Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit Vanside vorgestellt.
Der Vanside TRUDY ist ein rund sieben Meter langer Allrad-Van für zwei, der mit den Anbauten am Heck auf 7,60 Meter kommt. Das Bad liegt auf der Beifahrerseite und die Küche zieht sich über beide Seiten. Gründer Lukas Maier hat uns das Kundenfahrzeug auf der Abenteuer & Allrad 2025 vorgestellt. Der Grundpreis für den Ausbau lag bei rund 100.000 Euro. Das gezeigte Fahrzeug kostete mit Basisfahrzeug rund 265.000 Euro.
Wer mit dem eigenen Camper bis ans Nordkapp fahren will, möchte unabhängig von Campingplätzen sein und braucht eine Kombination aus Dämmung und Heizung, die auch der Kälte im hohen Norden gewachsen ist. Mit genau diesen Wünschen kam der Kunde zu Vanside. Sein Sprinter ist für zwei Personen ausgelegt und wurde komplett nach seinen Vorstellungen geplant. Die erste große Reise soll im Herbst Richtung Nordkapp gehen und für Lukas kann man mit dem Van auch im Winter ohne Probleme losfahren. Gedämmt ist der Sprinter mit Armaflex, das an manchen Stellen 60 Millimeter stark ist. Dazu kommen zwei Dieselheizungen mit zusammen 6 Kilowatt und ein isolierter Abwassertank. Ein persönlicher Wunsch des Kunden war außerdem das Bad auf der Beifahrerseite.
Vanside aus Lorch im Schwabenland baut Reisemobile aus und die Wurzeln reichen weit zurück: Lukas hat die Werkstatt seines Vaters übernommen, der schon lange Sonderfahrzeuge baut. Früher entstanden dort Bestattungsfahrzeuge, deren eingebaute Stauraumschränke während der Fahrt sicher halten müssen. Diese Erfahrung steckt heute im Möbelbau, auf den Vanside besonderen Wert legt. Lukas ist selbst Schreiner wie mehrere Mitglieder seines Teams. Alle Möbelteile konstruiert Vanside am Computer und fräst sie auf der eigenen CNC-Maschine. Bevor das erste Teil zugeschnitten wird, bekommt der Kunde die fertige Konstruktion als Datei und gibt sie frei oder lässt noch Änderungen einfließen. Bis auf die Raptor-Lackierung übernimmt Vanside alle Arbeiten am Fahrzeug selbst.
Der Sprinter ist auf 4,6 Tonnen aufgelastet. Wie Lukas erklärt, wären mit der passenden Kombination aus Felgen und Reifen sogar 4,8 Tonnen möglich. Abfahrbereit mit vollem Kraftstofftank, 225 Litern Frischwasser sowie Fahrer und Beifahrer wiegt der Van rund 4,1 Tonnen. Damit bleibt rund eine halbe Tonne Zuladung für alles, was mit auf die Reise geht, von den Fahrrädern am Heck bis zu Kleidung und Lebensmitteln. Für diese Gewichtsklasse braucht man den Führerschein der Klasse C1 oder die alte Klasse 3.
Im Kühlergrill sitzen zwei Zusatzscheinwerfer als Fernlicht. Frontschürze, Grill und die Kunststoffteile ringsum tragen Raptor-Lack, eine raue und sehr widerstandsfähige Beschichtung. Vorn unter dem Fahrzeug sitzen ein Anbausatz für eine Seilwinde und ein pulverbeschichteter Unterfahrschutz.
Auf dem Dach ist ein Dachträger von Dutch Van Parts montiert, der sich aus einzelnen Modulen zusammensetzen lässt. Darauf liegt ein Holzdeck, auf dem man sitzen und liegen kann. Oben gibt es zwei Halterungen für Hängematten, eine Beleuchtung rund um das Deck, eine Antenne für den 5G-Router und eine Rückenlehne, die man in das Deck steckt und in alle vier Himmelsrichtungen ausrichten kann. Die Solarmodule mit 180 Watt sind nicht begehbar und deshalb fest im vorderen Teil montiert, wo man auf der Terrasse ohnehin nicht hintritt. Weil das Deck das Dach beschattet, heizt sich der Van in der Sonne kaum auf. Bei knapp 30 Grad war es während unseres Besuchs innen deutlich angenehmer als draußen, ohne dass ein Lüfter lief.

Für die Anbauten am Heck setzt Vanside gern auf Teile von XBULL. Eine Grundplatte an den Hecktüren trägt auf der einen Tür das Reserverad und darunter die Staubox B900, auf der anderen einen Fahrradlift. Weil die Platte den Türgriff verdeckt, öffnet man die Hecktür über eine Griffverlängerung. Dank des Lifts muss man auch ein schweres E-Bike nicht in die Halterung heben: Man hängt das Vorderrad ein, gibt dem Rad einen leichten Schubs und der Lift zieht es nach oben, wo man es oben und unten festspannt. Die Staubox ist unten abgeschrägt, damit der Böschungswinkel erhalten bleibt. Innen lässt sie sich so einteilen, dass Euroboxen hineinpassen, die man zu Hause packt und nur noch einstellt.
Wie viel Gewicht man den Hecktüren zumuten kann, ist bei Vans ein großes Thema, bei dem jeder seine eigene Meinung hat. Reserverad, Staubox und Fahrräder hängen schließlich an den Scharnieren der Türen. Ist die Grundplatte nach den Vorgaben von XBULL montiert, sieht Lukas darin kein Problem, solange es bei zwei leichten Fahrrädern und etwas Gepäck in der Staubox bleibt. Vier oder fünf Räder, vor allem E-Bikes, würde er nicht an die Hecktüren hängen.

Ein Querbett braucht im Sprinter mehr Breite, als die Karosserie hergibt. Vanside baut deshalb im Heck auf beiden Seiten sogenannte „Ohren“ ein. Das sind abgerundete Ausbuchtungen in den Seitenwänden auf Höhe des Bettes, die den Innenraum dort nach außen erweitern. Auf der Fahrerseite steht die Verbreiterung rund 16 Zentimeter heraus. Auf der Beifahrerseite sind es rund 10 Zentimeter, damit die Schiebetür beim Öffnen daran vorbeigleiten kann. Mit diesem Gewinn hat das Querbett eine Liegefläche von 2,00 mal 1,40 Metern.
Gefertigt sind die Verbreiterungen aus dem Kunststoff ABS statt aus dem sonst üblichen GFK. Bei GFK hat Vanside erlebt, dass sich die Verklebung löste und Blasen bildete. Mit ABS passiert das nicht und die Teile lassen sich außerdem sehr einfach montieren. Innen sind sie mit 19 Millimeter starkem Armaflex gedämmt und mit Merinofilz verkleidet, den ein Zweikomponentenkleber dauerhaft an seinem Platz hält.
Weil das Bett quer liegt, gewinnt der Sprinter gegenüber einem Längsbett 30 bis 40 Zentimeter Wohnraum. Vanside nutzt den Platz für einen Kleiderschrank mit verstellbaren Fachböden, in den man bei Bedarf oben eine Kleiderstange einhängt. Darunter liegen drei große Schubladen.
Beim Armaflex nimmt Vanside jeweils so viel, wie die Stelle hergibt. Wo es eng ist, sind es 20 Millimeter. Auch die Hecktüren sind oberhalb des Bettes gedämmt und dort vollflächig mit 5 Millimeter starkem Pappelholz verkleidet, das mit Merinowolle bezogen ist. In den Hohlraum der Schiebetür läuft beim Sprinter immer etwas Wasser. Vanside dämmt die Tür deshalb so, dass es ablaufen kann und sich kein Schimmel bildet. Der Boden besteht aus einer Unterkonstruktion mit 10 Millimeter starkem Armaflex, einer Pappelplatte und einem Parkett aus Bambus, das aus Gewichtsgründen nur im sichtbaren Bereich liegt. Für die Decke hat Vanside sogar massiven Bambus verwendet und trotzdem ging die Rechnung mit dem Gewicht auf.
Vorn bildet der gedrehte Beifahrersitz zusammen mit einem schwenkbaren Tisch den Essplatz. Den Tisch schwenkt man so, dass der Beifahrer bequem an seinen Teller kommt. Gegenüber hat Vanside eine Sitzbank mit Leopardenmuster eingebaut, unter der der Subwoofer der Soundanlage von Jehnert und eine der Heizungen sitzen. Die Bank ist ein Sitzplatz für den Stand. Gereist wird zu zweit im Fahrerhaus.
Für draußen gibt es einen Tisch, den Vanside in jedes Fahrzeug einbaut, das am Einstieg eine passende freie Fläche hat, etwa an der Seite eines Küchen- oder Stauraumschranks. Im TRUDY ist es die graue Seite des Spülenblocks, die man direkt vor sich hat, wenn man die Schiebetür öffnet. An dieser Fläche halten Magnete während der Fahrt die Tischplatte und das Tischbein hochkant fest. Zum Aufbauen nimmt man beides ab und hängt die Platte unten an der Einstiegskante ein, so dass sie waagerecht nach draußen ragt. Das Tischbein setzt man schräg darunter in die Trittstufe unter der Schiebetür. Dort sitzt es fest, so dass niemand den Tisch versehentlich wegschiebt. Für eine kurze Pause muss man so nicht erst den Campingtisch aufbauen. Die Idee stammt von Vanside und inzwischen ist der Tisch in rund 20 Fahrzeugen eingebaut.

Ein Sprinter wirkt innen schnell eng, wenn beide Längsseiten mit hohen Schränken zugebaut sind. Im TRUDY zieht sich die Küche über beide Seiten des Gangs. Auf der Beifahrerseite liegt gleich neben dem Einstieg an der Schiebetür die Spüle, über der statt Hängeschränken ein Fenster sitzt. Dahinter folgt die Duschkabine. Ihre Breite passt Vanside auf den Millimeter an und weil die Toilette erst bei Bedarf in die Kabine gezogen wird, genügt beim TRUDY eine Dusche, die so breit ist, wie man zum Duschen braucht. So bleibt diese Seite des Wohnraums offen. Auf einer Seite sollte nach dem Wunsch des Kunden alles liegen, was mit Wasser zu tun hat. Spüle, Dusche, Wassertank und Wasserfilter befinden sich deshalb auf der Beifahrerseite. Die Spüle hat eine Abdeckplatte aus Bambus, die beim Kochen zur zusätzlichen Arbeitsfläche wird.

Auf der Fahrerseite gegenüber ist die Arbeitsfläche rund 1,70 bis 1,80 Meter lang. Dort sind ein Induktionskochfeld mit zwei Zonen und eine versenkbare Steckdosensäule mit 230 Volt eingebaut. Die Schubladen der Küche hat Vanside nach den Wünschen des Kunden eingeteilt. Dazu gehört ein kleiner Apothekerschrank, den der Kunde für seine Sachen haben wollte. Für das Besteck von WMF hat Vanside Einsätze gefräst, damit unterwegs nichts klappert. Liefert ein Kunde Geschirr und Töpfe vorab an, bekommt jede Schublade einen passend gefrästen Einsatz aus Schaumstoff. Belastbar ist jede Schublade mit bis zu 70 Kilogramm. Gekühlt wird mit einem Kühlschrank von IndelB, der 126 Liter fasst und ein kleines Gefrierfach hat. An Bord ist kein Gas und alles läuft über Strom. Damit liegt der Van im Trend. Lukas zufolge sind rund 95 Prozent der Fahrzeuge, die Vanside baut, gasfrei.
Das Bad kommt auf Wunsch des Kunden ohne Waschbecken aus. Ein Klappwaschbecken oder ein kleiner Spiegelschrank lassen sich aber einbauen, weil an der Wand neben der Badtür rund 20 Zentimeter Platz bleiben. Die Duschwanne fertigt Vanside aus Aluminium, das dicht verschweißt und pulverbeschichtet wird. Darauf liegt ein Holzrost, damit man beim Duschen nicht auf dem kalten Aluminium steht. Wer die Außendusche am Heck benutzt, nimmt den Rost mit nach draußen und steht dort nicht im Matsch. Ohne den Holzrost bleibt in der Dusche eine Stehhöhe von rund 1,87 Metern. Die Wände bestehen aus demselben HPL-Schichtstoff wie die Möbel. Der Schichtstoff ist wasserfest. Wo zwei Platten aneinanderstoßen, verklebt Vanside sie vollflächig und verfugt die Naht mit Silikon für Nassräume, so dass im Bad alles nass werden darf.
Die Toilette ist eine Clesana C1, die ihren Inhalt ohne Chemie in Folienbeutel verschweißt. Die Clesana sitzt auf einem Auszug in einer Nische, die unten in der Duschkabine bis hinter den Unterschrank der Spüle reicht. Vor der Nische hängt ein Vorhang, den unten links und rechts Magnete und oben eine Schiene hält, in die sein Rand eingezogen ist. Beim Duschen bleibt die Toilette dahinter trocken. Wer sie benutzen möchte, hebt den Vorhang an und zieht die Clesana auf ihrem Auszug in die Duschkabine hinein. So muss die Dusche nicht um die Größe der Toilette breiter werden. Ein Heizungsauslass in der Dusche und Airline-Schienen unter der Decke machen das Bad außerdem zum Trockenraum. Nasse Regenjacken oder Skikleidung hängt man hinein, öffnet den Auslass und schaltet den Lüfter ein.
Die gesamte Technik hat Vanside in der Heckgarage über den Radkästen untergebracht, damit im Wohnraum möglichst viel Stauraum bleibt. Vom Innenraum aus erreicht man die Garage durch eine Tür aus Lochblech, die Gewicht spart und warme Luft durchlässt. Die Garage hat einen eigenen Heizungsauslass. Ohne ihn würde kalte Luft an den Hecktüren nach oben zum Bett steigen. Unten in der Garage gibt es einen Schwerlastauszug aus Aluminium für die Euroboxen des Kunden. Der Auszug trägt bis zu 160 Kilogramm und lässt sich mit einer Hand entriegeln.
Auf der Beifahrerseite der Garage liegt die Wassertechnik mit der Außendusche, dem Frischwassertank mit 225 Litern und einer Kompaktanlage von WM aquatec, die das Wasser schon beim Befüllen vor dem Tank filtert und mit UV-C-Licht entkeimt. Daneben sitzen ein Boiler von Pundmann mit 10 Litern, Druckminderer und Pumpe. Jede Zapfstelle hat eine eigene Leitung, die sich am Verteiler einzeln absperren lässt. Friert zum Beispiel die Außendusche ein, kann man den Rest des Wassersystems weiter nutzen. So legt ein Schaden fernab einer Werkstatt nicht gleich die ganze Wasserversorgung lahm.
Auf der Fahrerseite liegt die Elektrik. Die Lithiumbatterie von Bulltron hat 460 Amperestunden und speichert bei 12,8 Volt knapp 5,9 Kilowattstunden. Für das Induktionskochfeld ist ein Wechselrichter mit 3.000 Watt eingebaut, ein MultiPlus von Victron. Damit läuft eine Kochzone mit voller Leistung und die zweite mit halber. Am Landstrom gehen beide mit voller Leistung. Reicht der Strom der Stromsäule am Stellplatz dafür nicht aus, ergänzt der MultiPlus das Fehlende aus der Batterie. Strom liefern die Solarmodule auf dem Dach, ein faltbares Solarmodul mit 400 Watt und ein Ladebooster. Wenn die Tage im hohen Norden kurz werden und die Sonne wenig liefert, lädt der Ladebooster die Batterie während der Fahrt mit bis zu 50 Ampere aus der Lichtmaschine nach.

Geheizt wird mit zwei Diesel-Luftheizungen vom Typ Planar von Autoterm mit 4 und 2 Kilowatt, die beide im Innenraum verbaut sind. In wirklich kalten Gegenden laufen beide zusammen. Fällt eine aus, wärmt die zweite weiter. Statt einer Klimaanlage sorgen ein Dachlüfter von Maxxfan und eine Dachhaube Midi-Heki mit einer dauerhaft offenen Lüftungsöffnung für frische Luft.
Ein Ausbau bei Vanside begann bei rund 100.000 Euro und war nach oben offen. Das Basisfahrzeug kauft der Kunde selbst. Vanside hilft bei der Konfiguration und der neue Van kommt dann direkt auf den Hof in Lorch. Der gezeigte Sprinter kostete mit allen Anbauteilen und dem Basisfahrzeug rund 265.000 Euro. Im Preis steckt ein Ausbau, der in jedem Möbelteil auf seinen Besitzer zugeschnitten ist. Dazu kommt eine Ausstattung, mit der der Allrad-Van ganz ohne Gas lange autark bleibt, mit 225 Litern Wasser und 460 Amperestunden.
Die Nachfrage ist groß. Bis ein neues Projekt starten kann, rechnete Lukas mit rund zwölf Monaten Vorlauf. Der eigentliche Ausbau dauerte dann zwei bis drei Monate. Inzwischen gibt es Vanside auch in Köln.
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