Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit MATIST vorgestellt.
Der MATIST Family XL ist ein sechs Meter langer Kastenwagen für fünf Personen, dessen Heckbad man auch von außen betritt. Timo Stücken von MATIST hat uns den Family XL und den kürzeren Family L auf dem Caravan Salon 2024 vorgestellt. Der gezeigte Family L kostete auf der Messe rund 80.000 bis 82.000 Euro. Inzwischen starten beide bei 88.990 Euro.
Wer mit Kindern verreist und den Camper auch im Alltag fahren möchte, braucht ein Fahrzeug, das kompakt genug für Parkplatz und Supermarkt bleibt und trotzdem die ganze Familie mitnimmt. Für diese Familien hat MATIST die Family-Baureihe entwickelt. Die Marke stammt aus Steinfurt im Münsterland und ist in einem Ford-Autohaus entstanden. Auf dem Caravan Salon 2024 feierten der Family XL mit sechs Metern Länge und der Family L mit 5,55 Metern ihre Weltpremiere. Beide Modelle bieten fünf Sitzplätze mit Gurt, vier Schlafplätze und ein Bad im Heck.
Ein Team von vier Leuten hat rund ein halbes Jahr an der Family-Baureihe gearbeitet, bis die beiden Fahrzeuge zwei Tage vor der Messe fertig wurden. Am Anfang stand dabei keine Zeichnung am Computer. Das Team hat zuerst Möbelblöcke und Küchen aus einfachen Grobspanplatten gebaut und in einen leeren Transit gestellt. Timo erklärt, eine Skizze auf Papier oder auf dem Boden bringe beim Raumgefühl wenig, denn erst im Fahrzeug merke man, ob im Schulterbereich genug Platz bleibt.
MATIST lässt die Möbel nach eigenen Vorgaben und Qualitätsansprüchen in einem Werk fertigen, in dem auch andere große Hersteller produzieren lassen. Die Basis ist immer ein Ford Transit Kastenwagen. Einige Fahrzeuge hat MATIST vorbestellt, das Unternehmen ordert das Basisfahrzeug aber auch nach Kundenwunsch. Farbe, Getriebe und alle Assistenzsysteme, die Ford anbietet, lassen sich so frei wählen. Der Family XL auf dem Caravan Salon hatte 130 PS und ein Schaltgetriebe. Timo hält diese Leistung für ausreichend. Wer mehr möchte, bekommt inzwischen 165 PS für 1.500 Euro Aufpreis.
Fahrbereit wiegt der Family XL ab 2.900 Kilogramm, der Fahrer ist darin schon enthalten. Bei 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht bleiben damit rund 600 Kilogramm Zuladung. Da jede Sonderausstattung davon abgeht, lohnt es sich, mit fünf Personen an Bord das Gepäck im Blick zu behalten.
Öffnet man beim Family XL die Hecktüren, steht man direkt vor dem Bad. Zum Heck und zum Wohnraum hin schließt es je eine Rolltür aus Lamellen. Den zweiten Eingang haben sich die Entwickler aus dem Alltag auf dem Campingplatz überlegt. Wer abends vor dem Camper sitzt und auf die Toilette muss, geht hinten hinein und nicht durch das ganze Fahrzeug. Kommt man mit sandigen Füßen vom Strand, stellt man sich in die Dusche und spült den Sand ab, bevor es in den Wohnraum geht. Auch ein nasser Hund lässt sich dort abduschen.

Sind beide Rolltüren geschlossen, entsteht eine große Duschkabine, in der sich auch Timo mit seinen 1,88 Metern gut bewegen kann. Den Boden bildet eine Duschtasse aus Edelstahl, die bis an die Hecktüren reicht. Da die Rolltüren innerhalb der Duschtasse laufen, tropft das Wasser, das an ihnen herunterläuft, in die Wanne und nicht auf den Boden davor. Im Nassbereich setzt MATIST außerdem Kunststoff statt Holz ein, damit es dort keine Probleme mit Feuchtigkeit gibt.


An der Seite des Bades ist eine Bank-Toilette von Thetford mit Kassette eingebaut. Darüber hängt ein Waschbecken, das man zum Zähneputzen herunterklappt und danach wieder an die Wand klappt. Über dem Waschbecken befindet sich ein Schrank für die Badsachen. Zum Duschen nimmt man den Schlauch der Waschbeckenarmatur und hängt den Duschkopf oben in eine Halterung. Ein Lüfter in der Decke zieht die feuchte Luft anschließend nach draußen.

Inzwischen bietet MATIST für die Family-Modelle statt der Kassettentoilette auch eine Clesana X1 für 890 Euro an. Diese Toilette verschweißt jede Hinterlassenschaft in einer Folie, so dass keine Kassette mehr geleert werden muss.
MATIST isoliert das Fahrzeug rundum und bezieht dabei auch die Hecktüren ein. Innen an den Türen hängen Taschen mit vier Campingstühlen und ein Außentisch, der inzwischen als Zubehör 290 Euro kostet. Für draußen muss man so den Tisch aus dem Wohnraum nicht abbauen.
Vorn im Wohnraum ist eine Dreier-Sitzbank eingebaut. Zusammen mit den beiden drehbaren Sitzen im Fahrerhaus entsteht so die Sitzgruppe. Der Tisch ist an der Seitenwand befestigt und lässt sich verlängern. Dann sitzen vier Personen bequem und auch fünf noch locker daran.

Immer mehr Camper wollen unterwegs auch arbeiten. Für sie lässt sich die Sitzbank näher an den Tisch heranziehen und zwei Leuchten an der Wand machen ihn zum Schreibtisch. Die Bank gleitet dabei in ihrem eigenen Gestell und braucht keine Schienen im Boden. Deshalb bleiben dort keine Kanten, in denen sich Krümel und Schmutz sammeln. Im Fahrerhaus hat MATIST nur die oberen Ecken mit Filz verkleidet, damit der Innenraum bis vorn einheitlich aussieht.
Geschlafen wird auf zwei Etagen. Über der Sitzgruppe liegt längs im Fahrzeug ein Hubbett, das bis über den Querteil der Küche reicht. Ein Elektromotor fährt es über Stahlseile nach oben und unten. Die Matratze misst 2,00 mal 1,40 Meter. Zwischen Matratze und Außenwand bleibt rechts und links deutlich Platz, so dass der Arm im Schlaf auch einmal zur Seite fallen kann. Die Kaltschaummatratze ist nur 8 Zentimeter hoch, weil der Liegekomfort aus einem Federsystem von Froli darunter kommt. Die einzelnen Federelemente geben punktuell nach und passen sich so dem Körper an.

Hinauf geht es über eine Leiter, die man vorn am Küchenblock einhängt. Oben gibt es dimmbare Leselichter mit Touchbedienung und einen USB-Anschluss, an dem abends das Handy lädt. Das Bett ist für 250 Kilogramm ausgelegt und trägt damit auch zwei Erwachsene. Gedacht ist es trotzdem vor allem für die Kinder, während die Eltern unten schlafen.
Auch heruntergefahren lässt das Hubbett genug Platz zum Sitzen. Timo sitzt mit seinen 1,88 Metern bequem darunter auf der Bank. Wer abends noch aufbleibt, während die Kinder oben schlafen, erreicht so weiterhin die Küche und kann durch das ganze Fahrzeug gehen.
Für das untere Bett zieht man die Sitzbank nach vorn und klappt die Sitzfläche um. Den Spalt zwischen Bank und Fahrerhaussitzen schließt ein Polsterteil. So entsteht eine Liegefläche von 1,95 mal 1,25 Metern. Für einen Topper, der Gurte und Übergänge zwischen den Polstern ausgleicht, ist eine Option vorgesehen. Morgens rollt man ihn zusammen und verstaut ihn mit dem Bettzeug unter der Bank.

Die Family-Modelle sprechen nach Timos Erfahrung auch Menschen ohne kleine Kinder an. Viele ältere Besucher hätten Enkel, die sie mitnehmen möchten, und schliefen selbst gern unten. Jüngere Paare planten Kinder und wollten dafür schon vorbereitet sein.
Die Küche liegt beim Family XL hinter der Sitzbank und bildet ein L. Die Arbeitsplatte zieht sich quer hinter der Rückenlehne entlang und knickt an der Seitenwand nach hinten ab, während zwischen Küche und Schiebetür ein Gang zum Bad führt.

Im Querteil sind ein Gasherd mit zwei Flammen und eine große Spüle eingelassen, beide mit Glasdeckel. Im langen Schenkel an der Seitenwand sitzt eine Kühlbox von Dometic mit 45 Litern, die man von oben öffnet. Geschlossen dient ihr Deckel als zusätzliche Arbeitsfläche. Da mit Diesel geheizt wird, braucht der Family XL Gas nur zum Kochen. Die Gasflasche sitzt in einem Fach unten im Küchenblock. Wer ganz ohne Gas reisen möchte, bekommt inzwischen ein Induktionsfeld für 290 Euro Aufpreis.

Im übrigen Küchenblock sind Schubladen eingebaut und in der Ecke liegt hinter einer großen Tür zusätzlicher Stauraum für die Küche. Darüber hängt ein Oberschrank. An der Wand neben der Küche zeigt ein Bedienteil von MATIST den Stand von Batterie und Wassertanks an. Dort schaltet man auch die Wasserpumpe ein und aus.
Gegenüber der Küche bietet ein Hochschrank neben dem Bad viel Platz für Kleidung. Mit 50 Zentimetern ist er sehr tief und reicht hinter der Rolltür noch ein Stück am Bad entlang. Innen sind Fachböden eingebaut, weil Kunden bei einem anderen Modell erzählt hatten, dass sie ihre Kleidung beim Camping meist gefaltet mitnehmen. Wer doch ein Hemd aufhängen möchte, bekommt statt eines Bodens eine Kleiderstange. Eine nasse Regenjacke kann man im Bad aufhängen.

Serienmäßig heizt eine Dieselheizung vom Typ Autoterm Air 4D mit 4 Kilowatt den Wohnraum. Die Heizung ist unter dem Fahrzeug montiert und holt sich ihren Kraftstoff aus dem Tank des Transit. Im Messefahrzeug war stattdessen eine Truma-Dieselheizung mit ebenfalls 4 Kilowatt eingebaut, die auch das Wasser erwärmt. Der Frischwassertank fasst 95 Liter, der Abwassertank 90 Liter.
Serienmäßig war eine AGM-Batterie mit 95 Amperestunden verbaut, auf Wunsch Lithium mit bis zu 280 Amperestunden. Die Batterie versorgt auch das Gebläse der Dieselheizung mit Strom. Inzwischen sitzt eine Batterie mit 100 Amperestunden unter dem Beifahrersitz und wird über einen Ladebooster auch während der Fahrt geladen.
Seit der Messe ist eine Allradvariante dazugekommen. Der Allradantrieb kostet 8.900 Euro Aufpreis, wobei er nur mit Schaltgetriebe erhältlich ist. Die Stehhöhe sinkt dabei von 2,01 auf 1,91 Meter und das Fahrzeug ist dann für vier Personen zugelassen. Fünf Sitzplätze gibt es wieder mit einer Auflastung auf 4 Tonnen samt Luftfahrwerk für 2.490 Euro. Für diese Variante ist der Führerschein der Klasse C1 nötig oder die alte Klasse 3.
Der Family L ist mit 5,55 Metern rund 45 Zentimeter kürzer. Bis zur Küche gleichen sich die beiden Modelle, Sitzbank, Tisch und Hubbett sind dieselben. Die L-Küche fällt im Family L kürzer aus, weil die letzte Ecke samt ihren Schubladen wegfällt. Gasherd, Spüle und Kühlbox sind identisch. Den Frischwassertank gibt MATIST für den Family L inzwischen mit 45 Litern an.

Gegenüber der Küche steht ein rund 40 Zentimeter tiefer Schrank mit großen Schubladen für Töpfe und Geschirr. Darunter liegt ein Fach, das sich von hinten befüllen lässt. Dort finden zum Beispiel Stromkabel und Auffahrkeile Platz.
Im Family L ist das Bad etwas schmaler, die Bank-Toilette ist aber dieselbe. Einen Kniff gibt es bei den Rolltüren. Eine von ihnen lässt sich im Alltag so ziehen, dass sie die Toilette verdeckt. Von der Küche aus blickt man dann nicht auf das WC und die Duschtasse lässt sich als Stellfläche mitnutzen. Zum Duschen zieht man dieselbe Rolltür wieder zu und das Bad ist geschlossen. Die Toilette steht dabei in der Dusche. Da im Bad alles aus Kunststoff ist, wischt man sie danach einfach mit einem Tuch ab.

Auf dem Caravan Salon 2024 nannte Timo für die Family-Modelle einen Einstiegspreis von 70.000 Euro. Der ausgestellte Family L kostete so, wie er zu sehen war, rund 80.000 bis 82.000 Euro. Der Family XL lag in gleicher Ausstattung 2.000 bis 3.000 Euro darüber. Inzwischen starten beide Modelle im Konfigurator von MATIST bei 88.990 Euro.
Was am Ende auf der Rechnung steht, hängt vor allem vom Basisfahrzeug ab, denn bei Motor und Assistenzsystemen ist bei Ford fast alles möglich. Den Kern der Family-Baureihe bekommt man immer: einen Kastenwagen für die ganze Familie, dessen Bad man direkt vom Heck aus betritt.
Hast Du einen Fehler im Artikel entdeckt? Dann freuen wir uns über Deinen Hinweis.