Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit Eura Mobil vorgestellt.
Der Eura Mobil Integra Line GT ist ein 7,47 Meter langer Integrierter auf Mercedes Sprinter. Unter dem Wohnraum liegt ein 30 Zentimeter hoher Doppelboden und die Alde-Heizung wärmt sogar die Duschsäule. Eura Mobils Technischer Leiter Frank Lessmann hat uns den IL 726 EF auf dem Caravan Salon 2024 vorgestellt. Der Grundpreis lag bei knapp 125.000 Euro.
Auf dem Caravan Salon 2024 stand der Integra Line GT noch als Prototyp auf dem Stand von Eura Mobil. Begonnen hatte das Projekt gut zwei Jahre vorher. Am Anfang standen ein Konzept und die Aufteilung von Technik und Raum, erst danach entstand das eigentliche Fahrzeug. Gearbeitet hat daran ein kleines Team mit zwei Leuten für den Innenraum und zwei für das Äußere. Zur Hand gingen dem kleinen Team außerdem Fachleute aus allen Gewerken des Unternehmens.
Den Beinamen GT für Gran Turismo hat sich das Team aus der Automobilgeschichte geliehen, in der Hersteller mit neuer Technik Rennen gewonnen haben. Im Integra Line GT steht der Name für eine ganze Reihe technischer Neuerungen. Eine davon liegt unter dem Fahrzeug. Hinter dem Fahrerhaus des Sprinter beginnt ein Tiefrahmenchassis von AL-KO. Das Chassis senkt den Schwerpunkt, was die Fahrsicherheit verbessert, und schafft darüber Platz für den großen Doppelboden.

Als Motor gibt es den Sprinter mit 150 PS in der Basis und mit 170 PS im Upgrade. Das Mercedes-Fahrgestell erfüllt schon die europäischen Vorgaben für Fahrassistenten und Sicherheitssysteme, die erst ab 2026 Pflicht werden. Eura Mobil hat diese Systeme gemeinsam mit Mercedes in den Integrierten eingebunden und war damit der Pflicht um zwei Jahre voraus.
Zugelassen ist der Integra Line GT mit 4,5 Tonnen, so dass man ihn mit dem Führerschein C1 oder der alten Klasse 3 fährt. Für den IL 726 EF nennt Eura Mobil eine Masse in fahrbereitem Zustand von 3.446 Kilogramm. Für das Messefahrzeug mit seiner Ausstattung gab Frank eine freie Zuladung von über 500 Kilogramm an.
Wer vor dem Integra Line GT steht, schaut zuerst auf den Kühlergrill mit dem großen Stern. Einige Teile rund um den Kühlergrill stellt Eura Mobil im Polyurethan-RIM-Verfahren her. Frank erklärt, damit ließen sich Details und Linien formen, die mit den in der Branche üblichen Verfahren kaum möglich wären.

Auffällig ist auch die Farbe. Während auf der Messe die meisten Reisemobile weiß waren, hat Eura Mobil den GT in Grau lackiert. Frank erklärt, die sportlichen Formlinien kämen in Grau viel stärker zur Geltung als in Weiß. Außerdem verweist er auf Sportwagen, bei denen Grau gerade sehr gefragt ist. Die schwarzen Felgen gehören zum Upgrade-Paket, weil sie gut aussehen und mit ihrer Größe und Einpresstiefe auch technisch zum Fahrzeug passen. Gegen Aufpreis bekommt der GT LED-Scheinwerfer mit Ringen für Tagfahrlicht und Blinker.

Am Heck zeigt sich, wie viel Arbeit in den Details steckt. Der Stoßfänger steht nur knapp 5 Zentimeter über die Heckwand hinaus, weil die Rückleuchten in die Heckwand eingelassen sind. Warum dieser Aufwand? Die Antwort liegt vorne. Mit Kameras und Radar für die Assistenzsysteme ist der Sprinter an der Front um etwa 13 Zentimeter gewachsen. Damit das Reisemobil nicht immer länger wird, hat Eura Mobil am Heck gegenüber seinen bisherigen Fahrzeugen 10 Zentimeter eingespart. Unterm Strich ist der GT so nur 3 Zentimeter länger geworden.
Für den Träger der Leuchten wird eine Kunststoffplatte erhitzt und über eine Form gezogen. Das ABS darin macht ihn schlagfest und die Schicht aus PMMA hält UV-Licht stand.

Den Aufbau, den Eura Mobil Seal Structure nennt, bilden GFK-Sandwichplatten mit einem 29,5 Millimeter starken Dämmkern. Kräftige Aluminiumprofile verbinden die Platten an jeder Kante miteinander, zwischen Heck und Dach ebenso wie zwischen Seitenwand und Boden. Die Verbindungen sind komplett verklebt und kommen ohne eine einzige Schraube aus. Wie fest das hält, veranschaulicht Frank mit einer Berechnung: Ein Meter dieser Klebeverbindung hält 3.500 Kilogramm Zuglast. Man könnte ein 3 Tonnen schweres Reisemobil also an einem einzigen Meter an den Kran hängen. Frank zufolge ist die Karosserie außerdem frei von Kältebrücken.
Durch das tiefe Chassis bleibt unter dem Wohnraum ein Doppelboden mit 30 Zentimetern Höhe, an den man über Stauklappen herankommt. Alle Klappen öffnen beim GT nach oben und Gasfedern halten sie offen. Ausgerechnet eine der kleinsten Klappen nennt Frank den Höhepunkt. Dahinter verbirgt sich ein ganzes System. Oben sitzt eine Box mit abnehmbarem Deckel, die man von innen und von außen beladen kann. Darunter laufen Schienen quer durch das Fahrzeug, in die mehrere Standard-Cargoboxen passen. An die Box in der Mitte kommt man sogar von innen heran.

Ganz unten liegt eine Kunststoffwanne, die ebenfalls quer durch das Fahrzeug bis zu einer Klappe auf der anderen Seite reicht. Dort finden lange Dinge wie Ski, Snowboards oder Sonnenschirme Platz. Wer größere Sachen mitnehmen möchte, lässt die Boxen einfach zu Hause.

Für Wärme in kühlen Nächten sorgt eine Alde-Warmwasserheizung. Ihr Heizkessel erwärmt eine Mischung aus Wasser und Frostschutz, die durch Leitungen und Konvektoren entlang der Wände fließt, ähnlich wie bei Heizkörpern zu Hause. Leitungen der Alde laufen auch um das Fach mit den Cargoboxen herum. Die leichte Wärme trocknet den Stauraum und hält ihn belüftet, so dass sich dort keine Stockflecken bilden, auch wenn man feuchte Kleidung hineinpackt.
Auch der ganze Doppelboden ist beheizt. Die Wärme steigt nach oben und wirkt im Wohnraum wie eine Fußbodenheizung.
Im Heck liegt die Garage, deren Tür 1,25 Meter hoch ist. Dort passen Fahrräder und Campingstühle hinein und auf beiden Seiten gibt es Zurrschienen. Wie der gesamte Aufbau ist auch die Garage komplett gedämmt.

Auf der Fahrerseite liegt das Fach für die Kassettentoilette von Thetford, daneben der Kasten für zwei Gasflaschen. Davor folgt ein weiterer Stauraum, der bis zur Beifahrerseite durchgeht. In den Stauräumen schalten Bewegungsmelder LED-Lampen ein, sobald man hineingreift.
Der Grundriss des IL 726 EF folgt einem bewährten Muster. Vorne liegt eine Face-to-Face-Sitzgruppe mit zwei Bänken, die den Wohnbereich großzügig öffnet. Dahinter schließt sich die Küche an und gegenüber ist der Kühlschrank eingebaut. Danach folgen auf der Fahrerseite der Waschraum mit Toilette und auf der Beifahrerseite eine separate Dusche. Ganz hinten liegen zwei Einzelbetten. In den Sitzbänken lassen sich Rückenlehnen ausklappen, so dass zwei weitere Personen mit Dreipunktgurt in Fahrtrichtung mitfahren. So reisen vier Personen.

Über der Sitzgruppe hängt ein Hubbett mit 1,93 mal 1,50 Metern. Klappt man die Lehnen der Fahrerhaussitze nach vorne, lässt es sich so weit herunterfahren, dass man bequem ein- und aussteigt. Eura Mobil baut den GT auch ohne Hubbett. Dann laufen vorne Oberschränke rundherum. Viele wünschen sich das zweite Bett gar nicht für Mitreisende. Frank erzählt lachend, wer schnarche, werde einfach nach vorne verbannt. Für Frank spielt auch der Wiederverkauf eine Rolle. Ein Fahrzeug mit Hubbett spreche später eine größere Käuferschicht an.

Die Polster sind mit Cord bezogen. Der Stoff passt zum Interieur, das Eura Mobil Natural Heritage nennt und das natürliche Holztöne miteinander kombiniert. Wer es anders möchte, wählt aus mehreren Stoffen oder aus Echtleder in Schlammgrau oder einem hellen Ton. Öffnet man einen Oberschrank, schaltet ein Magnetschalter darin das Licht ein. Ein Aluminiumprofil im Schrank sorgt für Stabilität, damit während der Fahrt nichts knarzt und quietscht. Beim Schließen bremst die Klappe ab und ein Gummiprofil dämpft den letzten Rest, so dass es nicht laut klackt.

Die Konvektoren der Alde sitzen hinter den Möbeln und Sitzen. Abstandhalter an den Wänden lassen dort Luft zirkulieren, so dass sich die Wärme gleichmäßig verteilt. Im Boden des Fahrerhauses liegt eine Heizmatte, durch die das warme Wasser der Alde fließt, so dass auch der Boden im Fahrerhaus warm wird. Ein weiterer Kreislauf läuft rund um Seitenfenster und Windschutzscheibe und hilft beim Enteisen und Trocknen der Scheiben. Eine Standheizung für den Sprinter braucht der GT deshalb nicht.

Besonders viel Aufwand hat Franks Team in die untere Kante der Windschutzscheibe gesteckt. Damit sie so tief wie möglich liegt, musste das Team jeden Millimeter ausreizen. Der Fahrer hat dadurch sein Umfeld gut im Blick und sitzt mit einem Panorama wie im Pkw statt wie im Lkw. Für ihn gibt es außerdem eine eigene Tür. Ein zusätzlicher Monitor im Armaturenbrett ersetzt den Innenspiegel und zeigt während der Fahrt, was hinter dem Fahrzeug passiert. Legt man den Rückwärtsgang ein, schaltet das Mercedes-System MBUX eine zweite Kamera für den Bereich direkt hinter dem Stoßfänger zu.
Im Mittelgang liegen zwei große Klappen im Boden, die mit Scharnieren befestigt sind. Darunter verstaut man, was man auch im Innenraum oft braucht.

Die Küche hat große Schubladen mit gedämpften Vollauszügen. Den größten Teil der Möbelteile fertigt Eura Mobil selbst im eigenen Werk in Sprendlingen. Das Kochfeld läuft mit Gas aus zwei 11-Kilogramm-Flaschen. Die Rückwand der Küche sieht aus wie Filz, ist aber eine abwischbare Folie.

Gegenüber der Küche ist ein Absorberkühlschrank von Thetford mit Gefrierfach eingebaut, der leise läuft und auch mit Gas kühlt. Darüber sitzt ein Backofen. Frisch- und Grauwassertank liegen in der Mitte des Fahrzeugs innerhalb der gedämmten Karosserie. Eura Mobil gibt sie mit 150 und 100 Litern an. In der Kältekammer testet der Hersteller seine Fahrzeuge bis minus 30 Grad. Einzelne Grundrisse schickt Eura Mobil außerdem zu Wintertests ins Freie, bei denen es noch kälter wird.

Gegen Aufpreis gibt es eine automatische Umschaltung zwischen den Gasflaschen von Truma. Geht nachts eine Flasche leer, schaltet sie auf die zweite um und die Heizung läuft weiter. Ein Bedienpanel von Eura Mobil zeigt die Füllstände der Tanks und den Ladezustand der Batterie. Dort schaltet man auch Licht und Wasserpumpe und daneben sitzt das Bedienteil der Alde. Das Rollo vor der Frontscheibe fährt elektrisch herunter. Eine Klimaanlage gibt es als Option ab Werk.

Im Bad sitzen auf der Fahrerseite die Toilette und ein Waschtisch mit grauer HPL-Oberfläche, die man einfach abwischen kann. Dieselbe Farbe findet sich als Möbeldekor wieder. Gegenüber liegt eine große Dusche. Die Tür zwischen beiden Räumen lässt sich in zwei Richtungen schließen. Schließt man damit den Gang zum Wohnraum, werden Dusche und Toilettenraum zu einem großen Raumbad. Viele Kunden wünschen sich ein Fenster im Bad, um gut lüften zu können, wollen aber nicht auf einen Spiegel verzichten. Im GT bekommen sie beides, denn der Spiegel lässt sich vor das Fenster schieben.

Eine Überraschung steckt in der Dusche. Die Duschsäule ist aus Blech und dahinter sitzt ein Konvektor der Alde. So wird die ganze Säule warm und wer nach einer Wanderung fröstelnd unter die Dusche geht, hat dort eine Wandheizung.

Ein Lüfter zieht die feuchte Luft nach draußen. Wer eine Trockenstange einzieht, kann in der Dusche also auch nasse Kleidung trocknen. Auf dem Rost beträgt die Stehhöhe rund 1,85 Meter.

Im Heck liegen zwei Einzelbetten mit je 1,96 mal 0,84 Metern. Den Durchgang dazwischen zieht man zu und legt ein Zusatzpolster darauf, wenn man eine große Liegewiese möchte. In der Mitte am Kopfende gibt es ein kleines Regal für die Nachtlektüre und auf jeder Seite eine LED-Leselampe. Unter den Betten liegen ein Wäscheschrank und ein Kleiderschrank mit Stange, an den man auch von außen herankommt.

Auch im Schlafzimmer zahlt sich das tiefe Chassis aus. Weil unten so viel Platz gewonnen wurde, konnte Eura Mobil über den Betten mehr Raum einplanen. Man kann darin aufrecht sitzen, ohne an die Decke zu stoßen.

Serienmäßig ist eine Gelbatterie mit 80 Amperestunden an Bord. Als Upgrade bietet Eura Mobil zwei Lithiumbatterien mit je 90 Amperestunden und passender Ladetechnik an. Auch Solarmodule gibt es gegen Aufpreis.
In der Basisausstattung lag der Integra Line GT auf dem Caravan Salon 2024 bei knapp 125.000 Euro. Mit den Paketen, die Eura Mobil anbietet, kam er auf etwas über 148.000 Euro. Darin stecken unter anderem der stärkere Motor mit 170 PS und die schwarzen Felgen. Genau so wie in Düsseldorf ließ sich der GT zur Messe noch nicht bestellen. Für die graue Farbe und die Bereifung wollte Eura Mobil im Frühjahr darauf einen eigenen Preis kalkulieren. Die Serienfertigung sollte im Juli 2025 beginnen und schon während der Messe hat das Unternehmen die ersten Fahrzeuge verkauft.
Viele Lösungen fallen beim Integra Line GT erst auf den zweiten Blick auf, etwa die beheizte Duschsäule oder das Heck, das trotz länger gewordener Front kaum zugelegt hat. Frank hat uns auch den Activa One AO 650 HS vorgestellt. Ebenfalls von Eura Mobil stammt der Vancona EV 635 HB.
Hast Du einen Fehler im Artikel entdeckt? Dann freuen wir uns über Deinen Hinweis.