Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit Auto-Treffpunkt Stamm vorgestellt.
Für Wohnmobile bis 7,5 Tonnen gibt es nur wenige passende Fahrgestelle. Eines davon ist der amerikanische RAM 5500, den der Auto-Treffpunkt Stamm aus Solingen in Deutschland zulassungsfähig gemacht hat. Mit einer Kabine von Bliss Mobil wird daraus ein Expeditionsmobil. Gründer und Geschäftsführer Uwe Stamm hat es uns auf der Abenteuer & Allrad 2025 vorgestellt. Der Lkw allein kostet rund 120.000 Euro und die Kabine beginnt bei rund 350.000 Euro. Komplett liegt ein solches Fahrzeug bei 500.000 bis 550.000 Euro.
Bei diesem Expeditionsmobil haben wir uns zwei Dinge angeschaut, die erst zusammen ein Ganzes ergeben: den Lkw und die Kabine. Ungewöhnlich lange geht es diesmal zuerst um das Basisfahrzeug. Denn dass ein RAM 5500 aus den USA mit seinem 6,7-Liter-Dieselmotor von Cummins in Deutschland überhaupt zugelassen werden kann, ist die eigentliche Besonderheit. Dahinter stecken zweieinhalb Jahre Arbeit, die der Auto-Treffpunkt Stamm gemeinsam mit Fachingenieuren hineingesteckt hat.
Gegründet hat das familiengeführte Autohaus in Solingen 1994 der Kfz-Meister Uwe Stamm, der es heute als Geschäftsführer leitet. Verkauft werden dort Pkw mehrerer europäischer und japanischer Marken. Die Leidenschaft für amerikanische Autos packte Uwe vor gut 20 Jahren auf einer Reise in die USA. Zurück in Deutschland suchte er nach einem solchen Fahrzeug und fand keins. Auf den Fotos der angeblich deutschen Angebote im Internet stand im Hintergrund oft eine Palme. Daran erkannte Uwe schnell, dass diese Autos noch irgendwo im Süden der USA standen und nie in Deutschland gewesen waren. So fing er an, selbst Fahrzeuge aus den USA nach Deutschland zu importieren. Seine Kunden hatten dasselbe erlebt wie er und so wuchs daraus ein eigenes Geschäft, zu dem heute auch der Umbau von RAM-Pick-ups und -Lkw nach Kundenwunsch gehört.
Uwe ist selbst leidenschaftlicher Camper. Vor 30 Jahren hat er seinen ersten Transporter zum Wohnmobil ausgebaut und bei der Technik geht ihm Zuverlässigkeit vor jeden Schnickschnack. Genau das sah er im Cummins-Diesel. Fragt man in den USA nach einem zuverlässigen Motor, bekommt man diesen Namen zu hören. Der Motor arbeitet auch in vielen Baumaschinen und läuft auch nach 500.000 Meilen einfach weiter. Mit 340 PS fährt sich der RAM für Uwe so entspannt wie ein Pkw, ganz gleich, was geladen ist oder ob es bergauf geht. Ohne Kabine hat er auf einer Fahrt nach Spanien und zurück im Schnitt knapp 13 Liter auf 100 Kilometer gebraucht. Mit Kabine rechnet er mit rund 16 Litern und nennt das für ein Fahrzeug dieser Größe einen ehrlichen Wert.
Früher drehte sich die Zulassung eines US-Fahrzeugs vor allem um Reifen und Scheinwerfer, die in Deutschland geprüft sein mussten. Heute ist das ein Nebenschauplatz und die eigentliche Arbeit steckt in den Abgasvorschriften. Die kalifornischen Abgasnormen gehören für Uwe zu den strengsten der Welt und der Motor erfüllt sie ohne Weiteres. Europa misst aber nach anderen Verfahren. Dort spielen die ersten Sekunden nach dem Kaltstart eine große Rolle, wenn Motor und Abgasreinigung noch kalt sind. In den USA zählt eher, wie sauber der Motor in den Stunden danach läuft.
Insgesamt waren 622 Prüfpunkte zu erfüllen, vom richtigen Luftdruck in den Reifen bis zum eigentlichen Messverfahren. Für die Messungen stand der RAM tagelang in einem großen Prüflabor, in dem auch Fahrzeughersteller ihre Modelle prüfen lassen. Auf dem Prüfstand fuhr er dort mit und ohne Last alle Drehzahlbereiche durch. Dabei verschliss er drei Satz Reifen und 1.600 Liter Diesel flossen durch den Motor.
Damit der Motor auch nach den europäischen Messverfahren die Grenzwerte einhält, hat der Auto-Treffpunkt Stamm technische Änderungen vorgenommen und ihn neu programmiert. Ein Trick, der nur auf dem Prüfstand funktioniert, ist das nicht. Der Motor muss die Werte wirklich erreichen, sonst hätte es keine Zulassung gegeben. Am Ende der Prüfungen stand ein Abgasgutachten, mit dem sich ein RAM 5500 in Deutschland zulassen lässt. Es gilt aber nur für Fahrzeuge, an denen der Auto-Treffpunkt Stamm die technischen Änderungen selbst vorgenommen hat. Wer einen RAM 5500 anderswo kauft, muss ihn deshalb zuerst in Solingen umrüsten lassen, bevor er ihn zulassen kann.
Gebaut ist das Fahrgestell für 8,9 Tonnen. Zugelassen wird der RAM mit 7,5 Tonnen, weil das Abgasgutachten bis zu dieser Grenze gilt. Für mehr Gewicht wären weitere Prüfungen nötig gewesen, die der Auto-Treffpunkt Stamm nicht für sinnvoll hielt. Uwe sieht darin sogar einen Vorteil. Weil das Fahrgestell mehr tragen könnte, ist es bei 7,5 Tonnen nie am Limit und man kann beladen, ohne sich Sorgen zu machen. Beim gezeigten Fahrzeug bleiben mit Kabine rund 700 Kilogramm Zuladung. Fahren darf man es mit dem Führerschein der Klasse C1, der bis 7,5 Tonnen reicht.
Ein großer Teil des Geschäfts beim Auto-Treffpunkt Stamm ist das Anpassen der RAM-Fahrzeuge an die Wünsche der Kunden. Beim gezeigten Lkw hat Uwe das Fahrwerk getauscht und eines von LiquidSpring eingebaut, für Uwe der führende amerikanische Hersteller für Fahrwerke dieser Fahrzeugklasse. Es ersetzt die Serienfederung durch computergesteuerte hydraulische Federbeine. Für Camper ist vor allem die automatische Niveauregulierung interessant. Auf schrägem Untergrund schläft es sich nun einmal schlecht. Das System steuert jedes Rad einzeln an und richtet das Fahrzeug in Längs- und Querrichtung aus. Dafür hat es rund 15 Zentimeter Hub. Auf der Messe hatte es die Front um rund 15 Zentimeter angehoben und das Heck abgesenkt, so dass der RAM gerade stand. Auf Wunsch lässt sich das ganze Fahrzeug außerdem anheben oder absenken. Auch beim Fahren arbeitet das Fahrwerk mit und hält den Lkw in Kurven gerade. Bei Probefahrten mit einer hohen Kabine hat Uwe erlebt, wie die Kabine in ihrer Lagerung hin und her schwang, während der Lkw darunter gerade blieb.

Ab Werk hat der RAM 5500 hinten Zwillingsreifen. Für das gezeigte Fahrzeug hat der Auto-Treffpunkt Stamm auf Einzelbereifung umgerüstet. Zwischen Zwillingsreifen setzen sich im Gelände leicht Steine fest und genau das will Uwe vermeiden. Das Fahrgestell hat einen Leiterrahmen, also zwei Längsträger, die mit Querstreben verbunden sind. Beim RAM verlaufen sie glatt und ohne Stufen, so dass sich jeder Aufbau gut darauf befestigen lässt. Den Rahmen gibt es in vier Längen. Der RAM auf der Messe hat den längsten, auf dem die 15-Fuß-Kabine Platz findet. Für eine 13-Fuß-Kabine reicht ein etwas kürzerer Rahmen. Wer mit mehr Mitfahrern unterwegs ist, wählt statt des Fahrerhauses mit zwei Türen das längere mit vier Türen und Rückbank und setzt dafür eine kürzere Kabine auf den langen Rahmen.
Uwes Kunden sind mit dem RAM auf Schotterpisten und ausgewaschenen Wegen unterwegs, manche fahren auch an den Strand. Für das Fahrgestell ist das kein Thema. Eine Grenze setzt im groben Gelände eher der lange Radstand von rund 4,70 Metern. Je länger er ist, desto eher setzt der Rahmen auf einer steilen Kuppe zwischen den Achsen auf. Hier hilft das Fahrwerk. Angehoben gewinnt der RAM deutlich an Bodenfreiheit.
Die Wohnkabine stammt von Bliss Mobil aus dem niederländischen Breda. Uwe kennt sie aus eigener Erfahrung. Mit seiner Frau Elke reist er in einer etwas kleineren Bliss-Kabine auf einem Unimog und hat damit rund 70.000 Kilometer zurückgelegt. Vor dem Kauf hatte er sich auf Messen viele Kabinenhersteller angesehen. Überzeugt hat ihn bei Bliss Mobil das geschlossene Gesamtkonzept, in dem alles mit Strom läuft. Immer wieder wurde Uwe danach gefragt, warum er gerade eine Bliss-Kabine fährt, und hat es jedes Mal erklärt. Irgendwann kamen die Inhaber von Bliss Mobil auf ihn zu: Er sei ohnehin im Autogeschäft und habe so viele Kunden, ob er nicht den Vertrieb in Deutschland übernehmen wolle. Seitdem ist der Auto-Treffpunkt Stamm die deutsche Vertretung von Bliss Mobil.
Bliss Mobil nennt seine Bauweise Containerprinzip. Die Kabine ist eine eigenständige Einheit, die an ihren vier Ecken mit einem Zwischenrahmen verschraubt ist. Ein umgebauter Seecontainer ist sie trotz des Namens nicht. Bliss Mobil baut sie neu um einen umlaufenden Rahmen herum. Bei einer Kabine mit 15 Fuß ist das Aluminium, bei größeren Kabinen Stahl. Die 60 Millimeter starken Wände haben außen und innen eine Schicht aus glasfaserverstärktem Kunststoff und dazwischen einen Schaumkern. Wie gut das dämmt, hat Uwe mit seiner eigenen Kabine erlebt. Er war damit schon bei 45 Grad in Griechenland unterwegs und im Winter bei minus 35 Grad in Finnland. Dort wollte sein Unimog morgens kaum anspringen. In der Kabine war es trotzdem warm.
Den Zwischenrahmen fertigt Bliss Mobil passend zum jeweiligen Lkw. Von den bekannten Lkw-Herstellern liegen dem Unternehmen dafür die Konstruktionszeichnungen vor. Für den RAM 5500 gab es sie nicht und so hat Bliss Mobil sie selbst erstellt. Der Zwischenrahmen hat eine wichtige Aufgabe. Im Gelände verwindet sich der Rahmen eines Lkw stark. Eine starr aufgesetzte Kabine kann diese Bewegung nicht mitmachen, ohne Schaden zu nehmen. Uwe zufolge würde ein starr aufgesetzter Aufbau den Lkw außerdem schneller kippen lassen. Deshalb sitzt der Zwischenrahmen auf kräftigen Halteblöcken und ist zusätzlich in der Mitte gelagert. So gelangen die Verwindungskräfte des Lkw-Rahmens nicht in die Kabine. Bei einem Verschränkungstest stellt man einzelne Räder so hoch, dass sich der Rahmen stark verwindet. Diesen Test hat der RAM mit seinem Aufbau bereits bestanden.
Im Reisealltag bleibt die Kabine fest auf dem Lkw. Muss sie doch einmal herunter, löst man die vier Verschraubungen und zieht den Stecker, über den während der Fahrt Ladestrom in die Kabine fließt. Dann lässt sie sich getrennt verschiffen oder auf ein anderes Fahrgestell setzen. Auch das gab es schon. Nach einem Unfall mit Frontschaden war der Lkw eines Kunden nicht mehr zu reparieren und die unbeschädigte Kabine kam auf einen neuen Lkw. Weil Bliss Mobil nur den Zwischenrahmen an das Fahrzeug anpasst, kann ein Kunde auch einen gebrauchten Lkw mitbringen.
Alles, was man außen an Wasser und Strom braucht, fasst Bliss Mobil auf der Fahrerseite hinter einer einzigen Klappe zusammen. Diese Connectivity Box gehört zu jeder Kabine, von 8 bis 23 Fuß. Hier füllt man das Frischwasser ein und schließt eine Außendusche mit warmem und kaltem Wasser an. Hier sitzen auch die Bedienelemente, mit denen man die Tanks für Grauwasser und Schwarzwasser ablässt. Dazu kommen eine 230-Volt-Steckdose, USB- und 12-Volt-Anschlüsse, zwei Druckanzeigen für das Wasser, Schalter für die Außenbeleuchtung und zwei Lautsprecher, über die das Radio aus dem Innenraum auch draußen zu hören ist. Über einen Stromeingang lassen sich die Batterien von außen laden. Das braucht man selten, etwa wenn die Kabine in einer Halle steht und die Solarmodule keine Sonne bekommen.

Fragt man Uwe, welche Option er auf jeden Fall empfehlen würde, nennt er sofort die Außenküche. Camping heißt für ihn draußen sein und so hat er sogar nachts auf dem großen Parkplatz am Nordkap mit Pudelmütze gegrillt. Die Außenküche steckt in einer Box, die auf der Fahrerseite am Zwischenrahmen hängt. Zum Kochen klappt man die Box auf und zieht die Küche heraus. Auf dem elektrischen Kontaktgrill brutzeln dann die Steaks, während auf der Kochplatte daneben die Bratkartoffeln garen. An der kleinen Spüle mischt man warmes und kaltes Wasser mit einem Drehregler. Strom und Wasser kommen über Kabel und Schlauch aus der Connectivity Box. Nach dem Essen klappt man Grill und Lampe ein, schiebt die Küche zurück und schließt die Box ab.

Auch den Heckträger baut Bliss Mobil selbst. Er ist an der Kabine befestigt und darf mit bis zu 500 Kilogramm beladen werden. Am RAM auf der Messe ist er kurz gehalten und für ein Motorrad gedacht. Für ein Quad baut Bliss Mobil ihn länger. Eine elektrische Winde senkt die Plattform bis auf den Boden ab und zieht sie wieder hoch, gesteuert wird sie per Fernbedienung. Ist die Plattform oben, halten Sicherungsbolzen sie fest. So hängt sie während der Fahrt nicht allein am Seil der Winde. Mit seinem eigenen Fahrzeug braucht Uwe vom Lösen der Spanngurte bis zur Abfahrt mit dem Quad rund vier Minuten. Für ihn ist das der entscheidende Punkt. Wer erst eine halbe Stunde basteln muss, lässt das Quad lieber gleich stehen. Mit vier Minuten fährt man abends vom Stellplatz am Strand in Griechenland auch mal schnell zur Taverne ein paar Kilometer weiter.

Unter dem Bett im Heck liegt eine große Heckgarage, die innen 2,12 Meter breit, 88 Zentimeter tief und 87,5 Zentimeter hoch ist. Sie bleibt ganz für Gepäck frei. Der Frischwassertank sitzt unter der Sitzgruppe und die Batterien stecken in den Sitzbänken.
Zur Eingangstür auf der Fahrerseite führt eine Aluminiumtreppe hinauf, die Bliss Mobil selbst entwickelt hat. Uwe hält sie für eine der besten Lösungen an der Kabine. Weil ein Fahrzeug selten gerade steht, braucht man eine Treppe, die zu jeder Einstiegshöhe passt. Das kann sie. Anders als in einer Auszugstreppe setzt sich in ihr kein Sand fest und eine Elektrik, die unterwegs ausfallen könnte, braucht sie nicht. Zum Verstauen klappt man die Treppe von Hand zusammen und zieht sie an einer Kordel von innen in die Kabine. Einen Staukasten unter der Kabine braucht sie deshalb nicht und wer nachts an einem unruhigen Ort steht, hat die Treppe drinnen in Sicherheit. Als Option gibt es eine Verlängerung des Handlaufs, so dass man sich bis hinauf zur Tür festhalten kann.
Bliss Mobil baut feste Grundrisse, zu denen man Optionen wählt. Für die 15-Fuß-Kabine gibt es mehrere davon. Die Kabine auf der Messe hat den Grundriss Middle Couch mit der Sitzgruppe in der Mitte und ist für zwei Personen gedacht. Innen ist sie 2,10 Meter hoch. Wer durch die Tür kommt, steht vor der Küche an der gegenüberliegenden Wand. Vorn in der Kabine liegt das Bad. Nach hinten schließt sich die Rundsitzgruppe in U-Form an und im Heck liegt über der Garage ein Querbett mit 1,40 x 2,00 Metern. Schiebetüren trennen den Schlafbereich bei Bedarf vom Wohnraum ab. Senkt man den Tisch elektrisch ab und legt die Polster in die Mitte, entsteht aus der Sitzgruppe eine zweite Liegefläche mit 1,45 x 2,00 Metern. Statt des festen Tisches gibt es auch einen faltbaren. Dann kommt man leichter an die Hochschränke über der Sitzgruppe.
Uwe vertreibt Bliss Mobil und fährt selbst eine Bliss-Kabine. Nach 70.000 Kilometern ist er damit sehr zufrieden. Gerade auf Geräusche achtet er genau und bei ihm klappert nichts. Er würde sich wieder eine Bliss-Kabine kaufen und bedauert nur, sich nicht schon fünf Jahre früher dafür entschieden zu haben.
Das Bad verteilt sich auf zwei Räume, die sich vorn in der Kabine gegenüberliegen. Auf der einen Seite liegt der Toilettenraum mit einer Keramiktoilette, deren Zerhacker den Inhalt zerkleinert und ohne Chemie in den Schwarzwassertank pumpt. An der Toilette seiner eigenen Kabine musste Uwe in 70.000 Kilometern noch nie etwas reparieren. Gegenüber liegt die Dusche hinter einer Tür aus Echtglas. Schwenkt man sie ganz auf, verschließt sie den Gang zum Wohnraum und aus Dusche und Toilettenraum wird ein großes Bad. Für Uwe war diese Aufteilung schon beim Kauf seiner eigenen Kabine wichtig. So bleibt die Toilette beim Duschen trocken. Über der Dusche saugt ein großer Dachlüfter die Feuchtigkeit ab. Das gezeigte Fahrzeug hat außerdem ein Waschbecken zum Herunterklappen und eine elektrische Handtuchheizung. Das Wasser aus Dusche und Waschbecken pumpt eine eigene Pumpe in den Grauwassertank.
Einige Details hat Uwe aus seiner Reisepraxis bei Bliss Mobil eingebracht und sie wurden in die Serie übernommen. Dazu gehören zusätzliche Magnetverschlüsse an den Glastüren im Bad, die eine geöffnete Tür sicher in ihrer Stellung halten.
Die Möbel sind in allen Kabinen aus Bambus. Er arbeitet bei Feuchtigkeit und Trockenheit kaum, gehört zu den stabilsten Hölzern und ist dazu leicht. Frei wählen kann man die Polster aus Stoff, Alcantara oder Leder in jeweils rund 15 Farben.
Die Sitzgruppe liegt etwas erhöht. Darunter sitzt der Frischwassertank mit 465 Litern. Uwe und Elke kommen mit einem ähnlich großen Tank gut zwei Wochen aus, auch wenn sie ein- bis zweimal am Tag duschen. Die beiden trinken das Wasser auch, ohne es mit Silberionen oder Ähnlichem zu behandeln. Möglich macht das die Aufbereitung an Bord. Beim Einfüllen und bei der Entnahme läuft das Wasser jeweils durch einen Sedimentfilter, der Sand und andere Schwebstoffe zurückhält, und an einer UV-Lampe vorbei, die Keime abtötet. Die Filter sitzen unter der Sitzbank. Für die Wartung lässt sich die Abdeckung darüber anheben, so dass man gut an sie herankommt. Für das Grauwasser aus Spüle und Dusche gibt es einen Tank mit 160 Litern, für das Schwarzwasser aus der Toilette einen mit 120 Litern. Laut Bliss Mobil sind alle Tanks mit einer Frostschutzheizung ausgestattet.
In den Sitzbänken stecken außerdem eine große Gefriertruhe, die bei Bliss Mobil immer dazugehört, und die Lithiumbatterien. Es sind zwei Pakete mit je 400 Amperestunden, die im 24-Volt-System zusammen gut 20 Kilowattstunden speichern. Auf dem Dach liefern vier Solarmodule bis zu 1.000 Watt, wenn die Sonne ideal steht. Wie weit man damit kommt, zeigte das Bedienpanel auf der Messe. Nach zwei Tagen standen die Akkus noch bei 96 Prozent, obwohl Kühlschrank und Gefriertruhe die ganze Zeit liefen.
Gas gibt es an Bord nicht. In der Küche kocht man auf zwei Induktionsfeldern und ein Kombigerät dient als Mikrowelle und Backofen. Der Kompressorkühlschrank kommt ohne Gefrierfach aus, weil es die eigene Gefriertruhe gibt. Warmes Wasser kommt aus einem elektrischen Boiler. Läuft draußen der Grill, während der Boiler Wasser erwärmt und auf dem Kochfeld die Nudeln kochen, kommen schnell drei bis dreieinhalb Kilowatt zusammen, rechnet Uwe vor. Den Strom dafür liefert ein Wechselrichter von Victron mit 5.000 Watt, der aus den 24 Volt der Batterien 230 Volt macht.
Geheizt wird in erster Linie elektrisch über eine Fußbodenheizung mit 24 Volt, die eine richtige Heizung ist und nicht bloß die Füße wärmt. Uwe hat damit auch bei minus 30 Grad die ganze Kabine warm bekommen. Als zweites System ist eine Diesel-Luftheizung von Webasto an Bord. In Finnland hat Uwe sie zur Hauptheizung gemacht. Auf dem Dach lag dick Schnee, so dass die Solarmodule kaum Strom lieferten. Und die Etappen waren mit 30 bis 40 Kilometern am Tag so kurz, dass die Lichtmaschine in dieser Zeit nur einen kleinen Teil der großen Akkus wieder aufladen konnte. Mit der Dieselheizung blieb genug Strom für alles andere.
Bedienen lässt sich die Kabine auf drei Wegen. Neben der Tür sitzt ein Panel, an dem man alle Lichter schaltet und den Ladestand der Akkus sieht. Dazu kommen ganz normale Lichtschalter und eine App auf dem Handy. Uwe nutzt alles im Mix. Unterwegs lässt er per App schon das Wasser aufheizen, beim Hereinkommen drückt er lieber auf den Lichtschalter. Dass beides geht, ist für ihn ein wichtiger Punkt. So funktioniert das Licht auch dann, wenn der Akku des Handys einmal leer ist.
Bliss Mobil baut seine Kabinen aus immer denselben Bauteilen. Das hat für Uwe einen großen Vorteil. Jede Kabine hat eine eigene Nummer, ähnlich der Fahrgestellnummer eines Autos. Darüber sieht ein Mitarbeiter bei Bliss Mobil nach, was in genau dieser Kabine verbaut ist. Braucht ein Kunde unterwegs eine neue Schublade oder Schranktür, holt er das Teil im Lager aus dem Regal und schickt es in alle Welt. Bei einer Kabine, die als Einzelstück gebaut wurde, müsste ein solches Teil erst nachgebaut werden, vielleicht nach den Plänen eines Meisters, der längst im Ruhestand ist. Das hilft wenig, wenn man gerade in Südamerika steht.
Wer seine Kabine bei Bliss Mobil in Breda abholt, sollte zwei Tage einplanen. Rund vier Stunden davon erklärt ein Mitarbeiter im Schulungsraum anhand von Strom- und Wasserlaufplänen, wie die Kabine funktioniert, wie man Systeme ein- und ausschaltet und was zu tun ist, wenn etwas ausfällt. Jedes Kabel trägt eine Nummer und laminierte Pläne zeigen, wohin es führt. So findet man auch fernab jeder Werkstatt selbst heraus, welches Kabel zum Beispiel zur Beleuchtung der Dunstabzugshaube geht.
Beim Preis unterscheidet Uwe zwischen Lkw und Kabine. Der RAM 5500 als reines Basisfahrzeug kostet rund 120.000 Euro, und zwar mit Zulassung und deutschem Fahrzeugbrief. Mit dem Fahrwerk von LiquidSpring und der Einzelbereifung liegt der RAM so, wie er auf der Messe stand, bei rund 150.000 Euro inklusive Mehrwertsteuer.
Die Kabine beginnt bei rund 350.000 Euro. Dazu kommen immer der Zwischenrahmen und meist weitere Optionen wie die Außenküche, so dass Uwe realistisch mit rund 400.000 Euro für die Kabine rechnet. Je nachdem, ob man eine 13- oder eine 15-Fuß-Kabine wählt, liegt das komplette Fahrzeug damit bei rund 500.000 bis 550.000 Euro. Dafür bekommt man ein Expeditionsmobil, das sich mit dem Führerschein der Klasse C1 fahren lässt und dessen Kabine bei Bedarf auch auf ein neues Fahrgestell umziehen kann.
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