Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit SLM vorgestellt.
Der SLM Mercedes SPR 600 ist ein knapp sechs Meter langer Allrad-Camper aus Velbert. Das Bad misst 80 mal 80 Zentimeter und wird durch Aufschieben einer Wand zur Dusche mit 1,50 Metern Länge. Auf dem Caravan Salon 2025 hat uns Mitgründer Leon Nahr das Fahrzeug vorgestellt. Der Grundpreis liegt bei 176.000 Euro. Das gezeigte Fahrzeug kostet 235.000 Euro.
Die drei Buchstaben SLM stehen für Sea Land Mountain und der Name passt zu den beiden Gründern, die aus dem Sport kommen. Leon Nahr war in seiner Jugend Profisportler und musste mit 18 Jahren irgendwie ans Meer kommen, um zu kitesurfen. Seitdem baut er Fahrzeuge aus, zuerst für sich selbst und später für Freunde und Familie. Mit der Zeit wurden es immer mehr und seit 2021 baut SLM offiziell Allradcamper. Leon verantwortet Design, Konstruktion und Möbelbau, während sich sein Mitgründer Max Philipp Petrat um die gesamte Technik kümmert.
Aus dem Sport kommt auch der Anspruch an die Fahrzeuge. Wer mit seiner Sportausrüstung reist, braucht innen und außen viel Platz für Material und möchte trotzdem bequem schlafen. Den gleichen Ausbau gibt es auf dem Mercedes Sprinter mit sechs oder sieben Metern Länge und auf dem MAN TGE mit sieben Metern. SLM fertigt in Kleinserie mit festem Grundriss, bei dem der Kunde Farben und Holzarten selbst wählt.
Die meisten Kunden von SLM wollen Allrad. Einen Sprinter mit Heckantrieb und gleichem Ausbau hat SLM bisher erst einmal gebaut. Sinnvoll ist der Allradantrieb nach Leons Einschätzung vor allem wegen des Gewichts und weil man damit auch von einer nassen Wiese immer wieder wegkommt. Für ihren Sport sind Leon und sein Partner früher viel gereist und dabei selten geflogen. Meist waren sie mit den eigenen Fahrzeugen unterwegs und kamen dabei auch durch die Wüste. Dort braucht man nach Leons Erfahrung Allrad und Bodenfreiheit.
Basis des SPR 600 ist der Mercedes Sprinter 4×4 mit 140 kW beziehungsweise 190 PS und 9-Gang-Automatik. Der Van ist 5,93 Meter lang, 2,08 Meter breit und 3,10 Meter hoch. Die Masse fahrbereit beginnt bei 3.150 Kilogramm und zugelassen ist der SPR 600 je nach Ausführung mit 4.100 bis 4.700 Kilogramm. Wer ihn fahren möchte, braucht deshalb einen Führerschein der Klasse C1 oder die alte Klasse 3.
Die Anbauteile außen stammen durchgehend von Roal Vans. Die Werkstatt liegt nur rund zehn Minuten von SLM entfernt. An den Hecktüren trägt der SPR 600 das Reserverad, einen Fahrradträger und eine Staubox. Die Teile lassen sich wie ein Puzzle kombinieren. Entweder hängen die Fahrräder quer am Heck oder man montiert längs eine große Staubox für Skiausrüstung oder Neoprenanzüge. Für Strecken, auf denen Tankstellen selten sind, gibt es außerdem einen kleinen Reservetank mit 9 Litern Diesel.

Auf dem Dach sitzt ein Aufstelldach, das als Dachzelt dient und auf dem die Solarmodule fest montiert sind. Davor bleibt auf einer Länge von rund 1,50 Metern Platz für eine Dachterrasse, auf der man gemütlich sitzen und frühstücken kann. Ist das Dachzelt aufgeklappt, steigt man von innen über das Bett im Heck hinein. Die Fenster stammen von Carbest, mit denen SLM nach Leons Angabe sehr gute Erfahrungen gemacht hat. Für die Schiebetür gibt es auf Wunsch ein Fliegengitter. Dafür ersetzt SLM die Türdichtung von Mercedes durch eine eigene Dichtung mit Reißverschluss, in die man das Gitter einzippt. Für Leon ist das die beste Lösung, weil nichts klappert und das Gitter nicht dauerhaft im Weg ist.
Damit im Heck ein Querbett mit 1,95 Metern Länge Platz findet, hat SLM den Sprinter an den Seiten mit Verbreiterungen aus GFK versehen. Für die Dämmung baut SLM das ganze Fahrzeug samt aller Türen auseinander und klebt eine 20 Millimeter starke Dämmung bis in die kleinste erreichbare Ritze auf das Blech. Darauf folgen Innenwände aus einem Kunststoffpaneel mit Wabenstruktur, dessen Lufteinschlüsse noch einmal dämmen. Zum Schluss kommen Wandverkleidungen aus 12 Millimeter starken Filzplatten, die ebenfalls zur Dämmung beitragen. Frei bleiben nur die Holme, damit dort Luft zirkulieren und Kondenswasser ablaufen kann. Der Boden besteht aus einer 4 Zentimeter starken XPS-Platte, die SLM per 3D-Fräsung genau an den Fahrzeugboden anpasst. Darüber liegen eine 12 Millimeter starke Holzplatte und ein gewebter Bodenbelag.
Im Bad steht auf einer Fläche von 80 mal 80 Zentimetern eine Clesana, die ihren Inhalt in Folienbeutel verschweißt und so ohne Chemie auskommt. Zum Duschen löst man die Verschlüsse an der Badwand und schiebt die Wand ein Stück Richtung Küche. So wächst das Bad auf 1,50 Meter Länge und man kann darin gemütlich duschen. Als Badtür dient eine Schiebetür aus Kunststoff, die aus Lamellen besteht und die man ähnlich wie einen Rollladen herauszieht. Über die Clesana kommt beim Duschen eine Haube und alles andere darf nass werden, weil auch das Holz entsprechend behandelt ist. Die Stehhöhe liegt bei rund 1,88 Metern, so dass Leon mit seinen 1,85 Metern im Bad stehen kann.
Die Duschtasse baut SLM selbst aus 3 Millimeter starkem Aluminium. Das Blech wird gekantet und verschweißt und bekommt danach eine Pulverbeschichtung. So entsteht ein einziges Stück, auf dem auch die Clesana steht. Damit das Wasser in der Dusche bleibt, schließt die Wand unten genau mit der Duschtasse ab. Hinter ihrem ausziehbaren Teil sitzt eine Dichtung, die man von außen nicht sieht und die beim Auf- und Zuschieben mitläuft.
Nach dem Duschen schiebt man die Wand wieder zusammen und zieht die Verschlüsse an, damit unterwegs nichts klappert. Dann ist das Bad wieder 80 mal 80 Zentimeter groß und die Toilette lässt sich auch in diesem Zustand ganz normal benutzen.
Alle Möbelteile im SPR 600 sind CNC-gefräst. Leon fertigt sie aus einem leichten Multiplex aus Tropenholz, das nach seiner Angabe wenig empfindlich auf Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen reagiert. Die Scharniere kommen von Häfele. Bei den Polstern wählen die meisten Kunden Leder wie im gezeigten Fahrzeug und auf Wunsch gibt es auch Stoff.
In der Küche kocht man mit Induktion oder mit Gas. Das Gas dient nur zum Kochen und kommt aus einer kleinen Campinggasflasche, die hinten in einem Schrank unter dem Bett eingebaut ist. Weil Induktion viel Strom verbraucht, greift man nach Leons Empfehlung zum Gas, wenn bei schlechtem Wetter wenig Sonne auf die Solarmodule fällt. Unter dem Kochfeld ist ein Kompressorkühlschrank von Dometic mit 90 Litern eingebaut, dessen Tür sich in beide Richtungen öffnen lässt.

Gesteuert wird die gesamte Technik im Wohnraum über ein System von Garmin. Am Display schaltet man das Licht, sieht die Füllstände von Frisch- und Abwasser und bedient den Wechselrichter. Jede Lampe lässt sich einzeln dimmen. Trotzdem gibt es überall Schalter, die unabhängig vom Display funktionieren. Ein Internetrouter ist in jedem Fahrzeug von SLM serienmäßig eingebaut.
Geheizt wird mit einer Hybridheizung von Timberline aus den USA, die mit Diesel arbeitet und zusätzlich ein elektrisches Heizelement hat. Erwärmt wird Glykol, das anschließend durch Wärmetauscher läuft. Gebläse blasen die warme Luft dann in die einzelnen Bereiche, zum Beispiel unter der Sitzbank und im Bad. Am Garmin-Display lässt sich jede Zone einzeln regeln, so dass es vorn wärmer sein kann als im Schlafbereich und im Bad noch etwas wärmer. SLM hat die Timberline inzwischen in drei Fahrzeuge eingebaut und nach Leons Erfahrung arbeitet sie zuverlässig.
Auf dem Aufstelldach liegen 450 Watt Solar. Serienmäßig gibt es außerdem einen Anschluss für ein faltbares Solarmodul, das man bei Bedarf dazustellt. Die gesamte Elektrik stammt von Victron. SLM bleibt nach Leons Angabe bewusst bei einem Hersteller, weil die Systeme dann ineinandergreifen und sich alle Werte abrufen lassen. Gespeichert wird der Strom in Lithiumbatterien mit 320 Amperestunden, die sich mit einer zweiten Batterie auf 640 Amperestunden erweitern lassen. Inzwischen nennt SLM für die Serie eine Lithiumbatterie mit 300 Amperestunden, die sich auf 600 Amperestunden erweitern lässt. Nach Leons Angabe sind die Fahrzeuge so ausgelegt, dass man eigentlich nie an den Landstrom muss und nur ab und zu Wasser nachfüllt. Jede Leitung legt SLM nach einem festen Kabelplan. Wünscht sich ein Kunde zusätzlich eine Steckdose oder eine Leselampe, wird auch das dort eingetragen und mit Fotos dokumentiert. So findet sich auch ein fremder Elektriker sofort zurecht, wenn unterwegs einmal etwas zu tun ist.
Im gezeigten Fahrzeug fasst der Frischwassertank 90 Liter. Der Abwassertank mit 70 Litern sitzt außen unter dem Fahrzeug und ist für den Winter isoliert und beheizt. Hinter kleinen Revisionsklappen kommt man an jede Stelle, an der Kabel oder Wasserleitungen angeschlossen sind. Dazwischen gibt es keine versteckten Verbinder, die im Winter platzen könnten. Inzwischen nennt SLM für den SPR 600 einen Frischwassertank mit 100 Litern und einen Abwassertank mit 80 Litern.
Im Heck liegt quer ein Bett mit 1,95 mal 1,45 Metern, das sich als Hubbett in der Höhe verstellen lässt. Fährt man das Bett nach oben, wird die Heckgarage darunter größer. Bleibt es weiter unten, steigt man bequemer ein. Das Bett lässt sich stufenlos verstellen und arretiert in jeder Position von selbst, so dass man keine Splinte stecken muss. Damit über dem Bett keine Schienen oder Seilzüge zu sehen sind, hat SLM dafür eine eigene Lösung konstruiert. Die Matratzen stammen von Snooze Project und werden auf Maß gefertigt. Weil es sie in verschiedenen Härten und Stärken gibt, bekommt jeder Kunde die Matratze, die zu seiner Art zu schlafen passt.
Steht das Bett ganz oben, beträgt die Ladehöhe in der Heckgarage 1,35 Meter. Damit passt auch ein großes E-Bike hinein. Damit es auch in der Länge passt, hat SLM den Bereich unter dem Bett im SPR 600 nach vorn offen gelassen. So lässt sich ein Fahrrad bis in den Innenraum durchladen. Auszüge und Halterungen für die Garage baut SLM für jeden Kunden individuell. Ein Surfer bekommt zum Beispiel ein Trockenmodul mit Abfluss, in dem der Neoprenanzug nach dem Wassersport trocknet, und daneben einen Fahrradhalter.
Über dem Bett gibt es einen Ausschnitt, durch den man ins Dachzelt steigt. Verschlossen wird er mit einem Deckel, den man von unten und von oben öffnen kann. Mit dem Dachzelt bietet der SPR 600 Schlafplätze für vier Personen.
Der SPR 600 mit Allradantrieb beginnt bei 176.000 Euro. Mit Heckantrieb nennt SLM auf seiner Website einen Grundpreis ab 169.000 Euro. So wie er auf der Messe stand, kostet der SPR 600 235.000 Euro. Den Unterschied machen nach Leons Angabe vor allem die Hecksysteme an den Türen und der Dachträger. Sparen lässt sich außerdem beim Elektrosystem und bei der Solarleistung. In jeder Ausführung bekommt man einen handgebauten Allrad-Van unter sechs Metern, in dem sich das Bad zur Dusche erweitern lässt und die Garage Platz für die Sportausrüstung bietet.
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