Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit Airstream Germany vorgestellt.
Der Airstream World Traveler 22 ist ein Wohnwagen mit genieteter Aluminiumhülle, aber mit 2,29 Metern Breite und 1.700 Kilogramm schlanker und leichter als die klassischen Airstreams. Im Heck hat er Längsbetten und in der Mitte ein Bad mit separater Duschkabine. Auf dem Caravan Salon 2025 hat ihn uns Armin Heun vorgestellt, Geschäftsführer von Airstream Germany. Heute kostet er 83.859 Euro.
Auf den ersten Blick ist der World Traveler 22 ein Airstream wie jeder andere, denn er trägt die silberne Aluminiumhülle, die die Marke seit Jahrzehnten ausmacht. Gebaut wird er wie alle Airstreams im Werk in den USA. Dort entstehen zuerst die Frontkuppel, die Seitenteile und das Dach als einzelne Bauteile, die jeweils aufgespannt und vernietet werden. Zusammengesetzt ergeben sie eine Hülle, die schon für sich stabil ist und sich als Ganzes tragen lässt. Erst dann wird die Hülle auf den Boden gesetzt und von innen gedämmt, verkabelt und verkleidet. Airstream nennt diese Bauweise Semi-Monocoque.
Der Boden besteht seit rund drei Jahren aus Verbundwerkstoff, so dass weder in der Hülle noch im Boden Holz steckt. Armin hält ihn deshalb für praktisch unbegrenzt haltbar. Zwischen Außen- und Innenhaut liegt Glaswolle aus recyceltem Glas. Neu ist die Innenhaut in Weiß. Klassisch ist ein Airstream auch innen aluminiumfarben. Viele Kunden haben sich aber eine wärmere Optik gewünscht. Das weiße Aluminium des World Traveler ist außerdem 0,3 Millimeter dünner als bisher und allein das spart nach Armins Angabe rund 40 Kilogramm.
Ein Vorteil der genieteten Hülle zeigt sich, wenn doch einmal etwas passiert. Bei einer großen Sandwichwand ist ein Schaden in der Mitte der Fläche schwer zu reparieren. An der Airstream-Hülle werden dagegen die Nieten des beschädigten Segments ausgebohrt, ein neues Blech eingepasst und wieder vernietet. Das erledigt Airstream Germany selbst in Deutschland. Für das Unternehmen ist das Tagesgeschäft, weil es auf Airstream-Basis auch Food Trucks und Food Trailer baut, die ständig auf der Straße sind. Gegen Steinschläge ist die Front des World Traveler 22 mit einer aufgeklebten Schutzfolie versehen.
Fahrbereit wiegt der World Traveler 22 genau 1.700 Kilogramm, mit rund 70 Litern Frischwasser und Gas an Bord. Das zulässige Gesamtgewicht liegt bei 2.000 Kilogramm, so dass rund 300 Kilogramm Zuladung bleiben. Nach Armins Angabe ist der World Traveler 22 damit rund 300 Kilogramm leichter als ein klassischer Airstream dieser Größe. Mit 2,29 Metern ist er außerdem schmaler, als es bei Airstream in den USA inzwischen üblich ist.
Viel Gewicht holt Airstream bei den Fenstern heraus. Die klassischen Airstreams haben Scheiben aus echtem Glas, die schwer und sehr teuer sind und wegen ihres Gewichts nur einfach verglast werden. Der World Traveler 22 bekommt stattdessen doppelt verglaste Fenster aus Acrylglas. Sie sind deutlich leichter und dämmen durch die Doppelverglasung besser als eine einfache Glasscheibe. Für den Winterurlaub ist der World Traveler 22 nach Armins Einschätzung gut geeignet.
Auch das Heck ist schlichter als bei den klassischen Modellen. Statt einer Rundumverglasung gibt es im Schlafbereich drei Fenster. Eine Rundumverglasung würde schnell 20 bis 40 Kilogramm mehr wiegen und das Ziel war ein Wohnwagen mit 2.000 Kilogramm Gesamtgewicht. Für Längsbetten und eine separate Dusche brauchte Airstream rund 50 Zentimeter mehr Länge als beim klassischen Airstream 534. Schwerer sollte der Wohnwagen dadurch aber nicht werden.
Unter dem Aufbau steckt ein sogenanntes Hybridchassis. Der Rahmen ist derselbe wie in den USA. Er wird pulverbeschichtet und mit europäischen Komponenten kombiniert: Deichsel und Achse stammen von Knott. Vorne gibt es deshalb wie bei europäischen Wohnwagen eine Handbremse, ein Stützrad und eine Antischlingerkupplung, während amerikanische Airstreams elektrisch gebremst werden. Knott fertigt für Airstream die Bremsen mit dem amerikanischen Lochkreis, also dem amerikanischen Lochbild der Radschrauben. So passen serienmäßig Alufelgen, die es auf dem europäischen Markt sonst nicht gibt. Die beiden Gasflaschen mit je 11 Kilogramm stehen vorne in einem separaten Außenkasten, den man nach oben öffnet. Die vier Stützen sind wie bei jedem Wohnwagen nur zum Stabilisieren gedacht und nicht zum Aufbocken. Einen Rangierantrieb gibt es als Option.
Wer zum ersten Mal vor einem Airstream steht, wundert sich über die Markise. Die ZipDee-Markise ist fast so alt wie der Airstream selbst und bei ihr bleiben alle Teile fest mit dem Fahrzeug verbunden. Zum Ausfahren zieht man sie einfach heraus und beim Einfahren rollt sie sich von selbst wieder auf, was nach Armins Angabe in weniger als einer Minute erledigt ist. Bei klassischen Markisen stehen die Stützen am Boden und wenn diese Befestigung nicht hält, kann der Wind die Markise über das Dach werfen. Bei der ZipDee sind auch die Stützen fest am Wohnwagen montiert. Deshalb ist nach Armins Angabe in Europa noch keine weggeflogen. Das Tuch ist ein wetterfestes Kunststoffgewebe. Stoffmarkisen in verschiedenen Farben lassen sich nachrüsten. Für ein Vorzelt fehlt die umlaufende Kederleiste. Es lässt sich trotzdem anbringen, braucht an der Rundung aber eigene Lösungen. Hinten gibt es eine zweite Kederleiste für ein Heckzelt, in dem Fahrräder oder Vorräte Platz finden.
Die Aufbautür ist rund 65 Zentimeter breit und wird im Airstream-Werk selbst gebaut. Dahinter sitzt eine eigene Fliegengittertür, über deren Gitter quer mehrere Streben laufen. Sie schützen es vor Hunden und geben Halt, wenn man im Eingang stolpert. Ein Riegel an der Außenwand hält die geöffnete Tür auch bei Wind fest.
Die Außensteckdose ist eine Weltsteckdose, in die amerikanische, britische und europäische Stecker passen. Der Name World Traveler ist dabei Programm, denn die gesamte Elektronik an Bord ist für 110 und für 230 Volt ausgelegt. Nur Klimaanlage und Heizung werden an das jeweilige Land angepasst. Auch die beiden runden LED-Rückleuchten können die Lichtfunktionen verschiedener Länder abbilden.
Die 22 im Namen steht für eine in den USA sehr bekannte Größenklasse, die nach Fuß benannt ist. Insgesamt ist der World Traveler 22 genau 7,21 Meter lang und im Heck stecken die beiden Längsbetten. Ihre Liegefläche gibt Airstream mit 2,05 mal 2,10 Metern an.
Unter einem der beiden Betten sitzt die Klimaanlage, und das mit Absicht. Airstream hat eine Staukastenklimaanlage von Coleman gewählt, damit das Dach frei bleibt. So bleibt der Wohnwagen bei 2,72 Metern Höhe und hat ein glattes Dach. Airstream verspricht sich davon eine bessere Aerodynamik, die vor allem beim Ziehen mit einem Elektroauto hilft. Die Anlage kühlt mit 2,2 und heizt per Wärmepumpe mit 2,7 Kilowatt und ist serienmäßig an Bord. Neben ihr sitzen unter dem Bett die Steuerung und die Batterie.
Unter dem zweiten Bett liegt ein Stauraum, den man durch eine Klappe am Heck auch von außen beladen kann. Eine Aluminiumbarriere teilt ihn in einen hinteren und einen vorderen Teil, damit Gepäck beim Fahren nicht nach vorne rutscht, und bildet zugleich eine zweite Ebene zum Stapeln. In diesem Stauraum hat auch das Reserverad seinen Platz. Wer es lieber im Kofferraum des Zugfahrzeugs mitnimmt, gewinnt hier deutlich mehr Platz. Im Heck hängen Schränke für Wäsche und alles, was man griffbereit haben möchte. Für frische Luft sorgen zwei Dachhauben mit leise laufenden Elektrolüftern, eine vorne und eine hinten. Lässt man den einen Lüfter Luft hineinblasen und den anderen absaugen, entsteht ein Durchzug, der die Luft im Wohnwagen schnell austauscht.
Die Möbel sind aus beschichteten Multiplexplatten gebaut, wie man sie aus einer Schreinerei kennt. Sie sind stabil und lassen sich im Zweifel von jedem Schreiner reparieren. Optisch hat Airstream dem World Traveler 22 eine eigene Handschrift gegeben. Weiße Wände, helles Holz und etwas Grau ergeben einen skandinavischen Stil, während die klassischen Modelle eher wie ein modernes Hotelzimmer wirken. Damit will Airstream auch Kunden gewinnen, die das bisherige Design nicht angesprochen hat.
Die Küche hat eine große Arbeitsfläche, die sich an beiden Enden verlängern lässt. Zu den Betten hin zieht man eine Verlängerung heraus und zur Sitzgruppe hin klappt man eine zweite hoch. Das große Spülbecken lässt sich mit einem Schneidbrett abdecken. Darunter liegen große Schubladen mit Besteckeinsatz, daneben ein Kompressorkühlschrank mit 115 Litern und einem kleinen Gefrierfach. Im Messefahrzeug steckte am Eingang zusätzlich eine Kühlschublade mit 30 Litern, die es als Option gibt. Sie lässt sich auch als Gefrierfach programmieren, was zum Beispiel Hundebesitzer schätzen, die gefrorenes Futter mitnehmen.

Im Bug liegt die Sitzgruppe mit zwei gegenüberliegenden Bänken. Zum Essen finden dort drei, vielleicht auch vier Personen Platz. Mit den Polstern wird daraus ein Sofa oder eine Liegefläche von 2,18 mal 0,89 Metern. Airstream sieht den World Traveler 22 deshalb als Wohnwagen für zwei Erwachsene und bis zu zwei Kinder. Armin rechnet aber vor allem mit Paaren, die damit auf Rundreisen gehen und oft den Standort wechseln.
Das Bad liegt in der Mitte des Wohnwagens gegenüber der Küche. In vielen anderen Wohnwagen hat die Dusche nach Armins Worten eher eine Alibifunktion. Airstream baut dagegen auch in seine übrigen Modelle vollwertige Duschen ein. Im World Traveler 22 ist die Dusche eine geschlossene Kabine mit einer tiefen Wanne, einem Sitz und einer Falttür, die vor der Kante der Wanne verläuft, damit kein Wasser ins Bad läuft. Für die Serie plant Airstream an der Duschtür noch eine kleine Änderung, damit der obere Rahmen etwas höher sitzt. Daneben gibt es ein kleines Waschbecken, einen Vergrößerungsspiegel, ein Fenster und einen aktiven Lüfter an der Decke. Geheizt wird zum ersten Mal bei Airstream in Europa mit einer Truma Combi 4E, die mit Gas oder 230 Volt arbeitet, das Warmwasser bereitet und mit ihrer Warmluft auch das Bad wärmt. Die klassischen Modelle haben dagegen eine Warmwasserheizung von Alde.
Ungewöhnlich für einen Wohnwagen ist die Toilette. Statt einer Kassette hat der World Traveler 22 eine Spültoilette mit festem Schwarzwassertank, die man wie zu Hause benutzt und abspült. Das Spülwasser kommt aus dem Frischwassertank. Der Schwarzwassertank fasst 40 Liter, der Frischwassertank 70 und der Grauwassertank 85 Liter.
Auf dem Caravan Salon 2025 kostete der World Traveler 22 ab 79.900 Euro fahrfertig, inklusive Überführung, Klimaanlage und Markise. Zum Marktstart gab es dazu das Autark-Paket kostenlos mit 300 Watt Solar auf dem Dach und einem Wechselrichter mit 2.200 Watt. Statt der Lithiumbatterie mit rund 100 Amperestunden, die ab Werk vorgesehen ist, steckt darin eine mit 310 Amperestunden, die knapp 4 Kilowattstunden speichert. Damit kann die Klimaanlage nach Armins Angabe am Abend noch rund anderthalb Stunden laufen und wer bei Freunden oder Familie im Hof steht, kommt zwei bis drei Tage ohne Stromkabel aus.
Inzwischen ist der Preis gestiegen. Die aktuelle Preisliste von Airstream Germany nennt für den World Traveler 22 zulassungsfertig 83.859 Euro. Darin stecken 72.900 Euro für den Wohnwagen, 9.969 Euro für Überführung aus den USA und Zoll sowie 990 Euro für TÜV und Gasprüfung. Das Autark-Paket kostet inzwischen extra: Solar 2.400 Euro, die größere Batterie 1.950 Euro und der Wechselrichter 1.980 Euro. Ein Rangierantrieb kommt auf 4.186 Euro.
Zum Vergleich nannte Armin auf der Messe den klassischen Airstream 534, der ähnlich groß ist und in vergleichbarer Ausstattung rund 105.000 Euro kostet. Wer noch kompakter unterwegs sein möchte, findet inzwischen auch den kleineren World Traveler 17, der zulassungsfertig 78.979 Euro kostet.
Hast Du einen Fehler im Artikel entdeckt? Dann freuen wir uns über Deinen Hinweis.