Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit BoXmanufaktur vorgestellt.
Der Denali 720 Q ist das erste Serienfahrzeug der BoXmanufaktur aus Sottrum: eine selbst gefertigte GFK-Kabine auf dem Mercedes Sprinter 4×4 mit Panoramaklappe, 10 kWh Strom und Warmwasserheizung. Auf der CMT 2026 hat uns Geschäftsführer Hajo Willenbrock das Fahrzeug vorgestellt. Der Denali 720 Q kostet ab ca. 315.000 Euro und das Messefahrzeug 357.000 Euro.
Bekannt geworden ist die BoXmanufaktur mit Leerkabinen und individuell ausgebauten Expeditionsmobilen, bei denen man auch mit einem leeren Blatt Papier anfangen kann. Mit dem Denali 720 Q gibt es nun zum ersten Mal ein Fahrzeug in Serie. Das Konzept ist schon seit einigen Jahren in den USA im Test unterwegs, wo die BoXmanufaktur mit einer Niederlassung vertreten ist. Weil auf dieses Auto so viel positives Feedback kam, fiel die Entscheidung für eine Kleinserie. Hajo Willenbrock baut seit 40 Jahren Leerkabinen und Expeditionsmobile und diese Erfahrung zeigt sich vor allem an der Kabine.
Alle Bauteile stellt die BoXmanufaktur im eigenen Haus her. Auch die Sandwichplatten für Wände, Dach und Boden werden selbst verpresst. Die Wände sind 57 Millimeter stark und bestehen nach Herstellerangaben aus einem PU-Schaumkern mit 1,1 Millimeter starkem GFK-Laminat auf beiden Seiten. Beim Zusammenbau greifen die Platten ineinander und werden miteinander verklebt. In den Ecken sitzen zusätzliche Verstärkungen, die die Kabine nach Hajos Angabe noch einmal deutlich aussteifen.
So entsteht eine Kabine, die schon für sich genommen sehr stabil ist. An allen Kanten klebt die BoXmanufaktur trotzdem ganz zum Schluss Aluminiumprofile auf. Die Profile dienen als Kantenschutz, falls unterwegs ein Ast gegen die Kabine schlägt oder der Weg durch dichtes Gebüsch führt. Auf ihrer Rückseite haben die Profile Vertiefungen, in die der Kleber mit einem speziellen Adapter in drei Reihen eingebracht wird, damit sie über die ganze Länge fest auf der Kabine sitzen.
Solche Kantenprofile gibt es auch aus GFK und manche Kunden wünschen sich das. Dass die BoXmanufaktur trotzdem auf Aluminium setzt, hat mit Hitze zu tun. Heizt sich ein GFK-Profil außen auf 80 Grad auf, bleibt es auf der Innenseite deutlich kühler, weil GFK isoliert. Das Profil dehnt sich dann aus, die Kabinenwand darunter aber kaum. Aluminium leitet die Wärme dagegen bis zur Wand weiter, die sich so mit erwärmt und mit ausdehnt. Der Unterschied in der Ausdehnung fällt nach Hajos Rechnung dadurch kleiner aus als bei einem GFK-Profil auf einer GFK-Wand.
Auch Türen und Klappen kauft die BoXmanufaktur nicht zu. Schon beim Verpressen der Wandplatten werden Türrahmen und Türblatt mit eingeklebt. Danach wird das Türblatt wieder herausgetrennt und mit Scharnieren, Verschlüssen und Gasdruckdämpfern zur fertigen Tür oder Klappe ausgebaut. Weil Rahmen und Klappe so aus derselben gedämmten Wand stammen, entstehen an den Öffnungen keine Kältebrücken.
Die Kabine ist so konstruiert, dass sie auch auf ein anderes Fahrgestell passt, etwa auf einen Iveco oder einen Mercedes Atego. Grundriss, Aufteilung und die Führung von Wasser und Strom bleiben dabei gleich. Auch auf der Website nennt die BoXmanufaktur andere Basisfahrzeuge als Option. Das Messefahrzeug steht auf dem Sprinter, weil schon das erste Fahrzeug auf dieser Basis sehr gut ankam und weil sich der Sprinter fährt wie ein Pkw. Der Atego wäre im Gelände vielleicht das bessere Auto, ist aber ein Lkw. Den Sprinter dürfen dagegen viele Fahrer aus Hajos Generation mit ihrem alten Führerschein fahren, ohne noch einmal in die Fahrschule zu müssen.
Das ausgestellte Fahrzeug steht auf einem Mercedes Sprinter 419 CDI 4×4 mit 140 kW beziehungsweise 190 PS und ist auf 4,7 Tonnen zugelassen. Fahrbereit wiegt es 4.000 Kilogramm und damit bleiben rund 700 Kilogramm Zuladung. Davon gehen die beiden Reisenden und das Wasser noch ab, wie Hajo ausdrücklich dazusagt. Damit der Sprinter die 4,7 Tonnen tragen darf, hat die BoXmanufaktur eine zusätzliche Blattfeder und eine Luftfeder eingebaut. Vorn sind Querlenker aus GFK vorgesehen, die auf der Messe noch nicht montiert waren. Inzwischen hat die Serie den nächsten Schritt gemacht: Auf der Website steht der Denali 720 Q heute auf dem Sprinter 519 CDI mit Zwillingsbereifung und 5,5 Tonnen Gesamtgewicht.
Weil jedes Kilogramm zählt, hat die BoXmanufaktur am Messefahrzeug überall auf Gewicht geachtet. Seitlich unter dem Aufbau hängt nur hinten eine Staukiste. Weiter vorn ist an dieser Stelle lediglich eine Verkleidung angebracht. Eine zweite Kiste sieht Hajo erst bei einem höheren zulässigen Gesamtgewicht. Auch auf ein zusätzliches Fenster im Schlafbereich wurde verzichtet. 700 Kilogramm klingen nach viel, sind aber schnell verbraucht, wenn Lebensmittel und Kleidung für eine andere Jahreszeit an Bord kommen.
An der Front sitzen zwei Fernscheinwerfer vom Typ Siberia des schwedischen Herstellers Strands, eine Frontstoßstange von CAtuned Off-Road aus Kalifornien und eine Seilwinde von Warn. Mit der Seilwinde kann man nach Hajos Erfahrung vor allem anderen helfen und lernt dabei oft nette Leute kennen. Manche Kunden verzichten auch darauf. Den Kühlergrill hat die BoXmanufaktur mit Raptor beschichtet, weil die Oberfläche sehr kratzfest ist.
Unter dem Bett im Heck liegt die Garage. Man erreicht sie über eine große Klappe auf der Beifahrerseite, die nach oben aufschwingt und von Gasdruckdämpfern gehalten wird. Nach Hajos Angabe ist der Raum etwa einen Meter hoch. Zum Heck hin läuft der Kabinenboden schräg nach oben. Weil die BoXmanufaktur alle anderen schweren Bauteile so weit wie möglich nach vorn gelegt hat, war die Garage der beste Platz für den Frischwassertank mit 155 Litern. Dazu kommen eine Filteranlage mit Kohlefilter und UV-Licht, die das Wasser aufbereitet, die Wasserpumpe, das Ausdehnungsgefäß und die Anschlüsse der Heizung.

Dass die Garage eine Klappe hat und keine seitlich angeschlagene Tür, hat zwei Gründe. Direkt daneben liegt die Außenküche, vor der eine geöffnete Tür im Weg stünde. Außerdem wirkt die hochgeklappte Klappe bei Regen wie ein kleines Vordach, unter dem man trocken an sein Gepäck kommt. Bei der Außenküche ist es umgekehrt: Sie wird von einer Tür verschlossen, weil der Dampf beim Kochen unter einer Klappe aufsteigen und sie mit der Zeit unansehnlich machen würde.
Die Außenküche selbst ist eine MOKUBO, eine komplett ausgestattete Küchenbox von Red Rock Adventures aus Viersen. Sie steht auf einem Auszug, den man aus dem Fahrzeug herauszieht, und bringt alles mit, was man zum Kochen braucht: Besteck, Schneidbretter, Töpfe, Gläser, sogar Gewürze und einen zweiflammigen Gaskocher von Primus, der mit Kartuschen arbeitet. Der Auszug trägt nach Hajos Angabe theoretisch 240 Kilogramm, wobei die Last davon abhängt, wie weit er ausgezogen ist.
Neben der Küchenbox gibt es ein Fach, das von der Außenwand bis in den Küchenschrank im Innenraum reicht. Dort passen zwei bis drei Eurokisten hintereinander hinein. Wer vom Einkaufen kommt, schiebt die vollen Kisten von außen hinein und räumt sie innen in der Küche aus, ohne alles einzeln durch die Tür zu tragen. Umgekehrt lässt sich drinnen vorbereitetes Essen auf demselben Weg nach draußen zur Außenküche reichen.
Unter der Eingangstür sitzt eine ausklappbare Einstiegstreppe von Alpha Dynamics mit mehreren Stufen. Eingeklappt baut sie sehr flach und steht deshalb kaum unter dem Aufbau hervor. Wie belastbar sie ist, führt Hajo auf dem Stand vor, indem er sich selbst daraufstellt.
Die Sitzgruppe liegt auf der Fahrerseite, und dort steckt das auffälligste Detail des Denali 720 Q: Die Außenwand neben dem Tisch lässt sich als große Klappe nach oben öffnen. Hajo gibt sie mit 1,60 bis 1,65 Meter Breite und rund einem Meter Höhe an. Ist sie offen, sitzt man am Tisch fast wie im Freien. Wie viel das ausmacht, beschreibt Hajo mit einem Erlebnis aus dem Grand Canyon. Mit einem anderen Fahrzeug, das eine ebensolche Klappe hat, stand er dort mit seiner Frau bei starkem Wind. Sie stellten das Auto so in den Wind, dass die Klappe auf der geschützten Seite lag, öffneten sie und sahen sich den Sonnenuntergang geschützt vom Tisch aus an.
In die Klappe ist ein großes Fenster von Outbound eingesetzt, das Verdunkelung und Insektenschutz schon mitbringt. Sind Mücken unterwegs, lässt man die Klappe zu und öffnet nur das Fenster. Das Gewebe des Insektenschutzes gibt es in verschiedenen Stärken, auch gegen die ganz kleinen Mücken, die man schon in Schottland antrifft. Ob Outbound oder KCT, entscheidet der Kunde. Outbound wählt die BoXmanufaktur gern wegen des geringen Gewichts, auch die Dachluke über dem Bett stammt aus einer leichten Baureihe dieses Herstellers.
Die Möbel sind aus Queenply gebaut, einer Leichtbauplatte, die nach Herstellerangaben nur 330 Kilogramm pro Kubikmeter wiegt. Die Fronten sind grün. Unten an allen Schränken ist ein schmaler Spalt frei, eine sogenannte Schattenfuge. Durch sie steigt die warme Luft der Fußbodenheizung in die Schränke und tritt oben an einem Schlitz neben der indirekten Beleuchtung wieder aus, so dass sie auch durch die Schränke zirkuliert. Die Kanten sind geölt. Als Verschlüsse dienen Drehknöpfe, an deren Stellung man sieht, ob ein Schrank zu ist.
Die Küchenzeile liegt der Sitzgruppe gegenüber auf der Beifahrerseite. Ihre Arbeitsplatte ist mit 710 Millimetern ungewöhnlich tief, weil Hajo gern kocht und vorher viele kleine Schälchen vorbereitet, die Platz brauchen. Die Spüle ist unter der Arbeitsplatte eingelassen und hat einen versenkbaren Wasserhahn, so dass sich auch diese Fläche zum Arbeiten nutzen lässt. Gekocht wird innen auf einem Induktionsfeld von Siemens. In einem der Küchenschränke endet das Fach mit den Eurokisten und in den Schubladen sind Steckeinteilungen vorbereitet. Die Tür des Kühlschranks von Dometic lässt sich wahlweise nach links oder rechts öffnen, so dass man sich auch von draußen ein Getränk holen kann, ohne ins Auto zu steigen.
Im Wohnraum beträgt die Stehhöhe 2,07 Meter. Im Heck liegt quer zur Fahrtrichtung das Bett mit 1,50 mal 2,05 Metern. Seine Umrandung wird beheizt, damit die Feuchtigkeit entweicht, die sich unter der Matratze sammelt. Die Polster der Sitzgruppe haben eine Lordosenstütze und sind vor allem zum Sitzen gemacht. Kommt einmal für einen Tag der Enkel zu Besuch, lässt sich die Sitzgruppe trotzdem zu einem Bett für ein Kind umbauen.
Geheizt wird mit einer Timberline 2.0, einer Warmwasserheizung, die mit Diesel arbeitet und nach Herstellerangaben auch Strom nutzen kann. Die Heizung sitzt unter einer der Sitzbänke. Im Sprinter der BoXmanufaktur, der heute in den USA unterwegs ist, steckt der Prototyp dieser Heizung, der noch in Deutschland eingebaut wurde. Die Heizung wärmt den Boden über wasserführende Schläuche, die in der 97 Millimeter starken Bodenplatte liegen. Außerdem erwärmt sie die Bettumrandung und die Wand im Bad. Wie wenig Energie die Kabine braucht, zeigt eine Berechnung, die die BoXmanufaktur gerade für ein anderes Fahrzeug angestellt hat. Dieses Fahrzeug ist etwas länger als der Denali und wird für eine Reise in die Mongolei gebaut. Bei minus 40 Grad draußen und plus 20 Grad innen kommen rechnerisch rund 1.300 Watt Heizleistung heraus.
An der Sitzgruppe liegt zusätzlich ein elektrischer Heizstreifen mit 220 Watt pro laufendem Meter. Der Heizstreifen wärmt kalte Füße schnell auf, wenn man hereinkommt. Eine fest eingebaute Gasanlage gibt es im Denali 720 Q nicht. Hajo verbaut lieber eine Batterie mehr, weil man mit Gas in jedem Land andere Adapter braucht und weil die BoXmanufaktur bei Reparaturen und Gasprüfungen an älteren Fahrzeugen schon viele Probleme mit Gasleitungen gesehen hat.
Die Energie kommt aus einem System von EcoFlow mit 10 kWh Lithium-Eisenphosphat, umgerechnet rund 800 Amperestunden bei 12,8 Volt. Die Batterien und der Power Hub sitzen unter der zweiten Sitzbank. Der Hub hat nach Herstellerangaben einen Wechselrichter mit 3.600 Watt eingebaut. Auf dem Dach liegen 525 Watt Solarleistung. Gesteuert wird alles über Revotion, ein System aus einzelnen Modulen, den sogenannten Nodes. Eines verbindet das System mit EcoFlow und andere steuern das Licht, schalten Verbraucher oder zeigen die Füllstände der Tanks und die Temperaturen an. Das geht per App und über ein fest eingebautes iPad. Jedes Licht hat aber auch einen eigenen Taster, der weiter funktioniert, wenn die Zentrale einmal ausfällt.
Zwischen Wohnraum und Fahrerhaus liegt das Bad. Man betritt das Bad durch eine Tür aus dem Wohnraum. Links steht die Toilette und rechts ist die Dusche. Durch das Bad geht es zugleich nach vorn ins Fahrerhaus. Die BoXmanufaktur nutzt diesen Durchgang, der ohnehin frei bleiben muss, als Duschfläche und spart so Platz. Beim Duschen wird vor der Toilette ein Vorhang mit vier Druckknöpfen eingehängt, damit sie trocken bleibt. Die Tür zum Wohnraum ist abgedichtet und hat unten eine kleine Abtropfkante. Der Boden des Bads ist etwas erhöht, weil darunter eine Duschwanne aus Aluminium mit Gefälle sitzt, aus der das Wasser in den Abwassertank mit 60 Litern läuft. Die Stehhöhe fällt im Bad deshalb etwas geringer aus. Über der Dusche zieht ein Lüfter die feuchte Luft ab. Die Wand hinter der Dusche wird von der Heizung erwärmt, wärmt nach dem Skifahren und trocknet die Handtücher. Ein Waschbecken lässt sich bei Bedarf ausklappen.
Die Toilette ist eine Helipott E-Drive. Nach Herstellerangaben startet ein Rührwerk, sobald der Deckel geschlossen wird. In der Variante am Messefahrzeug wird die Schüssel danach automatisch ausgesprüht. Hajo hat sie vier Wochen im Büro ausprobiert und danach war der Inhalt kompostiert. Weil sie so stabil ist, dient sie auch als Tritt zum kleinen Stauraum über dem Fahrerhaus. Wer lieber eine Verbrennungstoilette möchte, bekommt sie in der Dieselvariante.
Auf der Website nennt die BoXmanufaktur für den Denali 720 Q derzeit einen Preis ab ca. 315.000 Euro einschließlich Mehrwertsteuer und das Fahrgestell ist darin enthalten. In der aktuellen Preisliste stehen 310.000 Euro Grundpreis und 1.390 Euro für Überführung und Papiere. Die Grundversion hat weniger Batteriekapazität und nicht all die Anbauteile des Messefahrzeugs.
Mit Frontstoßstange, Seilwinde, anderen Rädern und der übrigen Ausstattung kostete der Denali 720 Q auf der CMT 2026 so, wie er dort stand, 357.000 Euro. Hajo verweist auf die viele Handarbeit und die Entwicklungszeit und auf ein Fahrzeug, in dem auch nach einer Fahrt über die Piste noch alles an seinem Platz ist. Wer etwas anders haben möchte, bekommt es. Ein komplett neues Konzept geht aber nicht mehr für den Serienpreis, weil eine Serie davon lebt, dass sich die Arbeit wiederholen lässt.
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