Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit Camper Schmiede vorgestellt.
Der Camper-Schmiede-Van Marylin ist ein MAN TGE, in den die Ausbauer ihre besten Ideen ohne Kundenvorgaben gepackt haben, bis hin zur Duschtasse aus Bambus. Geschäftsführer Christian Dinraths hat uns das Fahrzeug auf der CMT 2025 vorgestellt. Individualausbauten beginnen bei rund 70.000 Euro zuzüglich Basisfahrzeug. Das gezeigte Fahrzeug kostet rund 250.000 Euro.
Die Camper Schmiede aus Mönchengladbach baut Kastenwagen normalerweise genau so aus, wie es sich ihre Kunden wünschen. Für die Marylin haben Christian Dinraths und sein Team den Spieß umgedreht und einmal alles hineingepackt, was sich in einen Van einbauen lässt. So zeigt die Marylin, was im Individualausbau alles möglich ist. Da viele Vans recht ähnlich aussehen, wollte die Camper Schmiede eine ganz andere Richtung einschlagen, beim Design und bei der Ausstattung. Heraus kam ein Fahrzeug im Retro-Stil der 50er Jahre, das zum ersten Mal auf dem Caravan Salon 2024 stand.
Am Anfang stand ein weißes Blatt Papier. Wie lässt sich der Raum im Kastenwagen am besten nutzen? Auf der Liste standen ein bequemer Schlafplatz, ein Arbeitsplatz für mobiles Arbeiten, viel Autarkie und ein Camper, der sich komplett vernetzen und steuern lässt. Damit so etwas gelingt, sitzen in Mönchengladbach Kfz-Mechaniker, Tischler, Elektriker, Trockenbauer und CAD-Planer gemeinsam am Tisch. Bevor das erste Brett zugeschnitten wird, plant das Team jedes Fahrzeug als 3D-Modell am Computer. Mit einer VR-Brille kann der Kunde dann schon durch seinen späteren Camper gehen und sieht in echter Größe, wo der Wasserhahn, die Steckdose und der Lichtschalter sitzen werden.
Basis der Marylin ist ein MAN TGE in der Länge L3 und mit Hochdach H3. Mit der Marke arbeitet die Camper Schmiede eng zusammen, so dass Kunden ihren TGE direkt über die Werkstatt bestellen und schon passend für den Ausbau konfigurieren können. Grundsätzlich baut das Team aber auch Mercedes Sprinter, Fiat Ducato und andere Kastenwagen aus. Unter der Haube steckt der stärkste Motor, den es für den TGE gibt, ein Zweiliter-Diesel mit 130 kW / 177 PS und Achtgang-Automatik. Die Marylin ist 6,80 Meter lang und 2,80 Meter hoch.

Die Marylin wiegt fahrbereit rund 3,4 Tonnen. Damit trotzdem genug Zuladung bleibt, hat die Camper Schmiede ein Zusatz-Luftfahrwerk an der Hinterachse eingebaut. Mit ihm liegt die technisch zulässige Gesamtmasse bei 4,5 Tonnen und es bleibt rund eine Tonne für Gepäck, Wasser und Mitreisende. Die Vorderachse hat das Team außerdem um 60 Millimeter höhergelegt. Am Steuer braucht man dafür einen Führerschein der Klasse C1 oder die alte, vor 1999 erworbene Klasse 3.
Was auf den ersten Blick wie eine Lackierung in Grau und Creme aussieht, ist eine Folierung. Folierung und Polsterarbeiten überlässt das Team Partnerbetrieben. Die Fahrerhaussitze von MAN sind neu bezogen, tragen die Farben der 50er Jahre und haben das Logo der Camper Schmiede in der Kopfstütze.
Wer durch die Schiebetür schaut, sieht zuerst die geschwungenen Formen. Die Hängeschränke haben runde Kanten und die blaue Front der Küche läuft in einem Stück von oben bis hinunter zum Boden. Diese Möbel hat die Camper Schmiede komplett selbst gefertigt. Dafür hat das Team mehrere Lagen Biegesperrholz aufeinandergelegt und so lange geschliffen, bis die Rundung stimmte. Da in einem Kastenwagen keine Wand gerade ist, standen danach zwei bis drei Leute gleichzeitig im Fahrzeug, um jedes Teil anzuzeichnen, anzupassen und zu verkleben.
Nach Christians Rechnung kostet eine Rundung etwa den fünffachen Aufwand einer eckigen Kante. Wer seinen Van so ausbauen lässt, muss mit rund 20.000 Euro mehr rechnen. In einer Serie ließe sich das günstiger fertigen. Bei einem Einzelstück wird dagegen jedes Teil neu vermessen und angelegt.

Damit Möbel und Decke überhaupt so sauber sitzen, beginnt jeder Ausbau mit einem nackten Fahrzeug. Mit den CAD-Daten von MAN hat die Camper Schmiede ein eigenes System aus Rippenbögen entwickelt, das in die Karosserie geschraubt und geklebt wird. Die Rippen gleichen die Unebenheiten des Blechs aus, so dass gerade Wände und eine gerade Decke entstehen. Allein das Einsetzen dauert mehrere Tage. Danach dämmt das Team die Karosserie unter anderem mit Armaflex und setzt die Fenster ein.
Wie wichtig diese Unterkonstruktion ist, zeigt die Decke. Die Deckenplatten bestehen aus Acrylglas mit Hochglanzoberfläche. Auf so einer spiegelnden Fläche würde jede Unebenheit der Unterkonstruktion sofort auffallen. Dank der Rippenbögen läuft die Decke trotzdem ohne Knick von vorn bis hinten durch. Die Rahmen um die Seitenfenster hat die Camper Schmiede ebenfalls selbst gebaut und mit einem Stoff im Fischgrätmuster bezogen, damit keine Kunststoffrahmen zu sehen sind. In der Decke sitzt außerdem eine Dachhaube von Outbound aus echtem Glas, durch die man auch auf das Dach steigt.
Wie gut ein Van gedämmt sein muss, hängt davon ab, wohin die Reise geht. Ein Fahrzeug für Skandinavien und die Nordlichter stattet die Camper Schmiede deshalb anders aus als eines für den Sommerurlaub in Italien. Dämmung und Elektrik passt das Team jeweils an die Pläne des Kunden an.
Gegenüber der Küchenzeile ist der auffälligste Blickfang eingebaut: ein Kühlschrank von Smeg mit 130 Litern im typischen Retro-Design. Ein solcher Haushaltskühlschrank wäre im Camper eigentlich unpraktisch, denn er läuft mit 230 Volt. Der Wechselrichter müsste dann ständig eingeschaltet sein und dabei ginge viel Strom verloren. Die Camper Schmiede hat deshalb einen Kompressor für 12 Volt einbauen lassen, so dass der Kühlschrank direkt an der Aufbaubatterie läuft. Dazu kam ein zweites Problem: Haushaltsgeräte haben keine Verriegelung, so dass die Tür in der ersten Kurve aufschwingen würde. Ein Haltemagnet, der an die Zündung gekoppelt ist, hält die Tür deshalb während der Fahrt geschlossen.

Von Smeg stammen auch der Wasserhahn und die rosafarbene Siebträgermaschine in einem der Schränke. In der Küche kocht man auf einem Induktionsfeld, so dass die Marylin ganz ohne Gas auskommt. Über der Spüle liegt ein Schneidebrett aus Bambus, das zugleich als Abdeckung dient. Die Steckdosen sehen aus wie in den 50er Jahren. Früher wurden solche Modelle aus Porzellan gefertigt. Wegen des Gewichts hat sich die Camper Schmiede aber für leichtere Modelle entschieden. Die Hängeschränke öffnen sich auf leichten Druck und mit dem Einschalten der Zündung verriegeln alle Schränke automatisch.
Die Sitzgruppe besteht aus den drehbaren Fahrerhaussitzen, einer festen Bank mit zwei Gurten und einem Tisch aus Bambus, den man verschieben, vergrößern und einklappen kann. Unter der Bank sind eine Diesel-Luftheizung mit 2 Kilowatt und ein Boiler mit 9 Litern für warmes Wasser verbaut. Für Wasser gibt es einen Frischwassertank mit 100 Litern im Radkasten und einen Abwassertank mit 85 Litern, der beheizt und isoliert unter dem Fahrzeug hängt.
Fast alles an Bord lässt sich über das System von Revotion steuern. Auf einem Tablet über der Windschutzscheibe sieht man, wie voll die Batterie ist und wie viel Strom gerade verbraucht wird. Dort lässt sich jede Lampe dimmen und in der Farbe einstellen. Auch Kühlschrank und Wasserpumpe schaltet man hier ein und aus. Seit der CMT 2025 funktioniert das auch aus der Ferne, so dass man zum Beispiel die Heizung von zu Hause aus einschalten kann. Wer lieber ohne Tablet auskommt, findet überall im Fahrzeug zusätzlich Taster für Licht und Ambientebeleuchtung.
Den Strom liefern zwei Lithiumbatterien von Victron mit zusammen 660 Ah, 300 Watt Solar auf dem Dach und ein Ladebooster, der die Batterien während der Fahrt lädt. Ein Wechselrichter mit 3.000 Watt versorgt die 230-Volt-Geräte wie die Siebträgermaschine. Am Heck lässt sich zusätzlich ein mobiles Solarmodul anschließen. So ist die Marylin darauf ausgelegt, mehrere Tage autark zu stehen.
Zwischen Küche und Heck liegt ein Durchgangsbad. Wer zur Lounge oder ins Bett will, läuft also jedes Mal über die Duschtasse. Genau dafür ist sie gemacht. Die Camper Schmiede hat sie aus massivem Bambus in mehreren Stufen so gefräst, dass das Wasser im Gefälle zum Abfluss läuft. Darüber liegen unzählige Schichten Klarlack. Eine Duschtasse aus Edelstahl wäre die naheliegende Wahl gewesen. Das Team wollte aber etwas Neues ausprobieren. Wer die Dusche länger nicht braucht, legt eine Abdeckung auf die Duschtasse.

Der Duschkopf sitzt in der Mitte einer runden Leuchte an der Decke, die den Gang mit indirektem Licht beleuchtet. Erst beim Duschen kommt aus ihrer Mitte das Wasser wie bei einer Regendusche. Die Temperatur stellt man an einem Drehregler ein, der dabei die Farbe wechselt: blau für kalt und rot für warm. Zum Duschen zieht man einen Vorhang rund um die Duschtasse zu. Damit der Kühlschrank kein Spritzwasser abbekommt, lässt sich zusätzlich ein rund 2 Meter langes Rollo bis zum Boden herunterziehen.
Die Toilette ist eine Clesana C1, die Hinterlassenschaften in Folienbeutel verschweißt. Zum Benutzen zieht man sie auf Schienen aus einem Schrank neben der Dusche heraus. Zieht man den Vorhang auch nach vorn und nach hinten zu, ist man vor Blicken geschützt. Christian beschreibt das als variable Lösung, die den Gang im Alltag frei lässt. Wer lieber eine Trenntoilette möchte, bekommt auch die.

Viele Besucher freuen sich über den vielen Platz, den dieses Bad im Alltag lässt, zumal sie ohnehin selten im Fahrzeug duschen. Anderen ist ein festes Bad lieber, weil sie dafür nichts umbauen müssen. Für die Camper Schmiede ist beides in Ordnung. Die Marylin zeigt eine Möglichkeit und jeder Kunde bekommt das Bad, das zu ihm passt.
Im Heck hat das Team zum ersten Mal ein Hubbett eingebaut. Das Bett von Lippert misst 1,95 x 1,50 Meter und fährt auf Knopfdruck elektrisch nach oben unter die Decke. Darunter entsteht ein großer Raum, der tagsüber als Lounge und als Büro dient. Hängeschränke gibt es dort nicht, so dass der Raum besonders luftig wirkt. Die Matratze stammt von Seven Sundays und besteht aus zwei Lagen. Darunter liegt statt eines Tellerfedersystems ein Belüftungssystem, das der Matratzenhersteller so vorsieht. Zwei Leselampen und zwei Fenster gehören ebenfalls zum Bett. Zum Hinaufsteigen gibt es eine Leiter.

Unter dem hochgefahrenen Bett steht ein Tisch mit 1,80 Metern Länge, an dem zwei Personen bequem arbeiten können. Davor sitzt man auf einer Bank und gegenüber hängt eine Leinwand von Celexon. Für den Filmabend sitzt an der Decke ein Beamer, der mit Akku läuft und sich abschrauben und verstauen lässt. Tisch und Sitzbank stehen auf Airline-Schienen und lassen sich komplett herausnehmen. Dann wird das Heck zu einer großen Garage für Fahrräder, Surfbretter oder den Einkauf im Möbelhaus. Senkt man Tisch und Bank ab, entsteht dort außerdem eine Liegefläche für zwei Kinder.
Über eine Klappe in der Lounge erreicht man den Frischwassertank im Radkasten mit seiner Reinigungsöffnung und in einem weiteren Fach den Ablasshahn, über den man den Tank vor dem Winter leert. Dort sitzt auch die Elektrik von Victron. Der Sicherungskasten ist direkt erreichbar, an Batterien und Wechselrichter kommt man nach dem Ausbau des Tischs.
Hinter den geöffneten Hecktüren hängt die eigene Erfindung der Camper Schmiede, der Soul Floater. Ein Jahr lang hat das Team an dieser Liege gearbeitet, die frei hinter dem Fahrzeug schwebt. Die Liege besteht aus fünf Edelstahlstangen, die man zusammensteckt, und einer sehr robusten Plane. Anders als eine Hängematte hält die Liege den Körper in einer bequemen Liegeposition. Der Soul Floater ist für 200 Kilogramm getestet und zugelassen und hat keinen Kontakt zum Boden.

Den Soul Floater gibt es auch einzeln für den MAN TGE, den VW Crafter und den Mercedes Sprinter. Für die Montage nutzt die Camper Schmiede Gewinde, die ab Werk in der Karosserie sitzen, und setzt zusätzlich ein paar Nieten. Wer handwerklich geschickt ist, schafft das in rund zwei Stunden selbst. Sonst übernehmen die Camper Schmiede oder ihre Partnerwerkstätten den Einbau.
Über die Dachhaube steigt man auf eine Terrasse aus Aluminium-Waben, deren Solarmodule man betreten kann. Daneben ist ein Dachzelt von Front Runner für zwei Personen montiert. Zusammen mit dem Hubbett und dem Kinderbett im Heck bietet die Marylin damit bis zu sechs Schlafplätze bei vier Sitzplätzen.
Die Marylin ist das Messefahrzeug der Camper Schmiede und zeigt, was das Team kann. Verkauft wird sie trotzdem, wenn jemand mit ihren besonderen Ideen etwas anfangen kann. Rechnet Christian Material und Arbeitsstunden für dieses Einzelstück zusammen, kommt er auf rund 250.000 Euro.
Die meisten Kunden bestellen ohnehin einen eigenen Ausbau. Ein Individualausbau beginnt bei der Camper Schmiede bei rund 70.000 bis 80.000 Euro zuzüglich Basisfahrzeug. Da die Wünsche meist aufwendiger sind, liegen die Ausbauten erfahrungsgemäß eher bei 100.000 bis 120.000 Euro. Ob Rundungen, Smeg-Geräte oder ein Hubbett in den eigenen Van kommen, entscheidet jeder Kunde selbst.
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