Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit Freescape vorgestellt.
Die Freescape Adventure Line ist ein kompakter Allrad-Camper auf dem Ford Tourneo Custom mit einem aufblasbaren Dach, dessen Bett seitlich hinausragt. So bleibt die volle Stehhöhe, auch wenn oben jemand schläft. Gründer und Industriedesigner Leon Voss hat sie uns auf der CMT 2026 vorgestellt. Die Street Line gibt es ab 83.000 Euro, die Adventure Line ab 120.000 Euro.
Ein klassisches Aufstelldach schafft Stehhöhe, solange niemand darin liegt. Will oben jemand schlafen, klappt man die Liegefläche herunter und darunter kann man nicht mehr aufrecht stehen. Genau an diesem Punkt setzt Freescape an. Beim Dach der Adventure Line klappt die Liegefläche zur Seite aus und ragt über die Außenwand des Fahrzeugs hinaus. Man schläft also neben dem Auto, während der Raum darunter frei bleibt.
Oben liegt man auf 140 mal 200 Zentimetern. Im Innenraum beträgt die Stehhöhe nach Herstellerangaben mehr als 2,50 Meter und das auch dann, wenn oben jemand schläft. Selbst auf dem Sitz stehend kommt Leon gerade so an die Decke. Zusammengeklappt ist die Adventure Line in ihrer höchsten Variante 2,15 Meter hoch.
Auf die Idee kam Leon über seinen alten VW-Bus. Bei den üblichen Dächern hat ihn immer die Frage beschäftigt, wie viel Kopffreiheit bleibt und wie eng sich der kleine Innenraum anfühlt. Gemeinsam mit seinem Vater hat er bereits mehrere Konzeptfahrzeuge für einen großen Reisemobilhersteller mitentwickelt. Seit einigen Jahren beschäftigen sich Vater und Sohn auch mit aufblasbaren Zelten und Luftschläuchen. Aus dieser Erfahrung heraus haben sie die Marke Freescape gegründet.
Das Luftdach gibt es nicht einzeln zu kaufen, denn Freescape verkauft immer das komplette Fahrzeug. Das Messefahrzeug steht auf dem Ford Tourneo Custom und das Konzept gibt es auch auf dem VW T7. Die Adventure Line ist die geländegängigste der drei Ausstattungslinien, zu denen außerdem die Street Line und die Sports Line gehören.
Die Statik des Dachs übernehmen Luftschläuche, wie sie beim Kitesurfen den Schirm in Form halten. Freescape hat diese sogenannten Tubes anders vernäht, als man es vom Kite kennt. Die größte Schwierigkeit waren die Radien, denn ein Stoffschlauch lässt sich nur schwer um eine Kurve führen. Nach Leons Worten hat es ein halbes Jahr gedauert, bis das funktioniert hat.
Zum Aufbau klappt man zuerst die seitliche Dachschale auf der rechten Seite auf und dann die Liegefläche aus. Danach schließt man einen Schlauch an den fest verbauten Kompressor an, der in jeder Ausstattungslinie zum Fahrzeug gehört. Am Kompressor stellt man 10 PSI ein und drückt auf Start. Das Aufpumpen dauert nach Herstellerangaben weniger als vier Minuten. Für den ganzen Aufbau rechnet Leon mit geübten Händen mit rund acht Minuten. Beim Nullserienfahrzeug half beim Aufrichten manchmal ein kurzer Stoß von unten, wenn sich die Schläuche zunächst nach innen drückten.
Die Schläuche bilden zwei Rahmen, die ineinandergreifen. Verliert einer davon Luft, steht das Dach deshalb nicht sofort vor dem Aus. Für kleine Schäden liegt Flickzeug bei. Mit dem Fahrzeug ist das Zelt über einen Keder und einen umlaufenden Reißverschluss verbunden. Die Dachschale besteht aus einer leichten Sandwichplatte mit HPL-Schichtstoff auf beiden Seiten. Das gesamte Dach wiegt nach Herstellerangaben rund 70 Kilogramm.

Unter der ausgeklappten Liegefläche stehen zwei Stützen, die sich in der Höhe verstellen lassen und in einer magnetischen Aufnahme sitzen. Zwar hält das Dach auch ohne die Stützen. Weil der Hebel bis zum Gelenk sehr lang ist, stellt man sie zum Schlafen aber auf. Leon gibt die Belastbarkeit mit zwei Erwachsenen an. Beim Einklappen hilft eine der Stützen, die Liegefläche über das Fahrzeug zu schieben. Damit das Zelt während der Fahrt nicht nach innen durchhängt, wird innen ein Stoff zwischen zwei Ösen gespannt.
Das Zelt selbst hat eine Innenhaut aus Baumwolle. Außen lässt sich zwischen Mückengaze, einer leicht getönten Folie für Regentage und einem abdunkelnden Zeltstoff wählen. Gegen Kondenswasser sorgt ein Zwischenraum zwischen Innen- und Außenzelt, durch den warme Luft nach oben zu einer Entlüftung steigt. Gedacht ist das Dach nach Leons Worten für den Sommer und kühlere Nächte. Nass einpacken ist kein Problem. Zu Hause sollte das Zelt aber einmal ein paar Stunden trocknen, damit sich keine Stockflecken bilden.
Leon sieht im Ford Tourneo Custom und im VW T7 die Nachfolger des klassischen Bullis, also kompakte Vans, mit denen man auch im Alltag unterwegs sein kann. Das Messefahrzeug ist ein Ford Tourneo Custom mit Allradantrieb und 125 kW beziehungsweise 170 PS. Der Van ist 5,05 Meter lang und 2,27 Meter breit. Bei einer technisch zulässigen Gesamtmasse von 3.170 Kilogramm und einem Leergewicht von 2.480 Kilogramm bleiben nach Leons Rechnung mit Personen und Wassertank 400 bis 500 Kilogramm Zuladung.
Die Adventure Line fährt auf grobstolligen Reifen und Aluminiumfelgen. Im unteren Bereich ist sie mit einem Strukturlack beschichtet und trägt ein eigenes Foliendesign. Die Street Line ist unauffällig gehalten und die Sports Line richtet sich an alle, die große Felgen und Niederquerschnittsreifen mögen. Die Lackfarbe ist frei wählbar. Bei den Assistenzsystemen setzt Freescape auf ein volles Paket.
Das Heck hat Freescape als modulares Stauraumsystem gestaltet, das Back Storage heißt. Es besteht aus Boxen in drei Größen, S, M und L, die sich frei anordnen lassen. Für den Skiurlaub kann man sie also anders stellen als im Sommer. Es gibt eine Box mit einer Tasche aus PVC für nasse Schuhe oder einen Neoprenanzug, eine Box mit Filzeinsatz, in der Tassen beim Fahren nicht klappern, und eine Box für eine Trockentrenntoilette von Trelino oder Clesana. Auch der Kühlschrank steht in diesem System im Heck. Nach Herstellerangaben ist es eine Kompressorkühltruhe mit 35 Litern.
Das Fahrzeug ist gasfrei. Im ausgestellten Fahrzeug steckten Lithiumbatterie und Wechselrichter in einer geschweißten Aluminiumwanne unter dem Heck, die noch ein Prototyp war. So belegen die beiden großen Bauteile keinen Stauraum im Innenraum. In der aktuellen Ausführung setzt Freescape auf eine Powerstation vom Typ EcoFlow Delta 3 Max Plus mit 2.048 Wattstunden, dazu kommen ein Wechselrichter mit 3.000 Watt und bis zu 320 Watt Solar auf dem Dach. Geheizt wird mit einer Webasto AT2000STC mit 2 Kilowatt.
Gedämmt sind die Seitenwände mit einem 19 Millimeter starken Dämmstoff. Der Boden bekommt einen eigenen Aufbau aus XPS-Schaum, Sperrholz und Linoleum. Licht, Füllstände und einzelne Steckdosen lassen sich über eine App steuern, so dass man etwa den Kühlschrank aus der Ferne ein- oder ausschalten kann.
Die Küche sitzt hinter dem Fahrersitz auf einem Schienensystem. Der Küchenblock ist elektronisch verriegelt und lässt sich über einen Taster lösen. Dann fährt man sie in eine Position im Innenraum oder schiebt sie durch die Schiebetür komplett nach draußen. Unter einer Abdeckung liegen eine Spüle und ein Induktionskochfeld, das nach Herstellerangaben 1.000 Watt leistet. Das Frischwasser kommt aus einem Tank mit 25 Litern im Schrank. Das Abwasser sammelt sich in einem tragbaren Kanister mit 15 Litern unter der Spüle, den man zum Leeren einfach herausnimmt.
Draußen zeigt sich ein Detail, das genau auf die Adventure Line abgestimmt ist. Weil sie höher steht als ein normaler Van, lässt sich die Arbeitsplatte über zwei Verschlüsse lösen und in der Höhe versetzen. In der oberen Position schneidet man bequem Gemüse. Eine Etage tiefer wird sie zum Tisch in Sitzhöhe. Über einen Reißverschluss am Dach lässt sich zusätzlich eine Markise mit zwei mal zwei Metern einhängen.
Im Innenraum steht ein freischwingender Tisch ohne Tischbein, an dem vier Personen essen können. Der Tisch ist über eine Achse gelagert und lässt sich zur Seite drehen. Ein kleiner Arbeitsplatz mit drei Steckdosen, an den man vom Fahrersitz aus herankommt, dient als mobiles Büro. Bei den Materialien setzt Freescape auf Linoleum auf den Oberflächen und auf echtes Moos, das auf einem Trägermaterial in eine Ablage geklebt ist. Unten wird die Sitzbank zum zweiten Bett mit 100 mal 200 Zentimetern.
Das Messefahrzeug war noch ein Fahrzeug der Nullserie. Das Dach und das Zelt entsprechen bereits der Serie. Für die Serie verfeinert Freescape vor allem die Möbel, etwa bei Radien und Fugen. Die Serienproduktion sollte im Frühjahr beginnen. Bestellungen nimmt Freescape bereits an. Ausgeliefert werden sollen die ersten Fahrzeuge Ende 2026.
Auf der Messe nannte Leon einen Einstiegspreis von 79.900 Euro. Darin enthalten waren der Ford in der Basisausstattung, die Küche, die Möbel, das Schlafdach und die Sitzbank. Die Adventure Line, wie sie auf der Messe stand, sollte rund 113.000 Euro kosten. Inzwischen nennt Freescape auf seiner Website höhere Preise: Die Street Line beginnt dort bei 83.000 Euro und die Adventure Line bei 120.000 Euro. Bezogene Sitze, das Offroad-Paket und das Back Storage kosten jeweils extra.
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