn die meisten vermuten das Bett unter dem Boden und wollen es irgendwo herausziehen.
Den Namen verdankt der Van Sigis Wunsch nach einem Wolfsemblem auf dem Fahrzeug. In der Firma wurde daraus das „Magic Wolf Project“, das sich als Running Gag bis zur Messe gehalten hat. Die Arbeit begann im April mit ersten Konzepten, die das Team zusammen mit einem Planer in 3D umgesetzt hat. Danach folgte viel Detailarbeit, bis der Magic Wolf kurz vor der Messe fertig war.
Für den Crafter hat sich Sigi wegen der Länge und des Fahrgefühls entschieden. Vorher ist er einen T6.1 gefahren und findet, dass sich der deutlich größere Crafter kaum anders fährt. Mit 5,99 Metern bleibt der Magic Wolf knapp unter sechs Metern, was auf Stellplätzen und Fähren hilft. Unter der Haube arbeiten 150 PS mit Automatik, alternativ gibt es 177 PS. Ab Werk hat VW den Van mit allem ausgestattet, was es für den Crafter gibt. Wünscht ein Kunde ein anderes Basisfahrzeug, prüft das Team, wie es sich umsetzen lässt.
Das Team legt großen Wert auf eine ruhige Fahrt und hat den gesamten Innenraum gedämmt. Beim T6.1 hat WandererVan gemessen, dass die Dämmung die Innengeräusche um 5 Dezibel senkt. Sigi geht davon aus, beim größeren Crafter sei der Effekt noch etwas stärker. Auch die Türen fallen dadurch satt ins Schloss, so wie man es von einem Pkw kennt.
Weil normale Markisen bei Wind heikel sind, hat Sigi eine Markise gewählt, die sich um 180 Grad ausfahren lässt. Die Markise sitzt auf der Seite der Schiebetür und reicht um die hintere Ecke bis über das Heck. Abgespannt wird sie vorn am Vorderrad und hinten am Ersatzrad. So steht sie auch bei Wind sicher, ohne dass man bei jeder Böe um sie bangen muss.

Statt einer elektrischen Trittstufe hat Sigi eine feste Trittschiene unter der Schiebetür gewählt, die optisch besser zum Van passt. An der Hinterachse sitzt eine Luftfederung, die sich rechts und links getrennt steuern lässt. Auf schiefem Untergrund richtet man den Magic Wolf damit hinten gerade aus.
Hinter dem Fahrerhaus ist an der Fahrerseite eine lange Sitzbank eingebaut. Die Bank zeigt zur Schiebetür, weil Sigi weder auf eine Küche noch in Fahrtrichtung schauen wollte. Wer dort sitzt, blickt durch die offene Tür auf die Landschaft, die er sich als Stellplatz ausgesucht hat. Am vorderen Ende lässt sich eine Beinverlängerung hochklappen, die die Sitzfläche nach vorn verlängert und den Beinen Halt gibt. Klappt man auch das zweite Teil hoch, kann man sich nach Sigis Worten ein bisschen lang machen. Unter der Sitzbank ist viel Stauraum.

Vor der Bank steht ein Tisch aus Eiche auf einer Säule, der bis in die Türöffnung reicht. So sitzt man beim Essen fast schon draußen. Gegenüber auf der Beifahrerseite befinden sich an der Schiebetür zwei kleine Blöcke. Verschiebt man sie, entsteht ein Platz gegenüber der Bank. Beide Blöcke bieten innen zusätzlichen Stauraum.

Der Boden ist mit Schienen ausgestattet, in die sich ein dritter und sogar ein vierter Sitz einsetzen lassen. Damit können bis zu vier Personen mitfahren. Auf der Messe stand der dritte Sitz draußen vor dem Fahrzeug, weil der Innenraum ohne ihn noch großzügiger wirkt. Die Fahrerhaussitze lassen sich drehen und gehören so mit zur Sitzrunde. Wie viel Platz der Grundriss bietet, zeigte sich am Tag vor unserem Gespräch. Sigi erzählt, sieben Personen seien gleichzeitig im Van gewesen und trotzdem habe der Innenraum nicht voll gewirkt.

Über der Sitzbank zieht sich eine Front aus Eiche, in die eine beleuchtete Bergsilhouette eingearbeitet ist. Diese Front ist die Unterseite des Betts, das tagsüber senkrecht an der Wand steht. Zum Ausklappen nimmt man zuerst das obere Rückenpolster ab und legt es auf die Ablage darüber. Dann klappt man das Bett von der Wand herunter, so dass es über der Sitzbank liegt. Gasdruckfedern unterstützen dabei. Nach unten geht das leicht und nach oben braucht man nur im ersten Moment etwas Kraft. Das Bettzeug bleibt einfach liegen und wird mit hochgeklappt.

Ausgeklappt misst das Bett 1,95 mal 1,40 Meter und Kopf- und Fußteil lassen sich elektrisch verstellen. Tagsüber liegt das Fenster an der Fahrerseite hinter dem hochgeklappten Bett. Ist das Bett ausgeklappt, lässt sich das Fenster öffnen. Sigi war wichtig, dass man so bei frischer Luft schlafen kann.

Die Möbel bestehen aus massiver Eiche. Trotzdem bringt der Van nicht zu viel auf die Waage, denn das Team hat beim Bau der Möbel auf das Gewicht geachtet und will noch ein paar Kilo einsparen. Fahrbereit wiegt der Magic Wolf rund 3.000 Kilogramm. Bei 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht bleiben damit rund 500 Kilogramm Zuladung für Mitfahrer, Wasser und Gepäck. Wichtig ist das, weil man den Van so mit dem normalen Pkw-Führerschein fahren darf.
Die Küche liegt im hinteren Teil des Wohnraums. Auf der Beifahrerseite gibt es ein Induktionskochfeld und einen Kompressorkühlschrank mit 95 Litern. Gegenüber auf der Fahrerseite schließt an die Sitzbank ein großes Spülbecken an, in dem sich auch ein Topf vernünftig spülen lässt. Das Becken dient zugleich als Waschbecken für das Bad.

Auch die Dusche ist versteckt. Zwischen Küchenblock und Spülbecken lässt sich vor den Hecktüren ein Teil des Bodens herausnehmen. Darunter kommt die Duschtasse zum Vorschein, die WandererVan wie die übrigen Teile des Bades auf eigenen CNC-Maschinen fertigt. Zum Duschen zieht man ein Rollo einmal ganz herum und erhält so einen abgetrennten Nassbereich. Als Toilette ist eine Trockentrenntoilette vorgesehen, die man zum Benutzen herausdreht.


Der Magic Wolf kommt ganz ohne Gas aus. Den Strom liefern zwei Lithium-Eisenphosphat-Batterien mit je 250 Amperestunden, zusammen also 500 Amperestunden. Mit dieser Kapazität wollte Sigi lange autark stehen können. Als Wechselrichter ist ein MultiPlus von Victron Energy verbaut, der dauerhaft 2.400 Watt leistet. Damit laufen Induktionskochfeld und Föhn mit Strom aus den Batterien. Auf dem Dach liegen Solarmodule mit mehr als 600 Watt.
Für Wärme sorgt eine Wasserheizung von Autoterm. Die Heizung erwärmt einen Heizkreislauf, der durch eine Fußbodenheizung im Wohnraum läuft. Ein Konvektor heizt bei Bedarf nach. Außerdem bereitet die Heizung 8 Liter Warmwasser zum Duschen und Spülen. Frisch- und Abwassertank fassen je 100 Liter und lassen sich beheizen.
Gesteuert wird alles über das System Arvikon, dessen Touchscreen über der Küche sitzt. Dort hat man Batterien, Solaranlage und Tanks im Blick und schaltet das Licht, per App auch vom Bett aus. Droht das Wasser in den Tanks einzufrieren, schaltet das System die Heizung zu. Statt fester Sicherungen arbeitet es nach Sigis Worten mit elektronischen Sicherungen.

Statt einer Klimaanlage setzt Sigi auf einen Dachlüfter, der nach seiner Erfahrung gute Arbeit leistet. Wer in sehr heiße Länder reist, kann eine Klimaanlage nachrüsten lassen.
So wie der Magic Wolf auf dem Caravan Salon 2024 stand, bot WandererVan ihn für 179.000 Euro an. Weil der Van etwas edler werden sollte, hat das Team viel Leder verarbeitet. Auch die Innenseiten der Türen sind mit Leder ausgeschlagen. Über dem Fahrerhaus hat WandererVan die Ablage von VW angepasst, damit man beim Einsteigen mehr Kopffreiheit hat. Dazu kommen die Möbel aus massiver Eiche, die Luftfederung und die Technik für autarke Tage ohne Gas. Tagsüber verschwinden Bett und Dusche, und die Lounge mit Blick durch die Schiebetür bekommt den Platz.
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