Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit Morelo vorgestellt.
Der Morelo Palace Liner S-Way ist ein Luxusliner auf dem Fahrgestell eines Fernlasters mit 18 Tonnen und 400 PS. Im Heck liegt eine Garage, in die ein Kleinwagen passt. Geschäftsführer Robert Crispens hat uns das Fahrzeug auf der CMT 2025 vorgestellt. Inzwischen heißt die Baureihe Empire Liner und der Grundpreis liegt bei 514.900 Euro. Das gezeigte Fahrzeug kostete 606.000 Euro.
Den Palace Liner kennt man bei Morelo vom Mercedes Atego. Mit dem S-Way stellt das Unternehmen die Baureihe auf das Fahrgestell eines ausgewachsenen Fernlasters, der 18 Tonnen wiegen darf und im gezeigten Fahrzeug 294 kW / 400 PS leistet. Nach Roberts Worten ist Morelo der erste Hersteller, der auf dem Iveco S-Way ein Reisemobil in Erstausrüsterqualität aufbaut.
Für den S-Way spricht zunächst der Preis, denn das Unternehmen hat die neue Baureihe scharf kalkuliert und damit viel Interesse geweckt. Dazu kommt, was ein Fernlaster ab Werk mitbringt: einen Motor mit 400 PS und Assistenzsysteme wie Tempomat und Spurhalteassistent. Auch lange Steigungen wie auf der Brennerautobahn sind mit diesem Motor kein Hindernis mehr, sagt Robert. Für den Verbrauch zieht er den Vergleich zu Morelo-Kunden mit einem Mercedes Actros als Basis, die teilweise mit 16 Litern auf 100 Kilometer auskommen. Robert erwartet für den S-Way einen ähnlichen Rahmen zwischen 16 und 22 Litern.
Gezeigt hat Robert den Grundriss 103 GSB, der 10,85 Meter lang, 2,55 Meter breit und 3,84 Meter hoch ist. Damit ist der Aufbau zehn Zentimeter breiter als bei den Palace Linern auf Atego. Der 103 GSB wiegt fahrbereit rund 11.860 Kilogramm, so dass bis zum zulässigen Gesamtgewicht gut sechs Tonnen Zuladung bleiben. Wer ihn fahren will, braucht den Lkw-Führerschein der Klasse C.
Wie viel Morelo vom Basisfahrzeug übernimmt, hängt von der Baureihe ab. Beim Iveco Daily kommt im Werk nur ein Windlauf mit Plane und originalem Armaturenbrett an, das durch ein eigenes ersetzt wird. Für den S-Way liefert Iveco dagegen das komplette Fahrerhaus samt Leiterrahmen. Das Armaturenbrett von Iveco bleibt hier erhalten, weil es eng mit den Fahrsicherheitssystemen des Lkw verbunden ist. Die Konsole stammt aus eigener Fertigung und die Sitze kauft das Unternehmen neu zu.
An der Front haben sich Iveco und Morelo die Arbeit geteilt. Die LED-Scheinwerfer stammen original vom S-Way, während Stoßstange und Motorhaube eigens für dieses Fahrzeug um die Scheinwerfer herum entworfen wurden. Statt Außenspiegeln zeigt ein Kamerasystem auf Bildschirmen an den A-Säulen, was hinter dem Fahrzeug passiert. Weil kein Spiegel mehr im Fahrtwind vibriert, bleibt es auch bei höherem Tempo leise. Der Fahrer, der den Palace Liner S-Way zur Messe nach Stuttgart gebracht hat, war von der geringen Geräuschkulisse und der Leistung begeistert.

Die Wände des Palace Liner S-Way sind 52 Millimeter stark. Nach Roberts Worten fand man in seiner Messehalle in dieser Preisklasse kein anderes Fahrzeug mit so starken Wänden. Außen und innen bestehen sie aus Aluminium, das außen 0,8 und innen 0,6 Millimeter stark ist. Dazwischen liegen 48 Millimeter geschlossenzelliger Hartschaum, der die Wärme im Fahrzeug hält. Wer die Echtglasfenster dazubestellt, verbessert die Isolierung noch einmal.
Das Unternehmen fertigt Seitenwände, Dach, Böden und sogar die Bettplatten im eigenen Werk im oberfränkischen Schlüsselfeld. Dort entsteht jedes Bauteil vom Schaum bis zur fertigen Platte. In der Presse werden Schaum und Deckschichten zu einem Sandwich verbunden. Danach schneidet eine CNC-Fräse alle Öffnungen aus, bevor die Platten auf dem Arbeitstisch Innenfolie, Teppich, Dekor und Kabel bekommen. Auch die große Heckklappe aus GFK entsteht im Haus. Mitarbeiter tragen das Material dort von Hand mit der Rolle auf, weil sich eine Form für das maschinelle Spritzen bei den kleinen Stückzahlen nicht rechnen würde. Robert beziffert allein dieses Werkzeug auf rund eine Million Euro.
Muss nach einem Rempler etwas ausgebessert werden, kann das jede größere Karosserie- oder Lackwerkstatt. Selbst nach einem großen Schaden lässt sich die Wand reparieren, indem man die Isolierung zwischen den Blechen herausnimmt, neu verklebt und neu aufbaut. Im äußersten Fall wird die ganze Seitenwand getauscht.
Unter dem Wohnraum liegt ein beheizter Doppelboden von rund 48 Zentimetern Höhe. Darin verschwinden Rohre, Elektrik und Abwasserleitungen. Der übrige Platz dient als Stauraum. Man erreicht ihn über Klappen in beiden Seitenwänden, die alle an der Zentralverriegelung hängen. Die Wassertanks aus gespritztem Kunststoff sind leichter als Tanks aus Edelstahl und liegen unter den Stufen am Einstieg und dem angrenzenden Wohnraumboden. Für Frischwasser gibt es 360 Liter, für Grauwasser 250 Liter und für die Toilette einen eigenen Fäkaltank mit noch einmal 250 Litern. Eine Kassettentoilette baut Morelo grundsätzlich nicht ein.
Robert reist selbst mit seiner Familie zu viert und füllt die Tanks vor jeder Abfahrt zu Hause. Damit sind Anreise und die ersten Tage am Platz gesichert. Nach vier bis fünf Tagen steuert die Familie meist die Entsorgungsstation an. Das passt zu ihrer Art zu reisen, denn länger als eine Woche bleibt sie selten an einem Ort.
Hinter den Klappen auf der einen Seite liegt die Wasserversorgung und auf der anderen die Stromversorgung. Mit dem Palace Liner S-Way setzt Morelo dort neu auf Technik von Victron. Gut zwei Jahre vor der Messe hatte das Unternehmen mit Victron einen Prototyp aufgebaut. Dieser Prototyp lief so zuverlässig, dass alle Fahrzeuge vom Palace Liner aufwärts ein 24-Volt-Bordnetz von Victron bekommen. Das Wort „Liner“ steht bei Morelo grundsätzlich für 24 Volt. Im gezeigten Fahrzeug sind drei Lithiumbatterien mit je 460 Amperestunden bei 24 Volt verbaut. Mit dem Strom hatte Robert auf seinen eigenen Reisen noch nie Probleme.

Im Heck liegt eine Pkw-Garage, in die man durch eine elektrische Heckklappe mit 2,10 Metern Breite und 1,57 Metern Höhe hineinfährt. Morelo hat sie für einen Smart ausgelegt. Der Kunde, dem das gezeigte Fahrzeug gehört, bringt dort seinen Fiat 500 unter, den er schon vorher besaß. Am Boden verlaufen zwei Schienen, auf denen das Auto steht. An der vorderen Garagenwand sitzt eine Seilwinde. Man hängt ihr Seil am Auto ein und die Winde zieht es hinein. Klappen im Boden halten anschließend die Vorderräder fest.
Für die Fahrräder des Kunden ist ein Fahrradlift eingebaut und auch eine kleine Waschmaschine von tinyWASH hat in der Garage ihren Platz. Wer kein Auto mitnimmt, kann den Raum anders füllen. Robert hat in solchen Garagen schon Kühlboxen voller Getränke gesehen.

Mit der Garage hängt ein Hinweis zusammen, den Morelo in seiner Preisliste gibt. Das Bundesamt für Logistik und Mobilität verlangt bei Fahrzeugen über 7,5 Tonnen, die Autos oder Motorräder transportieren können, auch im privaten Einsatz einen Fahrtenschreiber. Dasselbe gilt, wenn ein solches Fahrzeug einen Anhänger zieht.
Ab Werk heizt der Palace Liner S-Way mit einer Alde 3030 Plus. Diese Warmwasserheizung erwärmt mit Gas eine Heizflüssigkeit, die durch Leitungen im Boden und durch Konvektoren strömt. Konvektoren sind Wärmetauscher, an denen sich die Raumluft erwärmt. Die Fußbodenheizung gehört bei Morelo ab der Baureihe Palace zur Serie. Bei den großen Fahrzeugen beobachtet Robert einen Trend zum Reisen ohne Gas, und so wollte auch der Besitzer des gezeigten Fahrzeugs keine Gasflaschen mitnehmen. In der Küche ist deshalb ein Induktionskochfeld eingebaut und der Kühlschrank läuft ohnehin über einen eigenen Wechselrichter mit 230 Volt. Die Wärme liefert eine Diesel-Warmwasserheizung von Timberline, die ihren Kraftstoff aus dem 290 Liter großen Tank des Lkw bezieht. Morelo hat sie für diesen Kunden als Einzelanfertigung eingebaut. Auch die Timberline versorgt die Fußbodenheizung, die Konvektoren und das Warmwasser.
Vorn über dem Fahrerhaus und der Sitzgruppe ist im gezeigten Fahrzeug anstelle der Oberschränke ein elektrisch absenkbares Hubbett mit 2,10 mal 1,30 Metern Liegefläche eingebaut. Das Hubbett ist eine Option. Zusammen mit dem Heckbett ergibt es vier Schlafplätze. Das gezeigte Fahrzeug hat fünf Gurtplätze, zwei im Fahrerhaus und drei in der Sitzgruppe. Wie viele Gurte und Betten es am Ende werden, legt jeder Kunde beim Kauf selbst fest.
Auch für den späteren Verkauf spielt das Hubbett eine Rolle. Robert gibt das Verhältnis auf dem Gebrauchtmarkt mit 60 zu 40 bis 70 zu 30 zugunsten von Fahrzeugen mit Hubbett an. Den Ausschlag geben dabei seltener Kinder als unterschiedliche Schlafgewohnheiten: Einer möchte abends länger fernsehen, während der andere hinten in aller Ruhe schläft.
Die Sitzgruppe des gezeigten Fahrzeugs ist eine Bar-Variante, die ebenfalls als Option erhältlich ist. Zu ihr gehört ein weiterer Sitz neben dem Fahrerhaus, auf dem man ergonomisch genug sitzt, um auch länger am Laptop zu arbeiten. Oft wählen Kunden mit Hund diese Variante, weil der Hund unter dem Tisch einen geschützten Schlafplatz findet. Jeder zweite Morelo-Kunde hat ein Tier, von Hund und Katze bis zum Papagei. Robert hat selbst einen großen Hund, dessen Kissen bei ihm immer unter dem Tisch liegt. Alternativ gibt es eine Lounge-Sitzgruppe.

Den Wohnraum steuert man über Morelo Connect. Über der Aufbautür sitzt ein Touchdisplay, das alle Systeme zeigt. Vieles lässt sich auch per App oder per Sprachbefehl bedienen. Statt herkömmlicher Taster gibt es an den Wänden Schalter aus Glas mit einem Näherungssensor. Fährt man mit der Hand darüber, wacht der Schalter auf und zeigt seine Funktionen an: Licht an, aus oder gedimmt. Wacht man nachts auf, muss man deshalb nicht nach einem kleinen Symbol suchen. Ein Griff an den Schalter genügt.
Die Umstellung auf Morelo Connect war für Robert ein großes Projekt. Alle Baureihen vom Home bis zum Grand Empire entstehen auf derselben Linie und die Elektriker sollen nicht zwischen zwei Konzepten wechseln müssen. Deshalb hat das Unternehmen alle Fahrzeuge zugleich umgestellt, nach rund eineinhalb bis zwei Jahren Entwicklung. Was das System im Alltag bringt, zeigt der Skiurlaub. Wer die Heizung tagsüber auf zehn Grad heruntergeregelt hat, wartet nach der Rückkehr normalerweise eine halbe Stunde, bis es wieder warm ist. Mit der App fährt man die Heizung schon oben am Berg hoch und kommt in ein warmes Fahrzeug zurück. Zum Kühlen sind zwei Klimaanlagen auf dem Dach eingebaut, eine für den Wohnraum und eine für das Schlafzimmer.

Die Küche hat eine große Arbeitsfläche aus Mineralwerkstoff, das Induktionskochfeld und ein Spülbecken mit Abtropfbecken. Darunter ist im gezeigten Fahrzeug eine Spülmaschine eingebaut. Seit dem Modelljahr 2025 verwendet Morelo ausschließlich Haushaltsgeräte von BSH, also von Bosch und Siemens. Im Kühlschrank mit 172 Litern soll das Eis im Gefrierfach zuverlässig gefroren bleiben und das Gemüse darunter frisch, so wie Kunden es von zu Hause kennen. Im Empire Liner baut Morelo Siemens-Geräte bereits seit 2016 ein. Die Reklamationsabteilung hat alle Fälle seitdem ausgewertet und ist auf eine Quote von null gekommen.

Dahinter beginnt das Bad. In der Serie hat der Palace Liner S-Way ein offenes Raumbad. Der Kunde hat sich jedoch für das geschlossene Premiumbad entschieden, das Morelo als Option anbietet. Auf der einen Seite des Gangs liegt die Keramiktoilette in einem eigenen Raum mit Tür, auf der anderen die Dusche mit einer Kabine aus Echtglas vom niederbayerischen Hersteller Kermi. Echtglas hat Morelo nach Roberts Worten schon immer verbaut. Nach vorn und nach hinten lässt sich der ganze Bereich mit Türen abtrennen. So kann einer duschen und sich in Ruhe umziehen, während der andere im Schlafzimmer schon schläft. Auf die Frage, ob man hinten schlafen kann, während vorn noch gespielt wird, verweist Robert auf die beiden Türen in der Mitte. Wie gut sie Geräusche abhalten, merkt man, sobald man eine davon öffnet.

Über der Garage liegt das Schlafzimmer, in das man über drei Stufen hinaufsteigt. Im Wohnraum beträgt die Stehhöhe rund 2,05 Meter, und bis zur zweiten Stufe steht man noch aufrecht. Das Heckbett ist eine große Liegewiese mit 2,08 mal 1,63 Metern. Die Matratze liegt auf einem Tellerfedersystem von Froli, bei dem viele einzelne Federelemente statt eines Lattenrosts den Körper stützen. Direkt unter dem Bett beginnt die Garage. Für Wäsche gibt es deshalb vorn am Bett eine Schublade. In einem der Schränke ist im gezeigten Fahrzeug ein Tresor eingebaut, den Morelo als Option anbietet. Der Tresor ist mit Bolzen fest im Möbelbau verankert und lässt sich nur mit großem Aufwand herausreißen. Im Schlafzimmer hängt außerdem ein Fernseher. Den Anteil der Kunden, die dazu eine Satellitenanlage bestellen, gibt Robert weiterhin als relativ hoch an.

So wie der 103 GSB auf der CMT 2025 stand, kostete er 606.000 Euro. Darin stecken neben dem Fernlaster-Fahrgestell, den 52 Millimeter starken Wänden und der Pkw-Garage zahlreiche Extras des Kunden. Dazu gehören Hubbett, Bar-Sitzgruppe, Premiumbad, Spülmaschine, Tresor und Fahrradlift sowie zwei Klimaanlagen, drei große Lithiumbatterien und die Dieselheizung von Timberline. Robert betont, dass ein Reisemobil über zehn Meter mit Pkw-Garage auf einem 18-Tonnen-Fahrgestell in dieser Preisklasse einmalig ist.
Inzwischen bietet Morelo die Baureihe auf dem S-Way unter dem Namen Empire Liner an. Der Einstieg liegt bei 514.900 Euro für den 9,22 Meter langen 92 LB mit 340 PS. Den Grundriss 99 GB mit Pkw-Garage gibt es ab 544.900 Euro. Der 103 GSB steht in der aktuellen Preisliste nicht mehr. Wer viel Platz, eine Garage für den Kleinwagen und die Technik eines Fernlasters sucht, findet die Idee des Palace Liner S-Way heute im Empire Liner wieder.
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