Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit Torax vorgestellt.
Der Torax Off Grid ist ein Expeditionsmobil auf einem Mercedes Arocs, das unterwegs aussieht wie ein gewöhnlicher Lkw. Erst am Ziel hebt eine Hydraulik das Dach um einen Meter an und oben entsteht eine Schlafetage. Auf der Abenteuer & Allrad 2025 haben uns Thomas Knust vom Torax-Vertrieb in Deutschland und Cord Brandt von Bukh-Bremen das Fahrzeug vorgestellt. In der gezeigten Ausstattung kostete der Off Grid 1,2 Millionen Euro.
Torax baut Expeditionsmobile in Santa Coloma de Farners, einem kleinen Ort in Katalonien. Nach Angaben des Unternehmens beschäftigt sich das Team seit 2002 mit Geländefahrzeugen und seit einigen Jahren mit dem Ausbau von Lkw. Marc Bonet hat Torax gegründet und führt das Unternehmen. Thomas Knust betreut den Vertrieb und Service für Deutschland von Porta Westfalica aus.
Mit dem Off Grid hat Torax zum ersten Mal ein Fahrzeug in dieser Form gebaut. Die Wohnkabine verfügt über ein Hubdach und eine Hubgarage. Fahrbereit misst der Lkw rund vier Meter in der Höhe. Mit ausgefahrenem Dach kommt er auf rund fünf Meter und bietet zwei Ebenen. Auf der unteren liegen Küche, Bad und Lounge, die obere dient als Schlafzimmer.
Solange das Dach unten ist, verrät von außen nichts, dass hier jemand wohnt. Die Seitenwände des abgesenkten Daches verdecken dann alle Fenster bis auf das Dachfenster. Das mattschwarze Fahrzeug wirkt so wie ein gewöhnlicher Transporter oder ein Militärfahrzeug. Genau das ist gewollt. Wer etwa durch Afrika oder über die Panamericana fährt, zieht mit einem unauffälligen Lkw weniger Blicke auf sich. Niemand sieht von außen, dass darin vielleicht eine Familie Urlaub macht. Für Thomas Knust ist das ein großer Gewinn an Sicherheit.
Das gezeigte Fahrzeug gehört Marc selbst und er vermietet es immer wieder an Filmteams. Am Set dient der Off Grid den Schauspielern als Rückzugsort, in dem sie sich für den Dreh fertig machen oder ihre Pausen verbringen. Bekannte Namen waren schon darunter, die Torax aber nicht verrät. Im spanischen Gelände hat Marc den Off Grid auf Herz und Nieren geprüft. Der Firmengründer wollte wissen, ob sich durch die Stöße im Gelände etwas am Aufbau lockert oder verschiebt und ob es im Innenraum schlägt oder klappert. Wie Torax berichtet, sei nach den Testfahrten alles in bester Ordnung gewesen.
Unter der Kabine arbeitet ein Mercedes Arocs 1836 mit 265 kW / 360 PS und Allradantrieb. Die 18 in der Typbezeichnung steht für 18 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht. Für die schwere Kabine mit ihrer Hydraulik hat Torax den Arocs auf 20 Tonnen aufgelastet. Fahrbereit wiegt der Off Grid 15 Tonnen. Bis zum zulässigen Gesamtgewicht bleiben also rund fünf Tonnen für Wasser, Mitreisende, Gepäck und Fahrzeuge in der Garage. Mitreisen können bis zu sechs Personen.
Die Kabine ist 5,50 Meter lang und besteht aus 60 Millimeter starken Sandwichpaneelen, wie sie auch für Kühlcontainer verwendet werden. An heißen Tagen lassen solche Wände kaum Hitze herein und in kalten Nächten bleibt die Wärme lange drinnen. Eine Klimaanlage ist zusätzlich an Bord. Auf der Messe blieb sie trotz rund 30 Grad ausgeschaltet, ohne dass es in der Kabine übermäßig warm wurde.
Dach, Garage und die Halterung für die Motorräder bewegt eine einzige Hydraulikpumpe. Für jede dieser drei Bewegungen sitzt ein eigenes Ventil im Ventilblock. Die Hydraulik startet man über Tasten direkt an der Pumpe oder über eine Fernbedienung.
Torax hat auch für einen Ausfall der Pumpe vorgesorgt. Die Ventile lassen sich von Hand umstellen und eine gewöhnliche Handpumpe bewegt dann Dach, Garage und Halterung in beide Richtungen. Mitten im Nirgendwo bleibt der Off Grid so nicht mit offenem Dach stehen.
Das Dach greift wie der Deckel eines Schuhkartons außen über die Wände der Kabine. Regenwasser läuft deshalb außen an der Kabinenwand vorbei. Zusätzlich dichtet eine aufblasbare Gummilippe den Spalt zwischen Dach und Kabine ab. Solche Dichtungen kennt man von den ausfahrbaren Raumteilen großer Wohnmobile, den Slideouts. Mit einem Schalter oben in der Kabine pumpt man die Lippe auf, sowohl bei ausgefahrenem Dach als auch für die Fahrt. Damit kommen weder Regen noch Zugluft herein.
Bevor es weitergeht, macht man den Off Grid in wenigen Schritten reisefertig. Zuerst schließt man die Fenster. Dann startet man den Motor, fährt das Dach herunter und die Garage hoch. Zum Schluss pumpt man die Dichtung auf.
Die Garage ist als eigener Block hinten an die Kabine angebaut und reicht über deren ganze Breite. Ein Rolltor verschließt sie. Zum Beladen senkt die Hydraulik den gesamten Garagenblock nach unten ab. Dann kommt man an alles bequem heran und kann auch schwere Teile einladen. Danach schließt man das Rolltor und fährt die Garage wieder hoch an ihren Platz hinter der Kabine. Für die Fahrt ist die Ladung so sicher verstaut.
Die Hubmechanik der Garage ist für vier Tonnen ausgelegt. Im Inneren lassen sich Regale aus Aluminiumprofilen frei verstellen. Anschlüsse für Frischwasser, Abwasser und 230 Volt sind vorhanden. Auf Wunsch findet dort zum Beispiel eine Waschmaschine Platz. Auf der Messe hatten schon mehrere Besucher nach genau diesem Einbau gefragt.
Im gezeigten Fahrzeug transportiert die Garage zwei Motorräder nebeneinander. Die Halterung dafür fährt hydraulisch aus der Garage heraus. So lassen sich die Motorräder leichter auf- und abladen. Statt der Motorräder kann man auch ein Quad mitnehmen. Am Heck sitzen außerdem die Halterungen für die Ersatzräder.

Eine elektrische Treppe fährt an der Tür auf der Beifahrerseite heraus und führt in die Kabine. Dort beginnt die Küche. Die Arbeitsflächen ziehen sich an beiden Längswänden entlang und sind jeweils rund 2,10 Meter lang. Auf der einen Seite befinden sich Spüle, Kochfeld und Backofen. Die andere Seite bleibt frei zum Vorbereiten. Der Kühlschrank mit Gefrierfach fasst 220 Liter. Für eine Spülmaschine sind Wasser, Abwasser und Strom bereits vorbereitet.
Wer essen möchte, zieht einen Tisch aus dem Küchenblock. Die passenden Sitze verstecken sich in den Möbeln. Hinter einer Schubladenfront steckt ein Hocker, den man herausholt und an den Tisch stellt. Auf jeder Seite der Küche gibt es einen solchen Hocker. Thomas Knust stellt sich dort gern ein gemütliches Frühstück mit seiner Frau vor. Nach dem Essen verschwinden die Hocker wieder im Möbel und die geschlossene Schublade hält sie während der Fahrt fest.
Der Boden sieht aus wie das Teakdeck einer Jacht. Tatsächlich besteht er aus einem wasserfesten Kunststoff, wie er auch auf Jachten verlegt wird. Der Belag ist so strapazierfähig, dass die Hocker ohne Filzgleiter darüber geschoben werden. Nach Thomas Knusts Worten dürfte man sogar mit Stöckelschuhen hineingehen.
An den Möbeln setzt Torax auf Metall statt Kunststoff. Die Verschlüsse der Schubladen sind aus Stahl. Damit springt auch auf einer holprigen Piste keine Schublade auf. Ein Smart-Home-System von Loxone schaltet das Licht und die übrige Elektrik digital. Über ein Bedienfeld an der Wand wählt man zum Beispiel die Farbe der Decken- und Bodenbeleuchtung.
Die Wände sind mit einem Akustikbelag verkleidet, der Geräusche von außen fernhält. Der Raum wirkt dadurch ruhiger und Stimmen klingen darin eine Spur tiefer. Torax hat für den Belag ein eigenes Muster aus eingefrästen Wellenlinien entworfen.

Im Heck liegt die Lounge zwei Stufen höher als die Küche. Der Grund dafür steckt darunter: Dort befinden sich das Technikfach und weitere Schubladen. Auf einer Seite ist ein Sofa eingebaut, das sich in eine bequeme Liegeposition verstellen lässt. Gegenüber dient ein Tisch als Arbeitsplatz für den Laptop. Bei ausgefahrenem Dach geben Fenster auf drei Seiten den Blick in die Landschaft frei. Von der Lounge aus sieht man auch die Hydraulikzylinder. Vier davon sitzen in den Ecken der Kabine und heben das Dach an. Hinter einer Klappe ist Platz für ein ausfahrbares Multimedia-System, die Anschlüsse dafür sind schon verlegt.
Die Schlafebene liegt fest über der Küche. Während der Fahrt sitzt das Dach knapp über der Liegefläche. Erst wenn das Dach hochfährt, entsteht über dem Bett genug Raum zum Schlafen. Der Wohnraum darunter bietet immer eine Stehhöhe von 2,03 Metern.
Die Liegefläche reicht über die ganze Breite der Kabine. Selbst ein Mann von rund zwei Metern liegt hier bequem und hat noch etwas Luft. Bis zur Decke ist rund ein Meter Platz, so dass man im Bett aufrecht sitzen kann. Im gezeigten Fahrzeug liegen die Matratzen direkt auf dem Boden der Schlafebene. Wer lieber einen Lattenrost oder ein anderes Bett möchte, bekommt es nach eigenen Wünschen eingebaut. Auch ein zweites Dachfenster ist möglich.

Das Bad hat Torax als Schwenkbad gebaut. Im Alltag steht das Waschbecken mit Spiegel im Raum und man hat viel Platz vor der Toilette. Zum Duschen schwenkt man die Wand mit dem Waschbecken zur Seite und aus dem Bad wird eine Dusche. Ein Metallrost am Boden lässt das Wasser nach unten ablaufen, so dass man nicht im Wasser steht. Ein schmaler Apothekerauszug bietet Platz für Duschgel und Handtücher. Ins untere Fach wirft man die Schmutzwäsche.
Die Toilette ist eine elektrische Marine-Toilette von Planus. Anders als eine Trenntoilette zerkleinert sie den Inhalt mit einem Schneidwerk und pumpt ihn in einen eigenen Schwarzwassertank mit 150 Litern. Für Frischwasser stehen 700 Liter zur Verfügung und der Grauwassertank fasst 300 Liter.
Die gesamte Stromversorgung stammt von WhisperPower. Cord Brandt ist Produktmanager bei Bukh-Bremen, einem Vertriebspartner von WhisperPower. Das große Technikfach liegt unter der Lounge und öffnet sich über eine Klappe in der Außenwand. Weil es recht hoch sitzt, erreicht man es am besten über eine Leiter.
Den Strom speichert eine Batteriebank mit 450 Amperestunden bei 24 Volt, also rund 11 Kilowattstunden. Auf dem Dach liefern vier Solarmodule zusammen rund 1.300 Watt Spitzenleistung. In warmen Regionen reicht das nach Cords Erfahrung, um ohne den Dieselgenerator durch den Tag zu kommen. Während der Fahrt laden zwei Ladebooster mit zusammen bis zu 60 Ampere. Ladebooster bringen den Strom der Lichtmaschine auf die richtige Ladespannung für die Wohnbatterie. Mehr Ladestrom brächte eine zusätzliche Lichtmaschine. In modernen Lkw mit Euro-6-Abgastechnik bleibt im Motorraum dafür aber kaum Platz.
Ein Wechselrichter macht aus dem Batteriestrom 230 Volt für die Steckdosen. Im Off Grid arbeitet ein AC PowerCube mit 7 kVA. Das Gerät versorgt das Kochfeld, die Klimaanlage und später auch eine Waschmaschine. In seinem Gehäuse arbeiten zwei Wechselrichter, jeder mit einem eigenen Anschluss an die Batterie. Fällt einer aus, liefert der andere mit halber Leistung weiter Strom. Auch damit kommt man laut Cord noch gut aus. Für ein Fahrzeug, das fern jeder Werkstatt unterwegs sein soll, ist diese Reserve viel wert.

Für den Norden hat der Off Grid zusätzlich einen Dieselgenerator an Bord. In Ländern wie Kanada oder Norwegen steht die Sonne vor allem im Winter tief. Die Solarmodule speisen dann nur wenig Strom in die Batterien ein. Der WhisperPower Elite 8 leistet 8 kVA und sitzt in einer eigenen Box unter der Kabine. Der Generator saugt seine Luft von oben an, damit beim Durchfahren von Wasser nichts in den Ansaugtrakt gelangt. Typisch für WhisperPower sitzt die Elektronik nicht im Generator. Das Leistungsmodul, das aus dem Generatorstrom saubere 230 Volt macht, ist im Technikfach montiert. Zwei Ladegeräte mit je 100 Ampere laden die Batterie wahlweise über den Generator oder über Landstrom.
Ein Torax Off Grid in der gezeigten Ausstattung kostete 1,2 Millionen Euro. Im Preis enthalten sind die Mehrwertsteuer, die Überführung und die Zulassung. Torax liefert das Fahrzeug also fix und fertig angemeldet aus. Das Team passt Bett, Garage und Ausstattung an die Wünsche des Käufers an.
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