Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit Krug Expedition vorgestellt.
Der Krug Expedition Mercedes Arocs 6×6 ist ein Expeditionsmobil auf drei angetriebenen Achsen mit einer 7,20 Meter langen Kabine. Noch spannender ist, wie Krug baut: Rund 90 Prozent des Aufbaus entstehen im eigenen Werk. Dirk Wexler von Krug Expedition hat uns das Fahrzeug auf der Abenteuer & Allrad 2025 in Bad Kissingen vorgestellt. Neu kostet es in dieser Ausstattung rund 760.000 Euro.
Krug Expedition sitzt im österreichischen Schladming und baut seit 2011 Expeditionsmobile, nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 200. Jedes Fahrzeug bekommt eine Projektnummer, die in der Tür steht. Der gezeigte Arocs trägt die Nummer 124. Preislich sieht Dirk das Unternehmen im mittleren Segment dieser Fahrzeugklasse, bei der Qualität mit hohem Anspruch. Was er unter Qualität versteht, erklärt er mit einer Zahl: Rund 90 Prozent des Aufbaus fertigt Krug selbst. Dazu gehören die Wände der Kabine, die Staukästen, der Zwischenrahmen und der komplette Möbelbau. So kann Krug Dinge anders lösen als Hersteller, die Bauteile zukaufen.
Bei den Grundrissen ist fast alles möglich. Man kann bei Krug sprichwörtlich mit einem weißen Blatt Papier anfangen. Für seine Serienmodule, also Kabinen in festen Größen für bewährte Fahrgestelle, nennt Krug mehr als 25 Grundrisse. Viele erprobte Lösungen stehen aber gar nicht im Katalog und deshalb beginnt das Gespräch meist mit dem, was Krug schon gebaut hat. Die Wünsche des Kunden gehen dann durch das eigene Technikbüro und erst wenn die Technik ihr Okay gibt, wird gebaut.
Ein Fahrzeug mit drei Achsen und 7,20 Metern Kabine empfiehlt Dirk Einsteigern ausdrücklich nicht, weil ein 6×6 am Anfang eine echte Umgewöhnung verlangt. Wer neu in diese Welt einsteigt, ist nach seiner Erfahrung mit einem kleineren Fahrgestell wie dem Mercedes Atego und einer Kabine zwischen 4,60 und 5,20 Metern besser beraten. Zweimal im Jahr veranstaltet Krug ein Offroad-Wochenende, bei dem Interessenten verschiedene Fahrzeuge selbst ausprobieren. Viele sind dort überrascht, dass sich ein Fahrzeug mit großer Kabine kaum schwerer fahren lässt als eines mit kleiner. Dann fällt zumindest die Scheu vor der Größe schnell weg.
Als Basis dient ein Mercedes Arocs 3353 mit Allradantrieb auf allen drei Achsen und 390 kW / 530 PS. Krug baut sowohl auf Mercedes als auch auf MAN auf und überlässt die Wahl dem Kunden. Für Mercedes spricht nach Dirks Erfahrung vor allem das weltweite Servicenetz. Auf der Autobahn fahren sich beide Marken gleich und für viele ist die Autobahn ohnehin nur die Transitstrecke zum Hafen, von dem aus das Fahrzeug etwa nach Südamerika verschifft wird.
Wie wichtig eine fachkundige Konfiguration des Fahrgestells ist, zeigt ein Beispiel von Dirk. Setzt jemand bei der Bestellung ein falsches Häkchen, wandert etwa der Kühlmittelbehälter an die Rückwand des Fahrerhauses. Genau dort braucht die Kabine aber ihren Abstand und dann ist eine aufwendige Nacharbeit fällig. Deshalb hat Krug für beide Marken eigene Ansprechpartner, die sich mit Fahrgestellen für Expeditionsmobile auskennen.
Am Fahrerhaus selbst verändert Krug nichts, damit die Garantie von Mercedes erhalten bleibt. Die belederten Sitze stammen deshalb direkt von Mercedes und lassen sich belüften und beheizen. Die Arbeit von Krug beginnt oberhalb des Fahrerhauses mit einem Dachträger samt LED-Scheinwerfern. Dahinter schließt auf gleicher Höhe ein Astabweiser an, der Äste seitlich ableitet und so Solarmodule, Dachlüfter und Klimaanlage auf dem Kabinendach schützt.
Zwischen Fahrerhaus und Kabine gibt es einen Durchstieg, den Dirk immer empfiehlt. Wer schon angeschnallt merkt, dass das Handy hinten auf der Küche liegt, muss nicht erst die Treppe ausfahren und die Kabine aufschließen. Lässt man den Durchstieg während der Fahrt offen, sieht man außerdem sofort, wenn sich in einer Kurve eine Schublade öffnet. Den Faltenbalg zwischen Fahrerhaus und Kabine hält Krug auf jeder Seite mit sechs Schnellverschlüssen. Wird es im Gelände sehr verschränkt, lassen sie sich von innen schnell öffnen, so dass der Balg keinen Schaden nimmt.
Krug kauft keine fertigen Wände. Eingekauft werden das GFK für die Außen- und die Innenseite und der PUR-Kern, gepresst wird im eigenen Werk auf Pressentischen von 10 Metern Länge. Darauf entstehen Wandelemente von bis zu 9 Metern. Die Wände sind 60 Millimeter stark, der Boden nach Angaben von Krug 80 Millimeter. Außen und innen liegt eine rund 2 Millimeter starke GFK-Schicht. Die äußere Schicht besteht zu 70 Prozent aus Glasfaser. Im Gegenlicht sieht man das Kreuzmuster des Gewebes. Wie widerstandsfähig das ist, zeigt Dirk an einem Wandstück, auf das er mit dem Hammer geschlagen hat. Trotz sichtbarer Abdrücke hat die Außenhaut gehalten. Eine solche Stelle wird angeschliffen, gespachtelt und lackiert.
Die Kabine ist komplett metallfrei. Auch die Eckwinkel bestehen aus GFK, damit sich bei Hitze und Kälte alle Teile gleich stark ausdehnen. Verklebt wird mit einem Zwei-Komponenten-Kleber. Damit innen keine Klebekanten zu sehen sind und die Oberfläche dauerhaft hell bleibt, schleift Krug jede Kabine innen an, spachtelt sie mit GFK und lackiert sie mattweiß. Das gibt dem Innenraum eine wohnliche Oberfläche statt des typischen GFK-Glanzes. Die Möbel klebt Krug direkt auf die Innenschicht. Wie fest das hält, zeigte ein Umbau, bei dem ein Kunde tiefere Oberschränke wollte. Geplant hatte Krug dafür einen Dreivierteltag. Am Ende dauerte es drei Tage, bis die alten Schränke gelöst waren, so fest saßen sie.
Auch Türen und Klappen entstehen in der Wand. Beim Pressen legt Krug Profile für Tür, Durchstieg und Garagenklappen ein. Ist die Wand ausgehärtet, werden die Öffnungen herausgetrennt, verschliffen und lackiert, so dass außen kein aufgesetzter Rahmen zu sehen ist. Die Fenster baut Krug ebenfalls selbst, auf Profilen von REHAU. Sie sind seitlich angeschlagen und leicht getönt, damit weniger Wärme hereinkommt. Außen ist die Kabine im Werk lackiert und mit Klarlack überzogen, so dass sich die typischen Kratzer von Ästen meist wieder herauspolieren lassen. Dirk selbst sieht solche Spuren als Patina.
Den Zwischenrahmen fertigt Krug aus hochfestem Stahl, der verzinkt und schwarz lackiert ist. Entwickelt hat Krug ihn gemeinsam mit dem Truck-Umbauspezialisten Toni Maurer. Der Zwischenrahmen sorgt dafür, dass sich das Fahrgestell im Gelände verwinden kann, ohne dass diese Kräfte in die Kabine gehen. Beim Arocs und bei großen MAN sitzt die Kabine auf Elastomerlagern, die vorn größer sind, weil dort stärkere Kippkräfte wirken. Bei kleineren Fahrgestellen wie dem Atego nimmt Krug Federn. Zusätzlich halten ein Lager vorn und eines hinten die Kabine in Längsrichtung an ihrem Platz. Seit 14 Jahren hatte Krug nach Dirks Angabe keinen gerissenen Rahmen und kein gerissenes Lager. Wie gut der verzinkte Stahl hält, zeigt Projekt Nummer 4, eines der ersten Krug-Fahrzeuge. Sein Zwischenrahmen sieht nach Dirks Worten aus wie nach ein, zwei Jahren.
In der Heckgarage sitzt das Herz der Bordtechnik. Zwei Wechselrichter von Victron mit je 5.000 Watt arbeiten zusammen. Fällt einer aus, übernimmt der andere. Daneben hängt auf Wunsch eine Anlage zum Befüllen der Wassertanks, die das Wasser durch drei immer feinere Filter und eine UV-Lampe schickt. Mit einer optionalen Tauchpumpe lässt sich so auch Wasser aus einem Bach in die Tanks filtern. Über die Filteranlage schließt ein Magnetventil automatisch, sobald ein Tank voll ist. Wer stattdessen über die Einfüllstutzen an der Seite mit dem Schlauch tankt, bleibt besser dabei, weil bei normalem Leitungsdruck mehr Wasser nachkommt, als über den Überlauf abfließen kann. Den Füllstand sieht Dirk dann einfach in der Victron-App auf dem Handy.

Für Frischwasser hat der Arocs 530 Liter in zwei Tanks, die Krug selbst baut. Jeder Tank hat seine eigene Pumpe und beide Pumpen sind baugleich. Da Wasserpumpen nach Dirks Erfahrung oft als erstes Bauteil ausfallen, schaltet man in diesem Fall am Display einfach auf die zweite Pumpe um. Dazu kommen ein Grauwassertank mit 285 Litern und ein Schwarzwassertank mit 185 Litern für die Zerhackertoilette von Tecma. Mit dem Grauwasser lässt sich die Toilette spülen.
Strom liefern im gezeigten Fahrzeug Lithiumbatterien mit 900 Amperestunden bei 24 Volt und 1.420 Watt Solarleistung auf dem Dach. Die Serienmodule ab 4,60 Metern Kabinenlänge haben in der neuen Ausführung nach Dirks Angabe 680 Amperestunden. Die gesamte Elektrik sitzt in einem Modul, das bei Krug immer gleich aufgebaut ist und immer an derselben Stelle sitzt. Jede Sicherung ist beschriftet. Meldet ein Kunde einen Defekt, weiß Krug anhand der Zeichnungen sofort, welches Teil gebraucht wird, und kann es innerhalb Europas einfach verschicken. Hängt das Fahrzeug am Internet, kann Krug außerdem aus der Ferne auf das System schauen.
Geheizt wird im gezeigten Fahrzeug mit einer Webasto-Warmwasserheizung mit 5 kW. Für große Höhen kommt eine zweite mit 9 kW dazu. Die Wärme verteilt sich über eine Fußbodenheizung bis ins WC und über Heizkörper im Bett, in der Heckgarage und im Bad. In neuen Fahrzeugen baut Krug stattdessen die Diesel-Warmwasserheizung Scheer Nano ein, die nach Angaben von Krug 7 kW leistet und sich auch elektrisch betreiben lässt. Gekühlt wird mit einer Dachklimaanlage, die mit 24 Volt läuft und deshalb keinen Wechselrichter braucht. Eine Klimaanlage im Staukasten baut Krug ungern ein, weil die kalte Luft über lange Leitungen nach oben geführt werden müsste und sich an diesen Leitungen Kondenswasser bildet. Mit 3,85 Metern bleibt der Arocs trotz Klimaanlage auf dem Dach unter vier Metern Höhe.
Der Wohnraum ist nach den Wünschen des Kunden für zwei Personen gebaut. Im Heck liegt ein Bett von 2 mal 2 Metern mit Fenstern an beiden Seiten. Beide schlafen nebeneinander und steigen nach vorn aus, so dass nachts niemand über den anderen klettern muss. Davor liegt die Sitzgruppe mit einem freitragenden Tisch, der auf Druck nicht nachgibt. Schiebt man ihn ganz ein, gelangt man über die Sitzbänke bequem ins Bett. Die Sitzgruppe lässt sich zu einem weiteren Bett umbauen. Wer Schlafen und Wohnen trennen möchte, wählt bei Krug einen Grundriss mit Mittelbad. Dort liegen Dusche und WC zwischen Bett und Sitzgruppe und die WC-Tür trennt die beiden Räume.
Damit sich hinter vollen Oberschränken keine Feuchtigkeit sammelt, setzt Krug ein dünnes Brett vor die Außenwand. Dahinter bleibt immer ein Spalt, durch den die Luft zirkulieren kann. Inzwischen baut Krug außerdem in jede Kabine eine Lüftung von Bayernluft mit Wärmerückgewinnung ein, die die feuchte Luft nach draußen bringt.
Die Küche ist wie in allen Krug-Fahrzeugen gasfrei. Immer dabei sind ein Induktionskochfeld und ein Backofen mit Mikrowellenfunktion von Miele. Im gezeigten Fahrzeug kommen eine Spülmaschine von Bosch und eine Haushaltswaschmaschine dazu. Der Kühlschrank von Vitrifrigo hat ein Drei-Sterne-Tiefkühlfach. In neuen Fahrzeugen setzt Krug einen Haushaltskühlschrank von Miele ein. Damit dafür nicht ständig ein großer Wechselrichter laufen muss, versorgt ein zusätzlicher kleiner Wechselrichter den Kühlschrank und die Heizung.
Das Bad hat eine eigene Dusche mit einer Duschwanne, die Krug selbst fertigt, ebenso das Waschbecken aus GFK. Das Duschwasser läuft in einen kleinen Pumpensumpf und wird von dort in den Abwassertank gepumpt. Draußen gibt es eine Außenküche in einem Staukasten mit Spüle, Induktionsfeld und Grill. Wasser bekommt sie über den Anschluss für die Außendusche, den es bei Krug auf beiden Seiten gibt. Weitere Wasseranschlüsse außen baut Krug nicht ein, damit alle wasserführenden Teile im frostsicheren Bereich liegen.
Der gezeigte Arocs ist ein Kundenfahrzeug mit rund 6.800 Kilometern, das Krug zum Verkauf anbietet. Neu bestellt, mit derselben Ausstattung und den aktuellen Neuerungen wie der Scheer Nano, kommt ein solches Fahrzeug nach Dirks Einschätzung auf rund 760.000 Euro. Einen genauen Preis kann Krug nicht nennen, weil das Fahrgestell immer nach den Wünschen des Kunden konfiguriert wird. Viel von dem, was andere Hersteller als Option verkaufen, ist dabei schon enthalten. Ob ein Kunde an den Schränken Türen oder Rollos möchte, ändert zum Beispiel nichts am Preis.
Wer kleiner einsteigen möchte, findet bei Krug das Project Rhino auf dem Mercedes Atego und die Serienmodule für unterschiedliche Fahrgestelle.
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