Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit Liri Camper vorgestellt.
Der Liri Camper Sprinter 4×4 ist ein Fernreise-Kastenwagen aus Münster, der aus 80 Litern Frischwasser per Umkehrosmose rechnerisch bis zu 800 Liter macht und 1.200 Amperestunden Lithium an Bord hat. Inhaber Artur Nowak hat ihn uns auf der CMT 2026 vorgestellt. Der Ausbau beginnt bei rund 120.000 Euro plus Basisfahrzeug und das Messefahrzeug kostet ab 285.000 Euro.
Liri Camper ist ein kleiner Ausbauer aus Münster mit eigener Tischlerei, in dem nach eigenen Angaben Tischler, Bootsbauer, Raumausstatter und Elektriker zusammenarbeiten. Der Name ist Programm, denn Liri bedeutet laut Firmenwebsite übersetzt Freiheit. Artur baut jedes Jahr ein Fahrzeug, mit dem er anschließend selbst auf Tour geht, um im Gelände herauszufinden, was fehlt und was sich noch verbessern lässt. Den Sprinter von der CMT hat er für sich selbst gebaut. Nach einer ersten Reise in die Pyrenäen und einer Tour Richtung Bosnien und Albanien soll es im nächsten Jahr über Kasachstan und die Mongolei an den Baikalsee gehen. Deshalb ist das Fahrzeug wintertauglich gemacht und besonders viel Aufwand steckt in der Dämmung und in den Vorräten an Strom und Wasser.
Grundlage ist ein Mercedes Sprinter 419 CDI mit Allradantrieb und 140 kW / 190 PS. Beim Sprinter 4×4 sind diese Leistungsstufe und die Neungang-Automatik 9G-TRONIC gesetzt. Eine Untersetzung gibt es nicht mehr. Artur hat mit einem sechs Meter langen Vorgänger mit gleichem Fahrwerk schon schwierige Touren gemacht und bescheinigt dem neuen Getriebe eine erstaunliche Geländetauglichkeit.
Die 419er-Basis hat Artur gewählt, weil sie mehr Spielraum beim Auflasten bietet. Das Messefahrzeug ist auf 4,5 Tonnen zugelassen und wiegt fahrbereit 3.950 Kilogramm, sodass 550 Kilogramm Zuladung bleiben. Bei Kundenfahrzeugen strebt er zumeist 4,1 bis 4,2 Tonnen an, weil nicht jeder alles braucht, was in seinem Sprinter steckt.
Vorne legt Liri Camper den Sprinter mit einem Coilover-Fahrwerk von Marquart um vier Zentimeter höher. Hinten sorgen eine Erweiterung der Blattfeder und ein zusätzlicher Stoßdämpfer dafür, dass das Fahrzeug waagerecht steht. Ab einer gewissen Gewichtsklasse kommt noch ein Luftbalg dazu. Artur geht es um ein stabiles Fahrzeug, das nicht auf jeden Seitenwind reagiert und etwas mehr Bodenfreiheit hat. Zu komplex soll die Technik aber nicht werden, weil er unterwegs mit den Mitteln reparieren können will, die Werkstätten vor Ort zur Verfügung haben.
Unten in der Front sitzt dezent versteckt eine Seilwinde von Kangaroowinch. Für eine Bergung lässt sich das Kennzeichen abnehmen und die Bergeösen sitzen gemeinsam auf einer Platte. Weil dafür ein Originalteil von Mercedes entfällt, sind die Ösen nahezu gewichtsneutral. Die Winde selbst hat Artur auf seinen Reisen bisher häufiger eingesetzt, um anderen zu helfen, als um sich selbst zu befreien. Der Unterfahrschutz stammt von XBULL.
Auf dem Dach sitzen zwei kleine Solarmodule aus den USA, die ausschließlich die Starterbatterie laden, und zwar mit höchstens 2,5 Ampere als Erhaltungsladung. Hintergrund ist die Gewährleistung. Mercedes erlaubt nicht, Strom aus einer fremden Anlage in das Bordnetz des Fahrzeugs zurückzuspeisen. Ein Ladegerät an der Starterbatterie ist dagegen zulässig. Genau so arbeitet der Solarregler, der die Module mit der Batterie verbindet. Das ist wichtig, weil die Elektronik moderner Transporter im Hintergrund Strom zieht und die Starterbatterie bei längeren Standzeiten leeren kann.
Auffällig ist auch die glatte Karosserie: Außen gibt es weder einen Einfüllstutzen noch eine Landstromdose. Artur will so wenig Öffnungen wie möglich in die Karosserie schneiden, damit sie länger hält. Der Landstromanschluss sitzt deshalb unter der Motorhaube und Wasser wird durch die geöffnete Hecktür eingefüllt. Die Seitenfenster stammen von Carbest. Artur schätzt sie, weil sie leicht gewölbt sind wie die Karosserie des Sprinters, sodass sich um die Fenster keine Dellen bilden, die man im Licht als Verzerrung sehen würde.
Am Heck arbeitet Liri Camper mit dem Trägersystem von XBULL. An jede Hecktür kommt eine Platte, die sich nach Bedarf bestücken lässt, beim Messefahrzeug mit einer Box für Bergematerial, einer Tasche und zwei Fahrradträgern. Laut XBULL hängt der Träger an den originalen Scharnieren und an aufgeklebten Montageplatten, sodass keine Löcher in die Hecktüren gebohrt werden müssen und er sich rückstandslos wieder abnehmen lässt. Die Sandbleche haben Stifte aus Metall und werden abgeschlossen. Löst man ihre Halterungen, lässt sich das Ganze nach vorn kippen und es entsteht eine kleine Grillfläche. Weil Artur aus der Automobilbranche kommt, achtet er auf Fertigungstoleranzen: Zwischen Träger und Tür gleicht er die Platte mit Distanzscheiben aus, damit sich die Spannungen von Träger und Tür nicht gegenseitig belasten und die Scharniere geschont werden.
Seitlich sitzen an der Karosserie zwei sogenannte Ohren, die Campany aus Herten auf Arturs Wunsch gebaut hat. In einem Sprinter kommt man mit solchen Ausstellern bei ordentlicher Dämmung sonst auf etwa 1,30 Meter Bettbreite. Da beim Sieben-Meter-Sprinter die Schiebetür nicht im Weg steht, konnten links und rechts gleich tiefe Ohren eingebaut werden. So entsteht quer eine Liegefläche von 198 x 150 Zentimetern. Die Ohren sind aus Aluminium, weil sich Artur auf engen Pässen schon an entgegenkommenden Fahrzeugen vorbeigezwängt hat. Bei einem Kontakt bekommt Aluminium nach seiner Erfahrung eine Delle, mit der man weiterfahren kann. GFK bekommt dagegen einen Riss, um den man sich sofort kümmern muss.
Gedämmt ist der Sprinter mit VANUE, einem Dämmstoff, der speziell für den Vanausbau entwickelt wurde. Artur nutzt ihn seit etwa zwei Jahren, vor allem weil er geruchsneutral ist. Unter der Decke liegen 40 Millimeter, in den Ohren weniger, aber ohne Wärmebrücke. Die Türen dämmt er nur in Teilbereichen, weil in die Türen viel Wasser gelangt. Für Hecktür und Schiebetür gibt es selbst genähte Insektenschutze mit Reißverschluss, gegen die im Winter Isolier-Inlays getauscht werden. Auch der Boden ist gedämmt und schwimmend verlegt, also nicht mit der Karosserie verklebt. Rostet der Boden in einigen Jahren, lässt er sich freilegen und schweißen, ohne dass brennbares Material im Weg ist.
Hinter den Hecktüren liegt ein großer Auszug, den Liri Camper seit zwei Jahren verbaut. Er wird mit Euroboxen bestückt, die man im Haus packt und nur noch hineinstellt. Weil der Allradsprinter recht hoch ist, kommt einem der Auszug entgegen. Die Technik dahinter bleibt jederzeit zugänglich. Auf der anderen Seite befinden sich die Außendusche und der Wassereinfüllstutzen und die Wasserpumpe lässt sich direkt dort einschalten.
Das Herzstück der Autarkie ist die Wasseraufbereitung AUTARX von Carawater, die das Grauwasser per Umkehrosmose wieder zu Trinkwasser aufbereitet. Die Membran ist so fein, dass eine Pumpe das Wasser mit 5,5 bar hindurchdrücken muss. Laut Carawater durchläuft das Wasser fünf Stufen bis zu einer Hohlfasermembran mit UV-C-Entkeimung. Zusätzlich wird der Tank nach Arturs Angabe mehrmals am Tag mit UV-Licht bestrahlt. Im Sprinter steckt die kleinste Variante, die nach Herstellerangaben bis zu 30 Liter pro Stunde schafft. Nach etwa vier Stunden ist der 80-Liter-Tank laut Artur wieder voll. So kommen rechnerisch rund 800 Liter Wasser zusammen, ohne dass man eine Wasserstelle anfahren muss.
Gespült wird die Anlage automatisch und die Filter halten je nach Modell 8.000 bis 10.000 Liter. Artur weist aber darauf hin, dass man mit dem System umgehen können muss. Das System muss regelmäßig laufen, weil Wasser nicht lange im Filter stehen darf. Eine intelligente Pumpe erkennt Lecks und schaltet sich dann selbst ab. Der Grauwassertank fasst 90 Liter. Geleert wird er über einen Kugelhahn, dessen Taster im Fahrerhaus sitzt: über den Gully fahren, Taster drücken, warten und weiterfahren. Diese Lösung ist bei Liri Camper Standard, seit Artur mit seinem ersten Fahrzeug in Italien in einen Gully steigen musste, um einen Schieber zu öffnen.
Für Strom sorgen 1.200 Amperestunden Lithium-Eisenphosphat. Die Elektrik mit Komponenten von Victron sitzt gut zugänglich hinter einer Klappe. Geheizt wird mit zwei Dieselheizungen Autoterm 2D. Die erste sitzt unter dem Sitzpodest im Fahrerhaus, die zweite im Heck direkt am Bett. Diese zweite Heizung beheizt auch den Warmwasserboiler, der sich zusätzlich elektrisch betreiben lässt, und lässt sich nachts vom Bett aus starten oder herunterregeln, wenn es zu kühl oder zu warm wird.
Gegen Hitze setzt Artur nicht auf eine Klimaanlage, die viel Energie braucht und im autarken Betrieb nur wenige Stunden läuft. Er setzt auf die 40 Millimeter Dämmung, die das Fahrzeug auch im Sommer langsamer aufheizen lässt, auf einen Dachlüfter und auf das Aufstelldach. Dessen Stoffwände lassen sich zu allen vier Seiten öffnen, sodass das warme Luftpolster unter der Decke abziehen kann.

Im Innenraum zeigt sich die eigene Tischlerei. Die Eiche wird als Furnier selbst gepresst, auch die runden Formen entstehen in der eigenen Werkstatt. Alle Echtholzflächen lackiert Liri Camper mit einem UV-beständigen Lack, auf den der Hersteller nach Arturs Angabe fünf Jahre Garantie gibt. Der Grund: Geölt wird helle Eiche dunkler und mit der Zeit reagiert das Holz außerdem mit dem Sonnenlicht. Mit Lack bleibt sie so hell, wie sie geplant war.
Die Möbel sind gezapft, ohne dass die Zapfen an den sichtbaren Flächen durchstoßen. Wo Winkel nötig sind, werden alle Löcher vorgebohrt und Euroschrauben verwendet. Mit der Karosserie sind die Module über Airline-Schienen metrisch verschraubt. Jedes Modul lässt sich einzeln ausbauen und in ein anderes Fahrzeug umsetzen. Genau das hat Liri Camper bei einem Unfallfahrzeug getan: Die Karosserie wurde neu aufgebaut und die Möbel aus dem alten Fahrzeug kamen wieder hinein. Nur ein Hängeschrank musste neu gefertigt werden. Die Türen der Oberschränke halten ohne Verriegelung mit Magnet und Softclose. Artur packt dort nur leichte Dinge hinein. Eine Müslipackung drückt die Tür nach seinen Worten nicht auf.
Die Sitze im Fahrerhaus sind Originalsitze von Mercedes, die Liri Camper in eigener Werkstatt mit Leder bezieht. Das Licht lässt sich zwischen warm und kalt umschalten und über frei programmierbare Taster steuern, die per Bluetooth verbunden sind. Jeder Kunde bekommt seine Konfiguration als Datei und kann jeden Taster später über eine App selbst neu belegen. Am Bett gibt es einen Taster für einen gedimmten Nachtmodus, mit dem man nachts niemanden weckt.
Zu Liri Camper geführt hat uns vor allem der Tisch, denn in ihm steckt ein Bildschirm. Liri Camper hat die Form des 24-Zoll-Monitors in die Tischplatte aus Eiche gefräst und ihn dort eingelassen, sodass Tisch und Monitor eine Einheit bilden. Daneben hat der Laptop eine eigene Mulde in der Platte. Der Tisch lässt sich drehen, absenken und verschieben und wird so zu einem vollwertigen Arbeitsplatz. Der Monitor hat ein Gehäuse aus Aluminium und braucht keine Lüftung. Den Tisch gibt es bei Liri Camper nur zusammen mit dem eigenen Monitor.
Geschlafen wird unten im Querbett mit 198 x 150 Zentimetern und oben im Aufstelldach von Campany, das nach hinten aufgeht und eine Liegefläche von 214 x 122 Zentimetern bietet. Eine Leiter braucht es nicht: Eine Schublade dient als Stufe zum Bett und eine weitere Stufe am Bett führt ins Dach. Das Dach hat Moskitonetze an allen Seiten und ein Winter-Inlay für innen. Seine Deckelplatte aus einer Aluminiumwabe ist nach Angaben von Campany im geschlossenen Zustand begehbar. Weil der Rahmen verschraubt ist, lässt sich das Dach wieder abnehmen. Hinten ist eine rund einen Meter lange Dachterrasse mit rutschfesten Aluminiumdielen angebaut. Die Stehhöhe liegt bei etwa 1,90 Metern. Das Bad befindet sich noch in der Entwicklung. Das Bad bekommt eine eigene Duschwanne, die eine Infrarotheizung von unten wärmt. Dort soll eine Clesana X1 eingebaut werden.
Einen festen Listenpreis gibt es bei Liri Camper nicht, weil jedes Fahrzeug ein Unikat ist. Artur nennt aber drei Stufen. Der Ausbau eines Sieben-Meter-Sprinters 4×4 beginnt bei rund 120.000 Euro, dazu kommt das Basisfahrzeug. Neben der Einrichtung muss dabei auch am Fahrzeug selbst einiges gemacht werden. Dafür gibt es lackierte Echtholzflächen und eine reine Elektroküche mit Induktion. Unter 600 Amperestunden baut Liri Camper in der Regel keine Fahrzeuge mehr und ein Frischwassertank mit 80 Litern ist immer dabei. Der größte Tank fasst 110 Liter und passt nur in Fahrzeuge mit Längsbetten.
Ein gut ausgestatteter Sieben-Meter-Sprinter, voll geländegängig und mit Änderungen am Fahrwerk, liegt inklusive Basisfahrzeug zwischen 220.000 und 260.000 Euro. Für das Messefahrzeug mit Umkehrosmose, runden Formen und eigens gepresstem Furnier berechnet Liri Camper komplett mit Basisfahrzeug ab 285.000 Euro. Je nachdem, was angepasst werden muss, rechnet Artur mit höchstens 320.000 Euro.
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