Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit Torax vorgestellt.
Der Torax Nomad Grid ist ein Expeditionsmobil auf dem Iveco Daily 4×4, das ganz ohne Gas auskommt. Die Kabine aus Spanien verfügt über ein Schwenkbad direkt hinter dem Fahrerhaus, eine Küche auf beiden Seiten und eine Rundsitzgruppe im Heck, über der ein Hubbett schwebt. Auf der Abenteuer & Allrad 2025 hat uns Thomas Knust vom Torax-Vertrieb in Deutschland das Fahrzeug vorgestellt. In der gezeigten Ausstattung kostete der Nomad Grid 445.000 Euro.
Wer sich ständig neue Campingfahrzeuge ansieht, lässt sich nicht mehr so leicht beeindrucken. Dem Nomad Grid ist es trotzdem gelungen. Unser erster Gedanke war ein Tiny House auf Rädern. Die Kabine wirkt mit ihren grauen Filzwänden, dem Boden in Holzoptik und dem warmen Licht eher wie eine kleine Wohnung. Auch bei Torax nennt man die Kabine so.
Hinter dem Fahrzeug steht ein junges Unternehmen aus Santa Coloma de Farners in Katalonien. Gründer und Geschäftsführer Marc Bonet baut allerdings mit einer zweiten Firma schon seit mehr als 20 Jahren Transporter um. Seit rund zehn Jahren reist er außerdem selbst mit seinem Lkw. Aus diesen Reisen stammt die Erfahrung, mit der Torax seine Expeditionsmobile plant. Den Innenraum hat Marcs Ehefrau Anna gestaltet. Die Spanierin ist viele Jahre mit Expeditionsfahrzeugen durch Amerika, Afrika und Asien gereist. Marc legt großen Wert darauf, dass der Stauraum dort sitzt, wo man ihn unterwegs tatsächlich braucht.
Thomas Knust kommt aus der Baubranche und hat Marc über gemeinsame Projekte in Spanien kennengelernt. Weil er selbst seit seiner Jugend campt, wurde daraus eine Zusammenarbeit. Von Porta Westfalica aus betreut er den Vertrieb für Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Das ausgestellte Fahrzeug gehört einem Spanier, der zur Abenteuer & Allrad 2025 schon mehr als zwei Jahre damit unterwegs war. Thomas Knust hatte den Nomad Grid zum ersten Mal auf der Caravaning-Messe in Barcelona gesehen. Der Besitzer ist viel mit dem Fahrzeug unterwegs. Im Innenraum schließen Schubladen und Türen trotzdem noch so genau wie am ersten Tag. Thomas Knust hat in den vergangenen Jahren immer wieder erlebt, dass Aufbauhersteller entweder im Fahrzeugbau oder in der Tischlerei stark sind. Torax beherrscht nach seiner Erfahrung beides.
Der Iveco Daily 4×4 leistet 132 kW / 180 PS und hat ein zulässiges Gesamtgewicht von 7 Tonnen. Für das Gelände verfügt er über drei Differenzialsperren, je eine an Vorder- und Hinterachse und eine zwischen den beiden Achsen. Ein Differenzial lässt die Räder einer Achse unterschiedlich schnell drehen, damit das äußere Rad in Kurven den längeren Weg schafft. Im Gelände hat das eine Kehrseite. Die Kraft des Motors geht immer dorthin, wo sie am wenigsten Widerstand findet. Dreht ein Rad im Schlamm durch oder hängt es in der Luft, bekommt es die ganze Kraft und das Rad mit Halt bleibt stehen. Die Sperre verbindet beide Räder fest miteinander. So drehen sie gleich schnell und das Rad mit Halt zieht das Fahrzeug weiter. Fahrbereit wiegt der Nomad Grid rund 6 Tonnen. Bis zum zulässigen Gesamtgewicht bleibt also rund eine Tonne für Wasser, Gepäck und Mitreisende. Allein ein voller Frischwassertank bringt davon schon 300 Kilogramm auf die Waage. Weil das zulässige Gesamtgewicht über 3,5 Tonnen liegt, braucht man in Deutschland den Führerschein der Klasse C1.
Die Kabine passt auch auf andere Fahrgestelle. Torax muss dafür nur den Grundrahmen anpassen, der die Kabine mit dem Fahrgestell verbindet. Kunden können sogar mit ihrem eigenen Fahrzeug kommen und nur die Kabine bestellen. Die meisten bestellen allerdings das komplette Fahrzeug. Thomas Knust übergibt es dann schlüsselfertig, inklusive Zulassung und TÜV-Abnahme in Deutschland.
Über dem Fahrerhaus liegt eine Dachplattform aus Metall mit Geländer. An der vorderen Ecke der Kabine steht ein kleiner Kran. Mit seiner Winde hebt man das Ersatzrad vom Boden auf die Plattform und auch andere schwere Dinge nach oben. Statt des Rades lässt sich dort eine Box für weiteres Gepäck befestigen. Einige Messebesucher möchten die Plattform sogar ohne Kran bestellen und als Balkon nutzen. Thomas Knust gefällt die Idee. Dort oben hätte auch eine Bank Platz. Hinauf kommt man über eine Leiter an der Kabinenwand zwischen Eingangstür und Fahrerhaus. Vorn am Stoßfänger ist außerdem eine elektrische Seilwinde montiert.

Weil der Besitzer weite Reisen unternimmt, wollte er ein zweites Ersatzrad dabeihaben. Dieses Rad hängt am Heckträger, neben einer Box. Darunter sitzt ein Motorradträger. Zum Beladen senkt man seine Schiene schräg bis auf den Boden ab, rollt das Motorrad hinauf und fährt die Schiene wieder hoch. Unter dem Heck zieht man eine breite Schublade heraus, in der Tisch, Stühle oder ein Grill Platz finden. Weitere Staukästen sitzen unter der Kabine. In die Kabine führt eine elektrische Treppe, die an der Eingangstür herausfährt.
Die Wände der Kabine bestehen aus 40 Millimeter starken Sandwichpaneelen, bei denen eine Dämmschicht zwischen zwei festen Deckschichten liegt. Torax baut in jedes Fahrzeug Fenster von KCT ein, auch wenn sie zu den teuren Fenstern gehören. Die Fenster halten Lärm draußen und helfen das Klima in der Kabine angenehm zu halten. Wände und Decke sind mit einem Akustikmaterial verkleidet, wie es auch Tonstudios verwenden. Das Material schluckt den Hall in der kleinen Kabine und lässt sich leicht abwaschen. Für die Verkleidung bietet Torax inzwischen auch ein anderes Design an.
Die Eingangstür sitzt vorn in der Kabine. Dahinter verteilt sich die Küche auf beide Längsseiten. Auf der einen Seite liegen ein Ceranfeld mit zwei Kochzonen und eine Spüle, in die auch ein großer Topf passt. Darunter sind sechs Schubladen eingebaut. Ist eine Schublade zu, bleibt sie auch während der Fahrt zu, ohne dass man sie extra verriegeln muss. Griffe und Verschlüsse sind aus Metall, weil Kunststoff bei den Schlägen auf holprigen Pisten brechen könnte. Gegenüber befindet sich eine zweite Arbeitsfläche mit weiteren Schubladen. Auf dieser Seite sitzt auch der Kühlschrank von Vitrifrigo, der 220 Liter fasst und damit so groß ist wie ein Kühlschrank in einer Wohnung.

Der Nomad Grid kommt ganz ohne Gas aus. Torax arbeitet ausschließlich mit Strom und Diesel. Eine Gasanlage wäre auf Wunsch möglich. Viele Reisende lassen ihr Fahrzeug aber per Schiff auf einen anderen Kontinent übersetzen. Auf dem Schiff muss eine Gasanlage leer oder abgesperrt sein. Mit Strom und Diesel entfällt dieser Aufwand. Das Ceranfeld bekommt seinen Strom über den Wechselrichter.
Im Heck liegt eine U-förmige Sitzgruppe mit einem Tisch auf einer Säule, den man absenken kann. Bis zu vier Personen haben dort Platz. Die Sitzflächen klappt man an Scharnieren hoch und darunter liegt weiterer Stauraum. Anfangs hatte das Fahrzeug kein Hubbett. Zum Schlafen senkte man den Tisch ab und legte die Polster zu einer Liegefläche zusammen. Der Besitzer hat das Hubbett später einbauen lassen.
Das Hubbett misst 1,90 mal 1,60 Meter und fährt elektrisch über die Sitzgruppe herunter. Tagsüber verschwindet es unter der Decke. Die Sitzgruppe bleibt dann frei und man wohnt nicht im Schlafzimmer. An der Rückwand läuft das Bett in einer Führung. Selbst wenn man kräftig daran rüttelt, bewegt es sich nicht. Hält man das Bett auf halber Höhe an, können gleichzeitig zwei Personen oben im Hubbett und eine weitere unten auf der umgebauten Sitzgruppe schlafen.
Über der Matratze bleibt so viel Platz unter der Decke, dass Kissen und Bettdecke liegen bleiben können, wenn das Bett hochfährt. Abends muss man das Bett also nicht jedes Mal neu machen. So hält es auch Thomas Knust in seinem eigenen Fahrzeug, das ebenfalls ein Hubbett hat. Morgens legt er Bettdecke und Kissen nur ordentlich hin und fährt das Bett hoch. Schon ist der Wohnraum aufgeräumt. Ist das Bett oben, bildet sein Boden die Decke über der Sitzgruppe. Darin sitzen Spots und ein Lichtband. Im Bettrahmen steckt eine Leiter, die man herauszieht. Ein Scharnier verbindet die Leiter fest mit dem Bett. Manche Leitern hängt man oben nur ein. Steigt man nachts hinunter, können sie wegrutschen. Am Nomad Grid kann das nicht passieren.
Das Bad liegt direkt hinter dem Fahrerhaus. Die Badtür ist rund drei Zentimeter dick und liegt ringsum satt am Rahmen an. Auch unten bleibt kein Spalt. Torax hat das Bad als Schwenkbad gebaut. Vorn sitzt das Waschbecken mit einem beleuchteten Spiegel, dahinter die Toilette. Zum Duschen wird der ganze Raum zur Dusche. Das Bad wirkt dabei nicht beengt. Selbst Thomas Knust mit seinen rund zwei Metern wäscht sich darin aufrecht die Haare. Die Duschwanne ist aus Edelstahl. Das ganze Bad ist wasserdicht ausgekleidet und an der Tür hält eine Kante das Wasser im Raum. Einen Duschvorhang braucht man deshalb nicht. Neben dem Bad führt ein rund 1,30 Meter hoher Durchgang ins Fahrerhaus, den der Besitzer ebenfalls nachträglich einbauen ließ.

Die Toilette ist eine Marine-Toilette von Planus, die mit Wasser spült. Ein Schneidwerk zerkleinert den Inhalt und eine Pumpe befördert ihn in einen Schwarzwassertank mit 90 Litern. Der Grauwassertank fasst 150 Liter. Beide Tanks sind beheizt und lassen sich über ein elektrisches Ventil entleeren. Für Frischwasser steht ein Tank mit 300 Litern zur Verfügung, der unter dem Boden des Wohnraums liegt.
Eine Webasto Thermo Top Evo heizt mit Diesel aus dem Fahrzeugtank. Das Gerät leistet bis zu 5 Kilowatt und bereitet auch das Warmwasser. Die Heizung erwärmt eine Mischung aus Wasser und Frostschutz, wie sie im Kühlkreislauf eines Motors fließt. Eine kleine Pumpe schickt die warme Flüssigkeit durch Konvektoren im Wohnraum, die wie Heizkörper zu Hause funktionieren. In vielen Wohnmobilen bläst dagegen ein Gebläse warme Luft durch Schläuche. Für Thomas Knust ist die Heizung ohne Gebläse leiser und die Luft fühlt sich weniger trocken an. Auch eine Dieselheizung braucht etwas Strom. Bei voller Leistung zieht die Thermo Top Evo 31 Watt aus der Batterie. Dazu kommt noch die Pumpe.
Für heiße Tage hat der Besitzer nachträglich eine Dachklimaanlage über dem Wohnraum einbauen lassen. Die Dometic CoolAir RTX 2000 läuft ohne Umweg über den Wechselrichter direkt an der 12-Volt-Batterie und kühlt mit bis zu 1.700 Watt. Den Strom speichern zwei Lithiumbatterien mit je 210 Amperestunden. Bei 12,8 Volt Nennspannung sind das zusammen rund 5,4 Kilowattstunden. Auf dem Dach sitzen drei Solarmodule mit zusammen 585 Watt. Während der Fahrt laden zwei Ladebooster die Batterien über die Lichtmaschine, am Campingplatz ein Ladegerät mit 100 Ampere. Ein Wechselrichter mit 3 Kilowatt liefert 230 Volt für das Kochfeld und die Steckdosen. Die Bordelektrik des ausgestellten Nomad Grid läuft mit 12 Volt wie das Bordnetz des Daily. Auf größeren Lkw mit 24-Volt-Bordnetz baut Torax die Anlage mit 24 Volt.
Torax fertigt jeden Nomad Grid einzeln in Handarbeit. In der Ausstattung, mit der er auf der Abenteuer & Allrad 2025 stand, kostete der Nomad Grid 445.000 Euro inklusive Mehrwertsteuer und Überführung. Der Preis galt mit Basisfahrzeug und dem ganzen Zubehör, das man außen sieht, also Dachplattform mit Kran, Seilwinde, Heckträger und Motorradträger.
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