Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit VanWeekend vorgestellt.
Der VanWeekend AJOSS 600 ist ein Kastenwagen auf dem Fiat Ducato, in dem fast die ganze vordere Hälfte zwei Sofas mit zusammen rund vier Metern Sitzfläche gehört. Die Küche sitzt dafür im Heck. Pascal Rottinger, damals Geschäftsführer von VanWeekend, hat ihn uns auf der CMT 2026 in Stuttgart vorgestellt. Der AJOSS 600 kostet ab 89.990 Euro und das ausgestellte Fahrzeug rund 105.000 Euro.
Die meisten Kastenwagen mit sechs Metern Länge folgen einem bekannten Muster. Vorne sitzt man an einer Dinette aus den gedrehten Fahrerhaussitzen und einer Sitzbank und im Heck liegt ein festes Bett. Viele Kunden, die bei VanWeekend anfragen, suchen nach Pascals Erfahrung aber gerade etwas anderes. Deshalb hat die Manufaktur den Grundriss für den AJOSS 600 neu gedacht.
Hinter dem Fahrerhaus steht an jeder Seitenwand ein Sofa, das eine zwei Meter lang und das andere 1,85 Meter. VanWeekend spricht vom Loungebereich, denn hier soll man sich auch an einem Regentag gern den ganzen Tag aufhalten. In der Mitte folgt das Bad und ganz hinten sitzt die Küche mit einer Zeile von 1,20 Metern. Vom Fahrerhaus bis zu den Hecktüren bleibt der Blick frei und dadurch wirkt der Van innen länger, als er ist. Viele Messebesucher halten ihn nach Pascals Worten für ein Fahrzeug mit 6,40 Metern.
VanWeekend sitzt in Neustadt an der Weinstraße und baut sowohl Einzelstücke nach Kundenwunsch als auch eigene Serienfahrzeuge. Pascal hatte die Geschäftsführung vom Gründer Aaron Steinrock übernommen und kümmerte sich selbst um Vertrieb und Kundenberatung. Im Jahr 2025 hat VanWeekend knapp 50 Fahrzeuge ausgebaut, dazu kamen kleinere Projekte und Teilausbauten. Die Möbel werden im eigenen Haus geplant und auf der CNC-Fräse gefertigt.
Der AJOSS 600 gehört zur Serie und kommt immer komplett von VanWeekend, so dass dafür kein mitgebrachtes Fahrzeug ausgebaut wird. Als Basis dient meist der Fiat Ducato und auf Wunsch auch der baugleiche Peugeot Boxer oder Citroën Jumper. Der Van ist für zwei Personen ausgelegt.
Mit einer Doppelsitzbank im Fahrerhaus und einem Aufstelldach können auch drei reisen. Beim ausgestellten Fahrzeug handelte es sich noch um einen Prototyp auf einem Ducato des Modelljahrs 2024.
Unter beiden Sofas stecken Schwerlastauszüge. Zieht man das Sitzteil samt Hocker heraus, wird aus den beiden Bänken eine Sitzgruppe, an der man sich gegenübersitzt. Die Auszüge sind freitragend, so dass man sich auch ganz vorne auf die Kante setzen kann, ohne dass etwas nachgibt. Auf den beiden Sofas sitzen sechs Personen entspannt. Mit den gedrehten Sitzen im Fahrerhaus passen, wenn man es darauf anlegt, sogar acht Leute in den Van.

Der große Tisch lässt sich über einen Spanner in der Höhe verstellen und auch zu den Sitzen im Fahrerhaus hinüberstellen. Wer allein oder zu zweit unterwegs ist, kann hier gut am Laptop arbeiten. Während der Fahrt steckt der Tisch in einer Halterung hinter dem Fahrersitz und der Sitz lässt sich trotzdem weit genug nach hinten schieben.
Unter dem Sofa liegen neben den Auszügen zwei Schubladen, auf der gegenüberliegenden Seite eine große Schublade. Die Wände sind mit Filz verkleidet und in die Fensterrahmen sind Schnüre eingespannt, hinter die man etwa Gartenkräuter stellen kann.
Die Fenster beschafft VanWeekend selbst und importiert sie direkt aus China. Sie sind für Wohnmobile zugelassen, liegen flach an der Karosserie an und lassen sich von innen zusätzlich verriegeln, was den Einbruchschutz erhöht. Im Rahmen sitzen ein Fliegengitter und eine Verdunklung, beide in Schwarz. Gedämmt ist der Aufbau rundum mit 19 Millimeter starkem Material. Das Licht lässt sich über das Funksystem Connect Mesh von Häfele per Taster oder App schalten und dimmen.
Ein Van ist immer ein Kompromiss zwischen Sitzen und Schlafen. Ein festes Bett ist abends sofort bereit, nimmt aber den ganzen Tag einen großen Teil der Länge ein. Der AJOSS 600 geht den anderen Weg und baut das Bett jeden Abend aus der Lounge. Für den Umbau nennt Pascal rund zwei Minuten.
Dafür zieht man beide Auszüge vollständig heraus, bis sie sich in der Mitte treffen, und legt die Polster auf. Die Lehnenpolster stecken tagsüber in Taschen an der Rückwand, wo sie fest und stabil sitzen. Am Ende liegen zwei Personen auf 170 mal 200 Zentimetern über die komplette Innenbreite. Für die Serie will VanWeekend die Polster noch passgenauer fertigen. Wer mag, legt zusätzlich einen Topper darüber.
Wer allein reist, muss nicht das ganze Bett bauen. Pascal empfiehlt dafür, nur eine Seite auszuziehen und den Hocker stehen zu lassen. So kommt man weiterhin bequem ins Bett hinein und wieder heraus. Für mehr Schlafplätze bietet VanWeekend ein Aufstelldach mit Beleuchtung und Matratze an.
Das Bad in der Mitte ist schlicht gehalten und hier darf alles nass werden. Einen Duschvorhang braucht es deshalb nicht. Die Tür ist aus Acrylglas und schließt wie eine Duschtür zu Hause mit einer Magnetdichtung. Unten sitzt zusätzlich ein Schwallprofil, damit Wasser, das an der Tür herunterläuft, in der Dusche bleibt. Beide Dichtungen sind nur aufgesteckt und lassen sich nach ein paar Saisons einfach durch neue aus dem Baumarkt ersetzen.
Weil die Duschtasse etwas tiefer sitzt, beträgt die Stehhöhe im Bad 194 Zentimeter und im übrigen Innenraum 192. Das Waschbecken ist aus Keramik und rechts daneben sitzt die Duscharmatur aus Edelstahl. Den Duschschlauch klinkt man über eine Schnellkupplung aus, damit während der Fahrt nichts klappert. Mit demselben Schlauch kann man auch draußen am Heck duschen.
Überall im Fahrzeug, auch in der Dusche, bleiben die Kanten des Holzes sichtbar. Das Holz ist wasserfest verleimt und quillt deshalb nicht auf. VanWeekend hat das selbst getestet und ein Stück drei Monate lang in einen Eimer mit Wasser gelegt. Verändert hat sich danach nur die Oberfläche der Kante, die etwas rauer wurde.
Im ausgestellten Fahrzeug stand eine Komposttoilette von Helipott mit elektrischem Rührwerk. Ebenso baut VanWeekend eine Trelino oder eine Clesana ein, entweder die feststehende C1 oder die X1. Da die Manufaktur kein Loch in die Karosserie schneidet, gibt es keine Kassettentoilette. Mit dem Modelljahr 2026 soll außerdem ein Kleiderschrank ins Bad kommen, der 15 Zentimeter über der Toilette beginnt. Bisher gibt es ihn nur als Visualisierung auf der Website.
Im Heck steht die Küche mit einer Zeile von 1,20 Metern. Eingelassen ist ein großes Spülbecken von Queensize Camper in der Größe L. Gekocht wird auf einem Induktionsfeld von PCS mit 1.900 Watt, die entweder auf eine Platte gehen oder sich auf zwei Töpfe aufteilen. Viele Induktionsfelder schalten nach Pascals Erfahrung beim Kochen ständig an und aus, was den Wechselrichter mit Stromspitzen belastet. Das PCS-Feld nimmt die Energie nach Herstellerangaben dagegen pulsfrei auf.
Der Kühlschrank von Dometic fasst nach Herstellerangaben 70 Liter und lässt sich von beiden Seiten öffnen, bei geöffneten Hecktüren also auch von außen. Dazu kommen ein Apothekerauszug für Flaschen und ein ausschwenkbarer Mülleimer. Die Wasserpumpe erreicht man über eine Serviceklappe am Heck. Muss an Heizung oder Boiler etwas gemacht werden, löst man ein paar Schrauben und schiebt den gesamten Küchenblock in den Gang.
Der AJOSS 600 fährt komplett ohne Gas, alles läuft elektrisch. Das ausgestellte Fahrzeug hatte noch eine Lithiumbatterie mit 160 Amperestunden und einen Wechselrichter mit 3.000 Watt. Seit dem Modelljahr 2026 steckt serienmäßig ein Power Hub von EcoFlow im Fahrzeug. Der Power Hub bringt eine Lithiumbatterie mit 166 Amperestunden, einen Wechselrichter mit 3.600 Watt und zwei Solarladeregler mit je 800 Watt mit. Gegen Aufpreis wächst die Batterie auf 416 Amperestunden und damit rund fünf Kilowattstunden. Über das Display und die App des Power Hub hat man auch die Füllstände der Tanks im Blick.
Geheizt wird mit einer Dieselheizung von Autoterm mit 2 Kilowatt. Für einen Sechs-Meter-Van reicht sie nach den bisherigen Rückmeldungen der Kunden gut aus. Für den Winter gibt es ein Paket für 799 Euro. Das Paket enthält einen größeren Boiler mit neun Litern und eine Heizung für den Frisch- und den Abwassertank unter dem Fahrzeug, die 79 und 75 Liter fassen.
VanWeekend kauft die Ducatos direkt bei Stellantis ein und kann dadurch nach Pascals Worten einen günstigeren Preis anbieten. Beim Basisfahrzeug stehen alle Optionen offen, die Fiat anbietet. Damit die Auswahl leichter fällt, hat VanWeekend eigene Pakete zusammengestellt. In der Basis steckt ein Motor mit 103 kW und 140 PS und Schaltgetriebe, auf Wunsch gibt es 180 PS und eine Automatik. Fahrbereit wiegt der AJOSS 600 ab 2.800 Kilogramm, bei 3.500 Kilogramm zulässiger Gesamtmasse.
Außen bleibt der Ducato weitgehend original. Felgen von Borbet und All-Terrain-Reifen wie am ausgestellten Fahrzeug sind Optionen, ebenso ein anderes Fahrwerk. Auch die Markise kostet extra, weil manche Kunden sie nur zwei- oder dreimal im Jahr nutzen und deshalb darauf verzichten. Alternativ lässt sich eine Kederschiene für ein Tarp montieren. Für die Trittstufe setzt VanWeekend zum Beispiel den Slide-Out Step von Thule ein. An der Schiebetür sitzt ein Insektenschutz von Dometic, das Modell FlyTec.
Der AJOSS 600 kostet ab 89.990 Euro. Darin sind Lithiumbatterie, Wechselrichter, Solar und Insektenschutz bereits enthalten. Mit 180 PS und Automatik, Markise und Trittstufe liegen die meisten Bestellungen nach Pascals Erfahrung bei rund 105.000 Euro. So viel kostet auch das ausgestellte Fahrzeug. Das Aufstelldach kostet 9.990 Euro extra. VanWeekend arbeitet außerdem daran, den Grundriss im Mercedes Sprinter unterzubringen, der oben enger zuläuft. Diese Version soll ohne Allrad bei rund 125.000 Euro beginnen.
Hast Du einen Fehler im Artikel entdeckt? Dann freuen wir uns über Deinen Hinweis.