Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit Airstream Germany vorgestellt.
Der Airstream 534 war 2023 der kleinste Airstream für den europäischen Markt. Er bringt die genietete Aluminiumhülle, eine Alde-Warmwasserheizung und ein Bett von Wand zu Wand im Heck mit und wiegt höchstens 1.900 Kilogramm. Auf dem Caravan Salon 2023 hat uns Airstream-Germany-Geschäftsführer Armin Heun den Wohnwagen vorgestellt. Inzwischen gibt es ihn zum Europa-Jubiläum als Sondermodell, das 112.850 Euro kostet.
Wer an einen Airstream denkt, hat meist einen großen silbernen Wohnwagen hinter einem schweren Pick-up vor Augen. Der 534 ist anders gedacht, denn Airstream hat ihn speziell für kleinere Zugfahrzeuge gebaut. Mit 1.900 Kilogramm zulässigem Gesamtgewicht passt er zu vielen ganz normalen Pkw, die bis zu 2.000 Kilogramm ziehen dürfen. Er ist 6,86 Meter lang und 2,29 Meter breit, der Wohnraum misst innen 5,32 Meter in der Länge.
Nach Armins Erfahrung fragen Kunden heute häufig, womit sie ihren Wohnwagen in ein paar Jahren noch ziehen können. Manche wollen ausdrücklich keinen Geländewagen mehr fahren und einige fragen sogar nach Elektroautos. Bei einem Test von Airstream Germany schafften einige Elektroautos mit dem 534 Reichweiten um die 250 Kilometer. Für alle, die ohnehin nach drei Stunden Fahrt eine halbe Stunde Pause machen, kann das schon reichen.
Der 534 gehört zu den sogenannten internationalen Modellen, die Airstream für Märkte außerhalb Nordamerikas baut. Verkauft wird er außer in Europa auch in Ländern wie Südkorea oder Taiwan. In Europa ist Airstream seit 2006 auf dem Markt, offiziell gestartet ist die Marke auf dem Caravan Salon 2007. Airstream Germany sitzt in Merenberg in Hessen und ist der Importeur für ganz Europa. Rund 50 Fahrzeuge im Jahr kommen nach Armins Angaben über den Atlantik. Damit bleibt ein Airstream auch hierzulande ein exklusives Produkt.
Unter der silbernen Hülle steckt ein Gerippe aus gebogenen oder gestanzten Aluminiumprofilen. Darauf wird das Aluminiumblech gelegt und vernietet. Airstream fertigt so einzelne Segmente und setzt sie anschließend zusammen: die vordere und die hintere Rundung mit ihren Fenstern, die Seitenteile und das Dach. Die rund 3.000 Nieten sind keine Popnieten, sondern Vollnieten wie im Flugzeugbau. Dafür arbeiten zwei Leute zusammen: Der eine setzt die Niete außen mit einer Pistole, der andere hält innen ein Metallstück dagegen, an dem sich die Niete verformt.
Bevor ein Airstream ausgeliefert wird, kommt jedes einzelne Fahrzeug in eine Kabine, in der es kräftig beregnet wird. So prüft Airstream die Dichtigkeit nicht nur am Prototyp, sondern an jedem Wohnwagen. Eine jährliche Dichtigkeitsprüfung, wie sie bei europäischen Wohnwagen üblich ist, verlangt Airstream nicht. Nach Armins Angabe liegt das an der Bauweise. Gedämmt ist die Hülle mit 60 Millimetern Glaswolle aus recyceltem Glas, die in die Fächer zwischen den Profilen gepresst wird. Sollte an einer der vielen Nieten doch einmal ein Tropfen durchkommen, trocknet diese luftige Dämmung bei der nächsten Sonne von selbst wieder aus. Und weil man von innen und außen sieht, wo die Teile zusammengefügt sind, lässt sich eine undichte Stelle gut reparieren.
Den Boden bildet ein holzfreier Composite-Boden. Darauf liegt ein gewebter Vinylbelag aus dem Yachtbau, der sich unter Strümpfen oder barfuß angenehm anfühlt. Wer genau hinsieht, bemerkt, dass die Spaltmaße an den Möbeln nicht überall gleich sind. Das liegt daran, dass sich die Aluminiumhülle während der Fahrt leicht bewegt und alles, was innen eingebaut ist, diese Bewegung mitmachen muss. Die Möbel selbst sind eine richtige Schreinerarbeit aus mehrfach verleimtem Holz, die sich auch nach vielen Jahren noch reparieren lässt. Armin verweist auf die Erfahrung von Airstream: Rund 70 Prozent aller Hüllen, die seit 1931 gebaut wurden, gibt es noch. Auch die ersten Europa-Fahrzeuge sind inzwischen über 15 Jahre alt und sehen gut gepflegt teilweise aus wie neu.
Anders als die meisten europäischen Wohnwagen hat der Airstream Fenster aus echtem Glas statt aus Kunststoff. Sie sind zu 40 Prozent getönt, so dass weniger Sonne hereinkommt und man einen gewissen Sichtschutz hat. Die Fenster sind einfach verglast, weil eine Doppelverglasung den Wohnwagen nach Armins Angabe um rund 150 Kilogramm schwerer machen würde. Das große Bugfenster lässt sich von innen in drei Stufen öffnen. Wer mit einem Zugfahrzeug unterwegs ist, das viele Steine aufwirbelt, bekommt als Option einen Steinschlagschutz aus Plexiglas vor die vorderen Fenster. Über den Rädern sitzen abnehmbare Schutzbleche aus Edelstahl. Fliegt einmal ein Stock von der Straße hoch, landet er dort und das Blech lässt sich mit wenigen Handgriffen tauschen, während die Hülle unbeschädigt bleibt.
Vorn sitzt ein Kasten aus Aluminium für zwei 11-Kilo-Gasflaschen, den man nach vorn aufklappt. Da die Stützarme der Markise fest an der Seitenwand des Wohnwagens montiert sind, muss man nichts im Boden verankern und hat die Markise trotzdem sehr stabil und schnell ausgefahren. Wer sie zusätzlich sichern möchte, befestigt die Leine, mit der man sie aufrollt, am Boden und spannt seitlich noch ein Band ab. Bei europäischen Wohnwagen sitzen die Scharniere der Aufbautür meist vorn, damit der Fahrtwind die Tür zudrückt. Beim 534 sitzen sie hinten, weil die Tür sonst gegen den Markisenarm schlagen würde.
Die Aufbautür hat zwei Schlösser und eine Fliegenschutztür mit Durchreiche. Damit man das feine Netz nicht übersieht, wenn man vom hellen Innenraum hinausgeht, sitzt in der Mitte ein Querbügel zum Abstützen und der untere Teil ist aus gelochtem Blech, damit Hunde nicht durch das Netz springen. Die ausziehbare Trittstufe ist fest montiert. Hinten am Heck gibt es eine Klappe, hinter der die Aufbaubatterie liegt. So kommt man von außen an sie heran und kann sie im Winter auch herausnehmen. Die Batterie kommt nicht mit über den Atlantik, sondern wird erst bei Airstream Germany eingebaut. Serienmäßig ist heute eine Lithiumbatterie an Bord und das gezeigte Fahrzeug hatte eine mit 280 Amperestunden. Auf Wunsch montiert Airstream Germany auch Solarmodule auf dem Dach, flexible oder starre.
Im Bug liegt eine runde Sitzgruppe unter der großen Fensterfront. Die Polster lässt Airstream Germany in Europa fertigen, so dass Kunden zwischen vielen Stoffen und Leder wählen können. Die Sitzgruppe lässt sich zu einem Bett mit 2,01 mal 1,27 Metern umbauen. Alle Fenster haben eine Verdunklung und ein Insektenschutzgitter, das sich herausnehmen lässt. Vorn hängen zusätzlich blickdichte Vorhänge.

Innen sieht man an Wänden und Decke das blanke Aluminium. Wer es anfasst, merkt, dass es etwas kühler ist als eine Holzwand, aber nicht kalt. Für die Wärme sorgt eine Alde-Warmwasserheizung, wie sie die internationalen Modelle von Airstream für Europa haben. Sie arbeitet lautlos, verteilt die Wärme über Konvektoren gleichmäßig und läuft mit Gas oder Strom. Ist der Wohnwagen im Winter ganz ausgekühlt, sollte man sie nach Armins Erfahrung etwa zwei Stunden vor der Ankunft einschalten, um von null auf 20 Grad zu kommen.
Der Kühlschrank von Dometic fasst 122 Liter und ist ein Absorber, der auch mit Gas läuft. Für Kunden, die zwei oder drei Tage ohne Landstrom stehen wollen, ist das nach Armins Einschätzung ein Vorteil, weil Gas viel Energie liefert. Wer lieber einen Kompressorkühlschrank möchte, bekommt ihn bei Airstream Germany. Die Airstreams kommen nämlich im sogenannten Importeurszustand nach Europa. Sie sind fertig gebaut, die abschließende Prüfung übernimmt aber Airstream Germany. Dort kommen auch typisch europäische Komponenten wie der Mover oder die Klimaanlage hinein.
Für einen Wohnwagen dieser Größe ist die Küche großzügig. Die Arbeitsfläche ist aus Corian und die Spüle so tief, dass man wie zu Hause im Fahrzeug abwaschen kann. Für alle, die länger an einem Platz stehen, ist ein Anschluss für Leitungswasser von außen serienmäßig. Gekocht wird auf einem Thetford Triplex mit drei Gasflammen, Backofen und Grill. Eine Abzugshaube führt den Kochdunst nach draußen, so dass sich der Geruch nicht im Wohnwagen festsetzt. Eine indirekte Beleuchtung hinter Acrylglas setzt die Küche in Szene und selbst in den Schränken sieht man das Aluminium der Hülle. Ein kleines Gewürzregal klappt man für die Fahrt hoch, damit nichts herausfällt. Am Stellplatz verlängert es die Arbeitsfläche.
Das Bad ist eine Nasszelle, in der Dusche, Toilette und Waschbecken einen Raum teilen. Das Wasser läuft über einen Abfluss im Boden ab. Ein Spritzschutz an der Tür sorgt dafür, dass beim Öffnen kein Wasser auf den Boden im Wohnraum tropft. Die Toilette ist eine Thetford C260 mit Keramikschüssel. Frisch- und Abwassertank fassen jeweils 45 Liter und für warmes Wasser gibt es einen Boiler mit 8 Litern.
Im Heck liegt das Bett quer von Wand zu Wand und misst 2,13 mal 1,45 Meter. Rundherum blickt man durch die Panoramafenster nach draußen und auf Wunsch kommt ein Fernseher dazu. Unter dem Bett ist Stauraum, den man vom Innenraum aus befüllt oder von außen über eine eigene Klappe.
Auf dem Caravan Salon 2023 nannte Armin für den 534 rund 120.000 Euro als Preis, für den man schon eine sehr gute Ausstattung bekam. Zum 20-jährigen Jubiläum von Airstream in Europa bietet Airstream Germany ihn inzwischen als Sondermodell an. Es kostet 112.850 Euro und bringt eine Markise in Vintage-Blau mit weißen Streifen, einen Mover, eine Klimaanlage und Lederpolster in Bordeauxrot oder Marineblau mit. Mit vergleichbarer Ausstattung läge der reguläre Preis heute bei 126.225 Euro. Wer möchte, rüstet die Lithiumbatterie für 1.950 Euro auf 310 Amperestunden auf.
Ob Mover und Klimaanlage sinnvoll sind, hängt davon ab, wie man den Airstream nutzt. Wer reist, nimmt den Mover nach Armins Erfahrung fast immer. Es gibt aber auch Kunden, die ihren Airstream als Gästehaus im Garten oder fest auf einem Stellplatz nutzen. Sie können nach Armins Einschätzung gut auf den Mover verzichten und ihn bei Bedarf jederzeit nachrüsten lassen. Auch die Klimaanlage ist eine Option, für die sich nicht jeder Kunde entscheidet. Im Sondermodell sind Mover und Klimaanlage bereits an Bord.
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