Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit bimobil vorgestellt.
Längsbetten im Alkoven, dahinter Bad und Küche, im Heck eine Rundsitzgruppe: An diesem Grundriss hat bimobil seit 2000 nichts geändert. Auf der Abenteuer & Allrad 2026 hat uns Geschäftsführer Stefan Christner den LB 365 auf Mercedes Sprinter vorgestellt. Der LB 365 startet bei 198.811 Euro. Das ausgestellte Fahrzeug kostet 246.208,80 Euro.
Schon der Name verrät das Konzept. LB steht für Längsbetten und die 365 für die Grundlänge der Wohnkabine in der Urversion, die 3,65 Meter maß. bimobil hat den Grundriss 1995 entwickelt und seit 2000 als Serienmodell im Programm. Auf dem Sprinter ist die Kabine heute 3,80 Meter lang. An der Anordnung hat sich in all den Jahren nichts geändert: vorne im Alkoven zwei Längsbetten, in der Mitte Bad und Küche, im Heck die Rundsitzgruppe.
Für Stefan ist das für zwei Personen der beste Grundriss, den man machen kann. Sein wichtigstes Argument sind die getrennten Betten, bei denen nachts niemand über den Partner klettern muss. Stefan rechnet vor, dass man bei acht Stunden Schlaf ein Drittel der Reise im Bett verbringt. An dieser Rechnung misst er den ganzen Grundriss.
Beim Datenblatt lohnt ein zweiter Blick: Dort ist das Messefahrzeug mit vier Schlafplätzen angegeben, während bimobil selbst 2 (+2) schreibt. Die beiden zusätzlichen Plätze liegen hinter der Hinterachse und entstehen erst, wenn man die Sitzgruppe umbaut. Auf längeren Reisen zu viert sollte nach Stefans Rat deshalb jeder ein eigenes Bett haben. Gedacht sind die hinteren Plätze für die zwei Wochen, in denen die Kinder mitfahren.
All das bringt bimobil auf 6,38 Metern Außenlänge unter. Zusätzlichen Stauraum bietet der Zwischenboden, in dem auch Frisch- und Abwassertank sitzen.
bimobil baut die Wohnkabine im eigenen Haus, und zwar am Stück. In einer großen Sandwich-Vakuumpresse wird zunächst ein 0,7 Millimeter starkes, bereits fertig lackiertes Aluminiumblech ausgerollt. Darauf folgen ein Spezialleim, 40 Millimeter Styrodur und drei Millimeter Sperrholz mit Innendekor. Acht Stunden lang verbackt die Presse dieses Paket dann zu einer homogenen Wand ohne jede Einlage. Weil darin nichts steckt, das Kälte leiten könnte, entstehen auch keine Kältebrücken.
Der Boden sitzt auf einem Aluminium-Gitterrohrrahmen und ist anders geschichtet. Unten liegt eine GFK-Schicht und darüber 50 Millimeter Schaum, im Expeditionsbereich sind es 60 Millimeter. Bei den 3,5-Tonnern folgt ein Zentimeter trittfester Schaum, bei den schwereren Fahrzeugen ein Zentimeter Sperrholz. Obenauf liegt ein PVC-Belag.
Zusammengesetzt wird von unten nach oben: Die Seitenwände stehen auf dem Boden und das Dach wird zwischen die Seitenwände abgewickelt. Wie stabil das Gehäuse schon ohne Möbel ist, haben Kunden gezeigt, die selbst ausbauen wollten. Sie fuhren das erste Jahr mit der leeren Kabine und einem Schlafsack auf dem Boden und bauten erst im zweiten Jahr aus.
Auch die Türen schneidet bimobil aus demselben Paneel und fertigt sie selbst. Dabei handelt es sich um die klassische Kühlkoffer-Stangenschlosstür. An den Ecken überlappen die Paneele. bimobil gibt zehn Jahre Garantie auf die Dichtigkeit. Eine jährliche Nachkontrolle braucht es dafür nicht, während sie bei den meisten Herstellern Bedingung dafür ist, dass die Garantie bestehen bleibt.
Die meisten Kabinenbauer arbeiten mit GFK, während bimobil bei Aluminium bleibt. Stefan begründet das mit einem Schaden, den man auf GFK zunächst nicht sieht. Nach einem Hagelschlag hat eine Aluminiumkabine Dellen und jeder erkennt sofort, was passiert ist. Auf GFK bleibt die Oberfläche dagegen scheinbar heil. Reißt dabei aber die Deckschicht, zieht die Glasfaser darunter Feuchtigkeit und beim nächsten Frost wird aus dem unsichtbaren Schaden ein sichtbarer.
Dazu kommen weitere Punkte: Alu-Sandwich ist leichter, das Dach lässt sich abwickeln und die Kabine wirkt als Faradayscher Käfig. GFK sei zwar steifer, aber eben auch schwerer. Dass mehr Steifigkeit überhaupt ein Vorteil wäre, bestreitet Stefan. bimobil hat Fotos von einem Reisemobil, das dreibeinig fährt und dabei ein Rad komplett in der Luft hat. Die Aluminiumkabine nimmt diese Verwindung auf, ohne Schaden zu nehmen.
Die härteste Referenz kommt aus der Mongolei. Dort war eine bimobil-Kabine auf einem alten russischen Lastwagen bei minus 50 Grad im Einsatz und hat inzwischen drei dieser Lastwagen überlebt. Auf Nachfrage meldeten die Kunden, Wände und Dach seien in Ordnung.
Für GFK spricht die einfachere Reparatur, weil sich ein Schaden ausschleifen und nachlaminieren lässt. Stefan hält dagegen, dass auch dann die ursprüngliche Struktur der Sandwichplatte unterbrochen bleibt. Bei Aluminium empfiehlt er den anderen Weg, denn Dach und Seitenwand lassen sich komplett austauschen.
Auch bei der Heizung denkt Stefan in Risiken, und zwar mit einer einfachen Formel: Risiko ist Ausfallwahrscheinlichkeit mal Schadensausmaß. Eine Warmwasserheizung mit Fußbodenheizung fällt selten aus. Platzt aber nach Tagen auf der Rüttelpiste ein Glykolrohr, ist die ganze Heizung weg. Bei einer Warmluftheizung sticht man sich dagegen leicht ein Loch in die Leitung, klebt etwas darauf und fährt weiter. bimobil baut die Warmwasserheizung deshalb zwar auf Wunsch, empfiehlt sie im Fernreisebereich aber nicht.
Das ausgestellte Fahrzeug verfügt über eine Truma Combi Neo mit integriertem Zehn-Liter-Boiler. Der Gasflaschenraum fasst zwei mal elf Kilogramm. Für Fernreisefahrzeuge sieht die Empfehlung anders aus. Als Hauptheizung dient dann eine Webasto Air Top Evo mit Diesel. In der Höhenvariante passt sie sich bis 5.500 Meter automatisch an, liefert aber kein Warmwasser. Eine Gasheizung dient als zweite Wärmequelle und das Warmwasser läuft ebenfalls über Gas.
Diese Redundanz zieht sich durch die ganze Konfiguration. Fällt das Gas aus, läuft die Dieselheizung weiter. Fällt der Strom aus, gibt es immer noch eine warme Suppe. Aus demselben Grund rät Stefan von gasfreien Fahrzeugen ab, obwohl bimobil sie bauen kann. Wer Gas nur zum Kochen nutzt, kommt nach seiner Rechnung mit einer Flasche ein halbes bis dreiviertel Jahr aus.
In den meisten Alkovenmobilen führt eine Leiter nach oben. Bei bimobil ist es eine Treppe mit breiten Stufen. Die Idee stammt vom Geschäftsführer selbst und der Firmengründer hat sie umgesetzt. Stefan nennt sie barfußtauglich und wer schon einmal barfuß auf eine Leitersprosse getreten ist, weiß, was gemeint ist. Mit zwei Schritten liegt man im Alkoven. Nebenbei steht die Treppe als Hindernis hinter der Tür, falls jemand sie aufbricht. Das Detail werde inzwischen viel kopiert, sagt er.
Die Liegeflächen im Alkoven messen zweimal 80 mal 190 beziehungsweise 198 Zentimeter. Im Wohnbereich beträgt die Stehhöhe 195 Zentimeter. Wer größer ist, bekommt ein anderes Dach. Serienmäßig hat der LB 365 einen negativen Dachknick und der Alkoven liegt damit höher als der Wohnbereich. Auf Wunsch zieht bimobil das Dach gerade durch und gewinnt so acht Zentimeter Stehhöhe. Laut Stefan bringt das keine konstruktiven Nachteile mit sich und das Fahrzeug wird lediglich insgesamt höher.
Neben dem Alkoven sitzt ein Kleiderschrank, den Stefan fast begehbar nennt. Der Schrank verfügt über einen zweiten Zugang von außen direkt hinter der Fahrertür, wo früher die Klappe der Kassettentoilette saß. Seit bimobil auf Trockentrenntoiletten setzt, ist daraus ein Stiefelfach geworden. Daneben liegt der Griff für den Abwasserablass.
Vom Heck bis unter die Sitzgruppe reicht ein durchgehendes Fach, das auf einen Kunden zurückgeht, der Fahrräder mitnehmen wollte. Lagen um das Jahr 2000 noch Surfbretter darin, passt heute ein Stand-Up-Paddle hinein. Ein Kunde, der als Industriekletterer arbeitet, ließ sich einen langen Schwerlastauszug einbauen. Erreichbar ist das Fach von hinten und über eine Klappe in der Sitzgruppe. Rutscht etwas nach vorne durch, zieht man einfach die untere Trittstufe heraus.

Der LB 365 startet bei 198.811 Euro. Dieser Preis gilt für den Mercedes Sprinter 419 CDI in der Version 4×2 mit 3.665 Millimeter Radstand. Das ausgestellte Fahrzeug kostet 246.208,80 Euro ab Werk, inklusive Mehrwertsteuer und ohne Überführung. Dazwischen liegen also rund 47.000 Euro Zusatzausstattung.
Der Allrad macht davon 6.250 Euro aus. Bei diesem Aufpreis nennt Stefan ihn fast ein Muss. Noch teurer sind die Räder: fünf Stück 265/60 R18 BF Goodrich All-Terrain KO2 auf bronzefarbenen Alufelgen für 7.036,80 Euro. Dazu kommen eine Dachreling aus 50-Millimeter-Aluminiumrohr für 3.049 Euro und der Aufpreis auf die Lithiumbatterie von 2.999 Euro.
Wer auf all das verzichtet, bekommt trotzdem ein vollständiges Fahrzeug. Ein bimobil sei schon in der Grundausstattung fahrbereit und nutzbar, betont Stefan. Es fehle keine Batterie und auch sonst nichts. Alles Weitere sei Individualisierung.
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