Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit Wiemobil vorgestellt.
Der Wiemobil 740 ist ein 7,35 Meter langer Mercedes Sprinters mit permanentem Allrad von Achleitner, gebaut für eine Familie mit zwei Kindern. Eine feste Tür trennt das Schlafzimmer im Heck vom Wohnraum und vorn gibt es ein Hubbett. Gekocht und geheizt wird ganz ohne Gas. Kfz-Spezialist Michael Rottmann hat uns das Fahrzeug auf der CMT 2025 vorgestellt. Das gezeigte Fahrzeug kostet 260.000 Euro.
Der Kunde kam mit einer genauen Vorstellung zu Wiemobil: Gesucht war ein geländetauglicher Van, in dem die Familie mit zwei Kindern lange Strecken im Ausland zurücklegen kann. Weil die vier frei stehen möchten und Campingplätze dabei keine Rolle spielen, sollte der Van völlig unabhängig sein und ganz ohne Gas auskommen. Wohin die Reisen gehen, steht grob fest: am liebsten in warme Gegenden.
Kurz vor Weihnachten hat Wiemobil das Fahrzeug ausgeliefert, so dass die Familie ein ziemlich großes Weihnachtsgeschenk vor der Tür stehen hatte. Die erste Reise führte gleich in den Süden. Für die Messe hat Wiemobil den Van noch einmal zurückgeholt. Der Kunde ist rundum zufrieden und wünscht sich nur noch eine neue Folie in Mattschwarz, weil ihm der Glanz doch nicht ganz so gut gefällt.

Hinter dem Namen steht ein kleiner Familienbetrieb aus dem Landkreis Hof in Oberfranken mit etwa sechs Leuten. Michael ist gelernter Kfz-Mechaniker, hat in der Produktion eines Wohnmobilherstellers gearbeitet und war danach viele Jahre in einer markenoffenen Campingwerkstatt. Zum Team gehören außerdem seine Lebensgefährtin, sein Schwager und seine Schwägerin. Kunden kommen auch nach der Auslieferung gern auf einen Kaffee vorbei und erzählen, was sie an ihrem Fahrzeug noch verändert haben. Solche Ideen nimmt Wiemobil gern in die eigenen Fahrzeuge auf.
Basis ist ein Mercedes Sprinters 319 mit 140 kW beziehungsweise 190 PS. Zugelassen ist der Van mit 4,2 Tonnen und es bleiben rund 500 Kilogramm Zuladung. Den kompletten Antriebsstrang mit Vorderachse, Mitteldifferential und Hinterachse hat Achleitner aus Tirol umgebaut und den Sprinter auf das Allradsystem Mantra umgerüstet. Zum Umbau gehören auch eine Geländeuntersetzung und eine Höherlegung um etwa zehn Zentimeter. Michael zufolge ist dieser permanente Allrad eigentlich für Kommunalfahrzeuge, Rettungswagen und sehr grobes Gelände im Gebirge gedacht.
Für schwieriges Gelände verfügt der Van über Sperren für das Hinterachs- und das Mitteldifferential. Die Sperren sorgen dafür, dass ein Rad ohne Bodenhaftung nicht einfach durchdreht und die Kraft bei den anderen Rädern ankommt. Eine Sperre an der Vorderachse wäre gegen Aufpreis möglich gewesen. Der Kunde hielt sie für seine Reisen aber nicht für nötig. Achleitner hat außerdem einen Schnorchel montiert, über den der Motor seine Luft weit oben ansaugt. Gerade in staubigen Gegenden bleibt der Luftfilter so länger frei.
Das Fahrwerk lässt sich sehr stark verschränken und auch die Verbindung zwischen Blech und GFK-Dach macht das problemlos mit. Auf der Straße fährt sich der Van trotzdem angenehm wie ein Pkw und für Michael sogar angenehmer als mit dem Fahrwerk von Mercedes. Damit die Möbel die Verwindungen im Gelände mitmachen, werden sie bei Wiemobil verklebt und verschraubt. So ist der Ausbau für grobe Einsätze ausgelegt, auch wenn er innen eher edel aussieht.
Vorn sitzt ein schwarzer Bullenfänger von delta4x4 mit zwei runden LED-Scheinwerfern von STRANDS aus Schweden. Beide Teile haben eine Betriebserlaubnis und müssen deshalb nicht eingetragen werden. Weil Frontbügel heute den Fußgängerschutz erfüllen müssen, sind sie leichter ausgelegt als früher.

Auffällig ist das hohe Dach aus GFK, das vorn ein Stück über die Windschutzscheibe reicht. Ein Zulieferer hat dieses Dach für den Sprinter homologiert und baut es für Wiemobil ein. Zusammen mit dem Achleitner-Fahrwerk ist der Van damit 3,15 Meter hoch. Weil das Dach vorn über die Scheibe reicht, hat das Hubbett innen mehr Platz.
Wie dicht ein nachträglich aufgesetztes Dach im Gelände bleibt, hängt an der Verbindung zur Karosserie. Michael zeigt dazu ein Muster. Unter der etwas dicker ausgelegten Außenhaut folgen eine Dämmung und eine Innenhaut aus GFK. Vor dem Aufsetzen wird das Blechdach des Sprinters ausgeschnitten und das neue Dach hat Querstreben, die die Karosserie von links nach rechts aussteifen. Innen überlappt das GFK-Dach das alte Blechdach und ist dort auf einer Breite von etwa sechs bis acht Zentimetern verklebt. Zusätzlich wird es von innen an das Blech laminiert. Außen sieht man von dieser doppelten Verbindung nur eine schmale Naht.

Auf dem Ladeboden des Sprinters hat Wiemobil einen vier Zentimeter starken Boden aufgebaut. Direkt auf dem Blech liegt eine dünne Dämmung, darauf eine Lage Sperrholz mit Dämmschicht und obendrauf eine dickere Sperrholzplatte. Beim Gehen steht man deshalb fest wie zu Hause im Wohnzimmer. Die Einstiegsstufe wird dadurch nur vier Zentimeter höher.
Geheizt wird mit einer Truma Combi D 6 E. Die Heizung arbeitet wahlweise mit Diesel aus dem Fahrzeugtank oder elektrisch mit 230 Volt und erwärmt in ihrem 10-Liter-Boiler auch das Wasser für Dusche und Küche. Eine Warmwasserheizung mit Heizkörpern kam für Wiemobil nicht in Frage. Michael erklärt, mit Luftausströmern sei man im Kastenwagen beim Verteilen der Wärme deutlich flexibler.
Bis 3,5 Tonnen dämmt Wiemobil mit einem dünnen, leichten Material, mit dem das Team gute Erfahrungen gemacht hat. Der 740 liegt mit 4,2 Tonnen darüber und ist deshalb mit Armaflex gedämmt, einem Dämmstoff aus Kautschuk. Alles hinter den Möbeln ist gedämmt. Weil die Familie nicht in kalte Regionen reisen möchte, hat Wiemobil die Innenseiten von Hecktüren und Fahrerhaustüren ohne Dämmung direkt mit Stoff verkleidet.
Für die Nacht gibt es im Fahrerhaus zweilagige Vorhänge aus schwarzem und hellem Stoff, die Wiemobil im Dezember im eigenen Fahrzeug getestet hat. Zusätzlich hat der Kunde die Verdunklung REMIfront von REMIS für die Frontscheibe und die beiden Seitenscheiben bestellt. Die grauen Teile des Systems lässt der Kunde Ton in Ton schwarz lackieren.
Ohne Gas läuft auch die Küche elektrisch. Gekocht wird auf Induktionsfeldern mit 1.300 Watt und gekühlt mit einem Kompressorkühlschrank von Thetford. Den Strom liefert das Independence Kit von EcoFlow. Wechselrichter mit 3.600 Watt, Ladegerät für die Lichtmaschine und Solarladeregler stecken darin in einem einzigen Gerät, statt als einzelne Bausteine im Fahrzeug verteilt zu sein.
Dazu kommen Batterieblöcke mit je fünf Kilowattstunden. Üblicherweise startet man mit einem Block und erweitert später per Stecksystem auf bis zu drei. Der Kunde wollte gleich alle drei, also 15 Kilowattstunden. Wiemobil rechnet einen Block wie 400 Amperestunden Lithium, wie man sie von einem üblichen 12-Volt-System kennt. Das EcoFlow-System selbst arbeitet mit 48 Volt.

So viel Strom reicht auch für die Dachklimaanlage von Webasto, die über den Wechselrichter aus der Batterie läuft. Die Familie kann also frei stehen und trotzdem kühlen. Nachgeladen wird während der Fahrt über die Lichtmaschine und zusätzlich über 270 Watt Solar auf dem Dach. Mehr passt wegen der Dachluken nicht hinauf. Mit weniger Luken oder ohne Klimaanlage wären bis zu 640 Watt möglich.
Bedient wird alles über ein Panel über dem Fenster der Sitzgruppe. Rechts sitzt das Display von EcoFlow, auf dem man den Stand der drei Batterieblöcke sieht. Einzelne Eingänge wie Solar oder Lichtmaschine lassen sich dort zu- und abschalten. Die Stromkreise im Fahrzeug bekommen eigene Namen und Symbole, so dass sich zum Beispiel die Beleuchtung gezielt schalten lässt. Daneben sitzen das Bedienteil der Truma und die Anzeige für Frisch- und Abwasser.

Im Fahrerhaus sitzt die Familie an einem Tisch aus Holzdekor, an dem die gedrehten Fahrerhaussitze und eine Sitzbank Platz bieten. Darüber hängt das elektrische Hubbett. Damit darunter hochgefahren eine Stehhöhe von 1,96 Metern bleibt, ist das Bett zweigeteilt und vorn mit Scharnieren befestigt. Im übrigen Fahrzeug beträgt die Stehhöhe 2,20 Meter.

Mit einer Liegefläche von 1,90 mal 1,30 Metern und einer Tragkraft von 250 Kilogramm ist das Hubbett der Schlafplatz der Kinder. Weil das Bett heruntergefahren noch Platz lässt, können darunter weiterhin vier Erwachsene sitzen. Auch Kochen, Durchgehen und das Öffnen der Türen funktionieren, wenn das Bett unten ist. Wer zwei oder drei Tage an einem Ort steht, muss das Bett also nicht jeden Morgen hochfahren.

Gegenüber der Schiebetür liegt die Küche. Unter Abdeckungen aus Holz verbergen sich das Induktionsfeld und ein Spülbecken, auf das Michael besonders stolz ist, weil es wirklich groß ist. Bezogen hat Wiemobil das Becken über Reimo. Unter der Arbeitsplatte liegen drei Schubladen und darüber hängt ein Schrank, der wie alle Schränke mit Pushlocks verriegelt wird, also mit Druckknöpfen, die man zum Öffnen kurz eindrückt.

Der Grundriss stammt aus dem Programm von Wiemobil und wurde für den Kunden angepasst. Ursprünglich sind die Hängeschränke leicht nach innen geschwungen. Der Kunde wollte gerade Schränke, die Wiemobil inzwischen auch ins Sortiment aufgenommen hat. Wer es runder mag, bekommt weiter die geschwungene Variante.
Zwischen Küche und Schlafzimmer liegt das Bad. Die Badtür lässt sich fast ganz zurückschwenken, so dass der Raum gut zugänglich ist. Die Duschtasse misst 110 mal 70 Zentimeter. Darin sitzen ein Eckwaschbecken und eine Clesana, die alles ohne Wasser und Chemie in Folienbeutel verschweißt. Zum Duschen hängt man die Armatur des Waschbeckens als Brause oben ein.

Damit beim Duschen kein Wasser nach draußen läuft, ist die Tür mit Dichtbändern abgedichtet. Ein Vorhang deckt auf Wunsch des Kunden zusätzlich die Vorderseite ab. Über dem Bad sitzt ein Dachlüfter, der Luft hineinbläst oder absaugt. Durch Lüftungsschlitze oben in der Tür gelangt außerdem die kühle Luft der Klimaanlage ins Bad, auch wenn die Tür geschlossen ist.
An Bord sind 150 Liter Frischwasser in einem Tank im Heck, an den man über eine Serviceluke von oben herankommt. Der Abwassertank unter dem Fahrzeug fasst ebenfalls 150 Liter und hat eine Tankheizung, damit er im Winter nicht einfriert. Am Heck gibt es außerdem eine Außendusche.
Besonders am Grundriss ist die feste Tür zwischen Bad und Schlafzimmer, eine ganz normale Zimmertür wie zu Hause. Der Kunde hatte sich diesen Raumtrenner gewünscht und Wiemobil hat ihn zum ersten Mal gebaut. Michael war anfangs skeptisch, möchte es inzwischen aber nur noch so haben, weil jeder einen eigenen Rückzugsort hat. Während vorn jemand fernsieht, liest man hinten in Ruhe ein Buch oder legt sich eine Stunde hin. Auch viele Messebesucher haben ihm gesagt, wie gut ihnen das gefällt.

Hinter der Tür liegt im Heck eine Liegefläche von 2,10 mal 1,77 Metern. An den Wänden und auf den Matratzen verwendet Wiemobil einen grauen Mikrofaserstoff mit feiner Struktur. Von weißen Matratzen ist das Team abgekommen. Wer im Gelände unterwegs ist und schnell etwas aus dem Stauraum holt, hinterlässt sonst gleich den ersten schmutzigen Fingerabdruck. Über dem Bett sitzen sechs gleich große Schränke. Schlitze oben an der Wand leiten die Luft der Klimaanlage ins Schlafzimmer, weil dort für eigene Ausströmer kein Platz ist.

Unter dem Bett liegt der Stauraum, in dem sich viel stapeln lässt, wenn man das Bett hochklappt. Auf der linken Seite sitzen oben Stauraum und unten die Technik. Hinter der vorderen Klappe steht die Truma, im zweiten Fach das Independence Kit mit den drei Batterieblöcken. Daneben bleibt noch etwas Platz zum Verstauen.
Den Grundriss gibt es auch als Sieben-Meter-Version. Betten und Bad sind dann genauso groß, nur die Schränke fallen 40 Zentimeter kleiner aus. Michael war wichtig, dass in beiden Längen Erwachsene bequem schlafen und das Bad nicht schrumpft.
So wie der Wiemobil 740 auf der CMT 2025 stand, kostet er 260.000 Euro. Darin stecken der Sprinter mit dem permanenten Allrad von Achleitner, das GFK-Hochdach, ein Ausbau mit Raumtrenner, Hubbett und Bad sowie 15 Kilowattstunden Strom von EcoFlow mit Klimaanlage. Wer den Grundriss mit weniger Ausstattung möchte, bekommt den Wiemobil 740 inzwischen ab 154.700 Euro, wahlweise auf Mercedes Sprinters oder MAN TGE.
Die Familie hat damit genau den Van, den sie sich gewünscht hat: unabhängig ohne Gas, geländetauglich und mit einem eigenen Schlafzimmer hinter einer festen Tür.
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