Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit La Marca Mobility vorgestellt.
Der Deddle RV Carbonic Liner 78 ist ein Alkoven-Reisemobil aus China mit einem Aufbau aus Carbon und einem Bordnetz mit 48 Volt. Geschäftsführer Karl Schlössl von La Marca Mobility hat uns das Fahrzeug auf dem Caravan Salon 2024 vorgestellt. Der Grundpreis lag bei 275.000 Euro. Das gezeigte Fahrzeug mit Carbonhülle kostete 475.000 Euro.
Deddle RV ist eine Marke der chinesischen New Gonow Group, deren größtes Werk für Reisemobile in Tongxiang in der Provinz Zhejiang steht. In Europa trat die Marke erstmals auf dem Caravan Salon 2023 auf. La Marca Mobility aus Landsberg am Lech importiert und vertreibt die Modelle. Ein Jahr später brachte Deddle den Carbonic Liner 78 mit nach Düsseldorf, dessen Name auf die Länge von rund 7,80 Metern verweist. Das Interesse war groß: An einem einzigen Vormittag kamen knapp 800 Menschen an den Stand, die sich beim Carbonic Liner 78 vor allem für die Carbonbauweise und die vielen Details interessierten.
In China dürfte das Fahrzeug mit diesem Maß gar nicht fahren, denn dort sind Reisemobile auf 6 Meter Länge begrenzt. Die kleineren Deddle-Modelle holen deshalb mit Slideouts und abgehängten Decken möglichst viel Raum aus wenig Länge heraus. Den Carbonic Liner 78 hat das Unternehmen dagegen gemeinsam mit La Marca ausdrücklich für Europa entwickelt. Wie Karl erzählt, wurde das Team aus Landsberg bei jedem Entwicklungsschritt gefragt, wohin die Reise gehen soll. Von der ersten Idee bis zum fertigen Fahrzeug vergingen dabei knapp vier Monate.
Am wichtigsten war La Marca eine hohe Verarbeitungsqualität, von der sich Karl in den Werken in China selbst ein Bild gemacht hatte. Wie robust die Fahrzeuge sind, zeigte schon die Anreise zur Messe. Der Carbonic Liner 78 und die übrigen Deddle-Modelle fuhren auf eigener Achse über Land von China bis nach Düsseldorf. Für die rund 19 Tage lange Überführung waren 16 Visa und Durchfahrtsgenehmigungen nötig. Karl stand in dieser Zeit ein- bis zweimal täglich mit dem Team in Kontakt. Das größte Problem unterwegs war ein Steinschlag in der Windschutzscheibe, für die das Team Ersatz auftreiben musste.

Wer zum ersten Mal vor dem Carbonic Liner 78 steht, hält ihn für schwarz. Erst aus der Nähe erkennt man, dass der Aufbau dunkelgrün schimmert und darunter das Gewebe aus Carbon zu sehen ist. Dieses Sichtcarbon kennt man sonst von Sportwagen und hochwertigen Rennrädern. Deddle verwendet es für die Wände des Aufbaus und selbst für die Rahmen der beiden Slideouts. Wer möchte, bestellt eine andere Farbe. Ein Kunde hat sich bereits für Klarlack entschieden, unter dem das Carbon voraussichtlich grau bis silbern schimmert.
Die Wände sind als Sandwich aufgebaut. Außen liegt die Carbonschicht und darunter eine Deckschicht, die Karl mit dem Gelcoat aus dem GFK-Bau vergleicht. Nach innen folgen eine neu entwickelte Schaummischung zur Dämmung und die Innenhaut. Der Schaum hält große Hitze ebenso aus wie strenge Kälte.
Gegenüber einem Aufbau aus GFK spart das Carbon rund 300 Kilogramm. Fahrbereit wiegt der Carbonic Liner 78 knapp sechs Tonnen bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 7 Tonnen. Damit bleibt rund eine Tonne für Gepäck, Wasser und Mitreisende. Für noch mehr Zuladung prüfte La Marca zudem ein größeres Iveco-Fahrgestell. Wegen der 7 Tonnen braucht man am Steuer einen Führerschein der Klasse C1 oder die alte, vor 1999 erworbene Klasse 3.
Basis ist der Iveco Daily mit 132 kW / 180 PS und Achtgang-Automatik. Da die Ivecos für den asiatischen Markt nur die Abgasnormen Euro 4 und Euro 5 erfüllen, baut Deddle für Europa ausschließlich auf Fahrgestellen aus europäischer Produktion mit Euro 6 auf. Auch Markise, Kühlschrank und Mikrowelle stammen von europäischen Herstellern. Nach Karls Einschätzung ist am Ende rund 60 Prozent des Fahrzeugs nicht chinesisch. Ihm geht es dabei vor allem um Service und Garantie: Bei Teilen bekannter Hersteller weiß der Kunde, wohin er sich wenden kann.
Mit eingefahrenen Slideouts ist der Carbonic Liner 78 2,49 Meter breit. Die beiden Slideouts sind Teile der Außenwand, die sich auf dem Stellplatz elektrisch nach außen schieben lassen und den Innenraum dadurch vergrößern. Das Slideout auf der Fahrerseite gibt dem Wohnbereich gute 60 Zentimeter mehr Breite. Ein zweites Slideout im Heck schafft Platz für das Schlafzimmer. Beide stammen aus deutscher Fertigung.

Wer durch die Aufbautür auf der Beifahrerseite einsteigt, steht direkt in der Küche. Gegenüber liegt im Slideout die Sitzgruppe mit einer langen Bank unter einem großen Fenster und einem Tisch davor. Die Bank lässt sich zu einem Bett für eine weitere Person umbauen. Den Tisch kann man nach unten klappen und ganz versenken. Da das System auf dem Caravan Salon 2024 gerade im Patentverfahren war, durfte es noch nicht vor der Kamera gezeigt werden. Wer lieber eine Rundsitzgruppe möchte, bekommt den Carbonic Liner 78 auch in einer Version, bei der die Sitzgruppe im Heck liegt und sich ebenfalls zum Bett umbauen lässt.

Über dem Fahrerhaus liegt der Alkoven mit einer Liegefläche für zwei Personen. Im Fahrerhaus selbst, das Deddle mit Holz verkleidet hat, fällt das Holzlenkrad auf. Auf dem Caravan Salon 2024 war der Carbonic Liner 78 für zwei Reisende auf Fahrer- und Beifahrersitz zugelassen. Für zwei weitere Gurtplätze arbeitete La Marca an einem neuen Slideout-System und gemeinsam mit Prüforganisationen an der Zulassung.
Ganz hinten führt der Gang durch das Bad ins Schlafzimmer, das im zweiten Slideout liegt. Dort bilden zwei Einzelbetten zusammen eine Liegefläche von 2,20 x 2,00 Metern. Zwei Personen schlafen im Alkoven und zwei im Heck. Für vier Personen ist der Carbonic Liner 78 damit ausgelegt.

Gleich neben dem Eingang sitzt im Küchenblock eine Waschmaschine für 4 Kilogramm, die bei Deddle zu fast jedem Modell gehört. Die Maschine gibt es auch in einer Version mit Trockner. Wer im Winter zum Skifahren unterwegs ist, wäscht und trocknet die Sachen so direkt im Fahrzeug. Außerdem sind ein Geschirrspüler von Siemens und unter der Arbeitsplatte aus Mineralwerkstoff ein Backofen eingebaut. Der Wasserhahn aus deutscher Fertigung lässt sich zum Abspülen herausziehen. Den Fernseher hat Deddle in der Küchenzeile versteckt und lässt ihn bei Bedarf herausfahren. Für den Klang sorgen Lautsprecher von Infinity.

Auf dem Caravan Salon 2024 hatte das Fahrzeug ein Gaskochfeld. Der Grund dafür war die Überführung, denn einige der Durchfahrtsländer schreiben das Kochen mit Gas vor. Ab Werk sind zwei Induktionsfelder vorgesehen, so dass der Carbonic Liner 78 ganz ohne Gas auskommt. Zwischen Sitzgruppe und Bad befindet sich auf der Fahrerseite ein hoher Schrank mit dem Kühlschrank und der Mikrowelle darüber. Unter den Hängeschränken ist eine indirekte Beleuchtung angebracht.
Zwischen Küche und Schlafzimmer liegt das Bad, das der Gang in zwei Hälften teilt. Auf der einen Seite befindet sich die Dusche, deren Glastür über Eck läuft. Eine solche Tür hatte Karl vorher noch nie gesehen. Auf der anderen Seite liegen Waschbecken und Toilette. Die Tür des Toilettenraums lässt sich quer über den Gang schließen und trennt ihn so nach vorn ab. Dusche und Toilette bilden dann zusammen ein Raumbad, während der Durchgang zum Schlafzimmer offen bleibt.

Die Toilette ist eine Smart Toilet von Panasonic, deren Bedienfeld am Sitz verschiedene Duschfunktionen für den Intimbereich steuert. An kalten Tagen lässt sich der Sitz außerdem vorheizen, bevor man sich setzt. Der Tank der Toilette fasst 90 Liter.

In den meisten Reisemobilen arbeitet das Bordnetz mit 12 Volt. Der Carbonic Liner 78 nutzt dagegen 48 Volt. Bei gleicher Leistung fließt dadurch nur ein Viertel des Stroms, so dass dünnere Kabel reichen und weniger Energie verloren geht. Die Lithiumbatterie hat 400 Amperestunden bei 48 Volt, was auf 12 Volt umgerechnet 1.600 Amperestunden oder rund 19 Kilowattstunden entspricht. Geladen wird sie unter anderem über Solarmodule mit 1.800 Watt auf dem Dach. Ein Wechselrichter mit 5.000 Watt, der ebenfalls mit 48 Volt arbeitet, versorgt die 230-Volt-Geräte wie Waschmaschine, Geschirrspüler und Induktionskochfeld.
Die Heizung läuft ausschließlich mit Diesel. Zur Anlage gehören eine Webasto und eine Warmwasserheizung von Alde. Im Boden liegt eine durchgehende Fußbodenheizung aus einer Art Wabensystem, das mit Wasser gefüllt ist und so die ganze Fläche wärmt. Über einen Wärmetauscher bekommen auch die Lüftungsschlitze oben auf den Hängeschränken warme Luft. So zirkuliert die Luft im ganzen Fahrzeug. Im Sommer funktioniert das ebenso mit der Klimaanlage, deren Innenteil Deddle in einem Schrank versteckt hat. Notfalls lässt sich auch mit der Klimaanlage heizen.

Für Wasser stehen ein Frischwassertank mit 310 Litern und ein Abwassertank mit 290 Litern bereit. Befüllen lässt sich das Fahrzeug komplett von außen. Dafür gibt es auch einen Anschluss für eine Wasserleitung mit Druck, wie man ihn auf manchen Stellplätzen findet. Auf der Beifahrerseite liegen außerdem zwei Außenklappen, hinter denen Gläser, Gewürze oder Getränke für das Essen im Freien Platz finden. Unter jeder Klappe lässt sich eine Arbeitsfläche ausklappen.
Im Heck liegt eine Garage mit großer Klappe, die beleuchtet ist und einen rutschfesten Boden mit Zurrösen hat. Auf dem Stellplatz richten hydraulische Stützen das Fahrzeug automatisch waagerecht aus.
Dass Deddle mit dem Carbonic Liner 78 kein günstiges Einstiegsmodell baut, ergibt sich für Karl schon aus der Basis. Wer weiß, was ein europäischer Iveco Daily allein kostet, rechnet bei einem fertigen Reisemobil darauf nicht mit 40.000 Euro. Eine lange Liste mit Optionen gibt es dafür nicht. Das Reisemobil kommt immer voll ausgestattet, so dass man nur noch die Farbe der Möbel, die Farbe außen und das Material der Hülle wählt. Auf dem Caravan Salon 2024 kostete der Carbonic Liner 78 mit GFK-Hülle 375.000 Euro. Mit Carbonhülle wie im gezeigten Fahrzeug waren es 475.000 Euro.
Den Aufpreis für das Carbon erklärt Karl mit einem Vergleich: Schon eine Handyhülle aus Carbon kostet oft 40 bis 50 Euro. Aus der Hülle des Reisemobils ließen sich sehr viele davon schneiden. Dazu kommen die neue Dämmung und einige technische Neuheiten, die zum Teil noch im Patentverfahren steckten.
Daneben gibt es das Fahrzeug in gleicher Länge mit dem Möbelbau der kleineren Deddle-Modelle. Diese Version kostete 275.000 Euro und ist für Karl eher mit europäischen Reisemobilen vergleichbar. Mit der Carbonversion wollte Deddle dagegen zeigen, was technisch in der Marke steckt.
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