Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit Dovra vorgestellt.
Der Dovra RIG X-610 ist ein Allrad-Van aus Schweden, der ohne Aufpreisliste auskommt und für lange Winter gebaut ist. Das ganze Fahrzeug hat Dovra in der Kältekammer bei minus 50 Grad getestet. Auf dem Caravan Salon 2024 hat uns Swantje Krüger aus der Produktentwicklung den RIG X-610 vorgestellt. Auf der Messe kostete er 232.460 Euro. Inzwischen liegt der Preis bei 259.600 Euro.
Wer bei Dovra einen RIG X-610 bestellt, muss sich durch keine Optionsliste arbeiten. Der Kunde entscheidet lediglich, ob die Polster mit Stoff oder mit Leder bezogen werden, wobei sich beide im Preis nicht unterscheiden. Alles andere ist ab Werk an Bord. Schon beim Basisfahrzeug kreuzt Dovra inklusive sämtlicher Assistenzsysteme fast alles an, was Mercedes für den Sprinter mit Allradantrieb anbietet. Nur auf die elektrischen Sitze verzichtet der Hersteller. Die Schalter zur Verstellung der Sitzposition sitzen bei Mercedes nämlich in der Tür. Wenn der Fahrersitz erst einmal zur Sitzgruppe gedreht ist, wären sie nur noch schwer erreichbar.
Die beiden Dovra-Gründer kommen ursprünglich aus dem Möbelbau und sind auch privat viel im Gelände unterwegs. Mit dem RIG X-610 wollten sie ihr Handwerk mit ihrer Leidenschaft für Offroad-Fahrzeuge verbinden und haben drei Jahre vor dem Caravan Salon 2024 mit der Entwicklung begonnen. Auch der Name des Fahrzeugs hat seinen Ursprung im Gelände, denn in Amerika und Australien nennen Offroad-Fahrer ihr Fahrzeug gern „Rig“.
Von außen fällt zuerst die matte Oberfläche auf, denn Dovra lackiert den Sprinter nicht, sondern foliert ihn komplett. Fast alle Anbauteile hat Dovra selbst entwickelt: von den Rockslidern aus Stahl an den Seiten über den leichten Dachträger aus Aluminium bis zu den Trägern am Heck. Gefertigt werden sie von Partnerbetrieben in Schweden, die nicht weit vom Dovra-Werk entfernt liegen. Einer dieser Betriebe fertigt sonst für das schwedische Militär und bringt die dafür nötigen Zertifikate mit. Für die Beleuchtung rundum setzt Dovra durchgehend auf Vision X. Auf schwarzen 17-Zoll-Felgen von Black Rhino sitzen All-Terrain-Reifen von BFGoodrich.
Da der RIG X-610 schon leer rund 3,6 Tonnen wiegt, war die 3,5-Tonnen-Klasse nicht zu halten. Dovra lastet den Sprinter deshalb auf 4,1 Tonnen auf und behält das Fahrwerk von Mercedes bei. Für Swantje ist es ein sehr starkes Fahrwerk, das auch mit dem zusätzlichen Gewicht souverän zurechtkommt. So wie der Van auf dem Caravan Salon 2024 ausgestattet war, blieb rund eine halbe Tonne für Gepäck, Wasser und Mitreisende. Inzwischen gehören eine größere Batterie und eine Klimaanlage zur Serie und Dovra gibt die Zuladung heute mit 385 Kilogramm an.
Hinten im RIG X-610 liegt ein Querbett. Damit es trotz der schmalen Karosserie 1,97 mal 1,45 Meter groß wird, hat Dovra auf beiden Seiten Aussteller eingesetzt. Diese Ausbuchtungen in der Seitenwand schaffen genau den Platz, der sonst für Kopf und Füße fehlen würde. Oftmals sind solche Aussteller aus glasfaserverstärktem Kunststoff, kurz GFK, gefertigt. GFK ist allerdings sehr steif und kann brechen, wenn man im Wald einen Baum streift. Da Dovra genau das bei einem Offroad-Fahrzeug vermeiden möchte, verwendet das Unternehmen stattdessen ABS, das es im eigenen Werk erhitzt und in Form zieht. Die Aussteller sind doppelwandig aufgebaut und mit recyceltem PET gedämmt. Insgesamt kommen sie auf rund 50 Millimeter Wandstärke.

Unter dem Querbett liegt ein großer Stauraum, den man über die beiden Hecktüren erreicht. Hinter der linken Hecktür befindet sich ein Schrank mit einem Auszug für zwei 11-Kilo-Gasflaschen. Die schweren Flaschen muss man so nicht aus der Tiefe heben, sondern zieht sie einfach heraus. Auf der anderen Seite hat Dovra die Batterien, die Sicherungen und den WLAN-Router untergebracht. Über ein kleines Touchpanel sieht man dort, wie viel die Solaranlage gerade lädt und wie lange der Strom noch reicht. Damit man sich zum Ablesen nicht in den Stauraum beugen muss, lässt sich das Panel abnehmen.

Weil das Bett direkt vor den Hecktüren liegt, hat Dovra die Türen innen mit Paneelen aus PET-Fasern verkleidet. Der Bezug aus wasserdichtem Stoff lässt sich einfach abwischen, falls die Türen bei Regen einmal offen stehen und nass werden. In kleinen Ablagen mit Gummibändern finden abends eine Zeitschrift oder Kleidung Platz.
Am Heck trägt der RIG X-610 das Ersatzrad und eine große Box, die beide im Preis enthalten sind. Die Heckträger aus Aluminium hat Mercedes geprüft und abgenommen. Für den Kunden bedeutet das, dass die Garantie von Mercedes auch für die Scharniere der Hecktüren bestehen bleibt. Daneben gibt es eine Außendusche mit einem langen, flexiblen Schlauch aus Metall. Über eine Leiter an der Fahrerseite gelangt man schließlich aufs Dach, das sich als Terrasse nutzen lässt.
Der Dovra RIG X-610 ist für lange und kalte schwedische Winter gebaut. Vor dem Dämmen entfernt Dovra deshalb sämtliche Verkleidungen von der Karosserie. An der nackten Karosserie wird zunächst jeder Hohlraum gefüllt. Das gilt auch für das Fahrerhaus und seine Türen.
Im Kastenwagen ist das Fahrerhaus die größte Wärmebrücke, denn über die große Frontscheibe und die Seitenscheiben geht viel Wärme verloren. Da Dovra das Fahrerhaus genauso dämmt und beheizt wie den Wohnraum, verzichtet der Hersteller auf einen Vorhang zwischen Fahrerhaus und Wohnraum.
Als Dämmstoff verwendet Dovra Fasern aus recyceltem PET, die ein schwedischer Hersteller ganz in der Nähe des Dovra-Werks produziert. Die Fasern sind weich wie Wolle und weisen Wasser ab, was bei einer Dämmung besonders wichtig ist. Da bei verklebten Dämmstoffen leicht kleine Lufteinschlüsse zurückbleiben, in denen sich Kondenswasser bilden kann, werden die Fasern bei Dovra nicht verklebt. An den Seitenwänden liegen 80 Millimeter PET-Fasern und an der Decke 40 Millimeter.
Für die Wärme sorgt eine Alde 3030 Plus. Die Warmwasserheizung läuft mit Gas und am Landstrom elektrisch. Die Alde heizt eine Flüssigkeit auf, die durch Leitungen im Fußboden strömt und so den Boden angenehm erwärmt. Zusätzlich fließt die warme Flüssigkeit durch Konvektoren. Diese Wärmetauscher sitzen unter gelochten Abdeckungen am Rand des Bodens und geben ihre Wärme an die Luft ab, die durch sie hindurchströmt. Dovra hat die Konvektoren einmal rund um den Wohnraum verlegt. Da im Kastenwagen an den Sitzkonsolen der Fahrerhaussitze gern Kälte hereinzieht, laufen sie auch dort entlang. Die erwärmte Luft steigt an den Wänden auf, strömt hinter den Oberschränken entlang und tritt oben wieder aus. Weil die Luft so ständig in Bewegung ist, hat Schimmel kaum eine Chance.
Das Heizkonzept hat Dovra gemeinsam mit Alde entwickelt und dabei festgelegt, wo die Fußbodenheizung verläuft und wo die Konvektoren am meisten bewirken. In der Kältekammer hat das Team das ganze Fahrzeug anschließend bei minus 50 Grad getestet und dabei sowohl mit Gas als auch mit Strom geheizt. Swantje hat den RIG X-610 auch selbst im harten Winter genutzt. Als besonders angenehm beschreibt sie den Moment, wenn man nach einer Schneewanderung mit kalten Füßen hereinkommt und auf den warmen Boden tritt. Das, so sagt sie, fühle sich an wie nach Hause kommen.
Auch die Wassertanks sind für den Frost gerüstet. Der Frischwassertank mit 105 Litern sitzt im warmen Innenraum unter der Sitzbank. Unter dem Polster befinden sich zwei Klappen, durch die man den Tank erreicht und bequem reinigen kann. Der Abwassertank fasst 95 Liter und hängt hinten unter dem Fahrzeug. Damit er nicht einfriert, hat Dovra ihn gedämmt und mit zwei Heizstäben ausgestattet. Selbst das Ventil zum Ablassen ist beheizt, so dass sich das Grauwasser auch bei minus 20 Grad ablassen lässt. Da es im Zubehörhandel keine fertigen Tanks gab, die an die gewünschten Stellen passten, lässt Dovra beide Tanks eigens anfertigen.
Dovra wollte einen Van bauen, mit dem man lange ohne Landstrom auskommt. Die gesamte Stromtechnik stammt von Victron Energy. Im RIG X-610 vom Caravan Salon 2024 waren zwei Lithiumbatterien mit je 200 Amperestunden verbaut. Inzwischen baut Dovra serienmäßig 1.000 Amperestunden ein. Ein Wechselrichter mit 3.000 Watt versorgt die 230-Volt-Steckdosen im Wohnraum, an denen es zusätzlich Anschlüsse für USB-C und USB-A gibt. Selbst im Fahrerhaus hat Dovra kleine Leuchten mit USB-Ladebuchsen eingebaut.
Auf dem Dach liegen zwei Solarmodule mit je 200 Watt, die aus dem Bootsbau stammen. Die Module sind nur rund sechs Millimeter dünn und flexibel und vor allem darf man auf ihnen laufen. Auf dem Dach lassen sich deshalb Boxen und Gepäck abstellen. An einem schönen Abend stellt man dort oben sogar Campingstühle auf und genießt ein Picknick mit Aussicht. Dovra klebt die Module nicht fest, sondern hält sie mit einer umlaufenden Schiene auf dem Dach. Kleber vermeidet das Team beim ganzen Ausbau, wo es nur geht.

Wie lange der Strom reicht, hängt stark von der Jahreszeit ab. Im schwedischen Sommer sind die Tage lang und die Solarmodule laden kräftig nach. Swantje war in dieser Zeit schon zwei bis drei Monate ohne Landstrom unterwegs. Während der Fahrt kommt Strom von der Lichtmaschine hinzu, den ein großer Ladebooster in die Wohnraumbatterien leitet. Beim Strom ist der Van damit weitgehend unabhängig und die Grenze setzt eher das Frischwasser.
Für den Campingplatz gibt es trotzdem einen Landstromanschluss, der zusammen mit einer Außengasdose neben der elektrischen Schiebetür sitzt. Wie lange Gas, Strom und Wasser bei Deiner Art zu reisen reichen, kannst Du in unserem Autarkie-Rechner ausrechnen.
Hinter der Schiebetür liegt im Eingangsbereich eine zusätzliche Stufe, bevor man den Wohnraum betritt. Auch diese Stufe hat Dovra selbst gebaut und mit einer Beleuchtung versehen. Dahinter beginnt der Wohnraum mit der Küche auf der Beifahrerseite. Arbeitsplatte und Spüle bestehen aus Edelstahl und sind nahtlos zu einem Stück verbunden. Gefertigt werden sie nach Vorgaben von Dovra in einem Betrieb ganz in der Nähe des Werks. Kleine Kratzer, die sich über die Jahre im gebürsteten Edelstahl zeigen können, stören Swantje nicht, denn für sie darf eine Arbeitsfläche ruhig nach Arbeit aussehen. Der Gaskocher mit zwei Flammen stammt von Thetford. Dovra hat ihn gedreht eingebaut, so dass die beiden Flammen nebeneinander entlang der Arbeitsplatte liegen. Da das Bedienfeld von Thetford in dieser Lage nicht mehr passt, hat Dovra ein eigenes Bedienpanel mit Drehknöpfen gestaltet.

Eine Besonderheit des RIG X-610 ist die Steuerung über MBUX, das Multimediasystem von Mercedes. Dovra wollte alle Informationen an einer Stelle bündeln, damit man sie sich nicht im ganzen Fahrzeug zusammensuchen muss. Knapp zwei Jahre hat das Team dafür mit Mercedes zusammengearbeitet. Über den Bildschirm im Armaturenbrett stellt man nun die Heizung ein, sieht die Füllstände der Tanks und öffnet oder schließt den Abwassertank. Auch die Außenbeleuchtung und die elektrische Markise von Thule lassen sich von dort aus bedienen. Alle Funktionen des Hauptbildschirms stehen zudem auf einem zweiten Bildschirm im Wohnraum und in einer App auf dem Handy zur Verfügung.
Gerade beim Aufbauen der Markise zeigt die App ihren Vorteil. Ab einer bestimmten Länge muss man die Stützen der Markise ausklappen. Mit dem Handy in der Hand fährt man die Markise deshalb ein Stück aus, stellt die Stützen auf und fährt sie dann ganz aus, ohne zwischendurch ins Fahrzeug zu laufen.
Nur das Licht hat Dovra auf eigene Schalter gelegt. Die Schalter aus gefrästem Aluminium stammen eigentlich aus der Flugzeugindustrie. Mit ihnen wählt man wahlweise ein helles Arbeitslicht, eine gemütliche Abendstimmung oder ein Nachtlicht. Darüber hinaus gibt es einen Zentralschalter, der im gesamten Fahrzeug inklusive Bad alle Lichter mit einem Knopfdruck ausschaltet. Wer den Van mit dicken Winterhandschuhen verlässt, muss dafür also keinen Touchscreen bedienen.
Die Sitze der Sitzbank und die drehbaren Sitze im Fahrerhaus hat Dovra gemeinsam mit dem Sitzhersteller Aguti gestaltet. Swantjes Lieblingsdetail ist die Sitzbank in der zweiten Reihe. Während der Fahrt nehmen dort zwei Personen mit Gurt Platz und so können insgesamt vier Personen mitfahren. Am Stellplatz versetzt man das Rückenkissen und hat zusammen mit der Armlehne eine gemütliche Ecke zum Zurücklehnen.

Zwischen Küche und Bett liegt das Bad. Das Waschbecken besteht aus Mineralwerkstoff und wird eigens für Dovra gegossen. Dazu kommen Armaturen aus Metall, eine ausziehbare Handbrause und eine Clesana C1, die alles in Folienbeutel verschweißt und ohne Chemie und Kassette auskommt. Die gesamte Badfläche lässt sich zum Duschen nutzen. Damit das möglich ist, hat Dovra die Wände mit einem wasserdichten Furnier belegt, dessen Kanten nicht verleimt, sondern mit dem Laser verschweißt sind. Die Badtür reicht über den Rand der Duschwanne, so dass Spritzwasser zurück in die Wanne läuft und kein Duschvorhang nötig ist.
Unten im Bad sitzt ein sogenannter Booster. Das Gebläse wird von der Alde beheizt und bläst auf Knopfdruck warme Luft in den Raum. Wenn das Bad gerade nicht genutzt wird, kann man dort deshalb nasse Regenkleidung aufhängen, die in der warmen Luft schnell trocknet.
Neben dem RIG X-610 stand auf dem Caravan Salon 2024 der längere RIG X-750. Der lange Bruder misst 7,54 Meter und nutzt den zusätzlichen Platz im Heck für Längsbetten. Auch die Küche ist länger und verfügt über große Schubladen. Der Kühlschrank von Dometic ist größer als im RIG X-610 und lässt sich von beiden Seiten öffnen. Dazu kommt ein großer Kleiderschrank. Der RIG X-750 ist mit 5,2 Tonnen zugelassen und bietet 1.050 Kilogramm Zuladung.

Für Swantje hängt die Wahl zwischen den beiden davon ab, wie man reist. Wer viel abseits befestigter Wege unterwegs ist, greift eher zum RIG X-610, weil der kürzere Radstand und der kleinere Überhang ihn geländegängiger machen. Auch auf engen Straßen in Italien oder Spanien ist der kürzere Van im Vorteil. Wer dagegen für längere Zeit im Fahrzeug leben möchte, entscheidet sich oft für den RIG X-750 mit seinem vielen Stauraum und der großen Dachterrasse. Inzwischen gibt es mit dem RIG X-710 auch ein Modell mit 7,10 Metern Länge.
Auf dem Caravan Salon 2024 kostete der RIG X-610 232.460 Euro und der RIG X-750 244.900 Euro. Heute liegt der Preis für den RIG X-610 bei 259.600 Euro. Darin steckt alles vom Allrad-Sprinter mit seinen Assistenzsystemen über die Alde-Heizung bis zur Markise. Inzwischen ist auch eine Klimaanlage von Truma ab Werk an Bord. Neben Stoff oder Leder gibt es heute eine zweite Wahl ohne Aufpreis, denn die Alde heizt auf Wunsch auch mit Diesel aus dem Fahrzeugtank.
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