Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit Mostvanted vorgestellt.
Der Mostvanted Wanderer ist ein Allrad-Kastenwagen auf dem Sieben-Meter-Sprinter, in dem ein Heckbad und eine Heckgarage zusammen Platz finden. In die Garage passen sogar zwei Fahrräder. Gründer und Geschäftsführer Tino Langner hat uns das Kundenfahrzeug auf der Abenteuer & Allrad 2026 vorgestellt. Das Einzelstück kostet rund 300.000 Euro.
Mostvanted sitzt in Krauthausen bei Eisenach. Wer dort einen großen Kastenwagen bauen lässt, bekommt immer den Mercedes Sprinter empfohlen, denn für Tino gibt es dazu keine Alternative. Der Wanderer, so heißt dieses Projekt, steht auf einem Sprinter 419 CDI mit 140 kW und 190 PS. Mit der Länge L3 und der Höhe H2 gehört er zur Sieben-Meter-Klasse. Allradantrieb ist bei Mostvanted keine Bedingung. Passt das Konzept, baut die Manufaktur auch einen Sprinter mit Heckantrieb aus.
Von außen fällt zuerst die schwarze, raue Oberfläche an Stoßstange, Grill, Motorhaube, Radläufen und den unteren Anbauteilen auf. Hierbei handelt es sich um Raptor-Lack. Die Beschichtung auf Urethanbasis ist nach Herstellerangaben besonders kratzfest und so elastisch, dass sie Schläge aushält, ohne zu reißen. Mostvanted setzt sie überall dort ein, wo das Fahrzeug mit Steinen, Schlamm und Gestrüpp in Berührung kommt. Wer viel unterwegs ist oder in der Kolonne fährt, hat nach Tinos Erfahrung schon nach ein bis anderthalb Jahren zahlreiche Steinschläge in der Motorhaube. Solche Schäden nachträglich zu beheben ist aufwendiger, als die Haube von Anfang an zu schützen.
In der Front steckt eine versteckte Seilwinde mit einem UltraHook von Factor 55, denn der Kunde wollte eine möglichst unauffällige Variante. Bei den Zusatzscheinwerfern setzt Mostvanted auf den schwedischen Hersteller Strands. Der Schnorchel ist in erster Linie für saubere Luft da. Er saugt hoch über dem Radkasten an, wo weniger Staub vom Vordermann ankommt. Ein Zyklonfilter schleudert grobe Partikel heraus, bevor die Luft zum Motor gelangt.
Die lila Federn gehören zum Fahrwerk, das Mostvanted selbst entwickelt hat. Nach Herstellerangaben heißt es X-PLORER und basiert auf Technik von Öhlins. An der Hinterachse sitzt eine Feder direkt um das Federbein. Deshalb braucht der Wanderer keine zusätzliche Blattfeder, was Gewicht spart und das Fahrwerk beweglicher macht. Außerdem sind die Aufnahmen an der Hinterachse um 80 Millimeter angehoben, damit unter der Achse nichts mehr hängt, was in einer tiefen Fahrrinne aufsetzen könnte.
Die Heckgarage ist 50 Zentimeter tief und trotzdem passen zwei Fahrräder hinein, nach Tinos Angaben auch Mountainbikes. Dafür baut man das Vorderrad aus und stellt den Lenker quer. Die Halter hat Mostvanted eigens für diese Garage entwickelt. Die Halter lassen sich fast stufenlos nach unten und zur Seite verschieben und so auf Rahmengröße und Form des Rades einstellen.
An der Rückwand der Garage sitzt ein Schuhtrockner, den Mostvanted an die Heizung angeschlossen hat. Der Trockner ist aus eigenem Interesse entstanden, denn das Team ist selbst viel im Winter unterwegs. Dabei hat es gemerkt, wie schwierig es ist, nasse Schuhe über Nacht wieder trocken zu bekommen. Also hat Mostvanted einen eigenen Schuhtrockner konstruiert, der mit der warmen Luft der Heizung arbeitet. Braucht man im Sommer mehr Platz in der Garage, löst man vier Inbusschrauben und nimmt ihn heraus. Ein Adapter verschließt dann den Heizungsschlauch.

Ebenfalls im Heck liegt der Technikschrank. Mostvanted hat ihn so angelegt, dass man stehend daran arbeiten kann und nichts ausräumen muss, um an eine Sicherung zu kommen. Jedes Bauteil trägt einen Code, damit sich die Besitzer auch im Notfall schnell zurechtfinden. So lässt sich nach Tinos Angaben jedes Teil in wenigen Minuten tauschen. Bei der Elektrik arbeitet Mostvanted mit Victron, weil die Geräte gut mit den übrigen Komponenten zusammenspielen.
Die Anbauten an den Hecktüren stammen ebenfalls von Mostvanted, darunter ein Multiträger und ein Ersatzradträger für die gängigen Reifengrößen. Um mehr Fläche zu gewinnen, baut Mostvanted seine Träger asymmetrisch. Die Träger reichen deshalb über die Mitte der Tür hinaus und verdecken den Türgriff. Geöffnet wird die Tür darum über eine kleine Schlaufe.
Auf die Frage, wie stark sich die Hecktüren belasten lassen, nennt Tino als grobe Richtung 70 bis 80 Kilogramm pro Tür. Wer viel über Schotter oder Wellblech fährt, belastet die Türen durch die ständigen Stöße allerdings deutlich stärker als auf der Straße.
Der Wanderer kommt ohne Gas aus: Gekocht wird auf einem Induktionsfeld und die Heizung ist eine Truma Combi D 4 E, die mit Diesel läuft. Für Tino überwiegen bei einem Fernreisefahrzeug die Vorteile eines gasfreien Ausbaus deutlich. Den Strom für das Induktionsfeld liefern Solaranlage und Lichtmaschine. So braucht der Wanderer neben dem Diesel im Tank keinen weiteren Energieträger. Wer gern brät oder grillt, macht das nach Tinos Empfehlung aber besser draußen, damit sich der Geruch nicht im Innenraum festsetzt. Die Sandbleche dienen dann als Halter für eine Grillstation vor der Schiebetür.
Verbaut ist eine Batterie mit 480 Amperestunden. Wer mehr Reserve braucht, kann eine zweite Batterie gleicher Größe ergänzen und kommt dann auf 960 Amperestunden. Dazu gehört ein Wechselrichter von Victron in der 3000er-Ausführung. Wie groß Batterie und Solaranlage ausfallen, rechnet Mostvanted für jeden Kunden einzeln aus. Entscheidend ist dabei, ob jemand viel fährt, lange an einem Ort steht oder im Fahrzeug arbeitet. Auf dem Aufstelldach klebt ein Panel mit 150 Watt. Weil das Dach je nach Stellplatz von der Sonne wegzeigt, gehört ein mobiles Faltpanel mit zehn Meter langem Kabel dazu. Dieses Panel stellt man dorthin, wo die Sonne scheint, auch wenn das Fahrzeug selbst im Schatten parkt.
Beim Wasser ist der Wanderer ganz auf den Winter ausgelegt. Der Frischwassertank fasst 145 Liter und liegt unter dem Bett im beheizten Innenraum. Der Tank ist so eingebaut, dass die warme Raumluft an ihn herankommt. Direkt dahinter verlaufen die Heizungsrohre. Viele Ausbauer setzen den Tank ins Heck. Mostvanted hält das Heck lieber für Gepäck frei, weil man dort am schnellsten an die Ladung kommt. Deshalb sitzt der Tank zentral nahe der Achse. Beim Wiegen vor der Abnahme unterscheiden sich Fahrer- und Beifahrerseite nach Tinos Angaben um weniger als 50 Kilogramm.
Beim Abwasser geht Mostvanted einen eigenen Weg. Üblich ist ein Abwassertank unter dem Fahrzeugboden, in dem sich das Wasser aus Spüle und Dusche sammelt. Steht man bei minus 15 oder minus 20 Grad in den Bergen, friert so ein Tank leicht ein. Im Wanderer läuft das Spülwasser deshalb in einen Puffertank mit 35 Litern, der im Küchenschrank und damit im Warmen sitzt. Normalerweise ist sein Ablauf offen und das Wasser fließt direkt nach draußen. Steht man in der Stadt und möchte keine Pfütze unter dem Auto hinterlassen, schließt man den Ablauf per Knopfdruck am Cockpit. Dann sammelt der Tank bis zu 35 Liter und die Anzeige von Simarine zeigt, wie voll er ist.
Alles übrige Wasser läuft über einen zentralen Ablauf am Heck ab. Dazu gehören das Duschwasser, der Überlauf, der Frostwächter der Heizung und die Ablassventile der Tanks. Nach Tinos Angaben ist dieser Ablauf vollständig frostsicher und sehr wartungsarm. Wer das Duschwasser auffangen möchte, hängt einen Falteimer mit 30 Litern darunter. Im Winter gefriert das Wasser darin über Nacht und am Morgen kippt man den Eisklumpen einfach aus.
Die Grundidee des Wanderer ist ein offener Raum ohne Badkabine in der Mitte. In vielen Kastenwagen trennt die Badkabine den Wohnbereich vom Bett im Heck. Das hat Tino und sein Team schon lange gestört, auch aus praktischen Gründen. Eine Duschkabine nimmt unten viel Grundfläche ein, obwohl man den meisten Platz auf Schulterhöhe braucht. Im Wanderer liegt das Bad deshalb ganz hinten und vom Fahrersitz reicht der Blick durch das ganze Fahrzeug.
Wie genau Mostvanted dämmt, verrät Tino nicht. Er sagt aber, dass zwei Mitarbeiter zwei Tage lang nur mit der Dämmung beschäftigt sind. Der Aufwand hat einen Grund: Das Blech eines Kastenwagens ist nur rund 0,8 Millimeter dick. Bei minus 20 Grad draußen und plus 15 Grad drinnen bildet sich an so dünnem Metall schnell Feuchtigkeit. Die Scheiben im Fahrerhaus deckt Mostvanted im Winter von außen mit Thermomatten von Project Camper ab. Matten auf der Innenseite hält Tino für ungeeignet, weil sich zwischen Matte und Scheibe sonst eine Eisschicht bildet.
Die Möbel baut Mostvanted vollständig selbst, bevorzugt aus Eiche. Die Schubladen sind mit Fingerzinken verbunden. Wo Flächen bezogen sind, verwendet die Manufaktur reinen Wollfilz. Der Boden besteht aus handgehobelter skandinavischer Wildeiche mit 17 Millimetern Stärke. Gefräste Luftauslässe verteilen die warme Luft der Heizung flächig, so dass man auch im Winter auf Socken angenehm sitzt. Über dem Cockpit gibt es eine große, belüftete Ablage, die an die Gepäckablagen alter Eisenbahnwagen angelehnt ist. Die Sitzgruppe bietet vier eingetragene Sitzplätze.
Die Küche ist mit ihrer Verlängerung rund 2,20 Meter lang. Damit bleibt auch Platz für eine Kaffeemaschine, ohne dass die Arbeitsfläche knapp wird. Vorn und hinten ist die Arbeitsplatte schmaler als in der Mitte am Spülbecken, so dass man sich im Durchgang am Sitz vorbeischieben kann. Gekühlt wird an zwei Stellen. Im Eingang steht ein Kühlschrank mit 50 Litern, an den man auch von draußen herankommt, wenn man vor der Tür kocht oder sitzt. Dazu kommt eine Kühlschublade mit 30 Litern, die sich bis auf minus 18 Grad herunterkühlen lässt und damit auch als Gefrierfach taugt.
In der Mitte des Fahrzeugs ist an der Wand eine zwei Meter lange Couch eingebaut. Nimmt man die Rückenpolster ab, wird sie zu einem Einzelbett mit 80 Zentimetern Breite, etwa für Alleinreisende oder für Reisende mit Hund. Für zwei Personen zieht man den Holzauszug heraus und bekommt eine Liegefläche von 198 mal 135 Zentimetern. Auch bei ausgezogenem Bett lassen sich Küche und Bad weiter nutzen. Der Wanderer funktioniert so auch ganz ohne Aufstelldach.
Das Aufstelldach baut Campany für Mostvanted. Das Dach klappt nach hinten auf, was in üblichen Grundrissen kaum möglich ist, weil dort Bett und Badkabine im Heck den Durchstieg versperren. Oben liegt man auf 214 mal 122 Zentimetern und nach vorne tritt man aus dem Dach auf eine kleine Dachterrasse. Von außen erreicht man sie über eine Leiter, die auf einer Schiene läuft und sich wie eine Bibliotheksleiter zur Seite schieben lässt. Zum Kühlen setzt Mostvanted in diesem Konzept auf Durchzug über Schiebetür und Aufstelldach. Eine Klimaanlage verbraucht nach Tinos Worten viel Energie und sobald man die Schiebetür öffnet, ist die gekühlte Luft in wenigen Minuten verschwunden. Als ein Fahrzeug mit diesem Grundriss bei 35 Grad in der prallen Sonne stand, lag die Temperatur innen nach seinen Angaben bei 25 bis 26 Grad.
Das Heckbad liegt etwas tiefer als der übrige Boden, damit man aufrecht darin stehen kann. Im Wohnraum beträgt die Stehhöhe 1,92 Meter. Die Toilette von Clesana ist fest eingebaut und lässt sich zum Duschen zur Seite drehen. Die Clesana verschweißt die Hinterlassenschaften in Folienbeutel und kommt ohne Wasser und Zusätze aus. In der Duschwanne aus Edelstahl liegt ein Rost aus Eiche und ein Dachlüfter zieht die Feuchtigkeit nach draußen ab. Durch ein Bullauge in der Rückwand lässt sich das Bad lüften. Dahinter hängt in der Heckgarage ein Wäschesack für die schmutzige Kleidung. Die Pendeltür öffnet in beide Richtungen, so dass man auch bei ausgezogenem Bett ins Bad kommt. Ein Vorhang aus Gewebe vor der Tür hält beim Duschen das Spritzwasser im Bad.
Mostvanted verkauft keine fertigen Modelle. Ein Fahrzeug wird erst gebaut, wenn das Projekt mit dem Kunden vollständig geplant ist. Auch der Wanderer ist ein Kundenfahrzeug, das nach der Messe übergeben werden sollte. Einen Einstiegspreis gibt es deshalb nicht. An einem Fahrzeug arbeiten nach Tinos Angaben rund 19 Mitarbeiter nacheinander und insgesamt kommen dabei 600 bis 1.200 Arbeitsstunden zusammen.
Für den Wanderer nennt Tino einen Preis von rund 300.000 Euro. Fahrbereit wiegt er 3.960 Kilogramm bei einer technisch zulässigen Gesamtmasse von 4.400 Kilogramm. Wer mehr Zuladung braucht, kann den Ausbau auch auf einem Sprinter 519 CDI bekommen, den Mostvanted als Fünftonner zulässt.
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