Dieses Fahrzeug haben wir in Zusammenarbeit mit Bruder vorgestellt.
Der Bruder EXP-7 GT ist ein Offroad-Wohnwagen aus Australien, dessen Luftfederung bis zu 30 Zentimeter Federweg bietet und ihn auf Knopfdruck waagerecht stellt. Gründer Dan Bosschieter und Camp-Impuls-Geschäftsführer Wolfgang Heise haben uns den Wohnwagen auf der Abenteuer & Allrad 2024 vorgestellt. Das gezeigte Fahrzeug kostet 190.000 Euro.
Vor rund zehn Jahren hatten Dan und Toby Bosschieter aus Brisbane eine Idee. Die Brüder wollten einen Wohnwagen bauen, der auch Ziele erreicht, an die normale Wohnwagen nicht mehr herankommen. Am Ziel sollte er trotzdem so viel Komfort bieten, dass man dort bleiben kann, so lange man möchte. Weil die beiden Brüder sind, nannten sie ihre Marke Bruder. Auf den Fahrzeugen steht der Name in Großbuchstaben als BRÜDER, also mit Ü wie die deutsche Mehrzahl. Dan hat ein paar Jahre in Deutschland gelebt und spricht noch ein bisschen Deutsch.
Angefangen hat alles mit einem Wohnwagen für die Eltern. Dan erinnert sich, wie er ihn in der Garage von Mutter und Vater geplant hat. Schon der erste Wohnwagen der Brüder trug den Namen EXP-6 und sollte ein echtes Geländefahrzeug werden. Vor allem ein Wunsch hat die Entwicklung geprägt: Die Küche sollte sich drinnen wie draußen nutzen lassen. Öffnet man eine Klappe in der Seitenwand, erreicht man die Arbeitsplatte auch von außen. Damit man dort bequem arbeiten kann, muss der Aufbau tief genug liegen. Im Gelände braucht der Wohnwagen dagegen möglichst viel Bodenfreiheit. Beides vereint eine Luftfederung, die den Aufbau absenken und wieder anheben kann. Aus dieser Idee ist das Fahrwerk entstanden, für das Bruder heute bekannt ist.

Was Bruder von anderen Herstellern unterscheidet, will Dan nicht an einem einzelnen Bauteil festmachen. Die Marke sei zwar vor allem für ihr Fahrwerk und ihre Elektrik bekannt. Entscheidend ist für Dan aber, wie alle Teile zusammenarbeiten. Ein Fahrwerk zum Laufen zu bringen, ist nach seinen Worten nicht schwer. Bruder stimmt die Stoßdämpfer aber genau auf die Federn ab und entwickelt Fahrgestell und Aufbau als Einheit. Auf dieser Grundlage lässt sich eine Elektrik einbauen, mit der man lange fernab jeder Steckdose stehen kann. Mehrere dieser Lösungen hat Bruder in vielen Ländern als Patent oder Design anmelden lassen.
Bruder fertigt ausschließlich in Australien. Den Vertrieb für ganz Europa hat Camp Impuls aus Karlsruhe übernommen. Geschäftsführer Wolfgang Heise hat sich das Werk in Brisbane selbst angesehen, damit er seine Kunden auch in technischen Details beraten kann. Als Camp Impuls den Vertrieb übernahm, waren Wolfgang zufolge schon 20 bis 30 Fahrzeuge von Bruder in Europa unterwegs, die ihre Besitzer direkt in Australien bestellt hatten. Bestellungen, die noch in Australien liefen, hat Camp Impuls übernommen und kümmert sich um die Übergabe. Aus BruderX ist inzwischen Bruder RV geworden und die Marke gehört zur Destination Unknown Group aus Melbourne. Dan und Toby sind weiter an Bord und Dan kümmert sich dort um neue Ideen. Europäischer Importeur ist weiterhin Camp Impuls.
Ein Wohnwagen für das Gelände beginnt beim Fahrgestell. Beim EXP-7 GT bestehen Rahmen und Wohnkabine aus zwei Baugruppen. Die Kabine ist komplett verklebt und als selbsttragendes Monocoque gebaut. Der Rahmen darunter besteht aus geschlossenen Stahlprofilen und ist rundum dicht. Weil kein Wasser hineinlaufen kann, rostet er auch nicht von innen. In Australien zählt das besonders, denn viele Besitzer fahren dort am Strand entlang und ihre Wohnwagen bekommen reichlich Salzwasser ab. Weil der Rahmen an vielen Stellen verstärkt ist, steckt er auch die Wellblechpisten des Outbacks weg.
Jedes der vier Räder hängt an einer eigenen Schwinge mit zwei kräftigen Stoßdämpfern. Die Federung arbeitet mit Luft und bietet bis zu 30 Zentimeter Federweg. Zusätzlich lässt sich der Aufbau über die Luftbälge anheben und absenken. Wolfgang war in Australien eine Woche lang mit dem größeren EXP-8 und einem kräftigen Geländewagen autark unterwegs, unter anderem an Küsten mit weichem Sand. Gerade dort spiele das Fahrwerk seine Stärken aus, erzählt er.

Auch auf der Straße hat Wolfgang die Erfahrung gemacht, dass vom Wohnwagen kaum Stöße im Zugwagen ankommen. Fährt der Zugwagen durch ein Schlagloch, wartet man vergeblich auf den Stoß, der hinten am Wohnwagen folgen müsste. Bei einem schnellen Spurwechsel schwenkt der EXP-7 GT kurz mit und fängt sich sofort wieder, was Wolfgang auf die kräftigen Stoßdämpfer zurückführt.
Wie viel Reserve im Fahrwerk steckt, zeigt ein Blick auf das Gewicht. Der EXP-7 GT wiegt leer rund 2,7 Tonnen und ist in Europa mit 3,5 Tonnen zugelassen. Mehr erlaubt die Anhängerklasse O2 nicht, die bei 3,5 Tonnen endet. Damit bleiben rund 800 Kilogramm für die Zuladung und der Zugwagen muss 3,5 Tonnen ziehen dürfen. Die Achslast gibt Bruder mit 5,2 Tonnen an, so dass das Fahrwerk deutlich mehr tragen könnte, als der Wohnwagen jemals wiegen darf.
Wolfgang beschreibt den Ablauf an einem schönen Platz an der Küste so: hinfahren, abhängen, Bugrad herunter, ausrichten, hineingehen und schlafen. Stützen an den Ecken kommen darin nicht vor, obwohl der Aufbau hinten ein gutes Stück über die Räder hinausragt. Der EXP-7 GT steht nur auf seinen vier Rädern und dem Bugrad an der Deichsel, das bis zu 750 Kilogramm trägt. Über das Bugrad richtet man den Wohnwagen von vorn nach hinten aus und eine Anzeige verrät dabei, wann er gerade steht. Alles andere übernimmt die Automatik. Nach einem Druck auf die Taste gleicht die Luftfederung den Rest von allein aus, bis der Wohnwagen auch auf schrägem Boden waagerecht steht. Für die Vorführung auf der Messe hatte Wolfgang ihn absichtlich rund 20 Zentimeter schief gestellt.

Dass der Aufbau ohne Stützen wackelt, wenn man sich drinnen bewegt, muss man nicht befürchten. Wolfgang zufolge sind die Stoßdämpfer auf größtmögliche Stabilität ausgelegt. Sperrt man zusätzlich einzelne Luftbälge ab, bewegt sich gar nichts mehr.
Da die Luft für das Ausrichten aus zwei Drucklufttanks kommt, braucht der Vorgang kaum Strom. Ein Kompressor füllt die Tanks danach wieder auf, ähnlich wie bei der Bremsanlage eines Lkw. Das Fahrwerk bedient man wie vieles andere über ein Bedienfeld von Garmin. Dort sieht man die Lage des Wohnwagens, die Füllstände der Tanks, Temperaturen und die Spannung der Batterie. Auch das Licht lässt sich darüber schalten und auf Wunsch leuchtet der Innenraum in warmem Orange.
Die Wände der Kabine bestehen aus einem Sandwich mit geschlossenzelligem Schaumkern und Deckschichten aus GFK. Statt GFK und Schaum einfach aufeinanderzukleben, werden beide nach Wolfgangs Worten in einem Arbeitsgang miteinander verbunden. Wer Gewicht sparen möchte, bekommt die Außenschichten gegen Aufpreis auch aus Carbon. Für das Militär und für Menschen, die besonders geschützt unterwegs sein müssen, hat Bruder sogar eigene Produktlinien mit schusssicherem Aufbau.

Außen trägt der Aufbau Raptor-Lack. Die raue Oberfläche ist sehr kratzfest, so dass ein Ast im Gelände kaum Spuren hinterlässt. Der gezeigte EXP-7 GT ist schwarz, die Farbe kann der Kunde aber frei wählen. Mit einem schwarzen EXP-8 war Wolfgang im australischen Sommer im Dezember rund um Brisbane unterwegs. Eine Klimaanlage brauche man dort ohnehin, sagt er. Im Winter kann die dunkle Farbe sogar helfen. Scheint bei null Grad die Sonne, nimmt der schwarze Aufbau ihre Wärme besonders gut auf.
Für kalte Gegenden in Europa und Nordamerika gibt es zusätzlich ein Winterpaket. Das Paket unterstützt die Heizung bei sehr niedrigen Temperaturen und bringt eine zusätzliche Dämmung mit. Außerdem beheizt es Tanks und Batterien. Dabei hilft, dass alle Tanks und die gesamte Technik innerhalb des gedämmten Aufbaus liegen.

Den EXP-7 gibt es in zwei Varianten, die gleich lang und gleich breit sind. Der gezeigte GT hat ein festes Dach. Bei ganz abgesenktem Fahrwerk ist er rund 2,59 Meter hoch, ganz angehoben rund 2,89 Meter. Der PT hat dagegen ein Hubdach und kommt abgesenkt auf 2,35 Meter. Wer oft unter niedrigen Brücken hindurch oder mit der Fähre unterwegs ist, profitiert nach Wolfgangs Einschätzung von der geringeren Höhe. Preislich ist der PT außerdem interessanter.
Gas gibt es im EXP-7 GT nicht, wie bei allen Modellen von Bruder. Wer grillen möchte, kann eine Gasflasche mitnehmen. Alles andere läuft mit Strom und das Bordnetz arbeitet dafür mit 48 Volt. Bei dieser Spannung fließt für dieselbe Leistung nur ein Viertel des Stroms wie bei 12 Volt, so dass dünnere Kabel genügen. Serienmäßig sind Lithiumbatterien mit 10,8 kWh verbaut. Im gezeigten Fahrzeug waren es mit der Zusatzbatterie rund 15 kWh. Ein Wechselrichter mit 3.000 Watt macht daraus 230 Volt. Laden lassen sich die Batterien über 1.245 Watt Solarleistung auf dem Dach, am Landstrom und während der Fahrt über den Zugwagen. Den größten Verbraucher nennt Wolfgang die Klimaanlage. Auch Induktionskochen braucht viel Leistung, die der EXP-7 GT an Bord hat.

Vom größeren EXP-8 unterscheidet sich der EXP-7 vor allem bei der Küche. Bei der Länge unterscheiden sich die beiden kaum. Der EXP-8 ist aber breiter und höher. Gedacht ist er für Menschen, die zu jeder Jahreszeit darin leben und drinnen kochen. Der EXP-7 richtet sich an Reisende, die lieber draußen sind. An der Seite lässt sich eine große Klappe nach oben öffnen. Dahinter liegt die Küchenzeile mit Spüle und Arbeitsplatte, an der man drinnen und draußen arbeiten kann. Das Induktionskochfeld ist ein mobiles Gerät, das während der Fahrt in einer Schublade liegt. Ein Fach in der Küche ist von beiden Seiten erreichbar und eignet sich für Vorräte wie Mehl und Zucker.

Vorn an derselben Seite liegt nahe der Deichsel hinter einer weiteren Klappe ein Auszug, der weit herausfährt. Darin sind Schubladen und eine Kühlbox von Engel mit Gefrierfach untergebracht, die 57 Liter fasst. Während diese Kühlbox die Küche draußen versorgt, gibt es im Wohnraum einen zweiten, fest eingebauten Kompressorkühlschrank mit 136 Litern. Darüber sitzt im gezeigten Fahrzeug eine Mikrowelle, an deren Stelle der Kunde auch ein weiteres Fach wählen kann.

Wer in den Wohnraum schaut, hält den Wagen auf den ersten Blick für endlos lang. Tatsächlich blickt man am Ende des Wohnraums auf einen Spiegel. Dahinter liegt im Heck das Bad, das eine eigene Tür nach draußen hat. Bruder nutzt diesen Raum als Schmutzschleuse. Kommt man mit sandigen und salzigen Füßen vom Strand, geht man durch die Badtür hinein und spült sich ab. Das Wasser läuft über den Boden ab und man betritt den Wohnraum sauber. Die eigentliche Eingangstür bleibt dabei geschlossen. In der Wüste bleibt auf diese Weise auch der Staub draußen.

Man duscht im ganzen Raum, so wie man es von Schiffen kennt. Da Wände und Boden aus einem einzigen Teil ohne Fugen bestehen, kann nirgends Feuchtigkeit eindringen. Auch die Toilette darf dabei ruhig nass werden. Im gezeigten Fahrzeug ist eine Komposttoilette eingebaut. Alternativ gibt es eine Kassettentoilette von Thetford, die in Australien wegen der vielen Entsorgungsstationen verbreitet ist. Andere Systeme baut Camp Impuls auf Kundenwunsch ein.

Frischwasser lagert in einem Tank mit 200 Litern, mit einem Zusatztank sind es 280 Liter. Für Grauwasser gibt es 75 Liter. Zwei Pumpen fördern das Wasser und mit ihnen kann man im Outback auch Wasser aus einem See oder Fluss holen. Dabei läuft es durch ein Filtersystem und direkt zum Wasserhahn, ohne die Tanks zu verunreinigen. Zum Umstellen genügen wenige Handgriffe an den Schaltern.
Geheizt wird mit einer wassergeführten Dieselheizung, die auch das Warmwasser bereitet. Die Heizung erwärmt eine Flüssigkeit und pumpt sie durch Wärmetauscher, deren Gebläse die Wärme im Raum verteilen. So wird es im Wohnwagen schnell warm. Einer dieser Wärmetauscher sitzt im Bad. Kommt man nass von einer Wanderung zurück, hängt man die Kleidung dort auf und das Bad wird zum Trockenraum. An kühlen Tagen kann außerdem die Klimaanlage unter der Decke elektrisch heizen, weil sie auch als Wärmepumpe arbeitet.
Gegenüber der Küche ist eine lange Sitzbank mit orangefarbenen Polstern eingebaut. Für die Mahlzeiten steckt man einen Tisch ein, der sonst verstaut ist. Da der EXP-7 GT für das Leben draußen gedacht ist, isst man drinnen meist nur bei schlechtem Wetter. Abends wird die Sitzbank zur Liegefläche. Darüber lässt sich eine zweite Liegefläche aufklappen. Ein Netz sichert die obere Liege, so dass dort Kinder schlafen können.

Im Bug liegt das Doppelbett mit 1,53 mal 2,03 Metern. Man schläft mit dem Kopf zur Stirnwand und hat Fenster an drei Seiten. Zwei Ventilatoren an den Wänden sorgen in warmen Nächten für Luft.

Innen ist der EXP-7 GT weiß und glänzend. Wolfgang erklärt das mit der Nähe der Australier zum Meer. Viele von ihnen hätten mit Jachten zu tun und eine Luxusjacht sei dort der Maßstab für Luxus. Diesen Stil greift Bruder im Wohnwagen auf. Neben Weiß gibt es auch Grau. Bei den Fahrzeugen, die Camp Impuls schon ausgeliefert hat, hat Wolfgang beobachtet, dass Europäer eher zum Grau greifen.
Innerhalb der Baureihen EXP-4, EXP-7 und EXP-8 hat jedes Modell einen festen Grundriss. Wer etwas ganz anderes möchte, wählt die zweite Produktlinie mit dem Namen Bespoke. Dort gestaltet jeder Kunde sein Fahrzeug selbst. Camp Impuls verkauft alles, was es auch in Australien gibt, also auch die Bespoke-Fahrzeuge.
So wie er auf der Abenteuer & Allrad 2024 stand, kostet der Bruder EXP-7 GT 190.000 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Der größere EXP-8 liegt bei 230.000 Euro. Für die Bespoke-Fahrzeuge in Einzelanfertigung nennt Wolfgang 300.000 bis 400.000 Euro.
Viel ankreuzen muss man beim EXP-7 GT nicht mehr. Der Grund liegt in der Entwicklung der Marke. Was fast alle Kunden bestellen, macht Bruder irgendwann zur Serie. Bestellen 90 Prozent der Käufer zum Beispiel eine zweite Markise, ist sie bald serienmäßig an Bord. So wächst mit der Zeit die Serienausstattung und mit ihr der Preis.
Wer sich so einen Wohnwagen kauft, ist für Wolfgang kaum vorherzusagen. Unter seinen Kunden sind Menschen in hohen Positionen genauso wie Handwerker, die sich einen Traum erfüllen. Ob der EXP-7 GT nun ins Offroad- oder ins Luxussegment gehört, beantwortet Wolfgang ohne Zögern: beides.
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