Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit Bürstner vorgestellt.
Der Bürstner Habiton X – HMX 6.0 ist ein Allrad-Campervan auf Mercedes Sprinter, der auf 5,93 Metern zwei Längsbetten und vier Gurtplätze unterbringt. Möglich macht das ein patentiertes Bad, das man nachts auf Rollen nach vorn schiebt. Auf dem Caravan Salon 2025 hat uns Produktmanager und Mitentwickler Sylvain Heideier das Fahrzeug vorgestellt. Der Grundpreis lag auf der Messe bei 86.999 Euro. Das gezeigte Fahrzeug kostete rund 120.000 Euro.
Auf dem Caravan Salon haben wir uns auch mit Hubert Brandl unterhalten, der seit November 2024 Geschäftsführer von Bürstner ist. Unter ihm hat die Marke ihr Programm neu geordnet und statt 15 Baureihen gibt es seit dem Modelljahr 2026 drei neue: den Habiton auf Mercedes Sprinter, den Campervan Papillon auf Fiat Ducato und den teilintegrierten Signature. Hubert setzt auf wenige Baureihen, an denen das Team immer weiter arbeiten kann, weil sich so nach seiner Erfahrung gute Qualität und gute Preise am besten verbinden lassen. Spüren sollen das auch die Kunden beim Händler, weil sich die Verkäufer bei drei Baureihen viel genauer auskennen als bei 15 Baureihen mit zahlreichen Grundrissen.
Am Anfang des Habiton stand eine Frage: Wie bringt man zwei Längsbetten in einen Sprinter, der unter 6 Metern bleibt? Einen Sprinter mit 7 Metern und Einzelbetten finden nach Huberts Erfahrung viele Kunden zu lang. Die Entwickler von Bürstner haben deshalb ein verschiebbares Bad gebaut und Bürstner hat es patentieren lassen. Tagsüber gibt das Bad Platz für die Sitzgruppe frei und abends rückt es nach vorn, damit hinten das zweite Bett entsteht.
Vorgestellt hat uns das Fahrzeug Sylvain Heideier, der als Produktmanager zum Entwicklerteam des Habiton gehört. Ende 2024 stand die neue Strategie fest und im Januar 2025 begann die Entwicklung. Bis zu den Messen blieben damit sechs bis sieben Monate. Üblicherweise baut Bürstner für ein neues Fahrzeug ein oder zwei Prototypen. Beim Habiton waren es gleich mehrere, damit auf jeder Messe ein Fahrzeug stehen konnte. Die Rückmeldungen von Kunden, Händlern und Partnern hat das Team auf den Messen gesammelt, um sie bis zum Serienstart Anfang 2026 einzuarbeiten.
Den Habiton gibt es in zwei Varianten. Der HM 6.0 hat Heckantrieb und der HMX 6.0 aus unserem Gespräch fährt mit Allradantrieb. Fahrwerk und Allradantrieb des HMX 6.0 kommen komplett ab Werk von Mercedes. Nachträglich umgebaut wird daran nichts. Vom HM 6.0 unterscheidet er sich durch den Allradantrieb und eine Höherlegung um 10 Zentimeter, die ihm mehr Bodenfreiheit verschafft. Das zeigt sich auch an der Höhe: Der HM 6.0 ist 2,73 Meter hoch und der HMX 6.0 kommt auf 2,83 Meter.
Angetrieben wird der HMX 6.0 vom Sprinter 419 CDI mit 140 kW beziehungsweise 190 PS und Automatikgetriebe. Seine technisch zulässige Gesamtmasse liegt bei 3.880 Kilogramm und die Masse fahrbereit bei 3.040 Kilogramm. Wer den Habiton mit dem Führerschein der Klasse B fahren möchte, bestellt für 260 Euro die Ablastung auf 3,5 Tonnen.
Für Fahrten abseits befestigter Straßen gibt es beim Allrad das Offroad-Paket. Dazu gehören schwarze 16-Zoll-Stahlfelgen mit grobstolligen All-Terrain-Reifen, ein Frontbügel und ein Unterfahrschutz für Motor und Unterboden. Außerdem bringt das Paket die Bergabfahrhilfe Downhill Speed Regulation von Mercedes und eine elektrische Trittstufe mit, die sich einklappen lässt, damit sie keine Bodenfreiheit kostet. Mit dem Offroad-Paket ist die Höchstgeschwindigkeit auf 120 km/h begrenzt.
Auch die Optik stellt sich jeder Kunde selbst zusammen. Zur Wahl stehen mehrere Lackierungen und eine Folie in Carbonoptik, die sich mit Akzenten in Gold, Rot, Blau oder Orange kombinieren lässt. Eine Markise gibt es als Option und im gezeigten Fahrzeug hat sie eine indirekte Beleuchtung, die sich dimmen lässt.
Wer einen Kastenwagen auch im Winter nutzen möchte, fragt zuerst nach der Dämmung. Im Boden des Habiton liegt unten eine Schicht aus XPS, einem festen Dämmschaum. Darüber folgen eine Deckschicht und ein Kunststoffbelag, die den Boden zusätzlich stabilisieren. An der Decke kommt zu Sperrholz und XPS eine akustische Dämmung aus Thinsulate von 3M dazu. Dieselbe Dämmung sitzt an den Seitenwänden zwischen dem Blech der Karosserie und der Verkleidung. Dort ist die Schicht aus Thinsulate 27 Millimeter stark. Das Material ist nach Angaben von 3M sehr leicht und wasserabweisend.
Auch die Türen sind gedämmt. In der Schiebetür füllt Bürstner zuerst die Hohlräume mit Dämmmaterial aus und zieht dann eine durchgehende Matte aus Thinsulate darüber, bevor die Verkleidung aus Stoff daraufkommt. Die Hecktüren haben dieselbe Dämmung wie die Seitenwände und sind bis unten durchgedämmt. Für Sylvain ist der Habiton damit wintertauglich.
Serienmäßig hängt der Abwassertank mit 90 Litern in einer isolierten Wanne unter dem Fahrzeug. Die Dieselheizung gibt dort zusätzlich etwas Wärme ab und so ist der Tank schon ohne Zusatzpaket frostsicher. Für das Fahrerhaus gibt es ein Winterpaket mit Sitzheizung und Lenkradheizung. Dazu gehört eine zusätzliche Wärmedämmung des Fahrerhauses, die Mercedes ab Werk einbaut. Im Winterpaket für den Aufbau stecken ein elektrisch beheizter Abwassertank, ein elektrisch gesteuertes Ablassventil und ein Elektroheizstab für die Heizung. Sylvain ist selbst Wintercamper und empfiehlt dieses Paket allen, die bei Frost unterwegs sind.
Geheizt wird mit einer Timberline 1.0. Die Diesel-Hybridheizung arbeitet mit einem Warmwasserkreislauf, der die Wärme im Fahrzeug verteilt. Der Dieselbrenner sitzt außen unter dem Fahrzeug, so dass die Verbrennung außerhalb des Wohnraums stattfindet. Gas braucht der Habiton nur zum Kochen. Weil die Dieselheizung und der Kompressorkühlschrank ohne Gas auskommen, reicht eine kleine Flasche mit 2,75 Kilogramm.
Öffnet man die Hecktüren, findet man dort die Fächer für die Technik. In einem Technikfach sitzen weitere Teile der Heizung und die Batterie. Ab Werk ist das eine AGM-Batterie mit 95 Amperestunden. Im gezeigten Fahrzeug war die Lithiumbatterie mit 100 Amperestunden aus dem Komfort-Pack für den Aufbau verbaut. Wer mehr Kapazität möchte, bekommt im Autarkie-Pack eine Lithiumbatterie mit 150 Amperestunden zusammen mit einer Solaranlage mit 150 Watt und einem stärkeren Ladebooster. Daneben gibt es einen Stauraum für die Gasflasche. Unter einem weiteren Staufach im Heck liegt der Frischwassertank mit 110 Litern. Sein Einfüllstutzen sitzt direkt am Tank. Zum Befüllen öffnet man also die Hecktüren und füllt das Wasser dort ein. Eine Tankklappe in der Seitenwand braucht der Habiton dafür nicht. Ein ausklappbarer Überlaufschutz sorgt beim Befüllen dafür, dass danebengehendes Wasser außerhalb des Fahrzeugs landet.
Vorn lassen sich die beiden Fahrerhaussitze zur Sitzgruppe drehen. Dahinter ist eine Sitzbank für zwei mit Dreipunktgurten in Fahrtrichtung eingebaut, so dass im Habiton vier Personen mitreisen können. Der Klapptisch kommt ohne Tischbein aus. Nach dem Entriegeln senkt er sich gedämpft ab und weil kein Bein im Weg steht, haben alle am Tisch viel Beinfreiheit. Bezogen sind die Sitze serienmäßig mit Stoff in Grau oder Schwarz. Gegen Aufpreis gibt es Leder in Schwarz oder Beige und auf Wunsch zusätzlich mit einer Steppung als Ziermuster. Beim schwarzen Leder ist das ein Wabenmuster und beim beigen ein Wellenmuster.

Die Küche liegt gegenüber dem Bad und hat einen Gaskocher mit zwei Flammen und eine Spüle mit Glasabdeckung. Daneben gibt es einen Kompressorkühlschrank mit 69 Litern, in dem ein Gefrierfach mit 7,5 Litern steckt.
An der Schiebetür lässt sich ein Fliegenschutzplissee über die ganze Länge zuziehen. Eine Bürste am Rand schließt jede Lücke, damit dort keine Mücken hineinfinden. Wie die Rahmenfenster von Dometic im gezeigten Fahrzeug gehört das Plissee zum Komfort-Pack für den Aufbau.
Hinter der Sitzbank liegt das Bad mit einer großen Duschfläche. Damit für die Dusche möglichst viel Platz bleibt, sitzt die Toilette auf einem Auszug, den man zum Benutzen herauszieht. Das Klappwaschbecken nutzt dieselbe Armatur wie die Handbrause der Dusche. Die Badtür schließt mit einem Dichtprofil ab, so dass man ganz ohne Duschvorhang duscht und das Wasser im Bad bleibt.
Statt einer fest eingebauten Toilette bietet Bürstner ab Werk drei Toiletten an, weil die Toilette nach Sylvains Erfahrung für viele Kunden ein großes Thema ist. Zur Wahl stehen das Porta Potti von Thetford, eine Trenntoilette von Trelino und die Clesana X1. Bürstner setzt die gewählte Toilette mit einer Befestigung in den Auszug, damit sie während der Fahrt gesichert ist. Im gezeigten Fahrzeug war die Clesana X1 eingebaut, die auf dem Caravan Salon 2025 Premiere feierte. Die Toilette verschweißt die Hinterlassenschaften in Folie und läuft im Fahrzeug am Bordnetz. Mit einem Akku aus dem Power X-Change-System von Einhell lässt sie sich auch draußen nutzen.

Der eigentliche Kniff des Habiton zeigt sich am Abend. Im Heck liegen zwei Längsbetten mit 1,92 mal 0,72 Metern und 1,82 mal 0,76 Metern. Das Bad steht hinter der Sitzbank auf derselben Seite wie eines der beiden Betten. Tagsüber reicht es so weit nach hinten, dass dieses Bett noch nicht seine volle Länge hat. Für die Nacht klappt man zuerst den Tisch hoch, bis er einrastet, und schiebt die Sitzbank mit einem Handgriff auf Schienen im Boden nach vorn. Danach entriegelt man das ganze Bad und schiebt es samt Toilette auf Rollen hinterher. Schon ist das zweite Bett komplett. Wer lieber gemeinsam schläft, erweitert die beiden Längsbetten mit der Zusatzmatratze aus dem Komfort-Pack zu einer großen Liegefläche. Am Morgen nimmt man die Zusatzmatratze wieder heraus und geht in umgekehrter Reihenfolge vor: Bad nach hinten schieben, bis es einrastet, Sitzbank zurückschieben und Tisch absenken. Nach Sylvains Worten dauert das nur wenige Sekunden.
Zwei weitere Schlafplätze bietet das optionale Aufstelldach mit einer Liegefläche von 2,00 mal 1,09 Metern. Hinauf geht es über eine zweiteilige Leiter. Während der Fahrt liegt sie auf einem der Längsbetten oder man legt sie vor dem Absenken des Dachs oben ins Bett. Oben gibt es eine dimmbare LED-Beleuchtung und eine Leselampe mit Schwanenhals. Für die Serie hat Bürstner außerdem eine Heizung für das Schlafdach entwickelt, die inzwischen auch auf der Website steht. Eine Leitung führt dafür die warme Flüssigkeit der Timberline nach oben in den Bettrost, wo sie zwischen den Tellerfedern unter der Matratze für Wärme sorgt.
Auf dem Caravan Salon 2025 lag der Grundpreis des HMX 6.0 bei 86.999 Euro. Der HM 6.0 mit Heckantrieb startete bei 72.999 Euro. Für den Aufpreis von 14.000 Euro bekommt man den Allradantrieb mit Höherlegung und den Sprinter 419 CDI mit 190 PS und Automatik. Dazu kommen 140 Euro für Zulassungsdokumente und Gasprüfung.
Das gezeigte Fahrzeug kostete rund 120.000 Euro. An Bord waren die Komfortpakete, beide Winterpakete, das Offroad-Paket, eine Sonderlackierung, das Aufstelldach, die Markise und eine 360-Grad-Kamera. Den größten Posten macht dabei das Aufstelldach aus, das laut Preisliste je nach Farbe 6.990 oder 7.490 Euro kostet. Im Komfort-Pack für den Aufbau stecken für 2.990 Euro unter anderem die Lithiumbatterie mit 100 Amperestunden, die Rahmenfenster, das Fliegenschutzplissee und die Zusatzmatratze. Das verschiebbare Bad mit den beiden Längsbetten und die vier Gurtplätze gehören dagegen bei jedem Habiton dazu.
Hast Du einen Fehler im Artikel entdeckt? Dann freuen wir uns über Deinen Hinweis.